Donnerstag, 31. Dezember 2009

Should auld acquaintance be forgot?

"Sollten alte Bekanntschaften vergessen sein?" Nein, natürlich nicht! Vielmehr ist das natürlich die erste Zeile des traditionellen Silvester-Liedes "Auld Lang Syne". Vergessen wird sicher niemand. Dies wird also definitiv mein allerletzter Blog-Eintrag für 2009 sein, versprochen! Ich bin einigermaßen stolz darauf, dass ich es bisher auf 34 Einträge gebracht habe und weiterhin regelmäßig elektronisches (und öffentliches) Tagebuch führe. Das lässt nicht nur euch viel einfacher an meinem Leben in Cleveland teilhaben, sondern hilft auch mir meine Erinnerungen niederzuschreiben und für die Zukunft zugänglich zu machen. Nun aber wie gewohnt eins nach dem anderen. Die Tage nach Weihnachten waren hier ganz wunderbar entspannend und schön mit der Familie und Freunden. Am zweiten Weihnachtsfeiertag haben mich Nancy und Bob mittags abgeholt um ein paar Erledigungen zu machen. Im Endeffekt saßen wir nur im Auto und sind durch die Gegend gegurkt, aber immerhin habe ich ein Hemd gefunden (runtergesetzt von 42 auf $8, das sind grade mal 6€...) und am Nachmittag sind wir ins Kino gegangen und haben Sherlock Holmes gesehen. Abends gab es dann eine riesige Menge an Essens-Kleinigkeiten, Sauerkraut mit Wurst, kleine Pizzen, Pommes, Knobi-Baguette, Garnelen und all so Zeug. Dazu bot mir Bob unglaublich guten Wein an, einen besseren (und teureren) hatte ich bis dato nicht getrunken. Aber es war ja immerhin Weihnachten, da kann man auch schon mal tiefer in die Tasche greifen. Mit Luke spielte ich dann bis in die späte Nacht hinein auf der Wii und war dementsprechend platt in der Kirche am nächsten Tag. Dass der Redner diesen Sonntag dann auch noch ein "brillianter Rethoriker" war und uns anbrüllte dass wir Gott gehorchen müssen machte den Morgen nicht unbedingt besser...
Nach der Kirche ging es dann mal wieder zu Nancy, wir aßen die Reste vom Vortag, spielten Wii und abends gab es hausgemachte Calzone. Irgendwann hatte man dann das Gefühl die Tage laufen ineinander über, so ähnlich waren sie sich, aber es war schön mit der Familie zusammenzusein und keine Arbeit zu tun zu haben. Sogar Opi war in einigermaßen guter Stimmung und hatte Spaß am Wii-Bowling und -Tennis. Außerdem brachten wir Luke Skat bei, was auf Englisch gar nicht so einfach ist, und spielten das dann auch ausgiebig.
Am 28. war es dann Zeit, etwas von dem vielen Essen der letzten Tage abzuarbeiten und die basketballfreie Zeit war vorbei. Statt Training gab es allerdings ein kleines Turnier 3 gegen 3, an dem jeder teilnehmen konnte. Ich stellte eine Mannschaft mit 3 meiner Schüler zusammen, mit der wir zwar 7 von 8 Spielen verloren, aber viel Spaß hatten. Der Zähler für die verbrannten Kalorien ratterte und alle waren bei bester Laune. Dumm nur, dass es abends mit dem Essen weiterging. Mit allen Markoviches und Omi war ich bei einer befreundeten Familie zum Fondue eingeladen. Die Familien treffen sich traditionell zu Weihnachten, bescheren sich und essen zu viel. So gab es ein traditionelles Käsefondue zur Vorspeise, dass ich Amerikanern gar nicht zugetraut hätte. Mit feinem Gruyere-Käse, Kirschwasser und allem drum und dran... Das hätte wohl eigentlich gereicht, dann kam aber Fleisch-Fondue als Hauptgang mit Rind, Huhn, Garnelen und Elch(!), nebst Gemüse und Kartoffeln. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen wurde als Nachtisch, ihr ahnt es schon, Schoko-Fondue aufgetischt. Ich will mich ja nicht beschweren, es war alles unglaublich lecker, aber ein bißchen weniger hätts dann schon sein können. Fondue ist wohl das schlimmste aller Gerichte, weil man ja so schlecht nachvollziehen kann was man schon gegessen hat und man immer noch mal ein kleines Stückchen dies und das nachlegt.
Am Liebsten würde ich den nun folgenden Tag ausblenden, immerhin wurde ich ein viertel Jahrhundert alt, aber es hilft ja alles nichts... Ungefähr eine Minute nachdem ich aufgestanden bin und meinen Laptop hochgefahren habe erreichte mich dann auch schon der erste Anruf und von da an war ich ununterbrochen mit Telefon, Mails und Nachrichten auf diversen sozialen Netzwerken beschäftigt. Das ging wirklich Stunde um Stunde und irgendwann fühlte ich mich wie mein eigener Sekretär, der ständig Nachrichten beantworten musste. Natürlich habe ich mich aber riesig gefreut über alle Nachrichten die ich empfangen durfte. So viele liebe Freunde aus der Heimat haben an mich gedacht, das war wirklich toll. Keine Angst aber, ich bin nicht den ganzen Tag vor dem Laptop versauert. Abends sind wir mit den üblichen Verdächtigen Essen gegangen und als Nachtisch hat mir Nancy eine Schwarzwälder Kirschtorte gebacken. Die von Oma ist natürlich besser, aber Nancys Version war deutsch und gut genug um mir den Abend zu versüßen. Ich hatte also keine große Party, aber das war dieses Jahr auch in Ordnung so. Nach den vielen Zusammenkünften zu Weihnachten war auch niemandem wirklich danach groß zu feiern.
Gestern lud mich Bob dann als weiteres Geburtstagsgeschenk noch zu Sushi ein. Wir bestellten wesentlich zu viel und mussten nach der Hälfte aufgeben, aber die 40-Minuten-Fahrt lohnte sich total, das Sushi war ganz ausgezeichnet. Danach fuhren wir noch durch die Flats und Tremont, zwei Stadtteile auf der Westseite der Innenstadt die ich bisher noch nicht kennengelernt hatte und die ein sehr nettes Flair haben. Die Flats waren alte Industriegebäude am Ufer des Cuyahoga Rivers, die in den letzten 20 Jahren aufpoliert wurden und jetzt Nacht- und Kulturleben beherbergen. Tremont ist dagegen ein fast schon europäisch wirkendes Eck mit kleinen Häusern, großen Bürgersteigen, Läden in ungewöhnlicher Laufnähe, guten Restaurants und vielen Grünflächen. Wenn ich in Cleveland wohnen würde, wäre es wohl am ehesten dort.
Heute neigt sich nun das vergangene Jahr zu Ende, 2009 ist vorbei, das erste Jahrzehnt im dritten Jahrtausend nach Christ Geburt "geschafft". Wir feiern, wie könnte es anders sein, im Familienkreis, der wir immer nicht unbedingt klein ist. Ich mache später Knoblauchbaguettes und Flammkuchen für unser Buffet, ansonsten bringt jede Familie etwas mit und wir lassen uns überraschen was letztendlich auf dem Tisch landet. Irgendwer wird auch sicher eine Wii dabei haben, für Alkohol habe ich auch gesorgt, sicher wird es aber keine Halligalli-Party wie manches mal in Deutschland. ;)
Das vergangene Jahr war für mich ein ganz wunderbares, zunächst die Konzertreisen nach London und New York mit der ECA, die tollen Erfahrungen mit den Musketieren, ein wunderschöner Sommer in Mainz und schließlich der erste Teil meines Abenteuers Amerika, mit 2 schönen Wochen in New Jersey, Ausflügen nach New York und Philadelphia, Musicalbesuchen, Konzerten mit dem Cleveland Orchestra, einer fantastischen Gastfamilie und vielen unvergesslichen Erfahrungen. Ich bin dankbar für dieses Jahr und allen die mich darin begleitet haben und es durch ihre Unterstützung möglich gemacht haben. Was ich mir und euch für 2010 wünsche schreibe ich in der nächsten Mail, bis dahin erst mal einen guten Rutsch und Happy New Years Eve!

Freitag, 25. Dezember 2009

So here it is, Merry Christmas!

Nix wars mit der weißen amerikanischen Weihnacht. Heute, am Christmas Day, ist hier mal gar nichts passiert. Dafür war Heiligabend gestern sehr schön. Da die Familie ja im Grunde Deutsch ist, wird Christmas Eve nämlich wesentlich größer gefeiert, und weiß war er auch noch!
Begonnen hat der Tag mit einem gemeinsamen Geburtstagsfrühstück bei Tante Nancy, wie immer mit der ganzen Großfamilie. Ich fuhr extra etwas früher rüber um beim Vorbereiten zu helfen und stand dann den halben Morgen hinterm Waffeleisen. Waffeln für 31 Personen wollen erst mal gemacht werden. Dort gab es dann auch schon die erste Bescherung, da Karens Schwiegereltern (und deren Mutter) abends nicht mehr mitfeiern würden. Für mich gab es ein tolles Geschenk von "Nana", der 98 Jahre alten Urgroßmutter der Doanes: Sie schenkte mir handgemachte Eiszapfen aus Perlen für den Weihnachtsbaum. Das ist eine absolute Familientradition, die ich nun mit nach Hause bringen darf. Als wir dann gegen Mittag wieder daheim waren, gingen schon die Vorbereitungen für das große Abendessen los. Chefkoch zum heiligen Abend ist traditionell Onkel Rick, dem ich gerne unter die Arme griff. Zwischendurch seilte ich mich aber immer wieder ab um nach Hause zu telefonieren, Mails zu schreiben und durchzuschnaufen. Abends gab es dann jedenfalls Steak und Hummerschwänze, das ganze auf dem Grill, der natürlich draußen aufgebaut war. Zum Grillmeister bei null Grad wurde ernannt: Ich, wobei ich mir nicht sicher bin ob das Strafe war oder Ausdruck des Vertrauens in meine Kochkünste... Nach dem feinen Abendessen saßen wir dann mit allen zusammen und hielten einen kleinen Hausgottesdienst ab in dem sich jeder äußern konnte über was er dieses Weihnachten besonders dankbar ist. Danach wurde dann beschert, ganz deutsch also schon an Heiligabend und nicht wie sonst in den Staaten üblich am Morgen danach. Ich bekam ein Shirt und Gewürze von Nancy und Familie, Chai-Tee (lecker) und eine passende Tasse von den Gerents (junior), Süßigkeiten (...) von Luke und Erika, einen Bildband und Geschenkgutscheine von Omi und Opi, sowie ein wünderschöne Holzwandtafel von den Doanes. Darauf ein Vers aus Psalm 28, übersetzt "und mein Herz ist fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Liede." Ein Bild davon sehr ihr hier links, weiter Bilder von Heiligabend gibt es außerdem an gewohnter Stelle hier. Einige Gläser Wein später war es dann auch schon wieder Zeit schlafen zu gehen und als ich heute morgen aufwachte, war der ganze Schnee weg, im Gegensatz leider zu meiner Nasennebenhöhlenentzündung die mich immer noch plagt. Heute haben alle drei Familien Weihnachten mit den jeweiligen anderen Eltern gefeiert, so dass hier nur Omi, Opi und Opis Bruder, Onkel Walter übrigblieben. Mit den beiden letztgenannten spielte ich mehrere Stunden Billard, sonst habe ich den Tag aber gaaaaaanz gemütlich sesselpupsend und filmschauend verbracht, und genau das ist auch mein Plan für den Rest des Abends. Jano hat mir dankenswerterweise geholfen doch noch das richtige Video mit O Holy Night hochzuladen, diesmal auch ohne Passwort und noch mal als letzter Weihnachtsgruß an euch alle in Deutschland (und New Jersey!).

O Holy Night from Daniel Schaefer on Vimeo

Mittwoch, 23. Dezember 2009

O Holy Night

Huch, da ist er schon, der heilige Abend! Eigentlich wollte ich ja zwischendurch noch mal schreiben und dann noch mal zu Weihnachten, aber die Tage vergingen jetzt Ruck Zuck und schon ist es zumindest in Deutschland der 24.12. Also gibt es meine Weihnachtsnachricht schon jetzt, immerhin werdet ihr in Deutschland sie ja auch erst am heiligen Abend oder an Weihnachten selbst lesen. Ich bin etwas erkältet und habe mich die letzten zwei Tage mal etwas zurückgelehnt und mir eine Auszeit gegönnt. Nach einem anstrengenden Wochenende war das aber auch mal nötig. Freitag war ja der letzte Schultag, ich habe eine gemeinsame Stunde mit allen meinen Deutschklassen verbracht, habe die Weihnachtsgeschichte auf Deutsch gelesen und wir haben deutsche Plätzchen gegessen, Musik gehört und Lieder gesungen. Später haben dann noch alle Klassen mit ihren Klassenlehrern Weihnachtsfeiern gehabt und ich war mal hier und mal da und habe mich noch von allen meinen Schülern verabschiedet bevor es dann endlich in die Ferien ging. Abends hätte ich eigentlich ein weiteres Weihnachtskonzert singen sollen, aber da meine Stimme da schon ziemlich angegriffen war und wir an dem Abend sehr gut besetzt waren habe ich mich abgemeldet. Statt Bettruhe gab es aber dann mal wieder eine CCS-Veranstaltung, die 11. Klassenstufe veranstaltete ein italienisches Dinner zum Jahresabschluss. Natürlich kümmerte sich wie immer Onkel Bob ums Essen und so stand ich den ganzen Abend in der Küche und half beim Verköstigen von geschätzten 350 Gästen.
Samstag ging es mir stimmlich wieder besser und ich war für 15 Uhr zu einem weiteren Konzert in der Severance Hall. Direkt im Anschluss trafen wir uns mit der Markovich-Familie und zwei weiteren befreundeten Familien in der Innenstadt zum Abendessen. Das war Teil meines Weihnachtsgeschenk von der Familie, das eigentliche Geschenk war dann aber eine Karte für das Trans-Siberian Orchestra, eine Rock-Klassik-Crossover-Band die in den 90ern aus einer meiner liebsten Metal-Bands hervorgegangen ist. Das TSO tourt jedes Jahr zu Weihnachten durch die Staaten (hat sogar eine separate Tour an West- und Ostküste) und schaffte es innerhalb von 2 Tagen 4 Konzerte alleine in Cleveland auszuverkaufen, bei 15.000 Karten pro Show... Die Show war unglaublich genial, 20 Musiker auf der Bühne, Pyros, Laser, Lichtshow, tolle Sänger und Musik, außerdem saßen wir ziemlich nahe an der Bühne so dass wir eine tolle Sicht hatten. Hier habe ich einen Link von einem der TSO-Stücke 2003, also ein wenig älter, ist aber im Endeffekt die gleiche Show: Christmas Eve (Srajevo 12-24) Ein klein bißchen Zähne zusammenbeißen ist schon gefragt, wenn Klassiker wie O Fortuna oder Verdis Dies Irae von TSO verwurstet werden, leider wird da etwas viel Effekthascherei betrieben, aber alles in allem
war es ein geniales Erlebnis!
Am Sonntag stand dann endlich mein letzter musikalischer Beitrag für dieses Jahr auf dem Programm, diesmal in Form eines Liedes im Weihnachtsprogramm unserer Kirchengemeinde. Das "Konzert" gibt es statt eines Weihnachtsgottesdienstes (und das dann auch noch am 4.Advent, nicht an Weihnachten selbst), und leider kann jeder der will etwas beitragen. So musste ich mich durch quäkende Kinder und Geigensolos quälen bis der Abend dann endlich vorbei war. Von meinem Auftritt gibt es ein ziemlich gutes Video, das ich aber wegen der Größe der Datei nicht hochladen konnte. Als Ersatz gibt es das gleiche Lied in einer (leider ziemlich schlechten) Aufnahme vom CCS-Weihnachtskonzert am Donnerstag. Also bitte nicht über Ton und Bild ärgern, aber das mit der Technik hab ich noch nicht so raus. Ich liebe jedenfalls das Stück an sich. Bei uns ist "O Holy Night" weder allzu bekannt noch besonders beliebt, aber nachdem ich mich eingehender damit beschäftigt habe muss ich sagen, dass es eines der schönsten Weihnachtslieder ist das ich kenne.

O Holy Night from Daniel Schaefer on Vimeo. (Passwort: daniel)

Nach dem Konzert haben wir uns dann noch entschieden ins Kino zu gehen und den neuen Animationsfilm Avatar zu sehen. Dummerweise fing der erst um kurz vor 23 Uhr an, lief fast 3 Stunden, und so war ich am nächsten Morgen im Basketballtraining (trainiert wird auch durch die Ferien!) ziemlich platt. Obwohl es meiner Erkältung sicher nicht zuträglich war hat es sich dennoch gelohnt, der Film war genial, vor allem in 3D. Die Story war etwas oberflächlich, aber die Grafik und die Umsetzung waren einfach toll.

Am Montag gab es dann Teil 1 der Weihnachtsfeierlichkeiten. Immer in der Adventszeit bittet Karen die gesamte Großfamilie zum chinesischen Essen, normalerweise eher um Nikolaus, aber diesmal klappte es erst zu Beginn der Ferien. Mit allen 31 (Großeltern, alle 3 Familien, Schwiegereltern, Großtanten, Austauschstudenten) Familienmitglieder wurde also mal wieder gespeist und ich trug mit einem koreanischen Bulgogi (lecker!!!) zum Buffet bei. Insgesamt 6 Geburtstage gibt es in der Familie (neben Jesus, haha) im Dezember zu feiern. Emily (14) und Christa (17) waren schon Mitte des Monats so weit, heute hat Brenda, Karens Schwiegermutter Geburtstag, morgen Omi, übermorgen Scott (Karens Mann) und nächste Woche ich. Morgen feiern wir also nicht nur Weihnachten mit einem großen Familienabendessen bei uns, sondern außerdem auch noch die 3 zusammenliegenden Geburtstage mit einem großen Familienbrunch bei Nancy... Langweilig wird mir hier also über die Feiertage ganz sicher nicht. Heute Abend habe ich mich außerdem endlich mal aufgemacht um Bilder von den vielen Weihnachtslichtern zu knipsen. Bevor ich also meine Weihnachtsgrüße loswerde, hier eine kleine Auswahl:

Das Haus der Markoviches, fast eine Spur zu viel, vor allem der aufblasbare Weihnachtsmann, aber eigentlich noch recht erträglich.

Die Nachbarn sparen sich die Lichterketten und beleuchten einfach das ganze Haus in rot.

Manche packen einfach die Tür ein...

...andere haben eine Landebahn für Snoopy und den Weihnachtsmann im Vorgarten.

Hier aber mein Favorit, eher undezent...

Ich habe schon einiges an Weihnachtsmails rausgehauen, tatsächliche Karten habe ich nicht geschrieben. Ansonsten wünsche ich euch allen aber von hier aus ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, wie auch immer ihr es verbringen mögt. Die Wünsche fürs neue Jahr hebe ich mir mal noch auf, aber ich hoffe einfach dass ihr die schönste Zeit des Jahres genauso genießen könnt wie ich hier. Natürlich wäre ich jetzt auch gerne daheim bei meinen Lieben, aber meine Gastfamilie macht es mir wirklich so einfach hier zu sein. Heute habe ich auch endlich die letzten Weihnachtsgeschenke gekauft, für jede Familie gibt es entweder ein Brett- oder ein Videospiel, für Omi und Opi habe ich Weihnachtsbaumschmuck und eine CD. Was Santa Claus mir gebracht hat, werde ich dann beim nächsten mal berichten. Und bis dahin: Merry Christmas!

Donnerstag, 17. Dezember 2009

On the 8th day of Christmas my true love gave to me...

...8 Weihnachtskonzerte, viel zu viel zu tun und noch keine Weihnachtsgeschenke...
Wow, da ist es mir doch tatsächlich gelungen das Blog-Schreiben fast zwei Wochen vor mir herzuschieben, sorry dafür. Sicherlich brennt ihr alle darauf zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht, haha! Neue Fotos gibt es nicht so wirklich, also nicht unbedingt von mir, aber mit meinen Deutsch III-Kids habe ich eine Foto-Story erstellt. Aufgabe war, die Bildunterschriften auf Deutsch zu schreiben. Alle Bilder gibt es hier zu sehen und auch das Bild hier zur Linken stammt aus dieser Bilderserie. ;)
Die zweite Adventswoche war vollgestopft mit Aktivitäten, am Sonntag wie angekündigt das erste Weihnachtskonzert, und dann eine ganz eklige Schulwoche in der fast nichts passiert ist im Unterricht. Habe wohl ein wenig den Fokus verloren und habe mich schon wie die Schüler im gedanklichen Ferien-Modus wiedergefunden. Ein Laptop mit Internetzugang auf dem Schreibtisch vor mir ist dann auch nicht besonders hilfreich... An den Nachmittagen und dem Wochenende habe ich mich in meiner freien Zeit als Plätzchenbäcker versucht und versucht, Omas (beiden) Rezepten gerecht zu werden. Husarenkrapfen und Vanillekipferl waren ein voller Erfolg, Zimtsterne eher weniger, nun sind es eher Zimtklumpen mit braunem Eiweiß, die aber immer noch ziemlich gut schmecken. Auf die Zutaten kommt es an, nicht wahr?
Am Donnerstag habe ich CDs bei einem Konzert unseres Kammerchores verkauft, dafür durfte ich dann Händels Messias kostenlos im Publikum sehen. Die Aufführung war ziemlich gut und statt von einer Altistin wurde die Partie von einem Countertenor gesungen was das Erlebnis noch mal besonderer machte. Dass das Orchester grandios war brauche ich kaum zu erwähnen.
Das Wochenende stand dann ganz im Zeichen der Weihnachtskonzerte, 3 an der Zahl habe ich hinter mich gebracht. Leider ist das Programm etwas seicht und meiner Meinung nach sind Stücke wie "Winter Wonderland" und "White Christmas" wirklich verzichtbar wenn man ein Orchester hat das wunderbar auch anspruchsvolleres Material spielen könnte. Naja, ich will ja nicht meckern, das zahlende Publikum will ja unterhalten werden und so begnüge ich mich mit den wenigen für mich schönen Stücken die das Programm für mich zu bieten hat. Inzwischen hat der Reiz in Severance Hall zu singen leider etwas an Reiz verloren und die Konzerte sind mehr Pflicht als Kür, aber das gehört nun wohl dazu... A propos Singen: Inzwischen habe ich drei Videos von unseren Star Wars-Konzerten aufgetrieben. Hier gibt es ein Video in dem uns C3PO in der Garderobe besucht um uns auf den Abend einzustimmen. Außerdem gibt es hier das Duel of the Fates mit einer Einführung von C3PO. Ich sitze ziemlich in der Mitte, aber das Video ist etwas zu unscharf um mich wirklich gut zu erkennen. Haltet aber bei Minute 3:55 nach mir Ausschau. Zuletzt das Battle of the Heroes mit netten Spezialeffekten.


Damit dann aber auch genug für dieses Jahr mit Star Wars. Leider habe ich noch nichts von meiner Gage gesehen, was mich etwas klamm macht, aber zum Glück geht nicht nur das Wetter unter null sondern auch meine Kreditkarte... :D
Am Sonntag gönnte ich mir eine Musicalvorstellung. Cleveland ist regelmäßig Gastspielort der bundesweiten Broadway-Touren und Sonntag war meine letzte Chance Wicked zu sehen. Direkt nach meinem Weihnachtskonzert habe ich mich also in Schale geschmissen (also den Smoking gegen ein schwarzes Hemd mit grüner Krawatte getauscht) und mich in den unbequemsten Sitz in der Theatergeschichte gezwängt (keine Beinfreiheit, wobei die scharfe Kante des Sitzes vor mir mir ständig in die Knie drückte). Die Show war unglaublich gut, die Nebenrollen etwas schwach besetzt, aber die beiden Hauptrollen haben einen wirklich weggehauen. So viele Musicals habe ich nun ja noch nicht gesehen, aber das war definitiv die Lustigste! Wer das Musical nicht kennt sollte sich definitiv das schönste und populärste Stück aus der Show anhören /-sehen, und zwar hier!
Nachdem dann die ersten Weihnachtskonzerte hinter uns waren wurde es etwas ruhiger Anfang dieser Woche ohne Proben. Den Montag und Dienstag habe ich dann genutzt um wieder ins Basketballtraining einzusteigen, am Dienstag durfte ich sogar das Team choachen weil Nancy nicht da war. Abends haben dann außerdem die Jungs ein Spiel gehabt und ich habe das erste mal als "official scorer" auf der Bank gesessen, also der, der die Punkte und Fouls vermerkt und die offiziellen Punktebücher führt. Wieder eine neue Aufgabe die mich über den Winter beschäftigen wird!
Am Mittwoch hatten wir ein nettes Abendessen mit unserer Bibelgruppe, das wirklich schön war. Hatten eine gute Zeit zusammen und ich habe genossen, dass der Abend recht schnell vorüber ging. Dafür war die Schule umso schlimmer, für 3 Stunden haben wir mit der ganzen High School für unser CCS-Weihnachtskonzert heute Abend geprobt. Leider ist der Chor richtig mies und keiner hat Bock, das macht sich dann auch bei mir bemerkbar. Nach weiteren 4 ätzenden Stunden Probe heute morgen wurde es dann etwas besser, aber ich bin echt froh wenn das Konzert heute Abend vorbei ist. Dann ist es außerdem nur noch ein Tag (an dem außer Weihnachtsfeierei sowieso nicht mehr viel passiert) bis zu den Ferien, drei Konzerte am Wochenende und ich habe alles hinter mir. Nach den Ferien wird mein Programm ein reiner Spaziergang sein im Vergleich dazu! Am Samstag bin ich außerdem noch eingeladen, das Trans-Siberian Orchestra zu sehen. Das wird wohl ein ziemlich großes Spektakel, die Musik von TSO höre ich jedes Weihnachten und freue mich nun darauf sie auch live zu hören.
Diese Woche kamen auch die ersten Weihnachtspäckchen aus Deutschland an, vielen lieben Dank an alle, die an mich in dieser Form an mich gedacht haben und an mich denken. Ich wünschte ich könnte euch allen etwas von hier schicken, aber das Porto ist nicht ohne und so bleibt es aus Cleveland wohl bei E-Mails und telefonischen Grüßen. Im Moment bin ich froh, dass ich vielbeschäftigt bin, sonst wäre das Heimweh wohl noch schlimmer. Gerade diese Woche vermisse ich Familie und Freunde besonders. Außerdem habe ich meinen Rückflug gebucht. Ein bißchen blöd war ich dabei schon. Ich fliege zu spät um Rent zu sehen, aber zu früh um noch den Independance Day hier zu begehen. Immerhin wisst ihr jetzt, dass ich am 2. Juli in Frankfurt lande. Sechs Monate und 15 Tage also noch, der Countdown läuft...

Samstag, 5. Dezember 2009

Arise, shine, for your light has come

Advent, Advent, morgen brennen schon 2 Kerzen auf meinem (künstlichen) Adventskranz. Einen Weihnachtskalender habe ich nicht, sonst würde ich jetzt berichten was heute drin war, und der Nikolaus wird morgen auch nicht kommen, aber auch ohne diese deutschen Bräuche fühlt es sich inzwischen schon sehr weihnachtlich an hier bei mir in Cleveland.
Zuletzt hatte ich ja von Thanksgiving berichtet und allen, die sich um mein Gewicht sorgen sei gesagt dass ich über die Feiertage nur ein Pfund zugenommen habe, yay! Und das, obwohl es Samstag noch ein mal ein großes Festessen gab. Wie ich ja berichtet hatte war eine der drei Familien über Thanksgiving in New York City um sich dort die große Parade anzusehen. Am Samstag waren sie dann zum Restessen bei uns eingeladen, aber im Endeffekt haben wir fast alles noch mal neu gekocht, statt einem ganzen Truthahn wurde diesmal aber nur eine riesige Truthahn-Brust in den Ofen geschoben. Zum Nachtisch kamen dann auch noch Cousins und Cousinen vorbei, so dass das Haus wieder gut gefüllt war. Mir war es dann aber auch mal zu viel und ich hab mich in den Keller verdrückt und mich etwas zurückgezogen. Manchmal hab ich eben doch auch noch Heimweh...
Sonntag ging es dann zu unserem ersten Star Wars-Konzert nach Pittsburgh, Pennsylvania. Leider hatten wir keinerlei freie Zeit um die Stadt, die sehr schön sein muss, anzusehen und mussten in der Halle bleiben. Normalerweise tragen dort die Pittsburgh Penguins ihre Heimspiele in der NHL aus und die Halle ist wohl mit der SAP-Arena zu vergleichen. Ganz ausverkauft war das Konzert schließlich nicht, aber an die 9000 Zuschauer dürften da gewesen sein, definitiv das größte Publikum für das ich je gesungen habe, das verursachte dann schon Gänsehaut! Nach dem Titelthema waren wir schon an der Reihe und sangen das "Duel of the Fates", das viele von euch ja schon vom CollMus-Konzert im Sommer kennen. Das Ganze dann mit einem überdimensionierten hochauflösenden LED-Bildschirm im Hintergrund auf dem Filmszenen gezeigt wurden. Der Dirigent war entgegen anfänglicher Skepsis ganz ausgezeichnet und so machte das Singen dann wirklich viel Spaß. Die sonstige Musik war mal nervig (das C3PO-Thema, boah...) und mal wunderschön, das Publikum begeistert. Gegen Ende der ersten Hälfte waren wir dann noch einmal mit dem "Battle of the Heroes" dran. Zwar ist dort nur "ah" zu singen, aber rhytmisch hatte das Stück es in sich. Als dann gegen Ende noch Pyrotechnik im großen Stil aufgefahren wurde waren wir alle etwas überrascht (nein, man hatte uns nicht vorgewarnt. Warum auch? Wir waren ja nur grade am Singen...). Als dann das Publikum nach einer 20-minütigen Pause in den Genuss der zweiten Hälfte kam, saßen wir schon wieder im Bus zurück nach Hause. Das Folgende Video zeigt das Stück auf der Tour in Philadelphia, ich warte leider noch auf ein Video von uns. Der Anfang zeigt nur den großen Bildschirm und die mitlaufenden Filmsequenzen, dann wird aber herausgezoomt und ihr könnt die ganze Bühne (mit Pyros) sehen.

Das Ganze wiederholten wir dann am Mittwoch in Columbus. Dort hatten wir dann die Gelegenheit den Original-C3PO, Anthony Daniels in unserer Garderobe zu treffen. Er kam in unseren Raum um uns zu Pittsburgh zu gratulieren (nach Ausaggen des Dirigenten waren wir beste Chor der Tour) und ein wenig Small Talk zu betreiben. Ein ganz schön abgehobener Typ, der sich meiner Meinung nach ein bißchen viel auf seine Rolle einbildet und es ganz schön raushängen lässt... Zum Abendessen wurde für den ganzen Chor Pizza bestellt, aber das gab es auch schon in Pittsburgh und ich hatte am Tag zuvor Pizza gegessen als wir den Abend bei einem Basketballspiel verbracht haben. Da kann man sich dann vorstellen wie groß die Begeisterung war, zumal amerikanische Pizza wirklich widerlich sein kann. Mit Schule und Konzert (und der Fahrt hin und zurück) war der Mittwoch wirklich hart und Donnerstag ging es dann ohne Unterbrechung weiter. Nach der Schule fuhr ich direkt nach Downtown Cleveland wo Teil drei unserer Konzert-Trilogie stattfinden würde. Die Halle dort, wo normalerweise die Cleveland Cavaliers ihre NBA-Heimspiele austragen war nicht nur die modernste, sondern auch die schönste. Eine Kamera hatte ich nicht im Gepäck, deswegen sind alle Bilder in diesem Blog Leihgaben von anderen Choristen oder im Internet gefundene Bilder (die dann allerdings von unserer Show in Pittsburgh). Da wir in Cleveland nicht so unter Zeitdruck mit der Heimfahrt standen bekamen wir als Schmankerl Karten für die zweite Hälfte geschenkt und konnten dann nach unserer ersten Hälfte den zweiten Teil der Show aus dem Publikum genießen. Leider war die Musik in der ersten Hälfte wesentlich besser, aber der tolle Bildschirm und eine Lasershow entschädigten dafür total. Am Ende gab es stehende Ovationen für alle und einen sehr bewegenden Moment, denn der Dirk Brossé, der belgische Dirigent, hatte seine letzte Show auf der Tour. Ein ganz grandioser Abend (außerdem gab es keine Pizza, sondern Hühnchen von KFC). Witzig war es, als wir mit unseren Backstage-Pässen ins Foyer marschiert sind um unsere Plätze zu suchen. Autogramme musste ich zwar nicht geben, aber die Leute haben schon geguckt. Außerdem habe ich einen ganz lieben Bariton kennengelernt in meinem Alter, mit dem ich in den langen Pausen die Zeit totgeschlagen habe. Insgesamt mit den drei Konzerten eine wirklich anstrengende Woche, die aber total viel Spaß gemacht hat und eine wirklich einmalige Erfahrung war (außerdem wurde ich bezahlt, das hilft auch immer...). Hier ein letztes Bild aus Pittburgh das ich online gefunden habe und das auch mich zeigen dürfte, leider in zu klein um was erkennen zu können...Gestern war dann nach der ganzen Star Wars-Aufregung endlich mal ein freier Abend, den ich aufräumend und E-Mail-schreibend verbracht habe. Es tat gut, die Füße einfach mal wieder hochlegen zu können. So geht es heute auch weiter, ich nehme mir jetzt mal ne Auszeit. Zu tun habe ich auch so genug in Vorbereitung auf die kommende Woche, aber es gut keine Termine und Verpflichtungen zu haben. Mit den Schülern lasse ich es momentan etwas ruhiger angehen. In den letzten zwei Wochen vor den Ferien mache ich eher Projekte, wir werden wichteln, backen und deutsche Weihnachtslieder singen. Momentan zünden wir jede Stunde den Adventskranz an und singen dabei "Wir sagen euch an den lieben Advent", ein bißchen deutsche Vorweihnachtszeit muss dann auch sein. Nichts gegen die amerikanische, aber das Weihnachtsmarktfeeling fehlt hier schon total. Hier sind es eher die geschmückten Häuser die Stimmung verbreiten. Dummerweise verursachen gefühlte 75% der Weihnachtsbeleuchtungen Augenkrebs. Ich hoffe ich finde noch die Zeit für einen Abendspaziergang mit meiner Kamera um euch an den Geschmacksverirrungen teilhaben zu lassen. Aber was beschwer ich mich eigentlich? Eigentlich ist es ja schön, die Straßenzüge beleuchtet zu haben. Netterweise wurde ich aus der Heimat mit ein paar Weihnachtsrezepten versorgt, so dass ich wohl heute mit ein paar Plätzchen anfangen werde. Habe Lust zu backen (und Teig zu naschen!).
Morgen habe ich das erste von (zum Glück nur) 6 Weihnachtskonzerten mit dem Cleveland Orchestra. Wir proben von 12:30 bis 16:30 und haben das Konzert um 19 Uhr. Das wird ein langer Tag... Für Dienstag bestelle ich nachher noch Karten für das Musical Wicked, das grade hier in Cleveland Station macht und am Mittwoch besuchen wir mit der ganzen High School Dickens' "A Christmas Carol", das wohl traditionellste aller Weihnachtsstücke. Am Donnerstag verkaufe ich dann CDs auf einem der Messias-Konzerte unseres Kammerchores, bei dem ich dann auch zuschauen kann. Freitag, Samstag und Sonntag sind dann drei weitere Weihnachtskonzerte. Werde also täglich in Downtown Cleveland sein und diverse Konzerte besuchen oder singen. Klingt leider ein wenig stressig, aber wird sicher auch schön. Am Dienstag werde ich außerdem auch wieder den Schulgottesdienst leiten, diesmal Musik und Predigt. Habe noch nicht angefangen, das ist jetzt nach dem Blog die zweite große Aufgabe für heute, aber weiß schon grötenteils was ich sagen werde. Es wird um Licht gehen, ich werde Kerzen benutzen und passende Lieder im Gepäck haben, wird sicher schön.
Euch allen eine schöne Adventszeit und wir hören uns alle bald wieder, ich freu mich wie immer über Nachrichten, Anrufe und Pakete, haha!