
Wie berichtet man von 2 Tagen New York, wenn man in der Zeit so viele Eindrücke gesammelt hat und eigentlich eine Novelle schreiben könnte? Nun, ich fange einfach mal von vorne an.
Angekommen am Dienstag am Port Authority Bus Terminal, gleich mal einen UV-Filter für meine Kamera gekauft, um bessere Bilder bei der heftigen Sonne machen zu können. Das mit der Sonne war dann auch so ein Ding für die ganzen zwei Tage, denn die schien die ganze Zeit so doll sie konnte und heizte so die Stadt schon am Morgen auf über 35° C im Schatten auf. Der erste Weg führte mich dann durch Midtown Manhattan, am Empire State Building vorbei auf die Fifth Avenue, zur NY Public Library (die leider grade renoviert wird), zur Grand Central Station und zur St. Patrick's Cathedral (wo ich mich reingesetzt und mit Sonnencreme versorgt habe. Dafür komme ich wohl in die Hölle, oder was sieht die katholische Kirche da vor?). Von dort ging es einmal über die Straße zum Rockefeller Center, wo ich ein Ticket für "Top of the Rocks", die Aussichtsplattform auf dem GE-Building gekauft habe. Bei meinem letzten Besuch war ich ja nachts auf dem Empire State, diesmal also bei bestem Wetter auf dem Rockefeller Center. Und Boy, war die Aussicht genial! Nach Norden überblickt man den Central Park, die Upper West und East Side. Blickt man nach unten sieht man St. Patrick's, nach Süden blickt man direkt auf das Empire State Building, dahinter Downtown Manhattan und in der Ferne, aber auch noch zu sehen, Ellis Island und die Freiheitsstatue. Diese Aussicht kann man dann auf drei Ebenen genießen, und mein Ticket habe ich voll ausgekostet, und nicht nur zahlreiche
Bilder gemacht, sondern mich auch einfach auf eine Bank gesetzt, die Aussicht genossen, Musik gehört und ein Buch gelesen. Eigentlich wäre ich auch gerne noch länger als die eineinhalb Stunden oben geblieben, die ich eh schon oben war, aber die Zeit in der Stadt wollte ich dann doch noch irgendwie besser nutzen.
Also ging es zum Times Square, wo ich Lunch aß und die Leute beobachtete. Die Menschenmassen waren unglaublich, alle Welt besucht gerade New York, und die Hitze machte die Szenerie noch unangenehmer. Irgendwie sehnt man sich nach einer Zeit dann doch in die Idylle West Milfords zurück. Dem Broadway folgend lief ich dann zu meinem Hotel (dazu gleich mehr), immerhin 20 Blocks nach Norden, auf der Höhe des Lincoln Centers, wo wir ja mit der
EuropaChorAkademie im Februar ein "
umjubeltes" Konzert hatten. Nun, mein Hotel war nun eigentlich kein Hotel, sondern eine Jugendherberge, besser gesagt, das örtliche
YMCA. Dort gab es allerdings weder Indiander, noch Bauarbeiter, Matrosen oder Polizisten, sondern nur zahlreiche junge Touristen aus allen Ländern auf der Suche nach einer günstigen Unterkunft. Und in einer Stadt, wo ein mittelmäßiges Hotelzimmer schon weit über 100€ in der Nacht kostet, waren die 50€ für ein kleines, kärglich ausgestattetes Zimmer mit Gemeinschaftsbad auf dem Flur wirklich ein sehr sehr gutes Angebot. Dort duschte ich dann, bevor ich mich (viel zu früh) auf den Weg zurück zum Broadway machte (also nicht einfach nur die Straße, da war ich ja schon, sondern der Theaterbereich), um eine Show zu sehen. Es ist schon toll, die ganzen Theater nur von außen zu sehen, die riesigen Plakate zu bewundern. Man würde als Musical-Fan ja gerne alles sehen, aber ich konnte an einem Abend New York eben auch nur ein Musical sehen (auch preislich...).

Die Wahl fiel auf
Next to Normal, Gewinner von 3 Tony Awards (es schüttelt mich ja zu sagen, aber zur Erklärung: Der Oscar für Musicals), darunter Best Score und vor allem die beste weibliche Hauptrolle für Alice Ripley. Im Musical geht es um eine Familie, die mit der psychischen Störung der Mutter umgehen muss. Ich will nicht spoilern, aber die Story ist toll gemacht, hält einige Überraschungen parat und hat von Anfang bis Ende Tiefgang. Wie auch Kritiker sagten, ist dieses Musical total neuartig und "die Zukunft des Broadway", es werden keine großen Geschütze aufgefahren, nur 6 Darsteller, simples Bühnebild, kleines Orchester (Piano, Bass, Gitarre, Percussion, Violine, Cello). Die Musik ist sehr rocklastig, poppig. Kaum große Chornummern (wie auch mit 6 Darstellern), eher toll komponierte Duette und ineinander übergehende Stücke. Man kann so was schlecht beschreiben, aber wer einen kleinen Eindruck bekommen möchte, kann sich
hier ein Youtube-Video der Tony Award-Performance ansehen.
Toll war natürlich, dass ich nicht wie man es im Musical fast schon gewohnt ist eine B-Besetzung gesehen habe, sondern "the real deal", also die ursprüngliche Broadway-Besetzung, inklusive eben jener Alice Ripley und zwei Darstellern, die auch noch für die Tonys nominiert waren. Und verdient hätten sie es alle, wenn es nach mir ginge.
Nach der Show wurde es dann etwas ungemütlich... Von vorne: Ich kaufte mir eine wunderschöne Window Card, also einen DIN A3-Karton mit dem Poster des Musicals, um sie unterschreiben zu lassen. Es kamen auch alle aus der Stage Door, unterschrieben bereitwillig, ließen Fotos von sich machen und plauderten mit uns Fans. Vor allem J Robert Spencer nahm sich viel Zeit. Als dann Alice Ripley herauskam wurde das Wetter etwas... ungemütlich. Zunächst donnerte es nur, dann begann es zu tröpfeln, und nur einen Moment später gab es einen der größten Wolkenbrüche die ich je erlebt habe. Die Autogrammjagd wurde also lustig, geschützt von 2 Bodyguards mit Regenschirmen blieb Alice bei den Fans, die im Regen ausharrten. Man konnte auch nirgends wirklich hin, immerhin standen wir unter. Dummerweise kam der Regen mit ordentlichen Windböen, und prasselte so fast waagerecht von hinten auf mich ein. Tierisch durchnässt, aber immerhin mit Alices Autogramm versuchte ich dann ins gegenüberliegende Marquis Hotel zu gelangen. Immerhin konnte ich meine Kamera trocken retten, aber mein von allen Darstellern unterschriebenes Plakat war dann nur noch ein nasser Klumpen. Das war es also mit meinen Autogrammen, aber die Erinnerung an diesen Abend wird lange halten...
Da ich eh schon nass war, die Stimmung nicht besonders gut, lief ich dann im Regen wieder die 20 Blocks zum YMCA und schaute noch ein wenig Sport-News auf ESPN (legendary, but retired Quarterback Brett Favre signed with the Minnesota Vikings!), bis ich ins Bett ging.

Tag 2 fing an indem ich bemerkte, dass ich mir in den nassen Klamotten eine fette Blase am Fuß gelaufen hatte, die ordentlich an den Sneakers rieb, so dass Laufen irgendwie blöd war. Was soll man aber machen, los gings also an die East Side zu den Vereinten Nationen, wo ich die Tour mitmachte, die mich auch in die Generalversammlung führte. Sehr beeindruckend, in diesen heiligen Hallen der Weltpolitik zu stehen. Dort machte ich dann auch meine letzten Fotos, denn zu meinem Ungefallen war mein Akku leer... Leider gibt es also kein Bild mehr von der Pressekonferenz, die
Ban Ki Moon (Generalsekretär der UN) im Foyer hielt. Sehr frustrierend. Aber es war toll, dabei zu sein, und ihn reden zu hören.

Letzter Stop meiner Tour durch New York war dann der Central Park. Durch meine Fußverletzung konnte ich leider nicht den ganzen Park begehen, dafür war es auch eh zu heiß, aber bis zur Bethesda Terrace habe ich mich geschleppt. Dort lag ich dann für über eine Stunde im Gras, hatte Picknick, hörte Musik, las, und genoß die wunderbare Aussicht auf Bethesda Fountain, die im Sommer so viel schöner ist als im Winter. Wirklich mein Lieblingsplatz in Manhattan. Immerhin hab ich davon noch ein Bild gemacht, mit meiner Handykamera, aber da ich es nicht übertragen kann, weil ich das Kabel nicht mit in den Staaten habe, vertröste ich euch mit einem Bild aus der Wikipedia. Dort wäre ich gerne noch länger geblieben, dieser Platz hat seit ich ihn das erste mal in
Angels in America gesehen hat einen magischen Charme auf mich ausgeübt, der sich gestern wieder bestätigt hat. Dort werde ich ganz sicher nicht das letzte mal gewesen sein.
Nun, das war also New York, die Rückfahrt erspare ich euch jetzt, der Beitrag ist lange genug geworden... (Wer den Link oben überlesen hat und es bis hier unten geschafft hat, klicke
hier um
das übliche Bilderalbum anzusehen.) Kurzer Ausblick: Morgen stehe ich um 5:30 auf (mal wieder), um dann um 10 Uhr nach Cleveland zu fliegen. Der Flug wird weniger als 2 Stunden dauern, und in Cleveland erwartet mich mein Schulbetreuer und ein paar der Doanes, meiner Gastfamilie, je nachdem wie viele von ihnen gleichzeitig Zeit haben und in ein Auto passen. Dort angekommen werde ich sicher erst mal mit Auspacken beschäftigt sein, muss ein paar Sachen besorgen und erledigen, bevor dann nächste Woche die Schule mit einer Lehrerkonferenz beginnt. Ich werde mich jedenfalls so bald wie möglich wieder bei euch melden, mit neuen Abenteuern aus Amerika...