Donnerstag, 8. Juli 2010

Huch, wo bin ich denn hier?

Um es gleich vorneweg zu nehmen: Dies wird mein letzter Blogeintrag sein. Ich werde anfangen einen Newsletter für die andere Seite, meine amerikanische Familie und Freunde zu schreiben und ich habe es jetzt schon fast nicht geschafft hier noch was produktives zu hinterlassen. Außerdem habt ihr mich ja nun wieder und habt an meinem Leben teil, da braucht ihr keinen Blog um auf dem Laufenden zu bleiben.
Ich bin also wieder hier und reichlich beschäftigt, aber bei allem Freizeitstress ist es einfach schön wieder daheim zu sein. In der letzten Woche wurde schon reichlich Familie besucht und mit Freunden verabredet und seit gestern sieht meine Wohnung auch schon fast wieder vorzeigbar aus. Ich will jetzt gar nicht lange auflisten was ich alles gemacht habe, das ist ja doch eher langweilig, aber ein paar Sachen sind mir einfach aufgefallen.
Der deutsche Straßenverkehr ist natürlich erst mal ungewohnt. Nach einem Jahr in amerikanischen Schlachtschiffen auf überbreiten Straßen war es dann erst mal gewöhnungsbedürftig am Wochenende durch die Weindörfer um Grünstadt zu fahren und dem immer enger werdenden Straßenverlauf zu folgen. Außerdem nerven mich hier überall Baustellen, vor allem um meine Wohung in Mainz herum und auf der Autobahn fühlt man sich auch nicht recht sicher... Aber das ist sicher alles Gewöhnungssache. Noch so ein Ding ist die fehlende Klimaanlage. Die war in den Staaten natürlich selbstverständlich und hier wundere ich mich dass selbst im Fitnessstudio 30° herrschen, es aber eigentlich auch keinen zu stören scheint. Sogar das Wasser aus dem Hahn ist nicht so kalt wie gewohnt und wenn ich im Café ein Eiswasser bestelle und ein kostenloses Hahnewasser mit viel Eis erwarte werde ich erst mal wie ein Auto angeguckt. Ich will mich aber nun auch gar nicht über solche Belanglosigkeiten beschweren, denn viel mehr als Klimaanlagen, große Straßen und Eiswasser vermisse ich natürlich meine liebe Gastfamilie. Auf der anderen Seite ist aber auch unheimlich schön wieder hier zu sein. Ich genieße jede Minute mit meinen Freunden und Familie und freue mich einfach riesig auf einen langen und wundervollen Sommer.
Das war es an dieser Stelle also von mir. Vielen Dank fürs Lesen und den ein oder anderen Kommentar. Ich habe hier immer sehr gerne geschrieben und ich werde bestimmt auch später noch unheimlich davon profitieren wenn ich mich in ein paar Jahren noch mal an diese großartige Zeit erinnern möchte. Jetzt aber eines nach dem anderen, freue mich auf euch und unsere gemeinsame Zeit hier!

Yours,
Daniel

Donnerstag, 1. Juli 2010

The Road to Home

So, eigentlich hab ich gar keine Zeit mehr zum Schreiben, der letzte Koffer ist grade gepackt und von Opi musste ich mich schon verabschieden. Ein letzte kurze Nachricht möchte ich aber noch loswerden. Um 21 Uhr deutscher Zeit hebt der Flieger ab, um 9:30 komme ich in Frankfurt an. Ich freue mich total auf euch alle in Deutschland aber bin untröstlich die Staaten und meine großartige amerikanische (XXL)-Familie hinter mir zu lassen. Über das Jahr reflektiere ich an dieser Stelle ein ander mal, aber für jetzt ist dies der letzte Beitrag aus Amerika. Wow!
Gestern hatten wir noch eine schöne Abschiedsfeier mit der erweiterten Familie und ein paar Freunden und so richtig realisiert hatte ich es da noch nicht, aber heute hat es mich nun "endlich" gepackt. Gleich kommen noch die engsten Cousins und Cousinen, Tante Nancy, Onkel Bob und Tante Karen und dann gehts zum Flughafen. Und dann heißt es wieder: "Leaving on a Jet Plane"...

Montag, 28. Juni 2010

If you're going to San Francisco...

...be sure to wear a warm winter jacket and sun lotion (braucht man eine warme Winterjacke und Sonnencreme). Immerhin eines von beiden hatte ich dabei und ihr dürft dann gleich erraten ob ich entweder erfroren bin oder mir einen üblen Sonnenbrand geholt habe. Eigentlich wollte ich meine letzten Tage hier nicht im Internet und am Bloggen verbringen, aber das Ende meines Urlaubs schulde ich euch noch und der Vollständigkeit halber möchte ich also hier noch zu Ende berichten. Bilder vom ganzen Trip gibt es dann wie gewohnt hier.
Am vergangenen Dienstag wachte ich das letzte mal in Port Angeles, Washington auf, wo mein Motel war. Nach dem Packen war es dann Zeit den südlichen Teil des Nationalparks zu erkunden. Zuerst ging es in den Hoh-Regenwald. Unter Regenwald hätte ich mir natürlich eher Brasilien oder so vorgestellt, aber dieser Wald ist einer der wenigen gemäßigten Regenwälder mit einem ganz speziellen Klima. Anfangs war ich nicht so begeistert, aber je weiter man den Wanderwegen folgte, desto dichter wurde der Wald und irgendwann sah man nur noch grün vor lauter Moos und Farnen, Bäumen und anderen Pflanzen. Sehr interessant zu sehen wie Bäume die schon ganz lange umgefallen waren wieder als Lebensgrundlage für neues Wachstum genutzt wurden und außerdem gab es auf dem Weg in den Wald reichlich Watipi-Hirsche zu bestaunen. Von dort ging es dann schon fast wieder auf den Weg zurück nach Seattle, aber die Südroute führte an noch 2 weiteren Zielorten ein. Kalaloch am Pazifik, wo es mehrere Strände zu genießen gab und den Quienault-Regenwald. Beides war traumhaft, aber irgendwie wollte ich dann auch schon bald wieder weiter und hatte nicht mehr so die Muße wie zuvor. Außerdem hatte ich zwei lange Wandertage in den Beinen und somit fuhr ich dann etwas früher als geplant zurück nach Seattle. Wie sich herausstellte war das auch die perfekte Entscheidung, denn ich geriet in eine Baustelle im Feierabendverkehr und brauchte gleich mal 2 Stunden mehr und kam doch erst am Abend am Flughafen an. Da mein Flieger nach San Francisco schon am frühen Morgen ging hatte ich mir ein billiges Motel direkt am Flughafen gebucht und mehr als eine Nacht musste ich zum Glück auch nicht dort verbringen. Immerhin war es richtig günstig. Die 3 Tage Nationalpark waren wirklich ein Traum, habe so viel gesehen und erlebt und hatte viel Zeit zum Nachdenken und für mich. Wunderbar! Mit dem Mietwagen brachte ich es in der einen Woche in der ich ihn hatte auf geschlagene 1200 Meilen, also 2000 km, von Garmisch-Partenkirchen nach Flensburg und zurück. Nicht dass ich diese Strecke mal fahren müsste...
Als ich dann am Mittwoch Mittag in San Francisco ankam war die Stadt ein echter Kultur-Schock. Nach 3 Tagen Alleinesein plötzlich viel zu viele Leute um mich herum. Noch voll bepackt kam ich am Marktplatz vorbei, gerade rechtzeitig zum Public Viewing Deutschland gegen Ghana, und es waren echt viele Deutsche da. Das war dann ganz nett, aber mit meinen Taschen wars dann doch eher unpraktisch. Beim Einchecken in die recht moderne aber in einer ganz furchtbaren Ecke gelegenen Jugendherberge lernte ich auch einen meiner 3 Zimmergenossen kennen, Josh aus Chicago, der mit dem Rad an der Westküste unterwegs war. Ich war dann ganz überfordert was ich mit dem angebrochenen Tag anfangen sollte und wusste gar nicht was ich zuerst machen sollte. Ganz ungewohnt für mich hatte ich außer Alcatraz am Freitag nämlich gar nichts geplant und so war ich erst mal ganz schön hilflos. Nach längerem inneren Hin und Her begann ich meinen Trip dann am UN Plaza, spazierte zum Cable Car-Endpunkt und lief den SF-Wahrzeichen im Endeffekt hinterher. Die vielen Hügel in SF rauf und runter ging es nach Chinatown, zur wundervollen Grace Cathedral (so wohlgefühlt habe ich mich zuvor in noch keiner Kirche), zur Lombard Street (der krummsten Straße der Welt), dem Coit Tower und zurück durch Chinatown wo ich auch in einem kleinen Restaurant zu Abend aß. Das klingt jetzt gar nicht so viel, aber auch in SF, wie in jeder anderen amerikanischen Stadt sind die Wege unglaublich weit, und ich kam erst gegen 21 Uhr ins Hostel, nach fast 6 Stunden "Spaziergang" durch das hügelige Terrain der Stadt. Das Wetter war zum Glück ganz gut, auch wenn es für Juni ungewohnt frisch war. Ohne meinen Winterfleece hätte ich da gefroren. Vor der Nacht in der Jugendherberge graute es mir ja etwas, Schnarcher, Stinker, Heizer und Fensterschließer waren mir ungeheuer, aber ich konnte erstaunlich gut schlafen. Hatte mich ja auch ordentlich müde gelaufen.
Für Tag 2 hatte ich in der Herberge einen Flyer für einen Fahrradverleih gefunden der für Hostelgäste eine Rate von 18 USD anbot. Leider war das Wetter echt Mist, nebelig, es nieselte leicht und vom Himmel war nix außer grau zu sehen, aber letztendlich wollte ich den Tag nicht verlieren, also schwang ich mich tapfer aufs Rad und fuhr die 5 Meilen zur Golden Gate Bridge von der wetterbedingt nicht allzu viel zu sehen war. Trotzdem war der Anblick natürlich imposant und toll, und mit der schlechten Sicht muss man im Sommer in San Francisco wohl rechnen. Angekommen auf einer Aussichtsplattform auf der anderen Seite der Brücke entdeckte ich zufällig Josh, meinen Bettnachbarn vom Tag zuvor der auch mit dem Rad unterwegs war. Ohne ihn hätte ich wohl umgedreht, aber gemeinsam wollten wir dann noch eine Weile weiterradeln, auch wenn ich skeptisch war wie das mit mir auf meinem klapprigen Leihrad und dem 55kg-Josh auf einem Ultraleicht-Touringrad in dem hügeligen Terrain werden sollte. Josh war aber scheinbar so happy über die Gesellschaft, dass er geduldig auf mich wartete wenn ich mal hinterher war und wir den ganzen Rest-Tag verbrachten. Die Radtour führte uns bis zur Küste in den Westen, mit ein paar tollen Punkten von denen man eine tolle Aussicht auf die Brücke hatte (naja, bei gutem Wetter gehabt hätte)... Es war gut, mal wieder jemanden zum Quatschen zu haben und nach dem gemeinsamen Abendessen saßen wir noch bis abends in der Hotellobby zusammen.
Am nächsten Tag machte ich mich trotzdem dann wieder alleine auf den Weg und spazierte nach Ashbury Haights ins Hippie-Viertel, wo ich es aber nicht so interessant fand und von dort ins Castro, das Schwulenviertel wo ich dann mehr Zeit verbrachte und den "Spirit" der sexuellen Unabhängigkeit San Franciscos atmete und genoss. Von dort ging es mit der Bahn an die Piers, die touristisch überlaufen sind. Eigentlich hat es mir da dementsprechend auch nicht so gefallen, aber da meine Alcatraz-Fähre von dort abfuhr und ich nicht genug Zeit hatte noch was anderes zu machen musste ich etwas Zeit totschlagen und lag viel in der Gegend herum und blickte aufs Wasser. Da habe ich wohl die vernebelte und ab und an herausschauende Sonne etwas unterschätzt und mir nen richtig dicken Sonnenbrand zugezogen. Immerhin hab ich jetzt mal Farbe im Gesicht, aber während ich das hier ein paar Tage später schreibe rieselt mir die sich abpellende Haut aufs schwarze Shirt und tut immer noch weh. Sonnencreme hätte geholfen... Abends gab es dann die "Nachttour" nach Alcatraz die zuallererst mal einfach nur kalt war. Wenns wirklich auch noch im Juni so eklig ist wollte ich da nicht eingesperrt sein. Die Insel und das Gefängnis haben natürlich total viel Flair und im Hauptgebäude selbst gab es eine tolle Audio-Führung und danach zwei Vorträge über Fluchtversuche und berühmte Insassen. War trotz Wetter also ein toller Ausflug und wieder wäre der Blick auf die Golden Gate Bridge im Sonnenuntergang ohne Nebel toll gewesen. Aber hey, ich war da!
Am Samstag hatte ich dann kaum noch Zeit in der Stadt, da mein Flieger mittags ging und ich ja früh am Flughafen sein musste. Dennoch traf ich Josh noch mal und ich nahm ihn mit zu einem letzten Besuch in der beeindruckenden Grace Cathedral, bevor ich mich verabschiedete. Auf dem Weg zur U-Bahn kam ich aber wieder am Rathausplatz vorbei und spazierte dort noch ausführlich über das Pride Festival. Da muss ich zur Erklärung noch etwas ausholen, denn mein Trip war wirklich nicht gut getimet. Wie ich erst erfuhr als ich am Mittwoch ankam, war über das Wochenende die San Francisco Pride, die größte Schwulen- und Lesebenparade und -Straßenfest der Welt. Den Spaß würde ich also verpassen, da hab ich einfach schlecht geplant. Da ist man schon mal in San Francisco und verpasst die größte Veranstaltung des Jahres um einen Tag. Dumm gelaufen! Von SF ging es dann aber erst mal nach Denver, wo Wetterchaos herrschte und mein Anschlussflieger über eineinhalb Stunden verspätet war. Dementsprechend kam ich auch erst um 3 Uhr nachts wieder daheim an und war ziemlich platt. Der nächste Morgen sollte leider keine Entspannung bieten, denn da dies mein letzter Sonntag hier sein sollte musste ich mich natürlich schon in der Kirche blicken lassen. Doch Oh Schreck! Deutschland spielte ja um 10, schlechteste Kirchenzeit! Ich entschloss mich also in den (langweiligeren) frühen Gottesdienst zu gehen, stand noch früher auf und schaute danach die zweite Halbzeit mit Opi, Onkel Rick und Onkel Bob in einer Kneipe in der Nähe der Kirche, während die Damen ebendort blieben. Nach dem Deutschlandspiel heim, erst mal auspacken was ich morgens noch gar nicht gemacht hatte, Wäsche waschen, und dann gleich weiter zur "Abi"-Party einer unserer Schülerinnen wo ich viele meiner Schüler und viele Kollegen auch noch mal sehen konnte und dann schließlich verabschieden musste. Danach gleich zum nächsten Abschied, eine Familie aus der Kirche geht in die Philipinen und hatte an dem Abend eine Abschiedsfeier wo ich dann auch noch mal den Leuten aus der Kirche tschüß sagen konnte (was mir wesentlich einfacher fiel als der Abschied von den Schülern und Freunden...). Ein langer Tag also und fast der letzte Abschied. Nun fehlt eigentlich nur noch die Familie, mit der ich die letzten dreieinhalb Tage genieße. Außerdem gehe ich wie immer ins Fitness und habe heute wieder mal ein Rezept an Omi und Opi ausprobiert (und für gut befunden: Korean Chicken). Wahrscheinlich wird dies mein letzter ausführlicher Report aus den Staaten sein, am Donnerstag Nachmittag hebt mein Flieger hier in Cleveland ab und ich verabschiede mich fürs Erste aus dem Mittleren Westen. Was ein Jahr!

Montag, 21. Juni 2010

From Sea to Shining Sea

In der Philosophie gibt es einen Begriff, den ich kurz vorstellen möchte: Das Erhabene. Im Englisch-Studium habe ich schon ausführlicher über "the sublime" diskutiert und gelesen, und heute konnte ich kaum an etwas anderes denken. Das Erhabene beschreibt ein Gefühl das sich einstellt wenn man etwas Großem, Mächtigen ausgesetzt ist, ein Gefühl das einen total überwältigt. Schopenhauer beschreibt es so: »Das Extrem des Schönen, wo sich die theoretische Negation der zeitlichen Welt und Affirmation der ewigen, welche durchaus das Wesen aller Schönheit ist..., auf die unmittelbarste, ja fast handgreifliche Weise ausspricht«. Das Extrem des Schönen also. Unter diesem Motto kann meine Reise durchaus laufen, ein Extrem nach dem anderen. Es ist so schwer zu beschreiben wie es sich anfühlt, und natürlich können die Bilder nur ein Minimum von dem transportieren was ich gefühlt habe. Man kann es sich so ein bißchen vorstellen wie das Gefühl dass sich einstellt wenn im Schlusssatz von Beethovens Neunter nach dem Marschteil ganz langsam die Spannung aufgebaut wird, Akkord für Akkord, und die sich dann mit brachialer Freude, Größe und eben Erhabenheit im strahlenden Tutti entlädt. Meine Reise: Eine ständige innere Neunte Sinfonie. Und viel Autofahren! Ich werde nur ein paar Worte zu den einzelnen Stationen verlieren, Bilder zu allem findet ihr im gewohnten Album hier und wer das alles selbst erleben will muss einfach beim nächsten mal mitreisen!
Am Freitag ging es von Coeur d'Alene in knapp 5 Stunden zum Mt. Rainier Nationalpark, einem aktiven Vulkan. Schon auf dem Weg konnte ich den Blick über einen Canyon schweifen lassen, staunte über einen Wasserfall am Straßenrand und genoss die Fahrt über den Pass zum Bergriesen. In allen Nationalparks läuft das Prozedere ungefähr gleich ab. Man zahlt Eintritt an einem der Eingänge und fährt dann zu einem der Besucherzentren von wo es zahlreiche Wanderwege und Aktivitäten gibt. Eigentlich recht einfach, man muss nicht besonders vorbereitet sein, Infos gibt es jeweils dort und dann sucht man sich einfach heraus was man machen möchte. Mein erster Stop war am Ohanapecosh-Fluß an der Südostecke von Mt. Rainier, wo ich eine Wanderung (3 Meilen sind ja jetzt nicht so viel, aber über den Tag verteilt summiert sich das und Spaziergang klingt doof) zu Wasserfällen, und eine weitere zu einer kleinen Flussinsel mit uraltem Baumbestand machte. Von dort wollte ich eigentlich nach Seattle weiter, aber ich dachte wenn ich schon mal hier bin nutze ich auch alles voll aus und bin ins nächste Besucherzentrum, den Berg herauf, gefahren. Leider war es etwas bewölkt und man konnte die Spitze des Vulkans nicht sehen, aber die Fahrt nach oben war trotzdem toll, überall kleine Wasserfälle, irgendwo muss das schmelzende Eis ja abfließen, und recht bald dann auch Schnee und Eis. Wandern konnte man oben dann dementsprechend ohne entsprechende Ausrüstung auch nicht, aber ich genoss die Aussicht von den Zahlreichen Haltebuchten auf dem Weg nach oben.
Weiter ging es dann nach Seattle, wo ich um halb 8 ankam, genau 12 Stunden nachdem ich in Idaho aufgebrochen war. Dort bezog ich bei dem Freund eines Freundes mein Quartier und Kamil und seine zwei Mitbewohner waren wirklich super gastfreundlich, auch wenn die Wohnung ziemlich... chaotisch war. Und gleich ging es weiter, nach Einbruch der Dunkelheit fuhren wir auf die andere Seite der Bucht und genossen den Blick auf das nächtliche Downtown mit der bekannten Space Needle. Am Samstag im Hippie-Stadtteil Fremont große Mittsommerparade, angeführt von Tausenden Nacktradlern, die sich bunt bemalt hatten und der Kälte und dem Regen trotzten. Eigentlich sollte ja der Sommer eingeleitet werden, aber bei mir war da mit 10° C noch nicht viel Summerfeeling vorhanden. Nach den Radlern dann ein Umzug mit allen möglichen "alternativen" Gruppen und danach dann eine Bummelmeile mit Zeug, Essen und allem möglichen, wie man das halt so kennt. War eigentlich ein ganz netter Tag, und Abends ging es dann noch spät auf die Geburtstagsparty von irgendwem und reichlich spät ins Bett.
Am Sonntag Morgen half dann alles nichts, um 7 hieß es wieder aufstehen für mich, ich hatte ja noch einen langen Tag vor mir. Zunächst ging es auf den Pike Street Market, einem bekannten Markt in Downtown Seattle wo Erzeuger selbst Obst und Gemüse verkaufen, frischer Fisch aus dem Hafen kommt und kleines Kunsthandwerk verkauft wird. Außerdem befindet sich dort der allererste Starbucks, wo ich mir einen Kaffee dann nicht entgehen ließ, vor allem weil ich immer noch so müde war. Von dort aus ging es dann mit der Fähre auf die Olympia-Halbinsel, die fast ganz als Nationalpark ausgewiesen ist. Die halbstündige Überfahrt war fast unspektakulär, bis ich den Orca-Wal entdeckte der ein paar hundert Meter vom Schiff schwamm. Schade, dass ich keine bessere Kamera habe, aber ein paar Beweisbilder habe ich immerhin geschossen. Auch hier wieder: Das Erhabene, diesmal in der überraschenden Begegnung mit einem Tier. Nach einer einstündigen Fahrt und war ich in Port Angeles angekommen, wo ich für 2 Nächte ein Motel gebucht hatte. Viel Zeit verbrachte ich nicht auf dem Zimmer, denn natürlich wollte ich gleich in den Olympic Nationalpark weiter und den Tag voll nutzen. Das erste Besucherzentrum ist praktischerweise nur eine Stunde hinter dem Motel und damit wirklich noch gut zu erreichen. Hurricane Ridge ist eine kleinere Bergkette, die so vor den Olympic Mountains gelegen ist dass man von ihr eine tolle Aussicht auf die eigentlichen Berge hat. Ich war etwas skeptisch, weil es furchtbar bewölkt war, aber nachdem ich bei schwerster Sicht durch dichten Nebel den Berg hochgekommen bin und über den Wolken weiterfuhr war der Ausblick gigantisch. Gleich beim ersten Gipfel hielt ich an, zückte die Kamera und freute mich total, aber das wurde dann noch alles bei weitem übertroffen als ich am eigentlichen Zielpunkt angekommen war. Das Erhabene... Auch hier gabs viel Schnee und die Wege in direkter Nähe zum Besucherzentrum waren teilweise noch zugeschneit (und wurden zum Snowboarden genutzt), das hielt mich diesmal aber nicht vom Erkunden ab, und so erkletterte ich 2 kleinere Aussichtspunkte. Dann ging es weiter (und höher) mit dem Auto und von dort auf einen Höhenwanderweg, der wieder tolle Aussichten und zahlreiche Begegnungen mit wilden, aber gar nicht scheuen Hirschen bot. An vielen Punkten musste ich einfach Halt machen und mir selbst an den Kopf fassen, so schön wars. Und wenn ich meinen iPod dabei gehabt hätte, wäre der Soundtrack zu Herr der Ringe sehr passend gewesen, denn mit den Bergen im Hintergrund und einem dichten Wald davor fühlte ich mich doch sehr an Mittelerde erinnert. Heute ist es grade mal Montag und alleine der Sonntag hätte genug Stoff für 3 Bilderalben und Urlaubstage geboten, aber hier geht alles Schlag auf Schlag.
Heute, am Montag, ging es dann ein paar Meilen weiter zum nächsten Besucherzentrum, Sol Duc, wo man im Herbst Lachse einen Wildwasserstrom hoch schwimmend beobachten kann und im Sommer Wanderwege durch einen alten Wald zu Wasserfällen führen. Gerne wäre ich da noch weitergewandert, aber ich hatte so viel geplant dass ich nach einem einstündigen Rundweg schon weiter fahren musste. Nächster Stop war das kleine Städtchen Forks, wo die verfilmte Twilight-Saga spielt und sich Tourismus-mäßig alles umdieselbige dreht. Ich hielt meinen Besuch aber kurz und fuhr gleich weiter zum Rialto Beach. Das besondere am Olympic Nationalpark ist seine Vielfältigkeit. Er umschließt nicht nur die Bergkette und den umliegenden Wald, sondern auch ein unglaublich langes Stück Pazifikküste. Die Landschaft dort war wieder unbeschreiblich schön und ich war einfach nur total froh endlich am Pazifik angekommen zu sein. Vom Parkplatz kletterte ich über ein riesiges Treibholzfeld zum Strand, wo zum Glück (eigentlich nicht Glück sondern mein geplantes Timing) Ebbe herrschte und alle Wege auch tatsächlich erreichbar waren. Den Strand zu beschreiben ist schwierig, aber man kann sich vorstellen, dass dichter Wald bis fast zum Wasser reicht, dann etwas fast wie eine Mauer aus Treibholz und dann Kieselstrand mit ganz glatten, runden Steinen. Überall ragten auch Felsen aus dem Meer die jedes Bild verschönern. Wer will auch nur Wasser auf dem Foto haben? Dem ganzen wurde dann die Krone aufgesetzt als ein Weißkopfseeadler in meiner direkten Nähe einen toten Fisch verspeiste. Leider fühlte er sich wohl gestört und flo(h)g in den Wald, wo ich ihn aber noch eine Weile in den Baumwipfeln sehen konnte. Das Wappentier der Vereinigten Staaten war wohl bedacht, dass ich ihm nicht das Fressen klaue. Von dort ging es weiter nach La Push, einem weiteren Abschnitt des geschützten Pazifiks wo aber kaum Treibholz und dafür echter Sandstrand zu finden waren. Dort entstand dieses Panoramabild:


Danach haderte ich lange mit mir was ich noch machen sollte, der Hoh-Regenwald war ungefähr eineinahlb Stunden südlich, aber es war bereits 4:30 Uhr und ich wollte mich nicht hetzen. Außerdem liegt der morgen auch noch auf dem Weg. Also entschied ich mich, zum Cape Flattery zu fahren, der Spitze der Halbinsel, die den nordwestlichsten Punkt der gesamten zusammenhängenden USA (also ohne Alaska) markiert. Ich fühlte mich sehr an die Küste in der Bretagne erinnert, aber mit dem dichten uralten Wald im Rücken war es dann doch irgendwie anders. Es war ein ganz tolles Gefühl an diesem Punkt zu stehen, von da ging es wirklich nicht mehr weiter, ich hatte das Gefühl ich habe alles ausgereizt. Eben "from sea to shining sea". Unglaublich, wie weit ich in diesem einen Jahr gekommen bin. Von New York City über Cleveland nach Florida im Süden und nun hier im Westen. Die Zufriedenheit die sich damit einstellt ist schwer beschreibbar. Aber eben darum begann ich diesen Beitrag mit der philosophischen Einleitung: Erhaben wars, besser kann man es nicht umschreiben. Um zum Kap zu kommen musste ich übrigens ganz schön viel Fahrt in Kauf nehmen, denn die Spitze ist natürlich nicht über die Schnellstraße zu erreichen. So war ich ca. eineinhalb Stunden auf dem weg zum Cape unterwegs, entlang an der Küste, hoch, runter, Serpentinen, durch Indianerreservate, an kleinsten Fischerdörfchen vorbei. Zurück nach Port Angeles war es dann auch nicht besser, für die 70 Meilen (112km) brauchte ich über 2 Stunden, aber gelohnt hat es sich total. Ich glaube besser ginge es nur noch mit einem Sonnenuntergang vor Ort, aber mit der langen Rückfahrt und der Tatsache dass heute der längste Tag des Jahres war, war mir das dann doch etwas zu viel. Beim nächsten mal!
Morgen knacke ich dann die 1000-Meilen-Marke auf dem Weg zurück nach Seattle. Drei weitere Stops habe ich geplant im Nationalpark, eine Pazifikküstengegend und zwei Regenwälder, und spät abends übernachte ich dann in einem sehr billigen Motel direkt am Flughafen, denn am Morgen geht es nach San Francisco. Und selbstverständlich bin ich dann auch dort wieder auf der Suche nach dem Erhabenen!

Donnerstag, 17. Juni 2010

It never rains in Coeur d'Alene

Leider doch, Regen Regen Regen! Deswegen hab ich auch genug Zeit und Muße heute schon wieder zu schreiben. Sitze den dritten Tag in Folge hier in dem kleinen Café und esse meinen Salat zum Mittagessen. Mit dem Besitzer bin ich inzwischen per du, und ich habe mich hier mit meinen Straßenkarten und Laptop in meiner kleinen Stammecke ausgebreitet.
Gestern wachte ich zu Regen auf, aber daheimbleiben war nicht drin, ich musste ja meinen Leihwagen abholen, und so lief ich dann von Tante Doris im Regen Downtown und holte meinen Wagen. Das war dann erst mal sehr erleichternd, denn nun musste ich nicht mehr im Nassen laufen sondern bin erst mal gemütlich ins City Perc (das Café) gefahren und habe Pläne gemacht. Da das Wetter auf absehbare Zeit nicht besser werden sollte und ich nicht versauern wollte habe ich mich dann doch irgendwann auf den Weg gemacht und bin am See entlang zu einem Wanderweg gefahren, der mich zu einem Aussichtspunkt 900 m über NN führen sollte. Hat er auch! Die 8 km Wanderung (oder Spaziergang, wie man will) durch den Wald waren wunderbar, bei dem Wetter war ich auch der einzige und irgendwann hatte wohl jemand Mitleid mit mir und der Regen wich einem leichten Nieseln. Die Bilder sind dementsprechend alle etwas trübe, aber ich finde dennoch sehenswert (wie immer hier). Oben angekommen hatte man von den diversen Aussichtspunkten eine tolle Aussicht auf die Gegend, den See und die umliegenden Berge. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt in Kauf zu nehmen etwas nass zu werden, denn auch heute war das Wetter nicht besser. Eigentlich hatte ich eine Bike-Tour am See geplant, aber das war mir im Regen dann doch etwas zu Hardcore und so hatte ich Gelegenheit heute morgen endlich Les Miserables fertig zu lesen und dann wieder für Stunden im City Perc zu sitzen wo ich Routen für die nächsten Tage ausgeheckt habe. Eigentlich wollte ich morgen ja recht direkt von hier nach Seattle cruisen, aber jetzt habe ich mich doch entschieden einen 3-stündigen Umweg in Kauf zu nehmen um noch den Mt. Rainier-Nationalpark zu besuchen. Hoffentlich ist das Wetter dann gut genug um eine tolle Sicht auf den 4000-Meter-Riesen zu bekommen. Ab Freitag Abend bin ich dann in Seattle bei Kamil, einem Freund von PC Britz mit dem ich in Mainz studiere. Der hat sicher Internet und dann schau ich hier auch wieder mal vorbei. Bis dahin noch einen letzten lieben Gruß aus Idaho.

Dienstag, 15. Juni 2010

How the West Was Won

Ah, endlich! Urlaub! Wo genau ich diesen Blog abschicke weiß ich noch nicht, im Moment bin ich noch bei Tante Doris zu Hause, werde aber nachher in die Stadt laufen und hoffe dass ich auf eine WLan-Ader stoße. Zunächst aber ein paar Gedanken die ich während dem Flug von Denver nach Spokane hatte. Ich habe etwas mit mir gekämpft ob ich sie abschreiben und posten soll, aber eigentlich kann ich nichts Negatives an ihnen finden, auch wenn sie sehr persönlich sind und vielleicht etwas ungewohnt klingen. Hier also was ich schrieb:

„Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich im Flugzeug von Denver nach Spokane. Seit ein paar Minuten ist der Himmel frei von Wolken und die Sicht frei auf die atemberaubende Berglandschaft der Rocky Mountains unter mir. Eine tiefe Melancholie umfängt mich und wenn ich aus dem Fenster schaue kann ich Tränen kaum zurückhalten, so schön ist der Ausblick. Mit dieser Reise geht ein über 10-jähriger Traum in Erfüllung, tief verwurzelt im Aufwachsen mit meinem Vater. Dazu lese ich Schriften von Frere Roger aus Taizé der mich mit seinen Gedanken sehr bewegt. „Liebe, und sag es mit deinem Leben“ ist eines der Zitate die mich beschäftigen und ich freue mich darauf im Herbst selbst eine Woche in der französischen Gemeinde zu verbringen. Ich lese Psalm 8, der passender nicht sein könnte beim Anblick der majestätischen Gipfeln unter mir: „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“

Ich bin voller Freude über das vergangene Jahr, das ich mit meiner Reise abschließe, voll Freude über die Freunde dich ich gemacht habe und über die Gemeinschaft in der ich leben und arbeiten durfte. Ich glaube, das alles ist nur der Anfang eines neuen Ichs, gekreuzigt mit Jesus Christus (Galater 2,20) und getauft durch den Heiligen Geist, der mir ein Leben in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut und Selbstbeherrschung ermöglicht.

Ich komme nicht umhin, an das Lied „Into the West“ zu denken (und es in Dauerschleife im iPod abzuspielen), mit dem Annie Lennox die Herr der Ringe-Trilogie abschließt. Der Westen ist darin Sinnbild für das ewige Leben der Elben, der Tod nur eine Schifffahrt auf dem Weg in ein fernes Land wo ein neues Leben beginnt. Obwohl ich weder Elb noch Hobbit bin (wobei, der Appetit, die behaarten Füße…) verbinde ich dieses Lied mit meiner Reise und mit dem Heimkommen. Und jetzt liegt im Westen sowohl ein Ende, als auch ein Neuanfang. „You have come to journey’s end“, du bist am Ende deiner Reise angekommen. So weit ist es noch nicht ganz, aber inzwischen ist es ganz eingesickert dass ich bald schon wieder zu Hause bin. „The ships have come to carry you home.“

So viel also zu meinen Gedanken während der Reise. Nun aber noch mal ein kleiner Bericht wie alles lief und was ich in den ersten 3 Tagen hier in Idaho erlebt habe. Die vergangene Woche war ja die letzte in der Schule, montags hatte ich gleich frei und dienstags musste ich nur meine Abschlussklausuren beaufsichtigen. Dienstagabend dann gleich schon Korrektur und Mittwoch kam ich dann nur noch in die Schule um mein Zimmer auf- und den Schreibtisch auszuräumen, die Arbeiten fertig zu korrigieren und mich zu verabschieden. Dabei entstand dieses Bild mit all meinen Deutsch-Schülern:

Am Mittwoch haben wir dann außerdem auch endlich eine Entscheidung über meine Nachfolgerin getroffen, nachdem es da ein bisschen Verzug gegeben hatte. Nun wird mich eine 28-jährige Studentin aus Berlin ersetzen, und ich bin gespannt wie sie sich als Atheistin an der CCS schlagen wird. Selbst Kontakt habe ich mit ihr noch nicht aufgenommen, aber wenn ich wieder daheim bin werde ich sicher mal mit ihr mailen oder sprechen und ihr alle nötigen Infos geben. Am Donnerstag ging es dann mit den meisten Schülern und ein paar Vätern in den Freizeitpark Cedar Point, einem der größten (und besten) in den Staaten und der Welt, und diesmal hatte ich im Gegensatz zu unserem Besuch im Oktober eine richtig gute Zeit. Wir waren von morgens bis spät abends da und wenn ich nicht verantwortlich war, dass alle Kids sich regelmäßig bei uns Betreuern melden bin ich fast alle großen Achterbahnen gefahren und hatte einen riesen Spaß. Den Freitag habe ich dann meinen ganzen Kram aufgeräumt, Wäsche gewaschen und die meiste Zeit des Tages mit Fußball schauen verbracht (neben dem obligatorischen Besuch im Fitnessstudio). Den Morgen hing ich aber erst mal in Warteschleifen der Fluggesellschaften fest, weil eine Mail ankam die mich an meinen Flug am Sonntag erinnern wollte. Dabei hatte ich doch für Samstag gebucht! Wie sich herausstellte wurde mein Flug schon im April gecancelt und auf Sonntag umgelegt, man hat scheinbar nur vergessen mir das zu sagen. Das war also erst mal große Aufregung, aber im Endeffekt wars dann auch egal, wie sich herausstellte war es sogar fast besser so herum. Am Samstag hatte ich dann nämlich Zeit auf eine Veranstaltung meines Schülers DJ zu gehen, der in einer groß angelegten Zeremonie die „Eagle“-Auszeichnung der amerikanischen Pfadfinder verliehen bekam. Ich wusste nicht so ganz was mich erwarten würde, aber das ist wohl die höchste Auszeichnung die man erlangen kann und wie man hier sagt „a big deal“. Zurück zu Hause schaffte ich es erfolgreich, das Packen weiter vor mir her zu schieben und schaute bei Onkel Bob das Spiel der US-Boys gegen England. Dann aber packen, und das tat ich im Endeffekt bis ich um 8 Uhr abends ins Bett ging. Zum Glück schlafe ich ja zu jeder Uhrzeit, denn um 2 Uhr nachts wars schon vorbei mit der Nachtruhe und ich musste mich fertig machen, um 3 Uhr losfahren, damit ich rechtzeitig um halb 5 am Flughafen für meinen 6-Uhr-Flug bin. Hat auch alles wunderbar geklappt, die Flüge waren angenehm und die Aussicht auf dem Weg von Denver nach Spokane unbeschreiblich. Dort holten mich Tante Doris und mein Großcousin Gary vom Flughafen ab und es ging von Washington (State natürlich) nach Idaho.

In Coeur d’Alene (oder kurz CdA) angekommen machten wir gleich nach dem Mittagessen einen ausführlichen Ausflug an den See, an dem die Stadt liegt. Wohin man schaut hat man hier eine schöne Aussicht, und der See selbst ist einfach nur traumhaft. Dementsprechend ist CdA heute auch fast nur noch als Touristenstadt bekannt, die Bergbauindustrie ist lange geschlossen und von der Holzindustrie kann die Region nicht leben. CdA ist also eine ausgewiesene und bekannte Urlaubsstadt für Leute aus dem ganzen Nordwesten, und überall sieht man Golfer und Segler, große Yachten und Familien auf Fahrrädern. Am Montag hatte Tante Doris noch einen weiteren Tag frei und gemeinsam fuhren wir in das bekannte CdA-Resort in dem sie im Housekeeping arbeitet. Das Resort ist das größte und beste in der Region, direkt am See gelegen trohnt es über der Stadt und ist mit dem 18-Loch-Golfkurs ihr Aushängeschild und Touristenmagnet. Durch Doris Job konnten wir natürlich in alle Bereiche des Hotels und Highlight war natürlich die Penthouse-Suite im obersten Stock, mit Whirlpool auf dem Balkon, Pool auf dem Dach und einer gigantischen Aussicht über den See. Vom Hotel fuhren wir dann nach Westen, fast bis nach Montana und besuchten eine alte Missionarskirche, das älteste Gebäude Idahos. Fast unvorstellbar dass vor 200 Jahren hier noch kein Haus stand und nur die amerikanischen Ureinwohner lebten. Geschichte ist noch so neu hier. Dort sahen wir auch ein paar Elche, zwar nur in der Ferne, aber die Viecher waren dennoch riesig! Auf dem Heimweg durch die Berge machten wir noch einen letzten Stopp in einer bekannten Bar, der „Snake Pit“. Mein Cousin Harald aus New Jersey, der ja hier aufgewachsen ist, meinte wir müssen unbedingt hierher und die „Rocky Mountain Oysters“ probieren, die Rocky Mountain-Austern. Als ich dann kapierte dass das natürlich keine Muscheln sind, sondern Stierhoden bestellte ich dann aber doch lieber was anderes… Heute ist Doris arbeiten und ich habe noch keinen Mietwagen, also sitze ich fürs erste hier fest, werde aber wohl gleich den Fußweg in die Stadt in Kauf nehmen (bestimmt über eine Stunde, aber immerhin gibt es Bürgersteige) und mich in ein Internetcafe und dann an den See setzen. Morgen gibt es dann das Auto und dann habe ich noch zwei Ausflüge hier in der Gegend geplant bevor es nach Seattle geht. Davon berichte ich dann aber beim nächsten mal.

PS: Nach einer Stunde strammen Laufen habe ich hier im Stadtzentrum ein tolles Café gefunden wo ich grade einen Salat gegessen habe und jetzt Espresso und Eistee schlürfe und Bilder hochlade. Wie immer gibt es eine Auswahl auf Facebook oder im Online-Fotoalbum hier.

Montag, 7. Juni 2010

School's out, for summer!

Es kommt ja schon fast als Überraschung, dass es nun doch schon so weit ist, aber seit Freitag bin ich mit Unterrichten fertig! Offiziell haben wir zwar noch 3 Tage Schule, aber dazu gleich mehr.
Am vorvergangenen Wochenende hatten wir einen tollen Grillabend geplant mit meinen engsten Freunden aus dem Cleveland Orchestra Chorus. Eingeladen hatte Susan in ihre Villa am Lake Erie, mit traumhafter Aussicht bis nach Downtown Cleveland und einem Koch- und Essbereich der größer ist als unsere Wohnung in Mainz. Ich hatte angeboten, die anderen mit deutschen Salaten zu verwöhnen und so stand ich Samstag zur Vorbereitung und Sonntag zum Kochen und machen fast zwei ganze Tage in der Küche und machte Spargel-, Karotten- und Kartoffelsalat, sowie Grillfeta, den die Amis auch nicht kennen. Dazu gab es Hühnchen und leckere Spare Ribs, Mais und Mac'n'Cheese. Es wurde also geschlemmt und der Abend war ein ganz toller Abschied von meinen lieben Chorfreunden. Gefeiert haben wir am Sonntag, weil am Montag wegen Memorial Day frei war (als feiertagsverwöhnter Deutscher hab ich das auch immer noch nicht ganz verinnerlicht, dass man an Pfingsten, Christi Himmelfahrt und Fronlaichnam arbeiten soll, aber dann für die US-Soldaten daheim bleiben darf) und den Montag versuchte ich dann panisch das Gegessene wieder abzutrainieren... Tja, das kommt davon! Überhaupt war ich aber die Woche fünf mal im Fitnessstudio, das wirklich inzwischen zum Hobby geworden ist. Ohne fühl ich mich unwohl und nach dem Training hab ich mehr Energie als vorher. Das soll dann natürlich auch in Mainz weitergeführt werden und ich freue mich auf ein gemeinsames Training mit Jule und Ed im McFit! ;)

Die verbliebenen 4 Tage der Woche waren dann ziemlich stressig in der Schule und die letzte Woche hatte ich mir etwas ruhiger vorgestellt. Grund ist das amerikanische Schulsystem und wie die Noten gehandhabt werden. Es gibt keinen frühzeitigen Notenschluss wie bei uns, dann Zeugniskonferenzen und Zeugnisse am letzten Schultag, sondern Abschlussklausuren an den letzten Tagen und die Zeugnisse dann per Post nach Hause. In Deutschland kann man also die letzten Tage etwas nutzen um ein paar Spielchen zu spielen, ich hätte gerne noch was mit den Kids gebacken oder gemeinsam gefrühstückt, aber so war natürlich hart Büffeln und Wiederholen angesagt, denn die Abschlussklausur (morgen) sollte dann alles im Schuljahr gelernte umfassen. Während ich es sonst meistens etwas ruhiger in meinen Klassen angehen ließ musste ich sie letzte Woche wirklich durchpeitschen um mit allem durchzukommen, das tat mir dann auch tierisch leid. Irgendwas muss ich mir da diese Woche noch einfallen lassen. Am Dienstag habe ich zudem noch ein letztes mal den Schulgottesdienst gehalten. Das fünfte mal inzwischen, und ich fühle mich echt geehrt dass mir so viel Vertrauen entgegengebracht wurde und ich das machen konnte. Und wow, während ich mich am Anfang noch an anderer Leute Predigten orientierte (danke Ralf!) und entlanghangelte, brauchte ich am Ende nur noch meine Bibel und ein paar Stichpunkte für 20 Minuten Predigt.

Am Freitag war ich dann schon wieder zu einem Abschieds-Essen eingeladen, diesmal in ein schickes Fisch-Restaurant von der Familie eines Schülers mit der ich engen Kontakt hatte (und habe). Mit Alison habe ich regelmäßig in der Schule gesprochen und Rob war mit uns auf Klassenfahrt in Cambridge. Ganz liebe Eltern (und die einzigen Lutheraner an der Schule), die ich sehr vermissen werde, die sich aber auch schon für einen Deutschlandbesuch angekündigt haben. Wenn ich das so schreibe und lese fällt mir auf wie sehr sich mein Leben um Essen und Kochen dreht, denn am Samstag gab es genau wieder das! Großes Gekoche mit Onkel Bob und Tante Nancy in Vorbereitung auf Sonntag, diesmal gab es mal wieder Bobs geniales Pulled Pork ("zerfallene" Schweineschulter) und mexikanische Hühner-Reispfanne. Den ganzen Tag wurde als Schwein gebraten, Hühnchen gegrillt, geschnippelt, Reis gekocht und so weiter, ihr könnt es euch ausmalen. Immerhin sollten am Sonntag 300 (!) Gäste gefüttert werden. Das war dann also der nächste Tag und zur Erklärung muss ich hinzufügen, dass der amerikanische Schulabschluss wesentlich größer gefeiert wird als in Deutschland. Zunächst gibt es natürlich das offizielle Schulprozedere, aber dann hat jeder der Abschlussklasse seine eigene riesige Feier, zu denen selbstverständlich die gesamte High School, sämtliche Verwandten, Freunde und Bekannten eingeladen sind. Damit aber auch jeder auf jede Party kann überschneiden die sich üblicherweise nicht und so gibt es den ganzen Sommer durch jede Woche etwas zu feiern. Am Sonntag war es also meine (Gast)Cousine Taylor die gefeiert hat (deswegen waren wir auch mit dem Essen beauftragt), zum Glück feierte sie aber mit 2 anderen Mädchen aus ihrer Klasse zusammen. Ich weiß nicht ob letztendlich 300 Gäste da waren, aber es war sehr sehr voll in der Scheune und dem Hof, immer wieder kamen neue Familien dazu und wir hatten einen Heidenspaß, das Essen auszugeben. Vor der Party war aber noch die offizielle Graduation-Zeremonie, also der offizielle Schulabschluss. Mit der Abschlussklasse marschierten wir Lehrer zu Land of Hope and Glory in die Kirche ein wo die Feier stattfand, die Jahrgangsbesten und eine Kollegin hielten Reden und die Schüler bekamen in ihren grünen Roben und mit den typischen Hüten ihre Diplome überreicht. Alles sehr Klischee (inklusive Hutwerfen), aber dazu noch gespickt mit evangelikalen
Einwürfen, Gebeten, Worship-Liedern und so was alles eben. Danach eben die Feier und so war auch mein letztes Wochenende in Cleveland (kein Scheiß!) zu Ende.
Ein bißchen was nun noch zu meinen letzten Wochen in den Staaten. Offiziell sind mit heute (Montag) noch 4 Tage Schule an der CCS, aber es stehen nur noch die Abschlussklausuren an, und da Deutsch erst am Dienstag dran ist, hatte ich heute frei (und habe den Tag im Skype und Fitnessstudio verbracht, Überraschung...). Morgen stehen dann meine Klausuren an, das heißt für mich dann auch Korrigieren nach der Schule, denn ich will ja alles fertig haben wenn ich in Urlaub fliege. Am Mittwoch müsste ich dann eigentlich nicht mehr in die Schule kommen, aber zum Abschied lasse ich mir das natürlich nicht nehmen und wahrscheinlich werde ich den Tag auch nutzen um mein Klassenzimmer ordentlich aufzuräumen. Ich will ja kein Chaos hinterlassen. Donnerstag ist dann der letzte Schultag, den wir aber alle zusammen im Freizeitpark Cedar Point verbringen. Freitag gehen wir dann noch mal mit einer größeren Gruppe Lehrer und Schüler auf ein Baseballspiel (zum Glück gleich bei uns um die Ecke) und am Samstag geht es los!

Freue mich total auf den Urlaub und habe schon viel zu viele Pläne gemacht. Ich weiß schon, dass ich in Idaho kein Internet haben werde (vielleicht im McDoof um die Ecke, mal schauen wie sich das ergibt), und vorher werde ich hier auch nicht mehr schreiben, daher hier noch mal meine Reiseroute zum Mitverfolgen:
12.6. Samstag: Flug nach Spokane, Washington wo mich meine Tante am Flughafen abholt
Samstag bis Freitag: Family Time mit Tante Doris in Coeur d'Alene in Idaho
18.6. Freitag: Fahrt mit dem Leihwagen nach Seattle, dort übernacht ich bei einem Freund eines Kommilitonen aus Mainz
19.6. Samstag: Einen ganzen Tag Seattle
20.6. Sonntag: Fahrt in den Olympic National Park, 3 Übernachtungen in Motels und lange Tagesausflüge an den Pazifik, in die Berge und in den Regenwald
23.6. Mittwoch: Flug von Seattle nach Oakland und Transfer nach San Francisco, 3 Übernachtungen in der Jugendherberge
24.6. Donnerstag: Tagesausflug durch San Francisco mit Besuch im Muir Woods Nationalpark
25.6. Freitag: selbst geplante Touren durch Chinatown und das Castro, Alcatraz bei Sonnenuntergang
26.6. Samstag: Rückflug nach Cleveland

Und dann Trommelwirbel..............................................
1.7. Donnerstag: Rückflug nach Deutschland!

Freu mich auf euch! Ein bißchen was werdet ihr aber von mir bis dahin noch hören und sehen. :)

Donnerstag, 27. Mai 2010

Wedding Bells are Ringing (not for me)

Zuallererst möchte ich mich entschuldigen, und zwar bei Kathi. Ich schulde ihr noch eine Antwort auf die Mail die sie mir letzte Woche netterweise geschrieben hat, aber ich habe mich jetzt heute Abend fürs bloggen geschrieben. Ich hoffe, es is auch so recht. Antwort kommt dann hoffentlich am Wochenende. :)
Richtig viel Neues gibt es von mir allerdings nicht, aber da ich schon wieder seit 10 Tagen nicht gepostet habe wollte ich mal wieder von mir hören lassen. Das Schuljahr rast dem Ende entgegen und ich hab alle Hände voll zu tun meine Noten fertig zu bekommen und die Abschlussklausuren (Finals, jeder Schüler schreibt ne Abschlussklausur über das ganze Jahr die 1/4 der Gesamtnote zählt) aufzusetzen. Und obwohl das Unterrichten an sich auch immer noch Spaß macht könnte ich auf diesen Kram grade echt verzichten. Naja, muss eben sein und bald habe ich auch diesen Teil meiner Arbeit hinter mir. Für unsere Abschlussklasse ist morgen schon der letzte Schultag und obwohl die Jungs und Mädels auch noch mal offiziell verabschiedet werden, wird es sicher ein emotionaler Tag an der Schule, auch weil ich mit ein paar Schülern inzwischen richtig gut befreundet bin. Danach bleiben dann noch 4 Tage nächste Woche und 3 Tage Finals die Woche darauf und alles ist vorbei. Da dann auch meine Fitnessstudiomitgliedschaft vorbei ist, versuche ich momentan so oft wie ich kann trainieren zu gehen und habe es letzte Woche auch immerhin fünf mal geschafft, woooot! Wehe ich finde in Deutschland nicht was adäquates um weiterzumachen! ;)
Am Wochenende war dann aber ausnahmsweise auch mal wieder das Kontrastprogramm angesagt: Pizza!!! Gegessen hab ich sie aber nicht, nur mal gekostet, aber gebacken habe ich fleißig. Freunde von der Schule die eine große Gärtnerei führen, luden ihre Kunden und Freunde zum Tag der offenen Tür ein, und Onkel Bob und sein Freund Walt grillten Pizza und ich wurde als Helfer eingespannt. Und ja, wir grillten Pizza, also auf dem Grill. Wer das noch nicht ausprobiert hat sollte es unbedingt mal versuchen oder eben warten bis ich wieder da bin, dann mach ich das auch mal für euch. Als Belag gab es verschiedene Köstlichkeiten, unter anderem Pilze mit Schinken und Trüffelöl, Pesto und Rucola ("Wenn Unkraut aus dem Ausland kommt hats Glück gehabt") und all so was. Da ich mich scheinbar mit dem Teig am Anfang geschickt angestellt habe, verbrachte ich dann den ganzen Tag damit Teig auszurollen und Pizza zu belegen. So gingen dann 35 der 36 gegrillten Pizzas auf mein Konto. Vielleicht sollte ich über eine Karriere im Pizza-Business nachdenken... Ernsthaft, irgendwie muss ich meine Miete ja zahlen! Damit übrigens auch Glückwunsch an meine Mainzer Freunde von der Musical Inc., die Rent-Premieren waren toll, ich hab Videos gesehen und ich freue mich für euch und mit euch über viele tolle und gut besetzte Aufführungen.
Diese Woche begann mit einer Zitterpartie. Das Frühlingskonzert des Schulchores stand an, im Vorfeld hatte es da aber ziemliche Probleme gegeben. Ken, unser Chorleiter war nämlich die letzten 5 Wochen nicht mehr da gewesen. Sein Bruder in Boston ist wohl schwer krank und da musste er dort sein, hat außerdem noch einen Job und so war Woche für Woche unklar, was der Chor denn machen sollte. Ich wurde dann ins Boot geholt und habe Ken vertreten, aber auch wirklich mehr schlecht als recht, da niemand wusste für wie lange, ich die Lieder nicht kannte, niemand für den Sound zuständig war, Ken unerreichbar war und sowieso keiner nen Plan hatte. Letzte Woche war Ken dann aber endlich wieder da und hat das Szepter wieder in die Hand genommen. Fast ein bißchen schade, denn inzwischen hatte ich an der Chorleitung wirklich Gefallen gefunden, aber natürlich stand es ihm dann am Montag zu die Kids zu dirigieren. Für all dieses Chaos hat es wirklich super geklappt und mein Lieblingsmoment war wohl, als die Kindergartenkinder "Awesome God" gesungen haben. Cute as buttons! =)
Am Mittwoch hatte ich dann nur einen halben Tag Schule und fuhr nach Columbus zur Hochzeit meiner Großcousine Judy. Diesmal auch tatsächlich meine Verwandtschaft (pälzisch!) und nicht die Gastfamilie. Zur Erklärung: Tante Doris, die Schwester meines Opas, hat einen US-Soldaten geheiratet und ist letztendlich in Idaho gelandet (wo ich sie im Juni besuche). Sie hat drei Kinder: Harald, der mit Frances und Deirdre in New Jersey lebt und den ich im August besuchte. Judy, die eigentlich lange in Idaho wohnte aber nun eben ihren Mann in Columbus, OH kennengelernt hat und Gary, der noch in Idaho wohnt und den ich auch im Juni sehen werde. Ich habe mich diesem Teil meiner Familie, obwohl wir uns wenig kannten, schon immer sehr verbunden gefühlt. Zwischen Tante Doris und meinem Dad liegen nur gute 10 Jahre Altersunterschied und er lebte einen Teil seiner Jugend mit Doris bei seiner Oma. Doris und mein Dad sind also fast wie Geschwister aufgewachsen und ich fühle mich ihr sehr verbunden. Als ich 16 war, war mein großer Traum immer Doris mal in Idaho zu besuchen und bei ihr im Hotel für einen Sommer zu arbeiten. Dazu kam es nie, aber in gut zwei Wochen wird zumindest der Besuch Realität. Judy, die ja heiratete hatte außerdem eine spezielle Connection zu meiner Uroma, die ich auch noch viele Jahre kennen- und lieben lernen durfte. Ich war ziemlich überrascht als ich Judys Haus am Mittwoch betrat und alte Bilder und Bibelverse wiederentdeckte die bei Oma Hilde in der Küche hingen. Daran hingen viele Emotionen und so hatten Judy und ich gleich irgendwie eine Verbindung obwohl wir uns zuvor nur ein mal begegnet waren. Genug nun aber zu den Familiengeschichten und zur Hochzeit selbst... Gefeiert wurde "casual", also ohne viel tam tam (David trug beige Hosen und ein Polohemd) nur im engsten Kreis. Tante Doris kam aus Idaho, Judys beide Kinder waren da und ich eben. Das war es auf ihrer Seite mit Gästen. David der aus Columbus stammt hatte ein paar mehr da, aber mehr als 15 waren wir insgesamt wohl nicht. War auch ganz nett so, so konnte ich Judys lieben Schwager und Schwägerin besser kennenlernen und viel mit ihren Kindern (also meinen Großgroßcousinen?!) quatschen die ich immer bei Oma Hilde auf Bilder gesehen habe, aber nie zuvor getroffen hatte. Es war also ein schöner Abend und ich hatte meinen Spaß. Leider war aber das Essen eher untypisch für eine Hochzeit. Es gab Pizza und Tortilla-Wraps, ein Alptraum für Atkins-Esser wie mich. Ganz so unhöflich wollte ich dann aber auch nicht sein, also aß ich natürlich mit und machte auch vor der Hochzeitstorte nicht halt. Daran habe ich mental jetzt erst mal zu arbeiten und bin dann gleich heute wieder ins Fitnessstudio gerannt. Aber genug von Fitness und Essen. Auf den beiden Bildern seht ihr zunächst mich mit Tante Doris und dann Judy mit David und ihren beiden Kindern. Die Nacht verbrachte ich dann auch noch in Columbus und heute morgen ging es um 7 schon wieder zurück nach Cleveland, so dass ich dann rechtzeitig zur dritten Stunde in der Schule einlief. Dann ging es also wieder los mit Finals, Klassenarbeiten, Noten, Abschlussberichten und Emails, womit sich der Kreis nun auch wieder schließt... Und wenn ich nächste Woche wieder schreibe ist schon Juni und die Schule so gut wie vorbei. Bis dahin viele liebe Grüße und God Bless! :)

Dienstag, 18. Mai 2010

It's the final countdown!

Naja, fast! Aber Stichwort Countdown: Nach heute sind nur noch 15 Tage Schule übrig, nach fast einem Jahr ist das so gut wie gar nichts! Die Kids haben das natürlich auch schon mitbekommen und haben schon in den Ferienmodus umgeschaltet, wollen Spiele spielen und haben nicht mehr wirklich Lust was zu lernen. Wer solls ihnen auch verübeln? Nun kommen aber nächste Woche erst mal noch Tests in allen Klassen und dann machen wir Wiederholungsübungen um das Jahr irgendwie noch mal zusammenzufassen. Außerhalb der Schule passiert nun auch nicht mehr so viel, die Sportsaison ist komplett rum und die Kids (und ich) haben endlich mal freie Nachmittage!
Letzte Woche Montag stand also unser letztes Softballspiel auf dem Programm. Wir hatten uns fest vorgenommen zu gewinnen, nachdem wir alle Spiele zuvor verloren hatten. Leider standen die Chancen nicht allzu gut. Das Hinspiel gegen Lake Center hatten wir 14:2 verloren, allerdings fehlte unsere Pitcherin Lydia. So richtig wussten wir also nicht wie wir uns schlagen würden. Wir begannen gut, lagen nach 4 Innings mit 3:3 richtig gut, dann war aber irgendwie der Wurm drin und wir lagen nach der Hälfte des siebten und letzten Innings mit 14:6 hinten. Unglaublicherweise schafften wir es aber noch auf den allerletzten Drücker 9 Runs zu erzielen und gewannen knapp mit 15:14. Das hätte wirklich keiner mehr von uns erwartet, wir am wenigsten. Umso größer war dann natürlich die Freude über unseren ersten Sieg der Saison! Ich habe auch endlich mal meine Kamera mitgenommen und ich und Tante Karen haben ein paar Bilder gemacht. Eine Auswahl findet ihr im neuesten Online-Fotoalbum.
Am Mittwoch kam dann Cyril aus Mainz in Cleveland an. Nachdem er sich einquartiert hatte, ließ ich ihn dann in gute Gastgebermanier erst mal alleine daheim und ging ne Runde ins Fitnessstudio. Er brauchte aber sowieso erst mal ein bißchen Zeit für sich um sich Einzunisten und nach einer Woche New-York-Hostel ordentlich zu duschen. Am Donnerstag fuhren wir dann nach einem halben Tag Schule nach Downtown Cleveland und besuchten die Rock Hall of Fame. Es war ganz interessant noch mal ins Museum zu gehen, aber absolutes Highlight war für mich das neue 3D-Kino in dem ein extra aufgenommenes U2-Konzert gezeigt wurde. Der Sound war umwerfend und die Effekte einfach gigantisch! Nach dem Museumsbesuch lernte Cyril dann noch die Familie von Tante Nancy kennen die uns zum Abendessen eingeladen hatte. Freitag war dann der Junior-Senior-Prom, die CCS-Version von einem Abschlussball, ohne Tanz natürlich. Es versteht sich von selbst dass sich alle für das größte Frühlingsevent ordentlich schick machten, es wurden wieder viele Bilder gemacht, und die diesjährigen Abiturienten wurden geehrt (also in etwa so was wie ein Abschlussball, die offizielle Abschlussfeier mit Diplomen und allem drum und dran steht aber noch an). Für Cyril wurde es nach dem 3. Sketch, dem 2. Video und den Babybildern etwas langweilig und wir verließen die Veranstaltung etwas früher um uns für die Nachfeier umzuziehen und fertigzumachen. Dazu trafen wir uns alle in dem Fitnessstudio in das ich auch gehe. Dort hatten sie das Schwimmbad und die Sporthalle für uns offen, wo Cyril Basketball und ich den ganzen Abend bis halb 2 nachts Volleyball gespielt habe. Ich habe schon viel zu lange nicht mehr gespielt habe ich da festgestellt und für den Sommer nehme ich mir vor öfter mal ein Spielchen zusammenzubekommen.
Am Samstag schliefen wir dann erst mal aus und gingen zusammen trainieren, machten ein paar Erledigungen und gingen mit Erika und Freundinnen auf ein Straßenfest (leider keinerlei Vergleich zu deutschen Festen). Der Abend wird Cyril dann aber sicher noch mal richtig in Erinnerung bleiben, da Omi und Opi auch noch einen Schweizer Freund zu Besuch hatten, wurde kurzerhand die gesamte Familie samt Schwiegerleute, Großonkel und -tanten und allem was noch aufzutreiben war zum Grillen eingeladen. Typischer Gerent-Familienwahnsinn also und ein würdiger Abschied an Cyrils letztem Abend. Bevor er sich aber auf den Weg nach Knoxville, TN zum Wandern machte schleppte ich ihn natürlich noch mit in die Kirche, wo er mit einer ebenso würdigen Sünden-Predigt bombadiert wurde. Begeistert war er glaube ich nicht, und für mich war es ein seltsamer Impuls mal wieder jemandem sehr glaubenskritischem zu begegnen.
Am Montag begann dann jedenfalls die erste richtig entspannte Woche seit langem. Ohne französischen Gast, ohne Chor, ohne Softball, einfach nur Schule und freie Nachmittage. Die verbringe ich meist im Fitnessstudio, im Internet, mit der Familie, oder beim Kochen... Nichts spannendes also. Gestern habe ich mir aber einen großen Traum erfüllt. Davon berichte ich dann aber persönlich wenn ich wieder zu Hause bin. In weniger als 6 Wochen also...

Sonntag, 9. Mai 2010

O Fortuna!

The day the Lord created hope was probably the same day he created Spring. ~Bern Williams

So, Frühling! Endlich! So richtig warm isses zwar immer noch nicht, aber immerhin schneit es auf absehbare Zeit nicht mehr (wir hatten ernsthaft noch mal Schneeschauer gemeldet letzte Woche!), die Blumen sprießen und die vielen Bäume sind wirklich grün. Wow, was eine Beobachtung! Zu wichtigerem also… Die Zeit hier neigt sich dem Ende zu und obwohl die Tage länger werden, scheinen die Wochen immer kürzer. In der letzten Zeit war es auch total stressig, von Softball über Klassenfahrt bis Konzertwoche neben Schule blieb nicht viel Zeit für Freizeit und das Blog schreiben.Heute ist schon unser letztes Softball-Spiel der Saison, demnach auch unsere letzte Chance ein Spiel zu gewinnen. Ja, richtig. Von den 10 gespielten Spielen haben wir bisher noch alle geschafft zu verlieren. Mal lags am Pitching, mal an der Verteidigung, mal am Angriff, aber irgendwie haben wir es immer hinbekommen. Das Hinspiel gegen unseren heutigen Gegner haben wir 14:2 verloren, die Chancen stehen also nicht allzu gut, aber wir geben die Hoffnung nicht auf und nehmens mit Humor. Etwas schade nur, dass unser Cheftrainer alle Vorschläge zur Verbesserung und Kritik an sich abprellen lässt. Na gut, nicht meine Sache, mir hats Spaß gemacht mit den Mädels auf der Bank zu sitzen und im Schulsport involviert zu sein.

Am Donnerstag ging es dann auf Klassenfahrt von der ich im Vorfeld nicht so überzeugt war, wie immer CCS-typisch unorganisiert und improvisiert. Es stellte sich dann heraus dass alles wunderbar funktionierte und wir eine großartige Zeit hatten. Nach drei Stunden Fahrt im vollen Minibus kamen wir in Opis Hunting Camp und bezogen dort unsere Quartiere, die Herren im Bungalow, die Damen im Haupthaus. Ein bisschen war es wie auf Konfi-Freizeit mit Schnitzeljagd, Nachtwanderung und Schrammelgitarre am Lagerfeuer. Den Abend verbrachten wir also zuerst am bereits im Herbst beschriebenen Doane Point, einem Aussichtspunkt über die ganze Gegend und beim Sonnenuntergang einfach toll. Danach war im Endeffekt kein Programm mehr, aber einige von uns saßen zusammen im Bungalow, ein paar Kids machten Musik und wir beteten zusammen und füreinander, sangen und tanzten. Irgendwie sehr charismatisch, aber diese Art von Gottesdienst hat schon seinen Reiz. Ich war jedenfalls ganz eingefangen und seitdem hat sich meine Einstellung zum Glauben noch mal verändert und vertieft. Sonntag in der Kirche war dann jedenfalls stinktrocken und ganz langweilig. Den zweiten Tag verbrachten wir mit Frühstück und nach Geschlechtern getrennten "Reflektionstreffen", nach denen es dann schon wieder Zeit zum Aufräumen, Putzen und heimfahren war. Eine tolle Erfahrung jedenfalls, grade jetzt gegen Ende des Schuljahres noch mal so viel Zeit mit den Kids zu verbringen. Die Nacht war übrigens auch noch interessant. Im Erdgeschoss des Bungalows schliefen die Lehrer, von denen ich überraschenderweise noch am wenigsten schnarche (!!!), oben ein paar Kids, die Mehrzahl aber draußen vor dem Feuer oder einfach mit ihren Schlafsäcken im Gras. Mir wärs ja zu kalt gewesen aber die Jungs wollten sich wohl abhärten... Ich habe für meinen Teil jedenfalls Lust auf Jugendfreizeiten bekommen. Gibts so was auch bezahlt?!? Bilder habe ich nicht wirklich gemacht, hatte keine Lust meine Kamera die ganze Zeit mit mir rumzuschleppen, aber ich habe die Bilder von Tante Karen geklaut und hier hochgeladen.

Die folgende (vergangene) Woche stand dann ganz im Zeichen vom Cleveland Orchestra (Chorus) mit dem wir drei Konzerte und drei Proben hatten. Täglich hieß es also nur ein kleines bißchen Zeit zu Hause zu haben und dann von 18:30 bis 23 Uhr unterwegs zu sein. Gesungen wurden ja die Carmina Burana und der Prolog im Himmel aus Boitos Faust-Oper. Zufälligerweise ist O Fortuna aus der Carmina auch das Einmarschierlied der Cleveland Cavaliers. Diese spielen grade mit ihrem Superstar LeBron James (bester Spieler der NBA) in den Playoffs. Da wurden wir dann auch vom lokalen Fernsehsender gefragt ob wir zur Musik ein Video machen könnten. Unser O Fortuna zur Unterstützung der Cavs könnt ihr also hier sehen.


Außerdem habe ich hier noch ein Video vom Boito-Stück. Nicht von uns, aber ganz toll inszeniert und die Musik ist einfach der Knaller.

Entsprechend ist das Publikum auch auf die Stücke abgegangen, drei mal fast ausverkauft, begeisterter Applaus und Ovationen, wobei Samstag mit Abstand am Besten war. Die Woche war dementsprechend anstrengend, aber es hat total Spaß gemacht und es war ja auch der letzte Auftritt mit dem Chor. Ich habe also jede Minute in der Severance Hall mit einem der besten Orchester der Welt genossen und musste mich dann von vielen Mitsängern und Freunden verabschieden. Ende Mai kommen ein paar von uns aber noch mal zu einem Abschiedsgrillen zusammen, das einer meiner Chorfreunde für mich veranstaltet. Darüber freue ich mich wirklich riesig.

Mit Siebenmeilenstiefeln geht es also dem Ende entgegen (ich glaube langsam beginne ich jeden Blog mit einer ähnlich klingenden Einleitung zu beginnen und Schluss zu beenden), heute sind es noch 5 Wochen Schule, dazu noch mein Urlaub (für den ich inzwischen Hotels und Hostels gebucht habe) und dann gehts heim! Freue mich!

Bis dahin ist aber noch viel los und diese Woche werde ich nun erst mal mit Cyril aus Mainz verbringen, der USA-Urlaub macht und mich für ein paar Tage besuchen kommt. Auch davon werde ich dann wie immer hier ausführlich berichten.

Dienstag, 27. April 2010

Dear Diary...

Liebes Tagebuch!
Heute schreibe ich meinen 50. Beitrag in dein geduldiges Eingabefeld. Diesmal habe ich mir viel Zeit gelassen aber erstens hatte ich wenig Zeit, zweitens ist nicht so viel spannendes passiert und drittens habe ich den Eindruck, dass dich außer mir sowieso kaum noch einer liest. Das könnte vielleicht daran liegen, dass meine Berichte in letzter Zeit etwas ausufernd waren. Dabei schreibe ich doch so gerne, auch noch nach 50 Beiträgen. Hier ist also mein Erlebnisbericht der letzten zwei Wochen...

Die erste Woche nach Florida war erst mal ganz schön stressig. Neben dem üblichen Deutsch-Unterricht den es vorzubereiten galt hat außerdem auch wieder mein Musikgeschichtskurs begonnen, den ich zwei mal in der Woche unterrichte. Dazu hatte ich immer noch etwas mit dem Schlafmangel unserer langen Fahrt zu kämpfen und saß gleich in Woche 1 nach Florida drei mal auf der Softball-Trainerbank. Alle Spiele gingen verloren, aber Spaß macht das Coachen und der Sport trotzdem. Während wir in Florida waren hat in direkter Nachbarschaft von Tante Nancy ein neues familienorientiertes Fitnessstudio aufgemacht. Ganz dreist fragten wir dann ob ich über die Familienmitgliedschaft auch rein kann und siehe da, wir mussten nur vorgeben dass ich bei den Markoviches wohne und schon hatte ich meine kostenlose Mitglieder-Karte in der Tasche und kann jetzt wann immer ich will trainieren und im Schwimmbad schwimmen gehen. Das nutzte ich auch mehrfach aus, ich habe richtig Gefallen daran gefunden. Abwechselnd Kardio mit Rad, Laufen und Schwimmen sowie Gewichte heben tat mir jetzt richtig gut. Schuld daran ist wahrscheinlich zum Teil auch das frühlingshafte Wetter. Inzwischen ist es wieder etwas abgekühlt, aber zumindest schneit es nicht mehr. Man ist ja in Cleveland schon mit wenig zufrieden...
Neben Softball, Fitness und Schule passierte also nicht viel bei mir, eigentlich beide Wochen die ich hier abzudecken gedenke. Bis letzte Woche Freitag jedenfalls. Relativ spontan fragte mich Onkel Bob ob ich Lust hätte auf einen Wochenendtrip nach Chicago. Dort spielte Cousin Luke auf einem Rugby-Turnier und neben den Spielen planten wir auch etwas Zeit zum Sightseeing ein. Da ich fürs Wochenende noch keine Pläne, Luke seit Januar nicht mehr gesehen und Lust auf den Städtetrip hatte musste ich natürlich nicht zwei mal überlegen.
Los ging es am Samstag Morgen um halb 5, wir wollten ja noch etwas vom Tag haben, und nach 5 1/2 Stunden Fahrt waren wir schließlich da. Zuerst ging es zum Soldier Field, dem imposanten Footballstadion der Chicago Bears, das von außen eher klassisch aussieht, aber einen hochmodernen Kern hat. Dort hielten wir aber nur kurz und parkten dann das Auto am Navy Pier, einem Touristenmagneten von dem man (bei gutem Wetter) eine tolle Aussicht auf die Skyline hat. Leider war es ziemlich neblig und so konnte man weder besonders weit, noch die Spitzen der Wolkenkratzer sehen. Schade eigentlich, denn der Willis Tower ist das höchste Gebäude der westlichen Hemisphere, das wäre sicher nett gewesen. Naja, auch so hatte die Stadt ein besonderes Flair und wir spazierten eine Weile durch die Gegend. Chicago ist New York sehr ähnlich, nur nicht ganz so eng bebaut wie Manhattan. Wolkenkratzer so weit das Auge reicht, aber dazwischen breite Straßen alles noch größer in New York, weil ja doch mehr Platz ist. Nach dem Wochenende verstehe ich auch, warum die Amis New York als "europäische" Stadt bezeichnen. Chicago im Mittleren Westen wirkt einfach noch mal ne Runde amerikanischer! Um davon einen Eindruck zu bekommen gibt es meine Bilder hier.
Trotz meiner immer noch kohlenhydratfreien Ernährung gab es zum Mittagessen Chicago Style Pizza, eine Spezialität die man einfach nicht auslassen kann. Und so richtig Pizza war es nicht, eher Pizzakuchen in einer Springform mit hohem Rand und massiver Käse-Füllung. Sehr lecker jedenfalls, aber leider auch sehr füllend! Mehr als zwei Stücke waren da nicht drin. Das war dann auch schon unser Trip nach Downtown und nach dem Mittagessen ging es in einen der Vororte um Luke spielen zu sehen. Eigentlich spielt er für die Miami University (die in Ohio liegt, nicht Florida!), wurde aber für das Ohio-Auswahlteam ausgesucht. Ganz verstanden habe ich das Spiel immer noch nicht, aber ich hatte Spaß Bilder zu schießen und auch das Rugby selbst war recht unterhaltsam. Im ersten Spiel schickten wir Iowa mit 45 zu 12 vom Platz, so war dann auch die Stimmung ganz gut. Nach dem Spiel checkten wir in unser Hotel ein und abends waren wir dann bei einem Geschäftskollegen von Bob zum Essen eingeladen. Bei der sehr netten Familie verbrachten wir den ganzen Abend und Bob versackte irgendwann mit Scotch und Billiard im Keller mit dem Herren des Hauses, ich mit Limonade und Scrabble mit der sehr gut aussehenden Frau (Name: Bunny...). Langer Abend also nach kurzer Nacht, aber zum Glück konnten wir am Sonntag ausschlafen. Nach dem Frühstück noch ein Rugby-Spiel (Sieg gegen Minnesota und damit Gewinn der Meisterschaft im Mittleren Westen) und dann war es auch schon wieder Zeit Abschied zu nehmen, wir hatten ja noch eine Weile zu fahren. Luke ist zum Glück Mitte Mai wieder hier in Sheffield, dann habe ich auch wieder einen gleichaltrigen zum Abhängen. Vorher spielt er aber nächstes Wochenende noch in Kalifornien um die amerikanische Meisterschaft in der zweiten Liga im College-Rugby. Eine ziemlich große Sache in den Staaten, wo College-Sport teilweise wichtiger ist als die Profi-Abteilung. Wenn alles gut geht hat er vielleicht sogar Chancen auf das amerikanische Nationalteam. Bis dahin ist es dann aber noch ein langer Weg.
Nach zwei Rugby-reichen Tagen in Chicago ging es dann aber am Sonntagnachmittag auch schon wieder zurück, auf dem Weg machten wir aber einen Zwischenstopp an der University of Notre Dame in Indiana. Notre Dame ist eine katholische Privat-Uni, eine der renommiertesten des mittleren Westens an der 10,000 Studenten eingeschrieben sind. Der Campus ist wirklich unglaublich und erinnert an eine viktorianische Schlossanlage. Kein Vergleich zu Mainz, es war fast schon frustrierend... Auf dem Campus befinden sich nicht nur die Uni-Gebäude, sondern auch die Sportanlagen der Uni-Teams. Neben Fußballstadion, Baseballanlage und allem was das Herz begehrt gibt es auch ein großes Footballstadion, das über 80,000 Zuschauer fasst und immer ausverkauft ist(!!!). Für deutsche Verhältnisse einfach unvorstellbar! Leider war der Akku meiner Kamera inzwischen leer, so dass ich keine Bilder von Notre Dame vorzuzeigen habe. Über den Link oben könnt ihr aber Bilder auf Wikipedia sehen.

Nach dem Trip-Wochenende sitze ich nun also wieder in der Schule, Softball und das übliche inbegriffen. Am Donnerstag geht es allerdings für eine Nacht mit der ganzen High School (9. bis 12. Klasse) auf "Klassenfahrt" in Opis Hunting Camp. 70 Kids und Lehrer also in zwei nicht allzu großen Häusern. Das dürfte interessant werden und ich hoffe einfach nur, dass es nicht regnet und wir viel draußen sein können.

Sonst gibt es nicht viel zu berichten. Nachdem Opi letzte Woche mal ein bißchen grantiger war als sonst und mir das Autofahren untersagte weil er Angst um seine Versicherung hat, ging es mir eine Zeit lang nicht so gut, ich mag es einfach nicht eingeschränkt zu sein und mich ständig nach anderen richten zu müssen. Inzwischen bin ich aber zumindest für Kurzstrecken wieder mobil und mir geht es auch so wieder besser. Ein kleiner Durchhänger ist wohl ganz normal ab und an. Jetzt sind es aber auch schon weniger als 10 Wochen, die Zeit rast und das Schuljahr hat grad mal noch 6 1/2 Wochen. Ach ja: Seit letzter Woche haben wir hier die Bewerbungen für meine Nachfolge vorliegen. Und ganz CCS-typisch bin ich jetzt für die Auswahl verantwortlich. Immerhin bin ich ja Fachleiter Deutsch...

Ein letztes Anliegen habe ich noch: Meine Freunde aus Mainz arbeiten seit letztem Jahr daran, ein neues Musical auf die Bühne zu stellen. In weniger als 4 Wochen ist Premiere, die Musical Inc. spielt 2010 Rent! Der Kartenvorverkauf hat schon begonnen und die Premieren sind wohl fast ausverkauft. Ich kann allen meinen Nicht-Musical-Freunden nur schwerstens ans Herz legen das Stück zu besuchen, viele werdet ihr von Bildern kennen und ich bin sicher die Produktion ist auch dieses Jahr wieder toll. Auftrittstermine, Details und Infos zum Kartenverkauf gibt es hier.

Sonntag, 11. April 2010

O wie schön war Florida!

Normalerweise lege ich ja Wert auf meine amerikanischen Blog-Überschriften, aber diesmal soll es die feine deutsche Anlehnung sein die das Ende meiner Florida-Reise ausdrückt. Tatsächlich sitze ich grade im Auto, gerade vor einer Stunde sind wir losgefahren, haben noch einen weiten Weg vor uns und ich habe den Laptop ausgepackt und schreibe nun meinen Bericht. Natürlich werde ich ihn nicht gleich hochladen können, denn so ist der Van nun auch nicht ausgestattet, aber in Word vorschreiben geht ja und wenn ich dann daheim bin stelle ich den Blog ein und ihr wisst dass ich gut angekommen bin. Fast eine Woche ist also vergangen seit meinem letzten Florida-Beitrag, und Tag für Tag werde ich nun berichten was ich in der Zwischenzeit erlebt habe. Die Bilder zum Trip gibt es außerdem wie immer hier zu entdecken.

Ostermontag war hier nicht wirklich Ostermontag. Ich habe verpasst nachzuschlagen, warum das überhaupt in Deutschland auch noch ein Feiertag ist, aber hier ist Ostern tatsächlich nur am Sonntag und dann einfach vorbei. Arbeiten mussten wir natürlich trotzdem nicht, waren ja Ferien… Am Nachmittag traf sich eine Gruppe (inklusive mir) mit einem Geschäftsfreund von Opi zum Boccia spielen (Boule wie die Franzosen sagen, oder Bocchi-Ball hier (sprich: Baaatschi-Bohl). Dazu fuhren wir ins benachbarte Bonita Springs, in eine der reichsten Gegenden im Südwesten Floridas, und dort in eine der Gated Communities, also eine mit Sicherheitskräften gesicherten Villengegend. Dementsprechend sahen die Häuser dann auch aus, leider hatte ich aber keine Kamera dabei um Bilder zu machen. Da ich mit Omi in ein Boccia-Team gelost wurde verloren wir ganz bitterlich, aber das war auch egal, wir hatten unseren Spaß und einen schönen Nachmittag. Ansonsten verbrachte ich den Tag wie immer am Strand, im Pool und im Liegestuhl bei feinen 28° C. Eigentlich unglaublich, wie das Wetter für 10 Tage jeden Tag exakt gleich war, aber das ist wohl einfach Florida. Besser hätten wir es ja wirklich nicht treffen können. Gestern kündigten sich für ein Viertel Stündchen mal ein paar Wolken an, aber das war es auch schon. Für nächste Woche sind dann aber Gewitter angekündigt, die haben wir also erfolgreich vermieden.

Am Dienstag war es dann endlich Zeit für unseren ersten größeren Ausflug. Onkel Bob, der am Samstag mit dem Flieger aus Cleveland gekommen war, nahm mich und die jüngsten 6 Kids in den Corkscrew Swamp, ein als Naturschutzgebiet ausgewiesener Sumpf, wo wir Alligatoren sehen und spazieren wollten. Durch viel Regen im Winter war der Sumpf aber ziemlich voll mit Wasser und wir bekamen außer einem Baby keine Alligatoren vor die Linse. Für mich war der Trip dennoch keine Enttäuschung. Im Gegenteil, die Natur war einfach unglaublich schön, man konnte auf Holzwegen den ganzen Sumpf durchwandern und fühlte sich wirklich wie am Ende der Welt. Der Swamp ist eines der wenigen Gebiete in Florida, die nie wirklich erschlossen wurden, weil er so schwer zugänglich ist. Unglaublich alte Bäume also und unberührte Natur, das ließ mein Herz höher schlagen. Die Kids waren natürlich etwas enttäuscht, dass sie keine Tiere zu Gesicht bekamen, vor allem weil im Vorjahr wohl viele Alligatoren zu sehen waren, aber das konnte man dann einfach nicht ändern. Da wir schon am frühen Nachmittag zurück in Fort Myers Beach waren, entschloss ich mich, noch einen zweiten Ausflug zu machen. Fort Myers Beach ist ja nur eine von mehreren Inseln im Glof von Mexiko, und nicht all zu weit im Norden liegt Sanibel Island, wo ein weiteres großes Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Dort fuhr ich also hin, spazierte 6km durch das Gebiet und fuhr dann weitere 6km mit dem Auto hindurch, konnte viele Vögel beobachten und entdeckte einen Tümpel mit Pfeilschwanzkrebsen, Urzeitviechern die wirklich noch aussehen wie vor Millionen von Jahren. Mit den zwei Ausflügen an einem Tag wurde dieser dann ganz schön lang, aber gelohnt hat es sich auf jeden Fall und so konnte ich dann am Mittwoch eine ruhige Kugel schieben und lesend am Strand und Pool abhängen. Dieser Rhythmus war wirklich super, Ausflüge und Ruhetage abgewechselt, so lassen sich Ferien verbringen! Am Dienstag Abend kam außerdem Tante Dawns Bruder mit seinem 4-jährigen Sohn an, der nördlich von Miami wohnt und jedes Jahr für ein paar Tage zu Besuch ist. Tom ist Pilot für Continental und ist grade mal Anfang 30. Ein total lustiger und netter Typ, mit dem ich gerne meine Zeit verbrachte und viel Spaß hatte. Dienstag Nacht kam außerdem Onkel Rick aus Cleveland geflogen, unsere Gruppe war also schließlich zumindest für ein paar Tage komplett (Onkel Bob flog schon am Donnerstag wieder zurück). Das nutzten wir am Abend dann für ein großes Barbecue mit Steaks, Mais, Hühnchen, Salat und was weiß ich nicht noch alles. Dabei gab es dann auch mein erstes Bier (und Jägermeister) nach der Fastenzeit, vertragen hab ich beides nicht wirklich gut…

Nach dem Ruhetag am Mittwoch hatte ich also für Donnerstag wieder genug Energie für einen größeren Ausflug gesammelt. Auf die Everglades hatte ich mich schon Wochen im Vorfeld gefreut, für mich sind sie der Inbegriff Floridas, und haben mich schon gereizt seit ich weiß dass es sie gibt. Also nahm ich die zweistündige Fahrt locker in Kauf, fuhr in den Südosten, und war erstaunt wie schnell sich die Gegend noch mal änderte. Kaum hatte man die „Autobahn“ verlassen war man im Nirgendwo, rechts ein Zypressenwald, rechts ein Naturschutzgebiet mit dem der bedrohte Florida Panther geschützt werden soll. Am Rande der Everglades angekommen, konnte ich dann auch schon die ersten Alligatoren sehen, die ganz unbeeindruckt vom Verkehr auf dem Highway in den Kanälen daneben leben. Man fährt also mit 100 km/h durch die Gegend, und alle 100 Meter kann man mindestens einen Alligator sehen, dazu beeindruckende Natur am Straßenrand und leider auch der ein oder andere tote Alligator auf der Straße. Ich hielt für Fotos jedoch bewusst nicht an, wollte erst mal so früh wie möglich ans Ziel kommen. Das war einer von mehreren Zugängen in die riesigen Glades, relativ mittig gelegen und spannend aber immer noch nah genug um mir einen tollen Ausflug zu bieten. Von der Homepage wusste ich, dass es einen Radverleih geben sollte und einen Radweg, von dem man dann auch Alligatoren sehen kann, aber was ich dann dort vorfand übertraf doch meine Erwartungen. Das wurde mir das erste mal bewusst also ich einen Wisch unterschreiben musste dass ich im Falle einer Alligatoren-Attacke niemanden verklagen würde als ich das Rad holte. Der Radweg selbst war dann sehr gut ausgebaut, 7 Meilen geradeaus südlich mitten in die Everglades, 8 Meilen zurück (insgesamt also ca. 24 km) und schon nach 10 Metern musste ich das erste mal absteigen zum Fotografieren, denn der erste Alligator lag in einem Tümpel am Wegesrand. Alles ohne Zaun, Graben oder was auch immer, einfach ein Radweg durch die Wildnis. Der nächste Alligator lag dann also auch schon direkt neben der Straße und wirklich alle paar Meter gab es einen weiteren zu entdecken. Irgendwann bei 50 hörte ich auf zu zählen und schon weit davor hörte ich auf alle zu fotografieren, Alligatoren waren einfach überall, in jedem Tümpel mindestens einer und irgendwann hielt ich mit dem Rad schon gar nicht mehr an, sondern versuchte nicht allzu lange für den Weg zu brauchen, immerhin zahlte ich $7 pro Stunde für das Rad. Die ersten 7 Meilen waren dank Gegenwind eher unangenehm zu fahren, Schatten gab es auch keinen, und so wurde es dann ganz schön anstrengend, vor allem weil das Rad so ein kleines tiefes mit breitem Lenker, kleinen Rädern und ohne Gangschaltung war. Vielleicht nicht ganz ideal für mich, aber irgendwie kam ich schon voran. Natürlich hielt ich dann doch immer mal wieder an für Fotos und zum Gucken, die Natur war einfach unglaublich schön und beeindruckend und ich konnte kaum glauben, dass alle älteren Kids denen ich angeboten hatte mitzukommen sich das entgehen ließen. Einmal fuhr ich dann auch grade an einem der Viecher vorbei als das die Straße überqueren wollte. Ich stieg also ab und machte Fotos, schlug die Warnungen der Angestellten in den Wind und traute mich bis auf einen Meter an den Alligator heran, machte ein paar Fotos und verschreckte das Tier wohl mehr als es mich, denn als es genug für die Kamera still gelegen hatte, machte er sich wieder auf den Weg über die Straße. Außer Alligatoren gab es natürlich auch anderes zu sehen. Neben der fantastischen Aussicht vor allem Vögel und ein paar Schildkröten. Am Ende der 7 Meilen Hinweg gab es dann einen Aussichtspunkt von dem man eine tolle Sicht über die Glades hatte. Dort aß ich dann auch zu Mittag und machte mich nach kurzer Pause auf den Weg zurück. Der war nicht ganz so spannend, weil er eher durch trockeneres Grasland als das Feuchtgebiet führte, man sah immer noch Tiere hinter jeder Kurve, aber ich hielt kaum noch an, inzwischen hatte ich auch an die 200 Fotos geschossen. Irgendwann stumpft man wohl doch ein wenig ab… Nach drei Stunden war meine Radtour dann vorbei und ich machte mich wieder auf den Heimweg, nahm mir aber diesmal die Zeit am Highway anzuhalten und ein paar Bilder zu machen. Nördlich der Everglades liegt ein weiteres Naturschutzgebiet der Big Cypresse National Park, ein Zypressenwald, wo man auch wandern kann, ich machte jedoch nur einen kurzen Spaziergang an einem Rastplatz und bog dann vom Highway ab und fuhr einen Teil des Heimwegs über eine unausgebaute Straße die wieder mitten durch die Wildnis führte. Da ich schon früh am Morgen losgefahren war, war ich auch am frühen Nachmittag schon wieder zurück, und die insgesamt 4 Stunden Fahrt haben sich an dem Tag wirklich gelohnt. Wer Florida besucht ohne die Everglades zu sehen hat wirklich was verpasst.

Freitag war dann also unser letzter Tag in Fort Myers Beach, den wir hauptsächlich am Strand verbrachten, wo ich mir mal noch einen ordentlichen Sonnenbrand holte, weil ich ein paar Stellen beim Eincremen eher vernachlässigte. Eigentlich plante ich nicht, ins Meer zu gehen und kam deswegen in normalen Shorts an den Strand, ironischerweise war aber genau das der Tag an dem ich das erste Mal ausgiebig im Meer schwimmen ging, inzwischen war der Golf nämlich auch schon etwas wärmer. Geputzt und gepackt werden musste dann auch noch, so war der Tag schnell vorbei und wir schon so gut wie fertig mit unserem Urlaub. Abends hatte ich mich auf einen letzten Sonnenuntergang am Strand gefreut, aber just dann wurde der mir von Wolken vermiest, das Wetter wollte uns den Abschied scheinbar so einfach wie möglich machen. Kein Problem aber, ich kann mir ja einfach die Bilder von den anderen Abenden am Strand anschauen… Nun also die Heimfahrt, seit fast drei Stunden sind wir hier auf dem Highway, Florida haben wir aber immer noch nicht verlassen, das dauert wohl auch noch ein Weilchen, so weit ist das. Unsere Ankunft ist dann für Sonntagmorgen gegen 9 Uhr vorgesehen, ich werde wohl in der Nacht fahren müssen und werde versuchen über den Tag etwas Ruhe zu bekommen. Wenn ihr diesen Eintrag lest, sind wir also schon wieder daheim in Cleveland und ich hoffentlich im Bett um mich für die kommende Schulwoche auszuruhen. Bald melde ich mich dann wieder mit unexotischen Berichten aus Sheffield, und in 8 Wochen geht meine Reise in den Westen los, da freue ich mich schon total drauf, auch wenn ich jetzt erst mal noch eine Weile von Florida zehren kann.

Nachtrag: Inzwischen sitzen wir seit 24 Stunden im Auto und sind immer noch nicht ganz daheim. Der Verkehr aus Florida heraus und durch Georgia war brutal, fast 10 Stunden Stop and Go oder ganz zäher Verkehr. Ich habe versucht etwas zu schlafen und bin dann von 21 bis 3 Uhr gefahren, seitdem bin ich Beifahrer. Grade haben wir noch mal für Benzin und Kaffee gestoppt und haben jetzt noch 60 Meilen vor uns, eine gute Stunde bis nach Sheffield also.