Wir befinden uns also nun in der letzten Woche des Halbjahres und ich kämpfe minder erfolgreich darum noch Klausuren in dieser Woche abzuschließen und Noten zusammenzubekommen. Mit nächster Woche ist dann wohl auch offiziell Halbzeit! Die Hälfte hinter, die Hälfte vor mir, schon so viel auf das ich zurückschauen kann und noch so viel auf das ich mich freue! Letzte Woche war es mir aber dann auch ein bißchen viel mit allem hier und ich hab mich die Woche etwas zurückgezogen. Vielleicht habe ich einfach ein bißchen Muffensausen weil ich das Wintersemester schon nahen sehe und ich auch hier meinen deutschen Verpflichtungen nachkommen muss. So versuche ich also meine beiden Parallelwelten geregelt zu bekommen und noch habe ich die Hoffnung nicht verloren, dass ich im Sommer meine Examensarbeit schreiben werde. Das von hier aber anzuleiern ist ganz schön ätzend, ich bekomme ja noch nicht mal eine 8 Seiten Hausarbeit geschrieben. Dafür habe ich hier eben nen Vollzeitjob und bin auch darüber hinaus eingespannt. Die Baskettballsaison ist im vollen Gange und ich trainiere nicht nur wann immer ich kann mit den Mädels, sondern sitze auch immer wenn ich gebraucht werde als Punktezähler am Offiziellen-Tisch oder als Assistenten-Coach auf der Bank. In zehn Jahren findet ihr mich also nicht wie vielleicht erwartet den Schulchor dirigierend, sondern vielleicht eher als Basketballtrainer, wer weiß!?!
Bis dahin ist jedenfalls noch einiges zu tun, zuerst mal das halbe Jahr hier hinter mich bringen. Das klingt nun etwas negativ, genieße meine Zeit hier immer noch, vor allem wenn ich bei einer der Familien abhänge. Daheim mit Opi und Omi ist es zwar auch ganz okay, aber Opi strauchelt wirtschaftlich grade ein bißchen und damit geht es beiden nicht so gut. Das Problem mit Opis Finanzen ist, dass er das meiste, oder gar alles Kapital in Immobilien herumsitzen hat, die aktuell keiner kaufen will. Er liebt es, Land zu besitzen, hat aber irgendwo auf dem Weg zum Millionär versäumt, sich eine Altersvorsorge anzulegen. Daher arbeitet er jetzt auch noch mit Mitte 70 täglich und aktuell plant Omi, ihren neuen Cadillac zu verkaufen und das Auto das im Ferienhaus in Florida steht nach Cleveland zu bringen. Dementsprechend ist also die Stimmung daheim, außerdem mache ich grade vielleicht eine etwas aufsässige Phase durch und stelle gerne mal Dinge in Frage und sage meine Meinung vielleicht ein klein wenig zu laut. Deswegen gibts dann auch mal die ein oder andere Belehrung mit dem Zeigefinger. Aktuellstes Thema: Kann man, wenn man mal verheiratet ist, noch einen besten Freund des anderen Geschlechts haben, der nicht gleich der Ehepartner ist? Da gehen unsere Meinungen dann doch auseinander und ich halte eben nicht mehr meine Klappe...
Die Bibelgruppe mittwochs abends habe ich fürs erste auch abgesagt, nicht ersatzlos aber, ich treffe mich nun samstags mit einer sehr viel kleineren Gruppe die weniger pipapo betreibt und wirklich die Bibel "studiert". Wen interessiert, mit was wir uns da zur Zeit befassen, dem lege ich den dazugehörigen Artikel auf Wikipedia ans Herz: Dispensationalismus. Dadurch hat sich in meinem Glauben auch wieder etwas getan, weil die theologische Richtung in der wir die Bibel lesen eigentlich dem, was ich schon immer geglaubt habe. Dass nämlich nicht jeder Vers wörtlich zu nehmen ist (Dogma), sondern im Zusammenhang der gültigen Dispensation zu interpretieren ist. Ich hätte wohl also doch Theologie studieren sollen, es hat mich grade schon ein bißchen gepackt. Wobei, ich glaube immer noch dass ich als Lehrer wunderbar aufgehoben bin, und da ich ja auch nicht katholisch bin durch die "Priesterschaft aller Gläubigen" mich auch weiter in diese Richtung entwickeln kann. Es wäre jetzt vielleicht ein bißchen übertrieben zu sagen: "Macht euch keine Sorgen", aber ich habe schon aus einigen Kommentaren und zwischen den Zeilen lesen können dass meine neu entdeckte Spiritualität auf Skepsis in der alten Welt trifft. Ich glaube in mir hat sich so viel nicht geändert, aber ich habe schon viel gelernt und im Gegensatz zu einer Umgebung in Deutschland in der eine christliche Einstellung vielleicht sogar eher entmutigt wird, wird sie nun hier eben stark ermutigt und vertieft. Oder um die Bibel zu zitieren: "Denn ich bekenne mich offen und ohne Scham zu dieser Botschaft: Sie ist ja Gottes Kraft und rettet jeden, der ihr glaubt." (Römer 1,16)
Da ich nun nicht mehr mittwochs in die Bibelgruppe gehe habe ich endlich mal wieder einen Abend der Woche richtig frei. Heute verbringe ich ihn bei Bob und Nancy, ich koche Jägerschnitzel, wir schauen American Idol (die wesentlich bessere und unpeinlichere amerikanische Variante von Deutschland sucht den Superstar) und ich bereite mich für unsere Samstagsgruppe vor. Im Spätsommer plane ich übrigens fest einen Aufenthalt in Taizé, vielleicht hat ja jemand Lust mitzukommen?!?
Ansonsten gibt es nicht so viel neues. Anfang der Woche hat das Cleveland Orchestra gestreikt wegen neuer Lohnabschlüsse. Uns im Chor hat das nicht betroffen, wir sind ja alle freiwillig da und hatten kein Konzert mit dem Orchester direkt anstehen. Im Zuge dessen habe ich jedenfalls dann auch mal gelesen, was die Orchestermusiker im Schnitt Jahr verdienen: $140.000!!! Das sind rund 100.000 €, ganz schön ordentlich, aber wohl auch gerechtfertigt in einem der besten Orchester der Welt. Uns tangiert es aber jedenfalls nicht, denn das nächste Konzert ist bis auf eine Orgel a cappella. Am letzten Januar-Wochenende singen alle drei unserer Chöre (wir plus Kinder- und Jugendchor) in einem Benefizkonzert zusammen. Die Stückauswahl ist ein ganz klein bißchen gewöhnungsbedürftig, neben 2 Spirituals singen wir zwei anspruchsvolle Bruckner-Stücke, ein pompös arrangiertes Gesangbuchlied (All Creatures of Our God and King, oder zu deutsch: "Lasst und erfreuen herzlich sehr ), sowie eine ganz furchtbare Kantate von Britten ("Rejoice in the lamb"), die wirklich gewöhnungsbedürftig ist und ein zeitgenössisches Stück ("Seek him that maketh the seven stars", daher auch der Titel dieses Eintrags), von dem ich euch hier eine Version auf Youtube zum Anhören anbiete:
Damit bin ich nun jedenfalls auch noch fleißig beschäftigt und für unser Schulstück habe ich weiterhin die Hoffnung, dass ich die Rolle der kleinen Elfe Tinkerbell (in Form eines Glöckchens im Bühnengraben natürlich) im Schulstück Peter Pan übernehmen kann. Eines nach dem anderen aber, und damit geht heute auch der nächste Schultag zu Ende, ich schreibe die letzten Zeilen hier in der Schule, packe meine sieben Sachen zusammen und freue mich auf einen gemütlichen Abend mit der Familie (und Schnitzel, haha!). Werde mich bald wieder über die üblichen Kanäle melden und freue mich weiterhin auch über digitale und reale Post aus der Heimat. Bis dahin sendet viele liebe Grüße aus Ohio,
euer Daniel
Damit bin ich nun jedenfalls auch noch fleißig beschäftigt und für unser Schulstück habe ich weiterhin die Hoffnung, dass ich die Rolle der kleinen Elfe Tinkerbell (in Form eines Glöckchens im Bühnengraben natürlich) im Schulstück Peter Pan übernehmen kann. Eines nach dem anderen aber, und damit geht heute auch der nächste Schultag zu Ende, ich schreibe die letzten Zeilen hier in der Schule, packe meine sieben Sachen zusammen und freue mich auf einen gemütlichen Abend mit der Familie (und Schnitzel, haha!). Werde mich bald wieder über die üblichen Kanäle melden und freue mich weiterhin auch über digitale und reale Post aus der Heimat. Bis dahin sendet viele liebe Grüße aus Ohio,
euer Daniel
