Freitag, 27. November 2009

Happy Thanksgiving, eat that turkey!

Nun ist sie also offiziell da, die "Holiday Season", mit dem gestrigen Thanksgiving hat in den Staaten offiziell die Adventszeit begonnen (der erste Advent ist ja bei uns auch schon übermorgen). Ich wollte ja eigentlich noch vor gestern gebloggt haben, aber die Festtagsvorbereitungen waren etwas stressig, also gibt es jetzt den Rundumschlag seit letzter Woche. Ich bin ja einigermaßen stolz darauf, dass ich es bislang immer noch jede Woche geschafft habe, hier eine Nachricht abzusetzen. Die vielen positiven Rückmeldungen und E-Mails ermutigen mich auch weiterhin euch an meinem amerikanischen Alltag teilhaben zu lassen.
Fangen wir also von vorne an. Am vergangenen Freitag predigte ich ja im Schulgottesdienst. Bis auf die Tatsache, dass ich mit 25 Minuten gerechnet hatte, dann nur 15 zur Verfügung hatte und nicht ganz durchgekommen bin, war ich wirklich zufrieden. Beim nächsten Mal versuche ich es dann noch etwas freier, aber ich habe von allen Seiten sehr ermutigendes Feedback bekommen. War ich also mit meinem früheren Berufswunsch Pfarrer nicht ganz so falsch. Für Samstag morgen habe ich mich dann warum auch immer zu einem Basketballtraining um 8 Uhr bequatschen lassen, was wieder Spaß gemacht hat, aber einfach für SA wesentlich zu früh war. Damit aber dann nicht genug, danach habe ich bei Doanes auf dem Grundstück gearbeitet, die Scheune für die bald kommenden Pferde hergerichtet und gekocht. Immerhin habe ich es dann aber abends geschafft was zu unternehmen (und mal wieder ein paar Fotos zu schießen, die wie immer hier zu sehen sind) und bin mit Lyndy zur Beleuchtung des Weihnachtsbaums im benachbarten Westlake gefahren. Irgendwie war das dann aber doch noch eine Wooche zu früh im Jahr, es war zu warm für Weihnachtsstimmung, die Weihnachtslieder wirkten etwas deplaziert, aber wir hatten einen spaßigen Abend. Als dann Santa Claus mit 20 Marines im Hummer (nein, nicht das Schalentier) zur Bühne gefahren wurde, war dann auch dem Letzten bewusst, dass wir hier in den Staaten sind.
Die Schulwoche ging unheimlich schnell rum, waren ja auch nur zwei Tage mit Montag und Dienstag vor unseren Thanksgiving-Ferien. Mittwoch wurde dann schon fleißig vorbereitet für das große Fest und da zu Thanksgiving die meisten Studenten vom College nach Hause kommen, gab es ein Freundschaftsspiel der Basketball-Mädels mit denen ich ja ein paar mal trainiert habe gegen Ehemalige. Da nicht genug Ehemalige am Mittwoch morgen (schon wieder zu früh) konnten, habe ich dann ausgeholfen und mitgespielt. Nun aber zum spannenden Teil des Berichts: Thanksgiving am Donnerstag!
Thanksgiving wird immer am letzten Donnerstag im November gefeiert und hat einen ebenso hohen Stellenwert wie Weihnachten. Und um ehrlich zu sein: Keine Geschenke kaufen zu müssen und trotzdem schön mit der Familie feiern (und schlemmen) zu können war wirklich sehr angenehm. Die Ursprünge des Festes sind nicht so wirklich klar aufgedeckt, jedenfalls begibt man sich in die Tradition der Pilgerväter aus Amerikas Kolonialzeit und widmet einen Tag dem Dank an Gott und seine Mitmenschen. Für mich begann der Feiertag schon um 6 Uhr morgens, denn wie immer gab es in einer der Gastfamilien etwas zu tun. Onkel Bob veranstaltet jedes Jahr ein großes Thanksgiving-Frühstück für die Gemeinde und da er letzte Woche an der Schulter operiert wurde, mussten die ältesten Cousins und ich einspringen und ab 6:30 Uhr Eier rühren, Brötchen backen (leider keine leckeren nach deutscher Art), Frühstücksburritos vorbereiten, und so weiter... Amerikaner sind beim Frühstück auch echt schmerzlos, das seltsamste Gericht ist dabei wohl "Sausage Gravy", angebratenes Hack aus dem dann eine möglichst fette Mehlschwitze hergestellt wird. Das wird dann großflächig über allem verteilt und schmeckt zwar ganz gut (vor allem weil ich die Ehre hatte den Kochlöffel zu schwingen, haha!) verursacht aber am frühen morgen schon reichlich Sodbrennen und Übelkeit.
Nachdem dann gespült und aufgeräumt war ging es zu Hause gleich mit den Vorbereitungen für abends weiter. Ich wollte etwas Spezielles zum großen Dinner beitragen und hatte deshalb Pfälzer Esskastanien (Pälzer Keschdegemies) angekündigt. Leider hatte Silvia ganz recht als sie mich am Telefon für verrückt erklärt hatte, 2 kilo Esskastanien zu pulen. Wir haben dann auch zu dritt fast eine ganze Stunde gebraucht all die Maronen fertig zu bekommen und dann waren sie zwar gekocht aber ja immer noch nicht richtig zubereitet. Letztlich hat aber alles gut geklappt und auch wunderbar geschmeckt. Zu Thanksgiving gibt es hier ja traditionell einen großen Truthahn, der die Ausmaße deutscher Öfen wohl im Regelfall sprengen würde. Unserer hatte 25 Pfund, musste aber auch 31 Mäuler stopfen. Wir waren also eine ziemlich große Gruppe bei Omi und Opi, dabei waren nur 2 der 3 Familien da weil Onkel Rick mit seiner Familie Urlaub in New York City machte. Zu den 2 großen Familien kamen dann aber noch Großonkel und -tanten, und reichlich Freunde und Freundinnen, aber das war bei der Menge an Essen die es gab dann auch nicht mehr wichtig. Nebst dem allgegenwärtigen Truthahn gab es Cranberry- und Bratensause, Kartoffelpüree, Rotkohl, Süßkartoffeln, Esskastanien, Kürbispüree, Bohnengemüse und Truthahnfüllung (die aber als Beilage gegessen wird). Auch die Nachtischecke bog sich unter 7 Kuchen, Eis und Leckereien. Dazu gab es Rotwein, eigentlich in Maßen, aber ich hatte schon beim Kochen begonnen und nach dem fünften oder sechsten Glas war die Stimmung dann auch entsprechend... Nach dem Essen saß man dann in lockeren Gruppen zusammen, schaute Weihnachtsfilme oder machte ein Nickerchen (auch das ist Tradition habe ich mir sagen lassen). Insgesamt ein wunderbarer Abend mit Familie und Freunden der von Weihnachten schwer zu toppen sein wird. Auch davon gibt es Bilder hier. Auf jeden Fall kann ich für nächstes Jahr schon mal ein deutsch-amerikanisches Thanksgiving in Mainz ankündigen. ;)
Heute ist jetzt der sogenannte Black Friday, der größte Shoppingtag in den Staaten. Letztes Jahr wurde ein Mann beim Ausverkauf zu Tode getrampelt und die Geschäfte öffnen teilweise schon um 5 Uhr morgens um den Besucherströmen gerecht zu werden. Ich werde mich gleich nach dem Abschicken dieses Blogs auch ins Getümmel stürzen und mal schauen ob ich ein paar Sachen finde, wenn die Wühltische nicht schon abgegrast sind. Heute Abend dann mehr Basketball, die Mädels haben ein Turnier im etwas südöstlich gelegenen Akron, bei dem ich als Co-Trainer auf der Bank sitzen kann. Sonntag geht es dann für das erste meiner drei Star Wars-Konzerte nach Pittsburgh, Pennsylvania, das dann die etwas stressige Konzertzeit einläutet. Freue mich aber drauf, die Proben machen Spaß und geben meinem Alltag Struktur.
Einen letzten Thanksgiving-Brauch habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben, dass man nämlich ausdrückt wofür man dankbar ist:
Für meine Familie in Deutschland, die mir den Rücken freihält, diesen Aufenthalt möglich gemacht hat und mich immer in meinen Entscheidungen unterstützt hat.
Für meine (Gast)-Familie in den Vereinigten Staaten, die mich wie einer von ihnen aufgenommen hat und mich in einer der prägendsten Erfahrungen meines Lebens begleiten.
Für meine alten und neuen Freunde in der Heimat, die mich mit Nachrichten auf dem Laufenden halten, mit Interesse meine Berichte verfolgen, mein Heimweh mit Telefonaten lindern und mir die Sicherheit geben auch noch viele tolle Freunde zu haben wenn ich nächstes Jahr wieder komme.
Für die Gnade Gottes, der seinen Sohn für uns am Kreuz opferte um uns das ewige Leben zu geben und dessen Liebe größer und höher ist als jeder Verstand.

Donnerstag, 19. November 2009

'Tis the Time of the Year

Wenn Weihnachten näher rückt wird es im Kalender des gewöhnlichen Musikers hüben wir drüben meist etwas eng. Weihnachtskonzerte, Adventsmatinees, Gesangseinlagen bei Weihnachtsfeiern wollen unter einen Hut gebracht werden. In den kommenden vier Wochen werde ich jedenfalls insgesamt 14 Konzerte zu singen haben. Und dabei geht es erst übernächste Woche los! Dafür habe ich versucht diese und die letzte Woche so ruhig wie möglich zu gestalten, was mir mal besser und mal nicht gelungen ist. Das Problem in der Schule ist, dass mir Thanksgiving im Nacken sitzt. Nächste Woche Mittwoch gibt es dazu nämlich Ferien, zwar nur 3 Tage, aber mit dem Wochenende gibt das eine ausreichende Zeitspanne für die Schüler um alles zuvor gelernte zu vergessen und verdrängen. Also versuche ich, meine Einheiten vorher noch abzuschließen und Klassenarbeiten zu schreiben, was das Unterrichten momentan also etwas hektisch macht. Spaß macht es natürlich immer noch, ich habe das Gefühl, dass ich die deutsche Grammatik mit Spaß vermittele und die Schüler es auch einigermaßen verstehen (auch wenn immer noch in Frage gestellt wird, wofür man eigentlich mehr als einen Fall braucht...). Gespannt bin ich auf die Projekte, die ich jetzt mit den Schülern gestartet habe. Sie sollen einen Einblick in deutsche Musik bekommen, die Jugendliche gern hören, und so erwarte ich in zwei Wochen Präsentationen über Songs von den Ärzten über Juli und Fettes Brot bis Rammstein. Wird sicher ganz lustig. Für die Weihnachtszeit hab ich dann auch schon ein paar gute Ideen, und wenn die großmüttelriche Verwandtschaft mich noch mit Rezepten segnet werde ich auch versuchen Pälzer Gutzschelscher zu backen.
Letzte Woche habe ich ja schon das We Will Rock You-Video angekündigt, das ich nun hiermit zur freien Ansicht zur Verfügung stelle, auch wenn mein Klavierspiel in den letzten 10 Tagen nicht wirklich besser geworden ist.

Sonst ist nicht wirklich viel passiert. Ich habe ein paar mal für die (übrig gebliebene) Familie gekocht, Luke hat ja bei mir gewohnt. Einmal gab es Schweinelende im Speckmantel mit hausgemachten Spätzle und Rotkohl, diesen Dienstag Moussaka, Bifteki und Rosmarinkartoffeln. Trotzdem freue ich mich dann auch auf nächste Woche, wenn Omi wieder da ist und ich mich nicht mehr jeden Abend ums Essen kümmern muss. Das Wochenende habe ich zum größten Teil daheim verbracht, habe noch etwas gekränkelt und hatte Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Am Samstag habe ich es dann aber immerhin ins Kino geschafft und den sehr lustigen Film "The Men Who Stare at Goats" gesehen. Sonntag war ich dann ausnahmsweise mal in zwei Gottesdiensten, sonst habe ich den Abendmahlsgottesdienst um halb 10 immer übersprungen. War auch sonst besser so, unspannender kann man Christentum kaum feiern...
Wie auch bereits erwähnt ist nächste Woche (Donnerstag) hier Thanksgiving, also Erntedankfest, aber in groß und mit Truthahn! Darüber werde ich dann noch mal ausführlich berichten, wenn es so weit ist, bis dahin gibt es aber noch ein paar andere Sachen zu tun. Heute werde ich mit den Mädels Basketball trainieren um mal etwas in Bewegung zu kommen, morgen kommen Omi und Opi heim. Am Samstag bauen wir dann bei Tante Karen einen Stall und Auslauf für zwei Pferde die sie in der kommenden Woche von einem Bekannten bekommen. Darauf freu ich mich schon, wollte schon lange mal reiten, und das sind beides ziemlich große Zugpferde die auch mich tragen können. Fehlt nur noch der Cowboyhut! ;) Und Sonntag beginnen unsere Star Wars-Proben. Wird auch Zeit, wenn man bedenkt, dass das erste Konzert schon nächste Woche ist. Naja, wird schon, ich hab ja gelernt vom Blatt zu singen, und eines der beiden Stücke kann ich ja bereits.
Morgen halte ich im Schulgottesdienst die bereits für letzte Woche angekündigte Predigt, die aber CCS-typisch auf den letzten Drücker verschoben wurde, weil letzte Woche ein Gastredner eingeladen war. Bin nicht unbedingt nervös, vielleicht ein bißchen aufgeregt, auf jeden Fall freue ich mich drauf, noch mehr dann aber wenn ich die Sache hinter mir habe und das Wochenende vor mir!

Donnerstag, 12. November 2009

Koraaaaaaaaaaah!

Schlag auf Schlag geht es momentan in Cleveland, Ohio, und da wollte ich euch die neusten Neuigkeiten nicht vorenthalten. Nachdem ich am Dienstag ja wie angekündigt das erste mal öffentlich Piano gespielt habe (morgen bekomme ich ein Video, vielleicht lass ich euch das sehen) kam heute eine Nachricht vom Chor. Schon vor 2 Wochen wurde ich gefragt ob ich grundsätzlich bereit wäre an einem Special Event teilzunehmen und eben kam die Zusage. Ich bin nun einer von 60 ausgewählten Chorsängern, die 2 bis 3 Konzerte der "Star Wars - In Concert"-Tour mitsingen dürfen. Anfang Dezember gibt es Konzerte hier in Cleveland (in der Quicken Loans Arena, der größten Multifunktionshalle hier), in Pittsburgh und vielleicht noch in Columbus. Das Ganze wird wohl ein großes Spektakel mit Riesen-LED-Bildschirm, Symphonie-Orchester, Lasershow und eben Chor. Viel zu tun habe ich zwar wohl nicht (der Soundtrack bietet nur zwei Chorstücke insgesamt), aber ein großer Spaß wird es sicher, und das Duel of the Fates haben wir ja schon im Juli mit dem Collegium Musicum in Mainz gesungen. Ich freu mir jedenfalls einen Ast und schicke das Video mit dem Trailer nach Deutschland. Möge die Macht mit euch sein!

Dienstag, 10. November 2009

Local Celebrity

So, nun hab ich also auch hier endlich meinen Durchbruch geschafft. Zwei Zeitungen haben über meine Stelle an der CCS berichtet, eine sogar ziemlich ausführlich und mit zwei Bildern. Autogrammwünsch nehme ich gerne per E-Mail entgegen und werden sogleich an meine Agentur in Deutschland weitergeleitet. ;) Bis dahin könnt ihr euch aber erst mal mit den Zeitungsausschnitten vergnügen, die ich gescannt habe. Einfach auf das Bild für eine große Version klicken.
Was macht man also so als lokale Berühmtheit? Naja, man besucht Lokale, würde ich sagen! Das habe ich dann am Wochenende auch befolgt und war zwei mal mit Luke und Freunden unterwegs. Die Woche war insgesamt ganz gechillt, aber nach einer Woche Schweinegrippe war viel aufzuholen, und zu erledigen. Am Donnerstag gab es für die Kids Zeugnisse. Hier läuft es aber nicht wie bei uns, dass die Schüler die Zeugnisse einfach so bekommen. Die Eltern holen sie entweder ab oder bekommen sie zugeschickt. Kein Entkommen also. Donnerstag nachmittag war dann keine Schule, dafür aber die Möglichkeit für die Eltern zu Lehrergesprächen in die Schule zu kommen. Offiziell liefen die bis 21 Uhr, ich konnte aber zum Glück schon um 15:30 Uhr heim fahren. Das mit dem Fahren hat sich übrigens inzwischen auch alles eingependelt, ich kann eigentlich jeden Tag irgendein Auto mit heim nehmen und muss nicht mehr auf irgendwelche Basketballtrainings oder ähnliches warten. Freitag dann jedenfalls noch mal das gleiche Spiel, keine Schule, aber Elternkonferenzen, die bei mir zum Glück schon um 12 Uhr wieder vorbei waren. Die Konferenzen die ich hatte (nur 4, aber immerhin!) liefen alle ganz fantastisch, ich hab glaub ich nen guten Eindruck hinterlassen und habe auch einiges über meine Schüler erfahren.
Abends hat mich dann Luke, der ja kürzlich erst 21 geworden ist, in eine Bar mitgenommen. Dort gab es viel zu laute Live-Musik, aber auch das grade erst wieder verfügbar gewordene "Cleveland Christmas Ale", das mich schon nach nur 2 1/2 Halben ziemlich umgehauen hat. Ich vermute, eine Kombination aus wenig Abendessen, langer Abstinenz und 7% Alkohol im Bier taten ihr Übriges. Samstag dann also mein erster amerikanischer Kater, der sich leider auch nicht besser anfühlt als einer in Mainz...
Konsequenterweise wurde also Samstag weitertrainiert und ich habe mein Glück noch einmal versucht. Zuvor stand aber ein Tag mit vollem Programm an. Bei dem Vater einer CCS-Familie hier wurde vor längerem Krebs festgestellt und kürzlich hat sich die Situation stark verschlechtert. Um der Familie zu helfen, die für die Arztrechnungen größtenteils selbst aufkommen müssen (es lebe das deutsche Gesundheitssystem, wenn hier nicht mal für eine notwendige Krebs-OP bezahlt wird...) wurde also Samstag ein Benefiz-Dinner auf die Beine gestellt. Onkel Bob und sein Geschäftspartner sorgten für das Essen, also war Helfen angesagt. So wurden also Tische aufgestellt, dekoriert, Suppe gekocht, Salat vorbereitet und später Steaks gebruzzelt. Außerdem wurde ich mal wieder zum Singen eingespannt, diesmal durfte ich aber die Auswahl treffen und gab so also altbewährtes und mir Vertrautes zum Besten (u.a. "Your Song" aus Moulin Rouge und "Maria" aus West Side Story). Nach dem vollen Tag mit Singen und Kochen und Servieren, Aufräumen und was alles noch so anfiel war mir dann eigentlich nach Bett zu Mute, aber wie schon gesagt, habe dann mein Glück nach Freitag noch mal versucht und um halb 11 ging es dann noch mal los, mit Luke, Erika und einem Freund von Luke, Tom. Die Jungs haben Bier getrunken, aber nach meiner schlechten Erinnerung an den Vortag war mir eher nach etwas anderem zu Mute. Ich versuchte also einen Martini (Wermut der Marke Martini & Rosso) zu bestellen, bekam aber einen Cocktail namens Martini, der nur zum Teil aus Martini und zum Teil aus Gin (bääääääääh) besteht. Zu allem Überfluss waren auch noch 3 sehr scharf eingelegte Oliven drin. Das Zeug war so wiederlich, dass ich mich echt schon beim ersten Nippen hätte übergeben können, aber ich blieb stark und hab ihn gekippt, immerhin hat Luke mich eingeladen und wahrscheinlich $10 dafür hingelegt. Danach war mir also nach etwas süßem zu Mute und ich wollte es mit einem Appletini versuchen, den hat Erika auch getrunken. Also ist Tom an die Bar und hat 2 Kölsch für sich und Luke auf meine Empfehlung hin, und 2 Appletinis bestellt. Kommentar des Barkeepers: "Ich hoffe, die sind für Mädels!" Tom: "Immerhin eine, der andere ist ein Deutscher." Was auch immer uns das sagen sollte. Nun saß ich da also mit dem so ziemlich tuckigsten Drink den ich mir hätte aussuchen können... Die Blicke der anderen waren mir dann aber auch egal, man steht ja drüber und außerdem wars wirklich wirklich lecker! Da die Bar ziemlich teuer war entschließen wir uns zur Relokation und versuchten uns noch mal in der Kneipe um die Ecke, Mulligan's. Dort gab es dann noch einen Damendrink (Himbeersirup mit weißem Schoko-Likör), bevor ich auf der Karte den Sangria für $3 entdeckte. Inzwischen kann man sich wohl ausrechnen, dass es mir ganz gut ging, aber die 5 Drinks an dem Abend habe ich besser vertragen als die Biere am Abend zuvor. So ausführlich wollte ich das jetzt eigentlich alles gar nicht unbedingt berichten, aber das gibt wohl eine ganz nette Anekdote ab. Und: Es war das erste mal, dass ich hier in den Staaten weg war und ist wohl alleine deswegen erwähnenswert.
Sonntag wie immer Kirche und Mittagessen bei Tante Nancy, bei bestem Wetter. Heute ist es wirklich nicht schön, aber das ganze WE hat die Sonne geschienen, wir saßen und aßen im T-Shirt auf der Terasse und hatten eine wunderbare Zeit.
Gestern beging ich das 20-jährige Jubiläum des Mauerfalls mit Videos, die ich den Schülern zeigte. Alle waren von den Ereignissen am 9. November ziemlich beeindruckt. Ich habe auch noch mal viel nachgelesen und recherchiert und fühlte mich an dem Tag irgendwie besonders stolz, Deutscher zu sein. Abends war dann aber Chorprobe, die erste nach unseren Brahmskonzerten Mitte Oktober, und die erste für die anstehenden Weihnachtskonzerte. Unter den 12 Stücken die wir singen sind einige wirklich ganz fantastische dabei (unter anderem eine ausgezeichnete und sehr moderne Version des Carol of the Bells), aber auch Stücke, die ich wirklich nicht mag (Winter Wonderland, wer will das zu Weihnachten hören?!?). So war die Probe dann auch halb Qual, halb Spaß, aber da muss ich jetzt die nächsten 6 Wochen durch.
Was steht sonst an? Heute ist Sportbankett in der Schule und ich hab mich dummerweise gestern bereit erkärt heute "We are the champions" zu spielen. Singen ist ja kein Problem, aber ich sitze nun auch noch am Piano und das kann ich ja nun mal wirklich nur sehr stümperhaft bedienen. Geprobt wurde auch nicht, so kanns eigentlich nur peinlich werden heute Abend, aber wir schauen mal. Sonst passiert nicht viel in Ohio. Opi ist jetzt auch in Florida, dafür ist Luke eingezogen, der aber die meiste Freizeit jagen ist. Am Freitag halte ich meine erste Predigt im Schulgottesdienst (Matthäus 6, 25) was ziemlich aufregend ist, und am Wochenende hoffe ich auf etwas Ruhe, Kino und noch mal gutes Wetter.
Kommunikation nach Deutschland läuft momentan eher schleppend, ich hab meist erst am späten Abend Zeit zum telefonieren und chatten und da sind die meisten schon im Bett. Freue mich also über jede zur Tageszeit gesendete Mail. Würde mich zum Beispiel brennend interessieren, wie die erste Rent-Probe war, was aus Chris Bewerbung wurde, was diverse Leute so machen und überhaupt. Hatte die Woche etwas Heimweh, möchte also einen Musiktipp loswerden, der nicht so ganz fröhlich klingt, aber umso mehr awesome (für dieses Wort gibt es keine adäquate Übersetzung, dafür ist es zu awesome!): Paramore - All I Wanted
Heute sind es genau 3 Monate, dass ich in den Staaten bin. Unglaublich, dass schon ein viertel Jahr rum ist, oder?

Dienstag, 3. November 2009

Trick or Treat or None at All


Über was schreibt man, wenn man eine Woche lang krankgeschrieben zu Hause gesessen hat und NICHTS passiert ist? Ganz schön schwierig, diese Woche etwas auf Papier zu bringen und Bilder wurden mir vom Wettergott auch versagt. Das ist so weit erst mal die schlechte Nachricht. Die gute hingegen: Ich bin vollständig wiederhergestellt. Die Woche Pause hat richtig gut getan und war offenbar bitter nötig. Die Reaktionen auf die Nachricht „Ich habe Schweinegrippe“ waren hüben wie drüben ziemlich facettenreich. Von Gleichgültigkeit über viele Besserungswünsche (Danke!) bis zu totaler Panik war alles dabei. Natürlich ging es mir nicht besonders gut und ich fühlte mich krank, aber ich durchaus schon schlimmeres durchgemacht und die Schweinegrippe war nun auch nichts so besonderes…

Was hab ich also getrieben? Wie Bara so nett schrieb: Wag Dich nicht, Deine Hausarbeiten zu schreiben! Daran versuchte ich mich auch tunlichst zu halten (Bara ist also schuld!) und so ging der Kampf Shakespeare vs. Tolkien 0:4 aus. 3 Punkte für 3 Herr der Ringe-Filme, sowie einen für das erst kürzlich erschienene Tolkien-Buch „Children of Hurin“. So richtig gefesselt hat es mich nicht, aber es liest sich definitiv besser als meine Studiumsliteratur. So verbrachte ich also Dienstag bis Freitag hauptsächlich in meinem Keller, wobei ich auch viel mit Deutschland telefoniert habe. Mein längster Mittagsschlaf war dann immerhin auch 4 Stunden lang, und so versuchte ich wirklich alles, so schnell wie möglich wieder fit zu werden. Hat dann ja auch funktioniert, und Freitag war der erste Tag an dem ich mich wirklich wieder fit fühlte. Dummerweise stieg mit meinem Wohlsein auch meine Langeweile proportional an. Zum Glück waren die Mainzer aber so lieb und schalteten mich zum Musical-Casting für die neue Saison zu. Das war einerseits total schön, andererseits aber auch ganz furchtbar deprimierend, kann ich doch 2010 nicht dabei sein, wenn die Musical Inc. Rent auf die Bühne bringt. So war es dann aber schwer, den Abend zu genießen.

Samstag war dann die Medizin leer und ich galt als offiziell geheilt. Natürlich wollte ich es nicht übertreiben und so ließ ich den Tag noch mal einigermaßen ruhig angehen, ging aber etwas shoppen (Schal in schwarz, $21,99) und verbrachte den Abend damit, Kürbissuppe zu kochen. Nun würde man denken es wäre einfach hier eine Kürbissuppe zusammenzustellen, aber ich bekam weder Hokaidokürbisse (Ersatz: Butterkürbis), noch Lauch. (Ersatz: Lauchzwiebeln). Mit dem Ersatz ging es dann doch irgendwie, aber richtig zufrieden war ich nicht damit. Immerhin hatte ich aber genug für die ganze Woche. Dachte ich. Leer war die Suppe dann allerdings schon Sonntag, als nach dem Gottesdienst mal wieder die halbe Gemeinde bei Tante Nancy einkehrte und ich die Suppe zum Essen beisteuerte, die auch tatsächlich gut ankam. Hatte ich erwähnt, dass Samstag Halloween war? Hätte ich beinahe vergessen, so wie Halloween selbst auch. Passiert ist da nämlich nichts hier. Opi hatte zwar eine Schüssel mit Candy bereitgestellt, aber er vergaß mir zu sagen, dass ich das Terassenlicht anmachen sollte als Signal für die Kids bei uns zu klingeln. So kam also kein einziges Kind vorbei, wir haben eine Tonne Candy zu Hause stehen und ich hab das amerikanische Halloween schlicht verpasst. Halb so wild, als Ausgleich habe ich mir „Luther“ angeschaut, immerhin war Reformationstag.

Nun also neue Woche, neues Glück! Ich fühl mich wieder fit und bin seit gestern auch wieder am Unterrichten. Die Schüler waren auch mehr als froh, mich wiederzuhaben. Das Problem letzte Woche war, dass bei Lehrermangel hier nicht einfach Freistunden gegeben werden wie ich Deutschland üblich, sondern mit Brechen und Biegen versucht wird zu unterrichten. Das machte dann der Direktor persönlich, der dummerweise gar kein Deutsch kann. Ziemlich schlechte Voraussetzungen für Deutschunterricht und für die Schüler wohl zum Abgewöhnen. Zweites Problem war, dass die Hälfte der Schüler auf einem Volleyball- und Fußballturnier waren, also kamen sowieso nur die Hälfte meiner Kids (zumindest für zwei der Tage) in den Genuss des deutschlosen Deutschunterrichts. A propos Turnier: Natürlich gewannen sowohl Jungs (Fußball) als auch Mädels (Volleyball) ihre Meisterschaften. Ein Double hatte CCS aber schon lange nicht mehr zu feiern, dementsprechend gut ist die Stimmung nun. Damit ist nun auch die Saison zu Ende und Basketball beginnt. Die Sportler trainieren also 4-5 mal die Woche (!), bevor dann im Dezember die ersten Spiele beginnen.

Bevor ich mich jetzt aber in Nebensächlichkeiten verliere, zum zentralen Punkt dieser Woche. Es gibt Zeugnisse! Für unsere Verhältnisse ziemlich früh, aber hier gibt es ganze vier Zeugnisse im Jahr (was außerdem heißt, dass ich schon ¼ meines Aufenthaltes bewältigt habe). Meine ersten Zeugnisnoten als Lehrer also, was ein tolles Gefühl war, aber mit der enormen Verantwortung fühlte ich mich anfangs auch etwas unwohl. Da muss man sich wohl erst mal dran gewöhnen als Lehrer. Donnerstag gibt es wegen den Zeugnissen nur einen halben Tag Schule und Freitag einen freien Tag, dummerweise aber nicht für die Lehrer, denn beide Tage sind für Elterngespräche reserviert. Bisher haben sich aber nicht zu viele angemeldet, so dass ich wohl tatsächlich ein paar freie Stunden haben werde.

Sonst passiert momentan nicht viel, Omi ist ja in Florida und Opi viel am Arbeiten. Meine Abende verbringe ich grade meist mit Fernsehen, weil auch die älteren Cousins (& -sinen) wahlweise in Florida weilen oder zu beschäftigt sind. Dabei habe ich es mir immer noch nicht abgewöhnt, die amerikanischen Serien über deutsche Quellen herunterzuladen, obwohl ich sie genauso gut im Fernsehen schauen könnte. So spare ich mir aber immerhin die allgegenwärtige amerikanische Werbung. Nun werde ich mal versuchen, ein Abendessen zusammenzustellen und dann muss ich auch noch etwas Unterricht vorbereiten. Vielleicht verlasse ich mich dann aber doch auch mal wieder auf die gute alte Schwellendidaktik und vergnüge ich mit der amerikanischen Version von Stromberg. ;)