Samstag, 29. August 2009

Welcome to My New Life

Nun, da bin ich also. Die Schule hat begonnen, der Alltag hält mich fest im Griff, die ersten Sachen gehen mir auf die Nerven, mein Heimweh ist mal besser und mal schlechter (heute ist ein scheiß Tag in der Hinsicht), mein Drang zu Unabhängigkeit größer (talking about Philadelphia), aber dennoch macht das ganze Abenteuer USA noch reichlich Spaß.
Die Schule begann also am Mittwoch. Insgesamt habe ich 13 Schüler, verteilt auf 3 Klassen, man kann sich dann die Quote ausrechnen. Der kleinste Kurs hat jedenfalls nur 2 Schüler, einer davon auch noch mein Cousin Tyler. Unterrichten macht in so kleinen Klassen jedenfalls viel Spaß. Ein Problem gibt es allerdings noch: Ich habe noch keine Ahnung, was ich denen beibringen soll. Nicht, dass die gut Deutsch könnten, aber ich habe noch keinen wirklichen Einstieg gefunden (abgesehen vom Einsteigerkurs), weil mir niemand sagen konnte, was die eigentlich können, wo sie stehen und wo sie hinmüssen. Kein Wunder aber auch bei gefühlten 8 Lehrerwechseln im vergangenen Schuljahr. So quäle ich mich also von Tag zu Tag (okay, zugegebenermaßen waren es ja erst 3 Schultage) und warte auf mein Textbuch (wird am Montag bestellt, wenn mein Budget genehmigt ist. Insgesamt sind die Tage aber recht angenehm mit 3 Stunden am Vormittag und den Nachmittagen frei. Dumm nur, dass ich kein Auto habe, sondern immer warten muss bis sich jemand erbarmt mich abzuholen. Immerhin habe ich Internetzugang und kann so die Zeit überbrücken. Das mit dem Auto nervt trotzdem! Jedes mal wenn ich irgendwo hin will, muss mich Omi fahren. Nicht, dass ich bisher großartig irgendwo hin wollte, aber die Abhängigkeit ist mir dennoch zuwider. Das ist dann wohl auch Gewöhnungssache, aber ich freue mich massiv auf meinen ersten Tag alleine: Morgen! Nach der Kirche setze ich mich ins Auto und fahre auf die andere Seite von Cleveland um beim Cleveland Orchestra Choir vorzusingen. Das Cleveland Orchestra hat hier und international einen sehr guten Ruf (Top 5 der USA) und ich versuche, morgen irgendwie in deren Chor reinzukommen. Hoffentlich gibt die Stimme etwas her nach 3 Wochen ohne Training. Heute beim ersten Üben klang es jedenfalls noch etwas dürftig. Sollte das klappen, wird das zwar zeitlich (mal wieder) eine Herausforderung, aber ohne musikalisch gefordert zu werden gehe ich hier ein. Das Programm für die kommende Saison würde ich jedenfalls gerne mitmachen: Händels Messias, Beethovens Neunte, Brahms' Requiem, Carmina Burana und ein Weihnachtsprogramm...
Dagegen wirkt mein restliches Programm die Woche etwas spärlich, aber ich hatte trotzdem Spaß. Gleich am Donnerstag begann die Saison im High-School-Volleyball und -Fußball und der Erzrivale "Hearts for Jesus" kam mit 5 Mannschaften an die CCS. Insgesamt 5 mal haben wir dann auch verloren, aber gegen eine Schule, die aus mindestens 5 mal so vielen Schülern besteht stehen die Chancen wohl von vorneherein schlecht. Hier jedenfalls ein Bild von meinem Cousin Thomas kurz bevor er das fast spielentscheidende 2:5 schießt.
Gestern kam ich ewig nicht aus der Schule raus. Zuerst verspätete sich Tante Nancy mit dem Abholen, als sie dann da war, kam aber eine Tornadowarnung rein und wir mussten uns im Schulkeller versammeln. Tornados sind hier kein Spaß. Zwar hat in unserer nächsten Nähe kein Trichter den Boden erreicht (das ist dann der typische Tornado-Anblick), aber wir hatten heftigsten Wind und Platzregen. Irgendwann war ich dann daheim, zog mich um und wurde 5 Minuten später von Opi gefragt ob ich mit ihm zur Lorain County Fair kommen wolle. Also wieder umgezogen, ab ins Auto und eine halbe Stunde gefahren um Traktoren und Farmtiere zu begutachten. Dummerweise schüttete es irgendwann dort aus Eimern und so standen wir die meiste Zeit in verdammt uninteressanten Hallen (schönste Tomate, schönster Kürbis, schönster Heuballen(!), schönster Kürbis, usw. Hier im Bild: schönstes Gemüsearrangement unter 8 Jahren ;-) ).
Fazit meiner ersten Woche: Der liberale Quergeist in mir will raus, und freut sich immer wieder spitzbübisch, wenn ich ihn mal lasse (heute bestellt: Milk & Rent). Trotzdem fühle ich mich noch sehr wohl in der Familie hier, also kein Grund zur allseitigen Panik. Ich bin ja Darsteller und als solcher spiele ich nun eben die Rolle des konformen, konservativen, frommen und prüden Deutschlehrers. Was man nicht alles für die Kunst tut...

Dienstag, 25. August 2009

After school is over, we're running in the park...

In Wahrheit beginnt die Schule ja erst morgen, aber heute und gestern habe ich schon zwei volle Tage (und wenn ich voll sage, meine ich voll, und nicht so einen Kinderkram mit zehn nach eins oder so) in der Schule mit Lehrerkonnferenzen zugebracht. Ein paar harte Fakten zur Christian Community School: 170 Schüler (wegen der schlechten Wirtschaft 60 weniger als letztes Jahr), davon 12 aus meiner Gastfamilie. 6 Grundschullehrer (inklusive Kindergarten), 11 Middle- und High-Schoollehrer, viele viele Helfer und viel Herzblut. Wer hier unterrichtet verdient wohl wesentlich weniger im Vergleich zur öffentlichen Schule, aber alle verfolgen hier das Ziel, die bestmögliche (christliche) Bildung zu vermitteln. Die Schule ist sehr familiär (kein Wunder bei der Größe), wird also im wahrsten Sinne des Wortes von ihren Familien getragen. Natürlich wird im Science-Unterricht die Schöpfungslehre gelehrt und Darwin verpönt, gibt es genauso viele Bibel-Kurse wie Fremdsprachen und wird zwei mal die Woche gemeinsam gebetet, aber gut, das ist einfach woran die Familien hier glauben. Jedenfalls arbeitet hier jeder über seine Pflichtstunden und macht einen großartigen Job (das klingt wieder nach einem Anglizismus, Sarah... ;) ). Nun das Problem: Das wird auch von mir erwartet. ;o)
Es ist ja schon etwas besonderes, dass ich überhaupt ohne Anleitung unterrichten darf, aber sie wollen mich hier natürlich auch anderweitig einbinden, weswegen ich wohl außer meinen 15 Stunden Deutsch auch 2 Stunden Musikgeschichte in der Woche unterrichten werde. Deutsch I-III wird jeweils fünfstündig unterrichtet (!), was ich sehr überraschend fand. Wenn morgen die Kids kommen stehe ich jedenfalls erst mal komplett materiallos da, weil es momentan kein Textbuch gibt, weiß nicht, wo die Schüler stehen, was für Methoden gewohnt sind und wie viele ich überhaupt unterrichten muss. Aber auch das ist wohl normal hier, alles geht etwas langsamer, wird improvisiert und ich würde mich nicht wundern, wenn ich als Ausländer auch mal für Englische Literatur einspringe wenn Lauren sich um ihren 5 Monate alten Sohn kümmern muss.
So viel zur Schule. Ansonsten passiert hier noch nicht viel, viel Zeit zum Sightseeing hatte ich noch nicht, aber immerhin hat mich Omi (der Einfachheit halber...) am Sonntag mal zum Eriesee gefahren, der nur 5-10 Autominuten entfernt ist. Das andere Ufer sieht man natürlich bei der Größe nicht, aber man hat gar keinen schlechten Blick auf Downtown Cleveland aus von Sheffield Lake. Für eine Größenvorstellung: Rheinland-Pfalz hat eine Fläche von ca. 7000 km², der Lake Erie hat 2000km2 MEHR als das. Man rudere also von Montabaur nach Germersheim und ist immer noch nicht vom am anderen Ufer...
Uncle Bob wird mehr und mehr zu meinem Personal Trainer, gestern waren wir biken, heute joggen. Insgesamt vergeht hier kein Tag ohne zumindest einen Teil der Großfamilie zu sehen. Das genieße ich wirklich sehr, so kommt man gar nicht erst auf die Idee, Heimweh zu bekommen weil man ständig von lieben Menschen umgeben ist. Sorry also in die Heimat! (Vermissen, das könnt ihr mir glauben, tue ich euch aber trotzdem...)

Sonntag, 23. August 2009

Home, Sweet Home

Da bin ich nun also, in Cleveland. Oder sagen wir besser: Sheffield Village, denn von Cleveland selbst habe ich noch nichts gesehen. Am Freitag kam ich hier an und wurde erst mal von der Nachricht überrascht, dass ich nicht wie geplant bei Karen Doane und ihrer Familie wohne, sondern mit Karens Eltern. Gut, war mir auch recht, da das sowieso der ursprüngliche Plan gewesen war. Wie lebe ich also hier? Nun, sagen wir mal so: Den Gerents geht es nicht zu schlecht... Beides sind Immigranten, seit über 50 Jahren in den Staaten, aber sprechen noch ausgezeichnetes Deutsch. Beide sind über 70, wie alt genau habe ich noch nicht herausgefunden und haben 3 Kinder. Insgesamt wird hier Familie RIESENGROSS geschrieben. Vor allem Christa, oder Omi, wie sie hier nicht nur von ihren Enkeln genannt wird, ist eine herzensgute Frau, die mich hier mit offenen Armen empfangen hat. Harry (oder auch "General") ist etwas reservierter, ein Workaholic (auch noch mit über 70) und schweigsames Familienoberhaupt, in dem aber ein ganz lieber "Opi" schlummert. Heute ist er mir gegenüber das erste mal ein wenig aufgetaut und hat mich für Mittwoch in sein Jagdhaus in Süd-Ohio eingeladen. Bei den Gerents wohne ich also in einem verdammt großen Haus (siehe Bild, unten dann die Rückansicht und ein Blick in mein Wohnzimmer) und habe im Endeffekt den ganzen Keller für mich, ein Schlafzimmer, großes Bad, und ein riesiges Wohn- / Hobbyzimmer mit TV, Sportgeräten, Pooltisch und Orgel. Natürlich wird das auch von den Enkeln genutzt wenn die zu Besuch sind, aber generell habe ich da unten mein eigenes Reich, in dem ich mich sehr wohl fühle.
Ein kurzes Wort zur Familie und zu den Enkeln. Die 3 erwähnten Kinder von Christa und Harry haben es nämlich ingesamt auf stolze 17 (!) Kinder gebracht. In den 3 Generationen sind das also 25 Gerents, die alle recht nah zusammen wohnen und eine wunderbare Großfamilie bilden. Gestern Abend hatten wir mehr als die Hälfte zum Abendessen hier (plus 6 Freunde der Enkel die dazwischen herumwuselten) und alle sind sehr nett und haben mich gleich in ihren Kreis aufgenommen.
Mein Wochenende aber von vorne: Am Freitag lernte ich die erste der Familien kennen, Nancy und ihren Mann Bob, mit insgesamt 5 Kindern. Dort gab es Dinner und Bob hat mir nicht nur die Rugbyregeln erklärt, sondern ist mit mir auch durch Wald und Wiese zum benachbarten Baseballstadium gelaufen, wo wir uns hereingeschlichen haben, ein Bier tranken und 2 Homeruns in 2 Innings sehen konnten. Jeden Freitag gibt es hier ein Feuerwerk nach den Spielen der Lake Erie Crushers, das man wunderbar von Bobs Terasse beobachten kann. Samstag fuhren wir dann das erste mal an die Schule, wo "Work Day" war. Es wurde also in Eigenleistung viel hergerichtet, ich habe meinen Klassenraum eingeräumt und sowohl Rick, den Direktor, als auch ein paar meiner Kollegen kennengelernt. Mein Raum ist ziemlich klein, aber ich unterrichte ja auch nur kleine Deutschklassen, dafür aber klimatisiert. Mehr zur Schule schreibe ich, wenn ich nächste Woche genaueres weiß. Samstag Abend dann Dinner mit der Großfamilie, wonach mich die ältesten Enkel mit ins Kino genommen haben um Tarantinos "Inglorious Basterds" zu sehen. Den kann ich nur empfehlen, ich bin ja normalerweise kein Tarantino-Fan, aber ich hab mich wirklich köstlich amüsiert. Brad Pitt ist zum Schießen komisch und Christoph Waltz wird sicher für einen Oscar für seine Darstellung nominiert!
Heute ist dann also Sonntag und ihr seht wie viel hier immer los ist und warum ich nicht früher geschrieben habe. Um 11 (sehr angenehme Zeit) ging es heute in die Kirche. So ganz habe ich noch nicht herausgefunden, was das hier ist, aber man versteht sich hier als "non-denominational", also an keine Konfession fest gebunden. Ganz sicher kann man aber von sehr bibelfundamentalen Evangelikalen sprechen. Der Gottesdienst war sehr erträglich. Die Liturgie ist eine ganz andere als bei uns. Zuerst wurde 20 Minuten gesungen (wobei mir meine Blattlesefähigkeit stark geholfen hat, danke CollMus!), danach über 40 Minuten gepredigt. Es ging darum wie toll es doch ist, dass wir alle in den Himmel kommen, weil wir an Jesus glauben. Mein Lieblingssatz war: "We know we're all going to heaven, isn't that totally coooooool?" Insgesamt sehr lockere Atmosphäre, viele Kinder. Eigentümlich war, dass die Gemeindemitglieder alle Bibeln dabei hatten, aus denen sie mitgelesen, nachgeschlagen und sich Notizen gemacht haben. Ich glaube, damit kann ich mich für ein Jahr lang arrangieren, auch wenn ich hier mit einem liberalen und sozialdemokratischen Gesellschaftsverständnis sicher anecken würde und ganz sicher jede politische Diskussion zu vermeiden versuche. Denn eins ist klar: Inklusive aller Enkel, Kinder und Großeltern wurde hier McCain gewählt...

Donnerstag, 20. August 2009

Hot Town, Summer in the City

Wie berichtet man von 2 Tagen New York, wenn man in der Zeit so viele Eindrücke gesammelt hat und eigentlich eine Novelle schreiben könnte? Nun, ich fange einfach mal von vorne an.
Angekommen am Dienstag am Port Authority Bus Terminal, gleich mal einen UV-Filter für meine Kamera gekauft, um bessere Bilder bei der heftigen Sonne machen zu können. Das mit der Sonne war dann auch so ein Ding für die ganzen zwei Tage, denn die schien die ganze Zeit so doll sie konnte und heizte so die Stadt schon am Morgen auf über 35° C im Schatten auf. Der erste Weg führte mich dann durch Midtown Manhattan, am Empire State Building vorbei auf die Fifth Avenue, zur NY Public Library (die leider grade renoviert wird), zur Grand Central Station und zur St. Patrick's Cathedral (wo ich mich reingesetzt und mit Sonnencreme versorgt habe. Dafür komme ich wohl in die Hölle, oder was sieht die katholische Kirche da vor?). Von dort ging es einmal über die Straße zum Rockefeller Center, wo ich ein Ticket für "Top of the Rocks", die Aussichtsplattform auf dem GE-Building gekauft habe. Bei meinem letzten Besuch war ich ja nachts auf dem Empire State, diesmal also bei bestem Wetter auf dem Rockefeller Center. Und Boy, war die Aussicht genial! Nach Norden überblickt man den Central Park, die Upper West und East Side. Blickt man nach unten sieht man St. Patrick's, nach Süden blickt man direkt auf das Empire State Building, dahinter Downtown Manhattan und in der Ferne, aber auch noch zu sehen, Ellis Island und die Freiheitsstatue. Diese Aussicht kann man dann auf drei Ebenen genießen, und mein Ticket habe ich voll ausgekostet, und nicht nur zahlreiche Bilder gemacht, sondern mich auch einfach auf eine Bank gesetzt, die Aussicht genossen, Musik gehört und ein Buch gelesen. Eigentlich wäre ich auch gerne noch länger als die eineinhalb Stunden oben geblieben, die ich eh schon oben war, aber die Zeit in der Stadt wollte ich dann doch noch irgendwie besser nutzen.
Also ging es zum Times Square, wo ich Lunch aß und die Leute beobachtete. Die Menschenmassen waren unglaublich, alle Welt besucht gerade New York, und die Hitze machte die Szenerie noch unangenehmer. Irgendwie sehnt man sich nach einer Zeit dann doch in die Idylle West Milfords zurück. Dem Broadway folgend lief ich dann zu meinem Hotel (dazu gleich mehr), immerhin 20 Blocks nach Norden, auf der Höhe des Lincoln Centers, wo wir ja mit der EuropaChorAkademie im Februar ein "umjubeltes" Konzert hatten. Nun, mein Hotel war nun eigentlich kein Hotel, sondern eine Jugendherberge, besser gesagt, das örtliche YMCA. Dort gab es allerdings weder Indiander, noch Bauarbeiter, Matrosen oder Polizisten, sondern nur zahlreiche junge Touristen aus allen Ländern auf der Suche nach einer günstigen Unterkunft. Und in einer Stadt, wo ein mittelmäßiges Hotelzimmer schon weit über 100€ in der Nacht kostet, waren die 50€ für ein kleines, kärglich ausgestattetes Zimmer mit Gemeinschaftsbad auf dem Flur wirklich ein sehr sehr gutes Angebot. Dort duschte ich dann, bevor ich mich (viel zu früh) auf den Weg zurück zum Broadway machte (also nicht einfach nur die Straße, da war ich ja schon, sondern der Theaterbereich), um eine Show zu sehen. Es ist schon toll, die ganzen Theater nur von außen zu sehen, die riesigen Plakate zu bewundern. Man würde als Musical-Fan ja gerne alles sehen, aber ich konnte an einem Abend New York eben auch nur ein Musical sehen (auch preislich...).
Die Wahl fiel auf Next to Normal, Gewinner von 3 Tony Awards (es schüttelt mich ja zu sagen, aber zur Erklärung: Der Oscar für Musicals), darunter Best Score und vor allem die beste weibliche Hauptrolle für Alice Ripley. Im Musical geht es um eine Familie, die mit der psychischen Störung der Mutter umgehen muss. Ich will nicht spoilern, aber die Story ist toll gemacht, hält einige Überraschungen parat und hat von Anfang bis Ende Tiefgang. Wie auch Kritiker sagten, ist dieses Musical total neuartig und "die Zukunft des Broadway", es werden keine großen Geschütze aufgefahren, nur 6 Darsteller, simples Bühnebild, kleines Orchester (Piano, Bass, Gitarre, Percussion, Violine, Cello). Die Musik ist sehr rocklastig, poppig. Kaum große Chornummern (wie auch mit 6 Darstellern), eher toll komponierte Duette und ineinander übergehende Stücke. Man kann so was schlecht beschreiben, aber wer einen kleinen Eindruck bekommen möchte, kann sich hier ein Youtube-Video der Tony Award-Performance ansehen.
Toll war natürlich, dass ich nicht wie man es im Musical fast schon gewohnt ist eine B-Besetzung gesehen habe, sondern "the real deal", also die ursprüngliche Broadway-Besetzung, inklusive eben jener Alice Ripley und zwei Darstellern, die auch noch für die Tonys nominiert waren. Und verdient hätten sie es alle, wenn es nach mir ginge.
Nach der Show wurde es dann etwas ungemütlich... Von vorne: Ich kaufte mir eine wunderschöne Window Card, also einen DIN A3-Karton mit dem Poster des Musicals, um sie unterschreiben zu lassen. Es kamen auch alle aus der Stage Door, unterschrieben bereitwillig, ließen Fotos von sich machen und plauderten mit uns Fans. Vor allem J Robert Spencer nahm sich viel Zeit. Als dann Alice Ripley herauskam wurde das Wetter etwas... ungemütlich. Zunächst donnerte es nur, dann begann es zu tröpfeln, und nur einen Moment später gab es einen der größten Wolkenbrüche die ich je erlebt habe. Die Autogrammjagd wurde also lustig, geschützt von 2 Bodyguards mit Regenschirmen blieb Alice bei den Fans, die im Regen ausharrten. Man konnte auch nirgends wirklich hin, immerhin standen wir unter. Dummerweise kam der Regen mit ordentlichen Windböen, und prasselte so fast waagerecht von hinten auf mich ein. Tierisch durchnässt, aber immerhin mit Alices Autogramm versuchte ich dann ins gegenüberliegende Marquis Hotel zu gelangen. Immerhin konnte ich meine Kamera trocken retten, aber mein von allen Darstellern unterschriebenes Plakat war dann nur noch ein nasser Klumpen. Das war es also mit meinen Autogrammen, aber die Erinnerung an diesen Abend wird lange halten...
Da ich eh schon nass war, die Stimmung nicht besonders gut, lief ich dann im Regen wieder die 20 Blocks zum YMCA und schaute noch ein wenig Sport-News auf ESPN (legendary, but retired Quarterback Brett Favre signed with the Minnesota Vikings!), bis ich ins Bett ging.
Tag 2 fing an indem ich bemerkte, dass ich mir in den nassen Klamotten eine fette Blase am Fuß gelaufen hatte, die ordentlich an den Sneakers rieb, so dass Laufen irgendwie blöd war. Was soll man aber machen, los gings also an die East Side zu den Vereinten Nationen, wo ich die Tour mitmachte, die mich auch in die Generalversammlung führte. Sehr beeindruckend, in diesen heiligen Hallen der Weltpolitik zu stehen. Dort machte ich dann auch meine letzten Fotos, denn zu meinem Ungefallen war mein Akku leer... Leider gibt es also kein Bild mehr von der Pressekonferenz, die Ban Ki Moon (Generalsekretär der UN) im Foyer hielt. Sehr frustrierend. Aber es war toll, dabei zu sein, und ihn reden zu hören.
Letzter Stop meiner Tour durch New York war dann der Central Park. Durch meine Fußverletzung konnte ich leider nicht den ganzen Park begehen, dafür war es auch eh zu heiß, aber bis zur Bethesda Terrace habe ich mich geschleppt. Dort lag ich dann für über eine Stunde im Gras, hatte Picknick, hörte Musik, las, und genoß die wunderbare Aussicht auf Bethesda Fountain, die im Sommer so viel schöner ist als im Winter. Wirklich mein Lieblingsplatz in Manhattan. Immerhin hab ich davon noch ein Bild gemacht, mit meiner Handykamera, aber da ich es nicht übertragen kann, weil ich das Kabel nicht mit in den Staaten habe, vertröste ich euch mit einem Bild aus der Wikipedia. Dort wäre ich gerne noch länger geblieben, dieser Platz hat seit ich ihn das erste mal in Angels in America gesehen hat einen magischen Charme auf mich ausgeübt, der sich gestern wieder bestätigt hat. Dort werde ich ganz sicher nicht das letzte mal gewesen sein.
Nun, das war also New York, die Rückfahrt erspare ich euch jetzt, der Beitrag ist lange genug geworden... (Wer den Link oben überlesen hat und es bis hier unten geschafft hat, klicke hier um das übliche Bilderalbum anzusehen.) Kurzer Ausblick: Morgen stehe ich um 5:30 auf (mal wieder), um dann um 10 Uhr nach Cleveland zu fliegen. Der Flug wird weniger als 2 Stunden dauern, und in Cleveland erwartet mich mein Schulbetreuer und ein paar der Doanes, meiner Gastfamilie, je nachdem wie viele von ihnen gleichzeitig Zeit haben und in ein Auto passen. Dort angekommen werde ich sicher erst mal mit Auspacken beschäftigt sein, muss ein paar Sachen besorgen und erledigen, bevor dann nächste Woche die Schule mit einer Lehrerkonferenz beginnt. Ich werde mich jedenfalls so bald wie möglich wieder bei euch melden, mit neuen Abenteuern aus Amerika...

Brother Bear

Eigentlich wollte ich meinen nächsten Beitrag über meine beiden Tage in New York City schreiben, aber da ich dafür wohl noch etwas brauche, schiebe ich aufgrund aktueller Ereignisse kurz diesen hier dazwischen. Da West Milford ja recht spärlich besiedelt ist und viel Wald und Rückzugsfläche bietet treffen hier immer wieder Wildnis und Zivilisation aufeinander. Die Tierwelt ist einfach eine ganz andere und wesentlich präsenter als bei uns. Bilder von handtellergroßen Schmetterlingen und einer Schlange habe ich ja bereits gezeigt, das Murmeltier hinterm Haus und die vielen Streifenhörnchen habe ich nicht vor die Kamera bekommen.
Gestern Abend bekamen wir dann allerdings noch mal Besuch von der Weißwedelhirschfamilie, die ich schon mal vom Pool aus beobachten konnte. Diesmal war es die Mutter mit zwei kleinen Bambis (natürlich ist Bambi ein Hirsch und kein Reh!), die im benachbarten und gerade leer stehenden Grundstück grasten. Die beiden Kälber waren sehr neugierig und ließen sich auch von unserem Näherkommen nicht beirren und kamen bis auf ca. 5 Meter an uns heran. Wirklich ganz zauberhafte Tiere!
Heute gab es dann aber endlich auch den langersehnten Bären zu sehen. Für die Bewohner hier eher eine lästige Angelegenheit, weil die Schwarzbären hier im Müll nach Nahrung suchen und damit regelmäßig Tüten aufreißen und Tonnen umwerfen. In unserem Fall war er schon zum zweiten mal diese Woche hier und hat sich am Mülleimer gütlich getan, diesmal hatte ich auch die Kamera parat. Auch auf der sicheren Terasse noch ein sehr beeindruckendes Tier, auch wenn dieses Exemplar wohl noch nicht ausgewachsen ist.Das also nur als kleiner Beitrag zum Nachmittag, heute Abend versuche ich, noch den Blog über New York nachzuliefern.

Montag, 17. August 2009

City of Brotherly Love

Gleich zu Beginn muss ich mich entschuldigen: Der Blog wird heute etwas kürzer ausfallen, da ich heute ziemlich platt bin (dazu später mehr) und ich morgen schon um 5:30 Uhr wieder aufstehen muss (auch dazu später mehr). Aber eins nach dem anderen...
Nach dem Fährtrip am Donnerstag haben wir es uns für zwei Tage in New Jersey gemütlich gemacht. Ausschlafen war mal bitter nötig, und ich bin endlich ganz in der Eastern Standard Time angekommen. Freitags abends sind wir dann nach Morristown (eine Stunde) gefahren um Sushi zu essen, das nicht nur in riesigen Mengen aufgetischt wurde, sondern auch noch ganz fantastisch schmeckte. Samstags ging es zum Grillen zu den ehemaligen Nachbarn der Boughs (wieder über eine Stunde). Sehr liebe Leute, der Abend wurde sehr amerikanisch, es wurde über die neue Obama-Care gestritten und über illegale Einwanderer diskutiert.
Für euch sicher interessanter ist dann aber der Sonntag. In dreistündiger Fahrt (nur Hinweg natürlich) ging es in die ehemalige Hauptstadt der Staaten, Philadelphia. Dort besuchten wir natürlich Independence Hall, wo sowohl die Unabhängigkeitserklärung, als auch die Verfassung der Vereinigten Staaten entstanden (nennen wir es mal so, das ist die Kurzform für Nicht-Historiker). In einem Land, das zwar die älteste Demokratie, aber auch nur eine der jüngsten Geschichten zu bieten hat, sticht Philadelhia durch seine zahlreichen historischen Gebäude und Schauplätze hervor. Überall spürt man den Geist der Revolution, und für mich als Amerikanist war es ein absoluter Höhepunkt, die Original-Verfassung ausgestellt zu sehen. Natürlich haben wir neben dem ganzen History-Sightseeing (Bilder übrigens hier!) auch ein Philly Cheesesteak gegessen und sind durch die Stadt spaziert. Dass es dabei über 100° hatte (F natürlich!) tat meiner guten Laune jedenfalls keinen Abbruch, auch wenn 6 Stunden Autofahrt für maximal 6 Stunden City ganz schön schlauchen können. Wie immer hat man in so großen Städten auch das Gefühl, nur annähernd an dem gekratzt zu haben, was man alles hätte sehen können. Ein wunderbarer Ausflug war es jedenfalls!
Nun zu heute. Wie immer ging es früh los, der Wecker (bzw. Haralds Faust an meiner Tür) ging um 6:20 am, und eine Stunde später saßen wir im Auto auf dem Weg zum Delaware River, der mit 595 km noch ein wenig länger ist als die Mosel. Mit dem Kanu und einem Kajak (zunächst Deirdre, dann die letzten 4 Meilen ich) fuhren wir 16 Meilen den Fluss herunter, picknickten, saßen auf Steinen im Wasser, meisterten Stromschnellen (okay, so spektakulär wars nicht, aber man wurde schon gut durchgeschüttelt und nass) und hatten eine gute Zeit. So wie es momentan aussieht, dürfte ich mir auch ein bißchen die Rübe verbrannt haben, aber das gehört wohl einfach dazu bei diesem Wetter, vermute ich. Das ist also der eingangs erwähnte Grund für meine Müdigkeit jetzt, nach knapp 7 Stunden auf dem Fluss ist man einfach platt, auch wenn wir es ganz gemütlich haben angehen lassen.
Morgen steht dann New York City auf dem Programm, deswegen das frühe Aufstehen, Harald nimmt mich mit zu seiner Arbeit nach Clifton, NJ, von wo ich dann einen Bus in die Stadt nehme. Dort habe ich mir ein ziemlich umfangreiches Programm vorgenommen, von dem ich dann am Mittwoch oder Donnerstag berichte. :)
Bilder von Philly und dem Delaware gibt es wie schon beim letzten mal hier.

Freitag, 14. August 2009

Sweet Land of Liberty...

...of thee I don't sing. Jedenfalls hatte ich noch keine Gelegenheit hier, meine Stimmbänder mal zu ölen. Vermisse das Singen, wird Zeit, dass ich an der Schule den Musikraum entern und üben kann. Hier würde es wahrscheinlich auch keinen stören, aber ich muss mich jetzt nicht unbedingt in den Garten stellen und die Nachbarschaft mit meinen Gesangsübungen unterhalten.
Heute bin ich jedenfalls endlich voll in der Eastern Standard Time (6 Stunden zurück) angekommen, konnte mal voll ausschlafen und sitze jetzt auf der wunderbaren Terasse, genieße die Sonne, sortiere Fotos, chatte und blogge.
Gestern sind wir früh aufgestanden, um Liberty und Ellis Island zu besuchen. Von New Jersey aus hat man zwar keine Wartezeiten bei den Tickets und für die Fähre, aber wir wollten früh los, um möglichst viel Zeit dort zu haben. Außerdem war es mal wieder eine eineinhalbstündige Fahrt nach Jersey City. In der Zeit kann man in Deutschland ganze Bundesländer durchqueren. Anfangs hatten wir noch überlegt, den Trip zu verschieben weil es in Strömen regenete, aber wir haben uns dann ein Herz gefasst und sind los, immerhin war ich mit waschechten Irish-Americans unterwegs, da machen doch so ein paar Tropfen nichts. An der Küste angekommen war das Wetter dann auch entschieden besser, aber den ganzen Tag über war es diesig und hat immer mal wieder genieselt. Daher sind die Bilder, die ich gemacht habe auch recht düster ausgefallen, wer will, kann sie sich aber trotzdem hier ansehen.
Zunächst ging es auf Ellis Island, der Insel, durch die die Millionen Immigranten geschleust wurden, die um die Jahrhundertwende Amerika erreichten. Hier wurden medizinische Untersuchungen, Tests über den Geisteszustand und alles mögliche durchgeführt. Es war wirklich interessant, das alles nachzuverfolgen, und auch den deutschen Wurzeln in Amerika nachzugehen.Von dort ging es dann aber endlich zu Lady Liberty, der großartigen Freiheitsstatue. Aus der Nähe ist sie tatsächlich noch beeindruckender als man denken würde. Auch als Nicht-Amerikaner darf man da dann mal die Nationalhymne summen und sich sehr patriotisch fühlen. Als globales Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit übt sie eine unglaubliche Anziehungskraft auf Menschen aus aller Welt aus, was sich an der Vielfalt der Touristen zeigte. Um auf die Besucherplattform am Fuß der Statue zu kommen, mussten wir dann auch einige Zeit anstehen, aber es lohnte sich, vor allem wegen des angeschlossenen Museums.
Während ich es also heute gemütlicher angehen lasse, bin ich auch am Mittwoch sehr früh aufgestanden. Um Haralds Pick-Up Truck aus der Werkstatt abzuholen, mussten wir im Endeffekt nur zwei Städte weiterfahren, wegen der schlechten Verkehrsanbindung aber einen Umweg über New York State machen. Jedenfalls durfte ich dann Frances Ford Explorer auf dem Weg heim fahren, mein erstes aber sicher nicht letztes Erlebnis mit Automatik. Jedenfalls sind die Geschwindigkeitsbegrenzungen für deutsche Verhältnisse echt lächerlich und man muss sich beherrschen, nicht drüberzugehen. Lange Rede, kurzer Sinn: Als wir daheim waren mussten wir das Heck von Haralds Truck zusammenschrauben und konnten dann um 15 Uhr endlich los um Kanu fahren zu gehen. Bei bestem Wetter sind wir 3 Stunden auf dem Monskville Reservoir gepaddelt, haben die Natur genossen und ich habe einige Kanu-Techniken gelernt. Harald ist ein sehr geübter Fahrer und ich vermute, ich hab ihn mit meinem Gepaddel anfangs eher behindert als geholfen voranzukommen. Mit der Zeit hatte ich aber den Dreh raus und fühle mich nun ganz gut vorbereitet für den Delaware River, wo wir am Montag einen Tag lang fahren werden.
Auch davon gibt es natürlich Bilder, genau so wie erste Eindrücke von Montag und Dienstag. Ihr könnt sie in meinem Picasa-Album anschauen.

Mittwoch, 12. August 2009

Hewitt, West Milford, New Jersey, USA - oder: wo bin ich hier eigentlich?

Als mich mein Großcousin vom Flughafen abgeholt hat, sind wir erst mal ziemlich lange über die Landstraße in Richtung Norden gefahren. Meile um Meile wird es da weniger städtisch, bis man dann irgendwann in West Milford landet, einer Gemeinde mit 26.000 Einwohnern. Das klingt jetzt erst mal gar nicht soooo klein, aber wenn man sich vorstellt, dass sich diese Einwohner auf eine Fläche verteilen, die fast drei mal so groß ist wie Mainz bekommt man eine Vorstellung davon wie es hier aussieht. Große Grundstücke, viel grün, maximal zweistöckige Gebäude. Von Hewitt aus, der kleinen Ortschaft innerhalb West Milfords in der die Boughs wohnen, braucht man mal mindestens 10 Minuten mit dem Auto um egal was zu erreichen.
Landschaftlich erinnert mich das ganze ein wenig an den Pfälzer Wald. Nicht hoch, aber hügelig, und reichlich bewaldet. Um uns herum liegen einige Seen, und wenn wir den Kanuträger nachher auf den Pick-Up Truck montiert haben, werden wir auf einem davon paddeln gehen.
Den Tag gestern habe ich genutzt um ein wenig die Nachbarschaft zu erkunden (weit kommt man aber zu Fuß nicht, Gehwege gibt es keine und irgendwann werden die Straßen zu gefährlich um einfach so darauf herumzulaufen), war im Pool schwimmen, mit Frances in einem auf alt gemachten Diner essen, in einem Großmarkt wie Metro (hier: Coscos) einkaufen und Harald von der Arbeit abholen. Heute morgen haben wir dann Haralds Auto aus der Werkstatt abgeholt und ich durfte Frances Ford Explorer zurückfahren. Ich war ganz stolz, dass ich nur einmal mit dem linken Fuß auf die Bremse getreten bin, für mich war es die erste längere Fahrt in einem Automatik.
Gestern habe ich dann endlich auch meine Gastfamilie erreicht. Bei Karen und ihrer Familie werde ich wohl nur die erste Zeit verbringen, dann aber zu ihren Eltern umziehen, die mehr Platz haben. Ihre Mutter wurde aber wohl an der Hüfte operiert, weswegen ich also die ersten Wochen oder Monate bei den Doanes bleibe. Sie haben tatsächlich 6 Kinder, im Alter von 20,18,16,13,12 und 9 Jahren und sie sagte am Telefon, es sei ein sehr aktives Haus... Darauf bin ich dann ja mal gespannt! Scheinbar haben sie ein sehr großes Grundstück, und wer mal einen Blick darauf werfen mag kann einfach mal die Adresse (1663 Harris Road, Sheffield, Ohio) bei Google-Maps eingeben. Wie es scheint ist es auf jeden Fall nur ein Katzensprung an den Lake Erie und eine halbe Stunde ins Zentrum von Cleveland. Ich freue mich jedenfalls, dass ich jetzt weiß wo ich hinkomme und ich mich darum nicht mehr kümmern brauche und den Urlaub in NJ genießen kann.

Dienstag, 11. August 2009

Erste Eindrücke

Gestern bin ich also in Newark gelandet. Der Flug lief super, hatte einen netten Sitznachbarn (auch Student und für ein halbes Jahr drüben) und ordentlich Beinfreiheit. Vom Flughafen hat mich dann mein Großcousin Harald abgeholt und wir sind nach West Milford gefahren, wo er mit seiner Frau lebt. Den Ort werde ich heute mal etwas erkunden und euch ausführlich berichten. Jedenfalls ist es hier sehr idyllisch, alles total weitläufig und groß, so wie man es erwartet. Hier verbringe ich jetzt die nächsten 10 Tage bevor es dann am 21. weiter nach Cleveland geht. Zum Thema Größe eine kleine Randnotiz: Das Auto auf dem Bild ist das Auto von Haralds Frau. Für deutsche Verhältnisse ein Riesenteil, großer SUV von Ford. Harald nannte es jedenfalls "es klääne." Seins ist grad in Reparatur, aber morgen holen wir es zusammen ab und ich bin sehr gespannt wie groß das wohl sein mag...

Donnerstag, 6. August 2009

Final Week

Beinahe hätte ich tatsächlich angefangen, hier schon auf Englisch loszuschreiben, aber das liegt nur an Sinas brasilianischem Freund Ivan, der gerade zu Besuch ist und mit dem wir den ganzen Abend Englisch gesprochen haben. Noch kann ich die Sprachen ganz gut unterscheiden, aber ich bin gespannt, wie das Sprachgefühl nach ein paar Monaten USA sein wird. Am vergangenen Wochenende war ich noch ein letztes mal bei meiner Mum und ihrer Familie in Gelsenkirchen (Im Bild: Daniel und Gabriel, kurz bevor sie auf Grund laufen). Die Zeit dort war eigentlich viel zu kurz, aber meine Tage sind gezählt und in Mainz gibt es noch so viel zu tun. Außerdem kam mein Mitbewohner Daniel am Wochenende aus Israel zurück und Montag Abend war die einzige Gelegenheit, sich zu sehen (und hemmungslos zu betrinken). Dieser Abend war dann auch der Auftakt zu meiner letzten Woche in Mainz, die bisher besser nicht hätte laufen können. Einfach nur das tun, wozu man Lust hat, mit lieben Freunden abhängen und die Sommersonne genießen, schön essen gehen und sich einfach sauwohl fühlen. So bewusst sollte man wirklich jede Woche angehen und genießen (wobei ich dann im Normalfall so dermaßen schnell pleite ginge...). Aus den letzten vier (!) Tagen in Deutschland versuche ich jedenfalls das Maximum rauszuholen, "schlafen kann man ja auch noch in den Staaten!"
Am Wochenende kam dann auch die erhoffte Neuigkeit (seht ihr, ich hab nicht News gesagt!) aus Cleveland, dass sich eine Gastfamilie für mich gefunden hat. Genaues weiß ich noch nicht, die Kommunikation mit meinem Betreuer ist immer etwas schleppend, aber es handelt sich um die Familie der eigentlichen Deutsch-Lehrerin der CCS (Christian Community School, gewöhnt euch an die Abkürzung), Karen. Mit ihr hatte ich schon mal kurz Kontakt wegen Lehrmaterial und sie schien sehr nett zu sein. Offensichtlich haben sie sechs Kinder, wobei drei schon aus dem Haus sind (und die anderen drei hoffentlich nicht mehr zu klein *hust*). Habe jetzt schon mehrfach versucht bei ihnen anzurufen, aber leider scheint die Uhrzeit nie zu passen oder sie sind verreist. Für sie ist das Schuljahr und mein "arrival" ja auch noch frei Wochen weg, während die Reise für mich bereits am Montag beginnt.
Sollte ich es nicht mehr Schaffen bis dahin noch mal einen Eintrag zu posten, wünsche ich mir vorsichtshalber schon mal einen schönen Flug. Und Sina hat Recht, ich sollte wirklich langsam mal herausfinden, von welchem Gate und so ich fliege. Keep avoiding the unpleasant stuff...