Fangen wir also von vorne an. Am vergangenen Freitag predigte ich ja im Schulgottesdienst. Bis auf die Tatsache, dass ich mit 25 Minuten gerechnet hatte, dann nur 15 zur Verfügung hatte und nicht ganz durchgekommen bin, war ich wirklich zufrieden. Beim nächsten Mal versuche ich es dann noch etwas freier, aber ich habe von allen Seiten sehr ermutigendes Feedback bekommen. War ich also mit meinem früheren Berufswunsch Pfarrer nicht ganz so falsch. Für Samstag morgen habe ich mich dann warum auch immer zu einem Basketballtraining um 8 Uhr bequatschen lassen, was wieder Spaß gemacht hat, aber einfach für SA wesentlich zu früh war.
Die Schulwoche ging unheimlich schnell rum, waren ja auch nur zwei Tage mit Montag und Dienstag vor unseren Thanksgiving-Ferien. Mittwoch wurde dann schon fleißig vorbereitet für das große Fest und da zu Thanksgiving die meisten Studenten vom College nach Hause kommen, gab es ein Freundschaftsspiel der Basketball-Mädels mit denen ich ja ein paar mal trainiert habe gegen Ehemalige. Da nicht genug Ehemalige am Mittwoch morgen (schon wieder zu früh) konnten, habe ich dann ausgeholfen und mitgespielt. Nun aber zum spannenden Teil des Berichts: Thanksgiving am Donnerstag!
Thanksgiving wird immer am letzten Donnerstag im November gefeiert und hat einen ebenso hohen Stellenwert wie Weihnachten. Und um ehrlich zu sein: Keine Geschenke kaufen zu müssen und trotzdem schön mit der Familie feiern (und schlemmen) zu können war wirklich sehr angenehm. Die Ursprünge des Festes sind nicht so wirklich klar aufgedeckt, jedenfalls begibt man sich in die Tradition der Pilgerväter aus Amerikas Kolonialzeit und widmet einen Tag dem Dank an Gott und seine Mitmenschen. Für mich begann der Feiertag schon um 6 Uhr morgens, denn wie immer gab es in einer der Gastfamilien etwas zu tun. Onkel Bob veranstaltet jedes Jahr ein großes Thanksgiving-Frühstück für die Gemeinde und da er letzte Woche an der Schulter operiert wurde, mussten die ältesten Cousins und ich einspringen und ab 6:30 Uhr Eier rühren, Brötchen backen (leider keine leckeren nach deutscher Art), Frühstücksburritos vorbereiten, und so weiter... Amerikaner sind beim Frühstück auch echt schmerzlos, das seltsamste Gericht ist dabei wohl "Sausage Gravy", angebratenes Hack aus dem dann eine möglichst fette Mehlschwitze hergestellt wird. Das wird dann großflächig über allem verteilt und schmeckt zwar ganz gut (vor allem weil ich die Ehre hatte den Kochlöffel zu schwingen, haha!) verursacht aber am frühen morgen schon reichlich Sodbrennen und Übelkeit.
Heute ist jetzt der sogenannte Black Friday, der größte Shoppingtag in den Staaten. Letztes Jahr wurde ein Mann beim Ausverkauf zu Tode getrampelt und die Geschäfte öffnen teilweise schon um 5 Uhr morgens um den Besucherströmen gerecht zu werden. Ich werde mich gleich nach dem Abschicken dieses Blogs auch ins Getümmel stürzen und mal schauen ob ich ein paar Sachen finde, wenn die Wühltische nicht schon abgegrast sind. Heute Abend dann mehr Basketball, die Mädels haben ein Turnier im etwas südöstlich gelegenen Akron, bei dem ich als Co-Trainer auf der Bank sitzen kann. Sonntag geht es dann für das erste meiner drei Star Wars-Konzerte nach Pittsburgh, Pennsylvania, das dann die etwas stressige Konzertzeit einläutet. Freue mich aber drauf, die Proben machen Spaß und geben meinem Alltag Struktur.
Für meine Familie in Deutschland, die mir den Rücken freihält, diesen Aufenthalt möglich gemacht hat und mich immer in meinen Entscheidungen unterstützt hat.
Für meine (Gast)-Familie in den Vereinigten Staaten, die mich wie einer von ihnen aufgenommen hat und mich in einer der prägendsten Erfahrungen meines Lebens begleiten.
Für meine alten und neuen Freunde in der Heimat, die mich mit Nachrichten auf dem Laufenden halten, mit Interesse meine Berichte verfolgen, mein Heimweh mit Telefonaten lindern und mir die Sicherheit geben auch noch viele tolle Freunde zu haben wenn ich nächstes Jahr wieder komme.
Für die Gnade Gottes, der seinen Sohn für uns am Kreuz opferte um uns das ewige Leben zu geben und dessen Liebe größer und höher ist als jeder Verstand.


