Samstag, 27. März 2010

He's a Goner

Hallo zusammen! Das jetzt wird wahrscheinlich der kürzeste meiner Beiträge, wirklich was passiert ist nämlich nicht. Ich wollte mich hier nur noch mal melden bevor ich dann am Dienstag nach Florida verschwinde. So ganz geheuer ist mir die Strecke noch nicht. 1248 Meilen (2000 km) liegen vor uns, ungefähr die Strecke von Mainz nach Murcia in Südspanien, Umea in Schweden (Grüße an Benny H.!) oder an die russische Grenze. Das Ganze dann im Kleinbus mit 7 Cousins und Cousinen, 2 Tanten und einem Austauschlehrer innherhalb von hoffentlich 24 Stunden. Dabei durchqueren wir ganz Ohio, West Virginia, einen Teil von Virginia, North und South Carolina, Georgia und schließlich fast ganz Florida. Und damit sichs auch wirklich lohnt fahren wir nicht nach einer geruhsamen Nacht los oder einem ruhigen Tag, nein! Am Dienstag gehen wir alle normal in die Schule, haben dann unser erstes Softballspiel der Saison und fahren erst nach dem Spiel los. Hoffentlich haben bis dahin alle Mädels gepackt, ansonsten muss dann auf die letzten wohl auch noch gewartet werden. Im Idealfall sind wir also am Mittwoch Abend in Fort Myers Beach und haben 10 Tage zum Relaxen. Ein bißchen habe ich mich schon über meine Möglichkeiten dort informiert, ich werde sicher nicht 10 Tage am Strand liegen... Miami ist nicht so weit weg und die Everglades sind auch total einfach zu erreichen. Was ich dann tatsächlich unternehme berichte ich von dort, zum Glück ist unser Haus internetfähig. ;)
Die vergangene Woche war für mich sehr produktiv. Neben diversen Softballeinheiten habe ich noch mal Klassenarbeiten in allen Klassen geschrieben, ein Projekt mit den Kids zu Ende gebracht (deutsche Bibelverse) und meine Noten so gut wie fertig gestellt. Mit den Osterferien gibt es nämlich auch schon wieder das nächste Zeugnis. Dazu habe ich tatsächlich endlich mit der ersten meiner zwei ausstehenden Hausarbeiten begonnen und bin sogar schon fast fertig. Mein Englisch-Fachdidaktik-Stundenentwurf zum Merchant of Venice ist nun sieben von acht Seiten lang und im Endeffekt muss ich morgen oder am Montag nur noch eine halbe Seite zur Methodik schreiben und dann mein Material noch mal bearbeiten. So kann ich mich dann nach dem Urlaub ganz auf die Examensarbeit konzentrieren und Material sammeln. Dass ich die ausstehende Deutsch-Horrorliteratur-Arbeit noch schreibe halte ich inzwischen eher für unwahrscheinlich. Bevor ich mich mit Prof. Solbach und furchtbaren Themen rumschlage besuche ich lieber noch mal ein anderes Seminar... Anyway, genug mit der Arbeit, jetzt wird erst mal geurlaubt! Heute Abend geht es aber zuerst noch mal ins Musical, diesmal aber kein Broadway zu Gast in Cleveland, sonder die Schöne und das Biest als High School-Aufführung hier im Nachbarort. Ein Bekannter aus dem Chor ist dort Dirigent und hat mich eingeladen und Musical kann ja so schlecht nicht sein. Gestern gab es außerdem noch die Premiere von Peter Pan bei uns an der Schule. Richtig involviert war ich nicht, aber immerhin kann ich mich rühmen, Peter Pan und Hook das Fechten beigebracht zu haben und die Fechtchoreographie (mit großer 3M-Inspiration!) entworfen zu haben. Das Fechten hat dann ganz gut geklappt, auch wenn es das Holzschwert von Peter Pan zwei mal ordentlich gekürzt hat. Dank Backup und reichlich Improvisation ging es aber dann fast unbemerkt weiter und die Aufführung war ein großer Erfolg. Es ist ganz schön irre zu sehen mit welch geringen Mitteln auch eine kleine Schule wie CCS ein kostümlastiges und vom Bühnenbild her aufwändiges Stück auf die Beine stellen kann. Ein paar Ideen habe ich auch mitgenommen für Mainz. :)
Um euch zum Abschluss noch die Nase lang zu machen gibt es hier mal einen kleinen Ausblick, bevor es dann nächste Woche eigene Bilder zum Angeben gibt... ;) Hatte ich erwähnt, dass es grade 27° C in Fort Myers Beach sind? Hach, ich freu mich!

PS: Danke für die vielen Meinungen zum Sommerurlaub die mich erreicht haben. Ich habe mich tatsächlich für die Seattle und nicht LA-Variante entschieden und werde den Flug buchen sobald mein Konto Anfang April noch mal etwas gefüttert wurde. :)

Mittwoch, 17. März 2010

Oh Dannyboy!

Happy St. Patrick's Day everyone! Hier in den Staaten wo Herkunft ja bekanntlich groß geschrieben wird feiern heute alle Iren und jeder sonstige Feierwillige den Feiertag zu Ehren des irischen Schutzpatrons Saint Patrick. An der Schule trägt heute also jeder grün, in der Stadt gibt es eine Parade und Trinkgelage (an dem ich aber nicht teilnehme) und sowieso ist heute jeder so irisch wie es geht! Schon am Samstag gab es zur Einstimmung ein "Irish Potluck" an der Schule. Dabei hat Potluck nichts mit dem sagenhaften Kessel voll Gold zu tun, sondern mit dem Glück dass man haben muss dass einem schmeckt, was andere mitbringen, denn jeder bringt einen Topf Essen mit. Dazu gab es irisches Entertainment und natürlich wurde ich gefragt ob ich was zum Besten geben könnte. Neben dem eher traditionellen "Danny Boy" habe ich es mir aber auch nicht nehmen lassen ein Stück von der irisch-amerikanischen Punkband "Flogging Molly" zu singen: What's Left of the Flag. Das könnt ihr hier sehen und hören und ja, ich bin der Typ in grün mit dem roten langen Bart...


Bis zuletzt stand das Ganze aber für mich etwas auf der Kippe, denn schon direkt nach Washington ging es meiner Stimme nicht allzu gut, mich plagten Husten, Schnupfen, Heiserkeit, und Auswurf in allen Farben des Regenbogens. Irgendwie hab ich mich dann aber doch durch die Woche geschleppt, am Wochenende gesungen, am Montag war dann aber endlich Schluss und ich hing wie ein nasser Sack in der Schule rum. Dort hielt ich es dann aber nicht mehr lange aus und fuhr noch vor der Mittagspause zum Arzt, der eine Bronchitis diagnostizierte und Bettruhe und ein Antibiotikum verschrieb. Das kam mir ganz entgegen, auf Schule konnte ich am Dienstag wirklich gut verzichten. Heute bin ich jetzt aber schon wieder zurück, die Medikamente schlagen super an und ich fühle mich schon wesentlich besser.
Meinem Wohlbefinden hat es natürlich letzte Woche dann auch nicht geholfen dass ja wie berichtet die Softballsaison begonnen hat und ich als Assistenztrainer natürlich bei allen Trainings war, 4 an der Zahl letzte Woche. Auf jeden Fall hat es aber trotz allem Spaß gemacht, auch wenn ich mich erst mal reihenweise blamiert hab, weil ich anfangs weder einen Ball treffen oder fangen konnte. Das ist auch wirklich nicht so einfach mit dem entsprechenden Handschuh, rückhändig und was weiß ich. Inzwischen geht es aber und ich lasse nicht mehr allzu viele Bälle fallen. Softball ist im Endeffekt wie Baseball, aber da das den meisten in Deutschland vom Spiel her ja auch nicht so viel weiter hilft hier eine kleine Einführung.
Abwechselnd sind die beiden Teams entweder im Angriff (Offense) oder Verteidigung (Defense). In der Offense ist erst mal nur ein Spieler auf dem Feld, der Batter der den Ball mit dem Schläger treffen muss. Schlägt er den Ball so, dass er nicht gefangen werden kann, kann er zur ersten, zweiten, dritten oder gar vierten Base rennen und so Punkte für das Team machen. Dann kommt der nächste Batter an die Reihe und die Offense kann so lange schlagen und rennen bis die Defense drei mal den Ball gefangen hat oder am Ball vorbei geschlagen wurde. Auf der anderen Seite muss die Defense zunächst den Ball werfen (Pitching) und dann fangen bzw. auflesen und zu den Bases werfen um die rennende Offense aufzuhalten. Gar nicht so schwer im Prinzip, aber mit zahlreichen Fallen und Sonderregelungen versehen, inzwischen habe ich aber einen ganz guten Einblick. Im Training selbst bin ich meistens im Balltunnel wo die Batter trainieren. Da bedien ich die Maschine und feile inzwischen auch ein wenig an der Technik. Ansonsten trainiere ich meistens einfach mit um selbst ins Spiel reinzukommen und helfe wo es nötig ist.
Außer Krankheit und Softball gibt es sonst nicht viel Neues, Omi und Opi sind immer noch beide in Florida und ich hüte alleine das Haus, meine Ernährung ohne Zucker und andere Kohelnhydrate klappt super und ich habe nach freundlicher Erinnerung von Opa Ehrenfried tatsächlich ernsthaft mit der Recherche für meine Examensarbeit begonnen.
Dazu habe ich begonnen meinen Urlaub in den Sommerferien zu planen. Zwischen Schulende am 10.6. und meinem Rückflug am 1.7. habe ich ja ein paar Wochen Zeit und der Plan ist, meine Großtante in Idaho zu besuchen und ein paar andere Ziele anzusteuern. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten. Vielleicht könnt ihr mir ja einen Kommentar hinterlassen was ihr davon haltet. Ich bin selbst etwas unentschlossen...
Variante 1: Ich fliege nach Spokane (Washington State, aber an der Grenze zu Idaho), besuche meine Tante für eine Woche. Von dort fliege ich nach San Francisco und verbringe ein paar Tage. Dann miete ich ein Auto und fahre an der California State Route 1 nach Los Angeles, immer an der Küste entlang. Von LA fliege ich dann nach Cleveland zurück.
Variante 2: Ich fliege wie gehabt nach Spokane zu meiner Tante, fahre von dort aber mit einem Mietwagen nach Seattle, wo ich den Olympic National Park mit Pazifikstränden, Regenwald und Gletschern besuche. Von dort dann Flug nach San Francisco und nach ein paar Tagen zurück nach Cleveland.
Im Endeffekt fällt also die Entscheidung zwischen dem Nationalpark und Seattle oder dem Road Trip an der Westküste und Seattle. Finanziell kommts in etwa aufs Gleiche hinaus, die Flüge kosten jeweils um die $500, nur der Mietwagen von SF nach LA wäre erheblich teurer als von Spokane nach Seattle. Von der Unterkunft habe ich wohl echt Glück und kann mich wahrscheinlich auf Bekannte und Freunde aus Deutschland oder der Familie hier verlassen. Mal sehen, ein paar wissen noch nichts davon und ich habe mich ja noch nicht entschieden. Vielleicht könnt ihr mir ja nun dabei helfen und mir eine Mail mit eurer Preferenz oder Tipp schreiben oder einen Kommentar hinterlassen.
Diese Woche versuche ich nun aber erst mal noch Klassenarbeiten mit allen zu schreiben und mich mental auf Florida vorzubereiten. Immerhin sieht es so aus als sollte der März (ungewöhnlicherweise) komplett schneefrei bleiben. Davor hatten wir aber ja wahrlich schon genug... Das soll es fürs Erste nun gewesen sein, ich hoffe auf euer Feedback und melde mich vor Florida noch mal mit dem Neuesten aus Cleveland.

Sonntag, 7. März 2010

E pluribus unum - Out of many, one

Da bin ich wieder! Zurück aus der aufregenden Hauptstadt nach dem "trip of a lifetime" mit unglaublich vielen Eindrücken und immer noch sehr müde, obwohl wir schon seit Freitag Nacht wieder da sind. Das könnte daran liegen, dass wir in nur 3 Tagen das Programm einer ganzen Woche absolviert haben, minutiös durchgeplant und exekutiert. Davon werde ich nun Schritt für Schritt berichten, mehr Bilder als die hier im Blog gibt es hier, viel Spaß beim Angucken!
Am Dienstag ging es jedenfalls los, und um den Unterrichtsausfall etwas zu begrenzen ging es erst nach der Mittagspause los. Das machte den Tag ganz schön lang, aber der Dienstag war sowieso nur für die Anreise geplant. Erste Herausforderung für mich war das Essen auf dem Weg, denn ohne Kohlenhydrate ist die Auswahl natürlich schon irgendwie begrenzt. So endet man dann mit einem vollkommen überteuerten Stück Hühnerbrust, weil man für Reis und Beilage natürlich auch noch mitbezahlt. Naja, es gibt Schlimmeres. Nach ungefähr 8 Stunden reiner Fahrtzeit kamen wir dann endlich in unserem Hotel in Maryland an. Das ist neben Virginia einer der beiden Bundesstaaten die 1792 Land für Washington DC zur Verfügung stellten. Washington selbst ist ja kein Bundesstaat, sondern eine unabhängige Stadt, die eigens als Regierungssitz der USA konzipiert und erbaut wurde. Dafür wurde eben etwas Wiesen- und Sumpfland am Potomac River genommen (kleiner als die Fläche Wiesbadens) und in kürzester Zeit wurden (sehenswerte) Regierungsgebäude aus dem Boden gestampft. In Washington selbst zu wohnen oder im Hotel zu übernachten ist aufgrund der begrenzten Fläche und den vielen Regierungsmitarbeitern die natürlich auch irgendwo übernachten wollen sehr teuer, deswegen mussten wir ein bißchen außerhalb bleiben, in Maryland eben, und von dort in die Stadt pendeln. Das Hotel war erst mal ein bißchen ein Schock, die Zimmer waren okay in ihrer Größe, aber es gab eben nur 2 französische Betten für drei Aufsichtspersonen. Die Kids schliefen sogar zu viert in einem Raum. Ich teilte mir also das Bett mit einem Vater der dabei war, und so richtig viel Schlaf habe ich in der ersten Nacht nicht bekommen, weil man dann doch irgendwie bedacht ist, sich nicht umzudrehen und zu nahe zu kommen...
Nun aber der erste Tag. Nach einem spärlichen Frühstück (Bagel, Waffeln und Donuts gabs für mich halt nicht...) fuhren wir in die Stadt und der erste Eindruck war eher negativ: Verkehr ohne Ende, 45 Minuten im Stop & Go quälten wir uns über den Highway, wobei es unter anderen am Pentagon vorbei ging. Die Zeit im Bus wurde aber durch einen kleinen Gottesdienst verkürzt, und wir waren alle in Vorfreude auf die Stadt. Erster Stopp war das Franklin Delanor Roosevelt Memorial. Leider regnete es leicht, über den Fluss wehte eine steife Brise und uns war ganz schön kalt. Das erste Memorial (Gedenkstätte) von vielen, die es in DC gibt, eine Angewohnheit die bei uns eher befremdlich wirken würde. Ganz Washington ist voll davon, man gedenkt allem möglichen, meistens Präsidenten und Kriegen, und neben den weltbekannten Regierungsgebäuden sind es eben diese Memorials, die der Stadt ihren Charakter geben. Dieses Memorial war also FDR gewidmet, dem 32. Präsidenten der Vereinigten Staaten, dem einzigen der mehr als 2 Amtszeiten hatte und das Land nach der Weltwirtschaftskrise und durch den zweiten Weltkrieg führte. Dabei verfolgte er eine sehr sozialdemokratische Politik, sein sogenannter "New Deal" führte einen Sozialstaat in vorher unbekanntem Ausmaß ein. Das Memorial selbst war in 4 Bereiche gegliedert die fast schon als (Freiluft-)Räume anmuteten, einer für jede Amtszeit. Dort waren dann Inschriften in Stein gehauen, berühmte Zitate von FDR, einige Statuen von FDR selbst, ein paar kunstvolle Steinhaufen und im Sommer wohl mehrere Brunnen, die aber ausgestellt waren. Im Bilderalbum bekommt man glaube ich einen ganz guten Eindruck wie es da aussieht. Von dort hatte man auch einen wunderbaren Ausblick auf das sowieso von überall gut sichtbare weil extrem hohe Washington Monument und das Jefferson Memorial, das wir aber leider nicht besucht haben. Vom FDR Memorial ging es dann ins erste Museums des Trips, das nationale Museum der amerikanischen Geschichte. Untergliedert in zahlreiche Ausstellungen wurden alle möglichen Aspekte der amerikanischen Geschichte beleuchtet, Präsidenten, Innovationen, Minderheiten, oder auch Kriege. Mein Lieblingsbereich war eine Ausstellung zur amerikanischen Nationalhymne, und der Flagge von der sie inspiriert wurde. Leider war gerade dort das Fotografieren verboten. Nach 2 Stunden dort und einem spärlichen (weil vorbestelltem) Mittagessen (Cheeseburger ohne Brötchen, Hühner-Nudelsuppe ohne Nudeln) wurde die Gruppe in einer logistischen Meisterleistung in drei geteilt. Eine Gruppe besuchte das Luft- und Raumfahrtmusem, eine die nationale Kunstgallerie mit Werken von so ziemlich allen namhaften Künstlern und wir besuchten den Supreme Court, den Obersten Gerichtshof der USA. Dort begrüßte uns Jonathan Bond, der Sohn einer unserer Grundschullehrerinnen der dort grade für ein Jahr als rechte Hand eines der 9 Verfassungsrichter arbeitet. Die Führung gab uns dann aber eine reguläre Führerin, aber mit unseren Connections konnten wir etwas hinter die Kulissen schauen. Der Gerichtshof selbst ist von außen wie innen sehr beeindruckend und wie überall in Washington sind die Säulen an allen Gebäuden omnipräsent. Ach ja, auf dem Fußweg vorbei am Kapitol fuhr Joe Biden, Vizepräsident der USA an uns vorbei, einer von 3 "Begegnungen" mit bekannten Politikern in unseren 3 Tagen in Washington. Weil wir als erste der drei Gruppen fertig waren machten wir auch noch einen viertelstündigen Abstecher ins Luft- und Raumfahrtmuseum, den ich mir aber auch hätte sparen können. Ich finde ja, es gibt nichts langweiligers als sich Flugezeuge anzugucken, außer Züge vielleicht... Als wir alle Gruppen wieder beisammen hatten (auf die Minute genau geplant) fuhren wir mit unserem Tourbus zum Ford's Theater, wo Abraham Lincoln 1865 ermordet wurde. Leider war das Theater selbst wegen Renovierung geschlossen, aber im Keller gab es eine interessante Ausstellung zu Lincoln, dem Bürgerkrieg, der Emanzipationsbewegung und der Verschwörung um seinen Mord. Insgesamt aber der am wenigsten aufregende Teil des Tages. Zum Abendessen hielten wir auf dem Weg heim ins Hotel bei einem All-You-Can-Eat-Restaurant. Für die Schüler war das praktisch weil es da für jeden was gab und sich die Kids sich die Ranzen vollschlagen konnten. Für mich gab es dann auch reichlich ohne Kohlenhydrate, Fisch, Huhn, Steak, was weiß ich. Verhungert bin ich dort dann ausnahmsweise mal nicht. ;) Den Abend verbrachten wir im Hotel, wo uns Jonathan Bond aus dem Supreme Court besuchte und 2 Stunden von seiner Arbeit berichtete und sich unseren Fragen stellte. Interessant fand ich, dass er diesen Job nur für ein Jahr macht. Jedes Jahr, zu Beginn der Saison im August wählt jeder 9 Obersten Richter 4 junge Anwaltsgehilfen aus, die mit großer Verantwortung an den Fällen arbeiten. Also nicht Heerscharen von Richtern und Anwälten entscheiden hier gemeinsam über verfassungsrelevante Fälle, sondern eine kleine begrenzte Gruppe. Jonathans Chef Scalia ist ein christlich-konservativer Richter mit einer berüchtigt großen Klappe, der gerne auch mal von der Richterbank scherzt. Es war jedenfalls unheimlich interessant, direkt aus dem Nähkästchen geplaudert zu bekommen. Viel näher an die amerikanische Rechtsprechung kann man kaum kommen und für die Kids (und mich) ist das wohl der direkteste und nachdrücklichste Weg wirklich was zu lernen. Die zweite Nacht entschied ich mich, auf dem Boden zu schlafen und tatsächlich bekam ich etwas mehr Schlaf als in Nacht Nummer eins. Vielleicht war ich aber auch einfach nur zu erschöpft um mich unbequem zu fühlen. Ach ja, die Kids, immerhin 11.- und 12.-Klässer machten uns den ganzen Trip über überhaupt keine Sorgen. Größter Zwischenfall war ein Hasenkostüm und ein Schüler der mal in einem Museum über eine Absperrung geklettert ist. Davon abgesehen hätten wir uns wirklich alle Aufsichtspersonen sparen können, kein Vergleich zu deutschen Kids. Auch nachts gab es keine Randale, um 23 Uhr waren tatsächlich die Lichter aus und die Türen zu, vielleicht aber auch weil die Türen mit Klebeband präpariert waren. Nicht zugeklebt natürlich um die Kids einzusperren, sondern einfach nur um morgens zu überprüfen wer im Zimmer geblieben ist und wer nicht. (Kein Witz, Bild gibts im Album!) Bei 38 Kindern gab es in 3 Nächten nicht eine einzige offene Tür. Ich denke da nur an unsere Trips nach Italien und Frankreich als wir in dem Alter und sogar noch jünger waren...
Tag Nummer 2 also, wir wollen ja irgendwann noch fertig werden mit dem Bericht, ihr mit Lesen, ich mit Schreiben. Erster Stop am Donnerstag war das Kapitol, der Sitz der amerikanischen Legislative mit ihren zwei Kammern, dem Senat und dem Repräsentantenhaus. Laut einer Statistik die ich grade nicht finden kann das bekannteste Gebäude der Welt. Hier werden die Präsidenten vereidigt und hier ist der höchste Punkt der Stadt, von der man einen tollen Ausblick auf das Washington Monument hat. Das Wetter war jedenfalls grandios und außer ein paar Schäfchenwolken begrüßte uns den ganzen Tag Sonnenschein bei leichten Plusgraden. Von der Spitze der Kuppel grüßte uns außerdem die allegorische "Freiheit" mit ihrem (und dem amerikanischen) Leitmotto "e pluribus unum" ("aus vielen eins"). Gesehen hatten wir das Kapitol bereits am Vortag schon auf dem Weg zum Supreme Court (ich berichtete ;) ), aber in der Sonne war das noch mal ganz was anderes und diesmal ging es dann auch hinein. Nach dem üblichen Security-Check machten wir eine knappe und informative Führung durch die heiligen Hallen der amerikanischen Gesetzgebung und bekamen dann die Gelegenheit einer Senatssitzung beizuwohnen. Wie im Bundestag wohl nicht anders waren nur die wenigsten Senatoren da (4 von 50) und diskutiert wurde über die Gesundheitsreform, richtig folgen konnte ich dem Inhalt aber nicht. War aber auch nicht schlimm, der Eindruck des Raumes selbst war einfach schon toll genug, und der erste Sprecher den wir sahen als wir reinkamen war John McCain, republikanischer Präsidentschaftskandidat und Herausforderer von Obama. Nach Joe Biden am ersten Tag also John McCain am zweiten, berühmte Politiker überall! Nach dem Mittagessen (Eierbrötchen ohne Brötchen) stand der ganze Nachmittag für das Holocaust-Museum zur Verfügung. So viel Zeit war auch nötig um den Brocken Holocaust angemessen zu bearbeiten und die Kids waren mit großem Respekt bei der Sache. Das Museum ist ganz toll gemacht, sehr multimedial, teils erdrückend, sehr anschaulich, aber natürlich mit sehr amerikanischer Perspektive. Das war aber auch sehr interessant, zu sehen wie die amerikanische Bevölkerung der Zeit auf die Ereignisse in Deutschland reagierte. Mich selbst hat das Erlebnis sehr bedrückt, besonders Ausstellungsgegenstände wie Original-Waggons aus den KZs oder Schlafplätze aus Auschwitz. Das machte das ganze sehr real. Es half, dass wir danach im Bus auf dem Weg zum Abendessen eine Diskussionsrunde zum Gesehenen abhielten. Ich konnte meine Sicht der Dinge darlegen, vor allem, wie man sich in der nun schon dritten Nachkriegsgeneration mit dem Thema so fühlt. Der Fokus des Tages dort lag aber sicher auf dem Gedanken, dass unbeteiligtes Zuschauen nie eine Option sein darf. Damit einher ging dann auch das letzte ausgestellte Zitat des Museums, gesprochen von Martin Niemöller, protestantischer Pfarrer der bekennenden (und widerständischen) Kirche und Freund von Dietrich Bonhoeffer: "Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie die Juden holten,
habe ich geschwiegen; ich war ja kein Jude. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestierte."
Abschluss des Tages war dann nach dem Abendessen und einem kurzen Stop im Hotel zum Umziehen die mit großer Vorfreude erwartete Nacht-Tour durch Washington. Ich war etwas besorgt um meine Fotos, Nachtfotos sind immer so eine Sache, gerade wenn man ohne Stativ unterwegs ist. Und bevor ich mit Blitz fotografiere, lasse ich es lieber ganz, macht immer ganz falsche Bilder. Mit einigen Tricks, Stromkästen, Treppenabsätzen und dem Selbstauslöser gab es dann aber auch scharfe Nachtbilder (nein, keine scharfen Nacktbilder, also bitte!!!) die es mit den anderen im üblichen Album gibt. Los ging es am Weißen Haus, das von der Nähe jetzt nichts besonderes ist, natürlich von einem Zaun abgesperrt, aber irgendwie hat es schon was, mal in persona davorzustehen... Von dort ging es ans Washington Monument, dem höchsten Obelisk der Welt und bis zur Fertigstellung des Eiffelturms das höchste Gebäude der Welt. An dessen Fuße gibt es außerdem die Gedenkstätte zum zweiten Weltkrieg, an der wir auch einige Zeit verbrachten. Am Fuße des allseits bekannten Reflektionsbecken spazierten wir dann in Richtung Lincoln Memorial, besuchten aber vorher noch das Korean und das Vietnam War Memorial. Alles bei Nacht sehr eindrucksvolle Orte die sich ganz dem Andenken an die gefallenen amerikanischen Soldaten in den entsprechenden Kriegen widmeten. Das Lincoln Memorial selbst war auch unheimlich beeindruckend, der sitzende Abraham ist einfach riesig und der Ausblick vom Memorial zurück über das Wasserbecken, das Weltkriegsmemorial zum Washington Monument und mit dem Kapitol im Hintergrund ist einfach bombastisch. Der Ausblick hat mich sogar so gefangen, dass ich ganz vergessen habe ein Bild vom Washington Memorial in seiner Gänze zu machen. Die Abendtour war jedenfalls ganz unvergesslich und nicht nur mein persönliches Highlight des Trips.
Am Morgen von Tag 3 war es dann schon wieder Zeit die Koffer zu packen und den Bus zu beladen, richtig los ging es aber erst nach drei weiteren Punkten unserer Tour. Zuerst hielten wir am Arlington Cemetery, dem zweitgrößten Friedhof der Staaten und voll mit weißen Soldatengräbern. Errichtet auf dem Anwesen von Robert E. Lee, dem bekanntesten Südstaatengeneral im Bürgerkrieg wurden hier seit dem Bürgerkrieg amerikanische Soldaten (zunächst des Nordens, um den Süden zu ärgern) begraben, und jährlich werden 5400 Menschen zu Grabe getragen, darunter viele Soldaten. Das Wetter spielte wieder mit und so konnten wir den ausgiebigen Spaziergang über den Friedhof durchaus genießen. Ziel war zunächst das Grabmal der Unbekannten Soldaten, Tag und Nacht von Soldaten bewacht und großer Touristenmagnet. Als Schule hatten wir dann auch eine Kranzniederlegung angemeldet, die mit 4 unserer Schülerinnen von Staaten ging und mit viel Tamtam abgehalten wurde. Von dort ging es zur Villa von Robert E. Lee, die nicht nur den Friedhof, sondern auch ganz Washington überblickt. Am Fuße der Villa liegt außerdem John F. Kennedy (mit Familie) begraben, umrahmt von tollen Zitaten und seiner Familie (das Grabmal von Bobby Kennedy ist nur 10 Meter entfernt). Ein weiteres tolles Erlebnis auf unserer Tour! Von dort ging es weiter zum letzten Memorial des Trips, diesmal wurde den US Marines gedacht und die Statue wurde dem berühmten Bild nachgebaut auf dem 6 US Marines eine Flagge auf der im zweiten Weltkrieg heiß umkämpften Pazifikinsel Iwo Jima aufrichten (Bild oben im Beitrag). Die Glorifizierung von amerikanischen Soldaten ist aus deutscher Sicht etwas befremdlich, aber wenn man die amerikanische Geschichte kennt, werden Vorurteile schnell abgebaut. Dort kam es außerdem zu unserer dritten "Begegnung", nach Biden und McCain also endlich Obama! Gesehen haben wir ihn nicht, aber die 30 Polizeibikes, 3 Limousinen, 5 SUVs, Krankenwagen und Panzerfahrzeug mit Maschinengewehr die an uns vorbeiheizten sprachen wohl Bände. Der letzte Stop am Freitag war dann das Schlachtfeld am Antietam, wo im Bürgerkrieg an einem einzigen Tag 23.000 Soldaten fielen. Richtig spannend wars da nicht, während dem Lehrfilm im Besucherzentrum bin ich dann auch eingenickert und als wir uns am Nachmittag endgültig auf den Heimweg machten wurde es dann auch Zeit nach drei intensiven Tagen Stadtreise wieder heimzukommen.
Wir alle waren auch froh dass wir freitags heimkamen und nicht sonntags und so noch ein Wochenende zum Entspannen vor uns hatten. Dumm nur, dass ich am Samstag schon wieder um 6 raus musste um mein erstes Training als Softball-Coach abzuhalten. Das ist dann aber eine Geschichte für das nächste mal, jetzt schaue ich erstmal die Oscar-Verleihung. Ganz ohne Zeitverschiebung!