Donnerstag, 31. Dezember 2009

Should auld acquaintance be forgot?

"Sollten alte Bekanntschaften vergessen sein?" Nein, natürlich nicht! Vielmehr ist das natürlich die erste Zeile des traditionellen Silvester-Liedes "Auld Lang Syne". Vergessen wird sicher niemand. Dies wird also definitiv mein allerletzter Blog-Eintrag für 2009 sein, versprochen! Ich bin einigermaßen stolz darauf, dass ich es bisher auf 34 Einträge gebracht habe und weiterhin regelmäßig elektronisches (und öffentliches) Tagebuch führe. Das lässt nicht nur euch viel einfacher an meinem Leben in Cleveland teilhaben, sondern hilft auch mir meine Erinnerungen niederzuschreiben und für die Zukunft zugänglich zu machen. Nun aber wie gewohnt eins nach dem anderen. Die Tage nach Weihnachten waren hier ganz wunderbar entspannend und schön mit der Familie und Freunden. Am zweiten Weihnachtsfeiertag haben mich Nancy und Bob mittags abgeholt um ein paar Erledigungen zu machen. Im Endeffekt saßen wir nur im Auto und sind durch die Gegend gegurkt, aber immerhin habe ich ein Hemd gefunden (runtergesetzt von 42 auf $8, das sind grade mal 6€...) und am Nachmittag sind wir ins Kino gegangen und haben Sherlock Holmes gesehen. Abends gab es dann eine riesige Menge an Essens-Kleinigkeiten, Sauerkraut mit Wurst, kleine Pizzen, Pommes, Knobi-Baguette, Garnelen und all so Zeug. Dazu bot mir Bob unglaublich guten Wein an, einen besseren (und teureren) hatte ich bis dato nicht getrunken. Aber es war ja immerhin Weihnachten, da kann man auch schon mal tiefer in die Tasche greifen. Mit Luke spielte ich dann bis in die späte Nacht hinein auf der Wii und war dementsprechend platt in der Kirche am nächsten Tag. Dass der Redner diesen Sonntag dann auch noch ein "brillianter Rethoriker" war und uns anbrüllte dass wir Gott gehorchen müssen machte den Morgen nicht unbedingt besser...
Nach der Kirche ging es dann mal wieder zu Nancy, wir aßen die Reste vom Vortag, spielten Wii und abends gab es hausgemachte Calzone. Irgendwann hatte man dann das Gefühl die Tage laufen ineinander über, so ähnlich waren sie sich, aber es war schön mit der Familie zusammenzusein und keine Arbeit zu tun zu haben. Sogar Opi war in einigermaßen guter Stimmung und hatte Spaß am Wii-Bowling und -Tennis. Außerdem brachten wir Luke Skat bei, was auf Englisch gar nicht so einfach ist, und spielten das dann auch ausgiebig.
Am 28. war es dann Zeit, etwas von dem vielen Essen der letzten Tage abzuarbeiten und die basketballfreie Zeit war vorbei. Statt Training gab es allerdings ein kleines Turnier 3 gegen 3, an dem jeder teilnehmen konnte. Ich stellte eine Mannschaft mit 3 meiner Schüler zusammen, mit der wir zwar 7 von 8 Spielen verloren, aber viel Spaß hatten. Der Zähler für die verbrannten Kalorien ratterte und alle waren bei bester Laune. Dumm nur, dass es abends mit dem Essen weiterging. Mit allen Markoviches und Omi war ich bei einer befreundeten Familie zum Fondue eingeladen. Die Familien treffen sich traditionell zu Weihnachten, bescheren sich und essen zu viel. So gab es ein traditionelles Käsefondue zur Vorspeise, dass ich Amerikanern gar nicht zugetraut hätte. Mit feinem Gruyere-Käse, Kirschwasser und allem drum und dran... Das hätte wohl eigentlich gereicht, dann kam aber Fleisch-Fondue als Hauptgang mit Rind, Huhn, Garnelen und Elch(!), nebst Gemüse und Kartoffeln. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen wurde als Nachtisch, ihr ahnt es schon, Schoko-Fondue aufgetischt. Ich will mich ja nicht beschweren, es war alles unglaublich lecker, aber ein bißchen weniger hätts dann schon sein können. Fondue ist wohl das schlimmste aller Gerichte, weil man ja so schlecht nachvollziehen kann was man schon gegessen hat und man immer noch mal ein kleines Stückchen dies und das nachlegt.
Am Liebsten würde ich den nun folgenden Tag ausblenden, immerhin wurde ich ein viertel Jahrhundert alt, aber es hilft ja alles nichts... Ungefähr eine Minute nachdem ich aufgestanden bin und meinen Laptop hochgefahren habe erreichte mich dann auch schon der erste Anruf und von da an war ich ununterbrochen mit Telefon, Mails und Nachrichten auf diversen sozialen Netzwerken beschäftigt. Das ging wirklich Stunde um Stunde und irgendwann fühlte ich mich wie mein eigener Sekretär, der ständig Nachrichten beantworten musste. Natürlich habe ich mich aber riesig gefreut über alle Nachrichten die ich empfangen durfte. So viele liebe Freunde aus der Heimat haben an mich gedacht, das war wirklich toll. Keine Angst aber, ich bin nicht den ganzen Tag vor dem Laptop versauert. Abends sind wir mit den üblichen Verdächtigen Essen gegangen und als Nachtisch hat mir Nancy eine Schwarzwälder Kirschtorte gebacken. Die von Oma ist natürlich besser, aber Nancys Version war deutsch und gut genug um mir den Abend zu versüßen. Ich hatte also keine große Party, aber das war dieses Jahr auch in Ordnung so. Nach den vielen Zusammenkünften zu Weihnachten war auch niemandem wirklich danach groß zu feiern.
Gestern lud mich Bob dann als weiteres Geburtstagsgeschenk noch zu Sushi ein. Wir bestellten wesentlich zu viel und mussten nach der Hälfte aufgeben, aber die 40-Minuten-Fahrt lohnte sich total, das Sushi war ganz ausgezeichnet. Danach fuhren wir noch durch die Flats und Tremont, zwei Stadtteile auf der Westseite der Innenstadt die ich bisher noch nicht kennengelernt hatte und die ein sehr nettes Flair haben. Die Flats waren alte Industriegebäude am Ufer des Cuyahoga Rivers, die in den letzten 20 Jahren aufpoliert wurden und jetzt Nacht- und Kulturleben beherbergen. Tremont ist dagegen ein fast schon europäisch wirkendes Eck mit kleinen Häusern, großen Bürgersteigen, Läden in ungewöhnlicher Laufnähe, guten Restaurants und vielen Grünflächen. Wenn ich in Cleveland wohnen würde, wäre es wohl am ehesten dort.
Heute neigt sich nun das vergangene Jahr zu Ende, 2009 ist vorbei, das erste Jahrzehnt im dritten Jahrtausend nach Christ Geburt "geschafft". Wir feiern, wie könnte es anders sein, im Familienkreis, der wir immer nicht unbedingt klein ist. Ich mache später Knoblauchbaguettes und Flammkuchen für unser Buffet, ansonsten bringt jede Familie etwas mit und wir lassen uns überraschen was letztendlich auf dem Tisch landet. Irgendwer wird auch sicher eine Wii dabei haben, für Alkohol habe ich auch gesorgt, sicher wird es aber keine Halligalli-Party wie manches mal in Deutschland. ;)
Das vergangene Jahr war für mich ein ganz wunderbares, zunächst die Konzertreisen nach London und New York mit der ECA, die tollen Erfahrungen mit den Musketieren, ein wunderschöner Sommer in Mainz und schließlich der erste Teil meines Abenteuers Amerika, mit 2 schönen Wochen in New Jersey, Ausflügen nach New York und Philadelphia, Musicalbesuchen, Konzerten mit dem Cleveland Orchestra, einer fantastischen Gastfamilie und vielen unvergesslichen Erfahrungen. Ich bin dankbar für dieses Jahr und allen die mich darin begleitet haben und es durch ihre Unterstützung möglich gemacht haben. Was ich mir und euch für 2010 wünsche schreibe ich in der nächsten Mail, bis dahin erst mal einen guten Rutsch und Happy New Years Eve!

Freitag, 25. Dezember 2009

So here it is, Merry Christmas!

Nix wars mit der weißen amerikanischen Weihnacht. Heute, am Christmas Day, ist hier mal gar nichts passiert. Dafür war Heiligabend gestern sehr schön. Da die Familie ja im Grunde Deutsch ist, wird Christmas Eve nämlich wesentlich größer gefeiert, und weiß war er auch noch!
Begonnen hat der Tag mit einem gemeinsamen Geburtstagsfrühstück bei Tante Nancy, wie immer mit der ganzen Großfamilie. Ich fuhr extra etwas früher rüber um beim Vorbereiten zu helfen und stand dann den halben Morgen hinterm Waffeleisen. Waffeln für 31 Personen wollen erst mal gemacht werden. Dort gab es dann auch schon die erste Bescherung, da Karens Schwiegereltern (und deren Mutter) abends nicht mehr mitfeiern würden. Für mich gab es ein tolles Geschenk von "Nana", der 98 Jahre alten Urgroßmutter der Doanes: Sie schenkte mir handgemachte Eiszapfen aus Perlen für den Weihnachtsbaum. Das ist eine absolute Familientradition, die ich nun mit nach Hause bringen darf. Als wir dann gegen Mittag wieder daheim waren, gingen schon die Vorbereitungen für das große Abendessen los. Chefkoch zum heiligen Abend ist traditionell Onkel Rick, dem ich gerne unter die Arme griff. Zwischendurch seilte ich mich aber immer wieder ab um nach Hause zu telefonieren, Mails zu schreiben und durchzuschnaufen. Abends gab es dann jedenfalls Steak und Hummerschwänze, das ganze auf dem Grill, der natürlich draußen aufgebaut war. Zum Grillmeister bei null Grad wurde ernannt: Ich, wobei ich mir nicht sicher bin ob das Strafe war oder Ausdruck des Vertrauens in meine Kochkünste... Nach dem feinen Abendessen saßen wir dann mit allen zusammen und hielten einen kleinen Hausgottesdienst ab in dem sich jeder äußern konnte über was er dieses Weihnachten besonders dankbar ist. Danach wurde dann beschert, ganz deutsch also schon an Heiligabend und nicht wie sonst in den Staaten üblich am Morgen danach. Ich bekam ein Shirt und Gewürze von Nancy und Familie, Chai-Tee (lecker) und eine passende Tasse von den Gerents (junior), Süßigkeiten (...) von Luke und Erika, einen Bildband und Geschenkgutscheine von Omi und Opi, sowie ein wünderschöne Holzwandtafel von den Doanes. Darauf ein Vers aus Psalm 28, übersetzt "und mein Herz ist fröhlich, und ich will ihm danken mit meinem Liede." Ein Bild davon sehr ihr hier links, weiter Bilder von Heiligabend gibt es außerdem an gewohnter Stelle hier. Einige Gläser Wein später war es dann auch schon wieder Zeit schlafen zu gehen und als ich heute morgen aufwachte, war der ganze Schnee weg, im Gegensatz leider zu meiner Nasennebenhöhlenentzündung die mich immer noch plagt. Heute haben alle drei Familien Weihnachten mit den jeweiligen anderen Eltern gefeiert, so dass hier nur Omi, Opi und Opis Bruder, Onkel Walter übrigblieben. Mit den beiden letztgenannten spielte ich mehrere Stunden Billard, sonst habe ich den Tag aber gaaaaaanz gemütlich sesselpupsend und filmschauend verbracht, und genau das ist auch mein Plan für den Rest des Abends. Jano hat mir dankenswerterweise geholfen doch noch das richtige Video mit O Holy Night hochzuladen, diesmal auch ohne Passwort und noch mal als letzter Weihnachtsgruß an euch alle in Deutschland (und New Jersey!).

O Holy Night from Daniel Schaefer on Vimeo

Mittwoch, 23. Dezember 2009

O Holy Night

Huch, da ist er schon, der heilige Abend! Eigentlich wollte ich ja zwischendurch noch mal schreiben und dann noch mal zu Weihnachten, aber die Tage vergingen jetzt Ruck Zuck und schon ist es zumindest in Deutschland der 24.12. Also gibt es meine Weihnachtsnachricht schon jetzt, immerhin werdet ihr in Deutschland sie ja auch erst am heiligen Abend oder an Weihnachten selbst lesen. Ich bin etwas erkältet und habe mich die letzten zwei Tage mal etwas zurückgelehnt und mir eine Auszeit gegönnt. Nach einem anstrengenden Wochenende war das aber auch mal nötig. Freitag war ja der letzte Schultag, ich habe eine gemeinsame Stunde mit allen meinen Deutschklassen verbracht, habe die Weihnachtsgeschichte auf Deutsch gelesen und wir haben deutsche Plätzchen gegessen, Musik gehört und Lieder gesungen. Später haben dann noch alle Klassen mit ihren Klassenlehrern Weihnachtsfeiern gehabt und ich war mal hier und mal da und habe mich noch von allen meinen Schülern verabschiedet bevor es dann endlich in die Ferien ging. Abends hätte ich eigentlich ein weiteres Weihnachtskonzert singen sollen, aber da meine Stimme da schon ziemlich angegriffen war und wir an dem Abend sehr gut besetzt waren habe ich mich abgemeldet. Statt Bettruhe gab es aber dann mal wieder eine CCS-Veranstaltung, die 11. Klassenstufe veranstaltete ein italienisches Dinner zum Jahresabschluss. Natürlich kümmerte sich wie immer Onkel Bob ums Essen und so stand ich den ganzen Abend in der Küche und half beim Verköstigen von geschätzten 350 Gästen.
Samstag ging es mir stimmlich wieder besser und ich war für 15 Uhr zu einem weiteren Konzert in der Severance Hall. Direkt im Anschluss trafen wir uns mit der Markovich-Familie und zwei weiteren befreundeten Familien in der Innenstadt zum Abendessen. Das war Teil meines Weihnachtsgeschenk von der Familie, das eigentliche Geschenk war dann aber eine Karte für das Trans-Siberian Orchestra, eine Rock-Klassik-Crossover-Band die in den 90ern aus einer meiner liebsten Metal-Bands hervorgegangen ist. Das TSO tourt jedes Jahr zu Weihnachten durch die Staaten (hat sogar eine separate Tour an West- und Ostküste) und schaffte es innerhalb von 2 Tagen 4 Konzerte alleine in Cleveland auszuverkaufen, bei 15.000 Karten pro Show... Die Show war unglaublich genial, 20 Musiker auf der Bühne, Pyros, Laser, Lichtshow, tolle Sänger und Musik, außerdem saßen wir ziemlich nahe an der Bühne so dass wir eine tolle Sicht hatten. Hier habe ich einen Link von einem der TSO-Stücke 2003, also ein wenig älter, ist aber im Endeffekt die gleiche Show: Christmas Eve (Srajevo 12-24) Ein klein bißchen Zähne zusammenbeißen ist schon gefragt, wenn Klassiker wie O Fortuna oder Verdis Dies Irae von TSO verwurstet werden, leider wird da etwas viel Effekthascherei betrieben, aber alles in allem
war es ein geniales Erlebnis!
Am Sonntag stand dann endlich mein letzter musikalischer Beitrag für dieses Jahr auf dem Programm, diesmal in Form eines Liedes im Weihnachtsprogramm unserer Kirchengemeinde. Das "Konzert" gibt es statt eines Weihnachtsgottesdienstes (und das dann auch noch am 4.Advent, nicht an Weihnachten selbst), und leider kann jeder der will etwas beitragen. So musste ich mich durch quäkende Kinder und Geigensolos quälen bis der Abend dann endlich vorbei war. Von meinem Auftritt gibt es ein ziemlich gutes Video, das ich aber wegen der Größe der Datei nicht hochladen konnte. Als Ersatz gibt es das gleiche Lied in einer (leider ziemlich schlechten) Aufnahme vom CCS-Weihnachtskonzert am Donnerstag. Also bitte nicht über Ton und Bild ärgern, aber das mit der Technik hab ich noch nicht so raus. Ich liebe jedenfalls das Stück an sich. Bei uns ist "O Holy Night" weder allzu bekannt noch besonders beliebt, aber nachdem ich mich eingehender damit beschäftigt habe muss ich sagen, dass es eines der schönsten Weihnachtslieder ist das ich kenne.

O Holy Night from Daniel Schaefer on Vimeo. (Passwort: daniel)

Nach dem Konzert haben wir uns dann noch entschieden ins Kino zu gehen und den neuen Animationsfilm Avatar zu sehen. Dummerweise fing der erst um kurz vor 23 Uhr an, lief fast 3 Stunden, und so war ich am nächsten Morgen im Basketballtraining (trainiert wird auch durch die Ferien!) ziemlich platt. Obwohl es meiner Erkältung sicher nicht zuträglich war hat es sich dennoch gelohnt, der Film war genial, vor allem in 3D. Die Story war etwas oberflächlich, aber die Grafik und die Umsetzung waren einfach toll.

Am Montag gab es dann Teil 1 der Weihnachtsfeierlichkeiten. Immer in der Adventszeit bittet Karen die gesamte Großfamilie zum chinesischen Essen, normalerweise eher um Nikolaus, aber diesmal klappte es erst zu Beginn der Ferien. Mit allen 31 (Großeltern, alle 3 Familien, Schwiegereltern, Großtanten, Austauschstudenten) Familienmitglieder wurde also mal wieder gespeist und ich trug mit einem koreanischen Bulgogi (lecker!!!) zum Buffet bei. Insgesamt 6 Geburtstage gibt es in der Familie (neben Jesus, haha) im Dezember zu feiern. Emily (14) und Christa (17) waren schon Mitte des Monats so weit, heute hat Brenda, Karens Schwiegermutter Geburtstag, morgen Omi, übermorgen Scott (Karens Mann) und nächste Woche ich. Morgen feiern wir also nicht nur Weihnachten mit einem großen Familienabendessen bei uns, sondern außerdem auch noch die 3 zusammenliegenden Geburtstage mit einem großen Familienbrunch bei Nancy... Langweilig wird mir hier also über die Feiertage ganz sicher nicht. Heute Abend habe ich mich außerdem endlich mal aufgemacht um Bilder von den vielen Weihnachtslichtern zu knipsen. Bevor ich also meine Weihnachtsgrüße loswerde, hier eine kleine Auswahl:

Das Haus der Markoviches, fast eine Spur zu viel, vor allem der aufblasbare Weihnachtsmann, aber eigentlich noch recht erträglich.

Die Nachbarn sparen sich die Lichterketten und beleuchten einfach das ganze Haus in rot.

Manche packen einfach die Tür ein...

...andere haben eine Landebahn für Snoopy und den Weihnachtsmann im Vorgarten.

Hier aber mein Favorit, eher undezent...

Ich habe schon einiges an Weihnachtsmails rausgehauen, tatsächliche Karten habe ich nicht geschrieben. Ansonsten wünsche ich euch allen aber von hier aus ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, wie auch immer ihr es verbringen mögt. Die Wünsche fürs neue Jahr hebe ich mir mal noch auf, aber ich hoffe einfach dass ihr die schönste Zeit des Jahres genauso genießen könnt wie ich hier. Natürlich wäre ich jetzt auch gerne daheim bei meinen Lieben, aber meine Gastfamilie macht es mir wirklich so einfach hier zu sein. Heute habe ich auch endlich die letzten Weihnachtsgeschenke gekauft, für jede Familie gibt es entweder ein Brett- oder ein Videospiel, für Omi und Opi habe ich Weihnachtsbaumschmuck und eine CD. Was Santa Claus mir gebracht hat, werde ich dann beim nächsten mal berichten. Und bis dahin: Merry Christmas!

Donnerstag, 17. Dezember 2009

On the 8th day of Christmas my true love gave to me...

...8 Weihnachtskonzerte, viel zu viel zu tun und noch keine Weihnachtsgeschenke...
Wow, da ist es mir doch tatsächlich gelungen das Blog-Schreiben fast zwei Wochen vor mir herzuschieben, sorry dafür. Sicherlich brennt ihr alle darauf zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht, haha! Neue Fotos gibt es nicht so wirklich, also nicht unbedingt von mir, aber mit meinen Deutsch III-Kids habe ich eine Foto-Story erstellt. Aufgabe war, die Bildunterschriften auf Deutsch zu schreiben. Alle Bilder gibt es hier zu sehen und auch das Bild hier zur Linken stammt aus dieser Bilderserie. ;)
Die zweite Adventswoche war vollgestopft mit Aktivitäten, am Sonntag wie angekündigt das erste Weihnachtskonzert, und dann eine ganz eklige Schulwoche in der fast nichts passiert ist im Unterricht. Habe wohl ein wenig den Fokus verloren und habe mich schon wie die Schüler im gedanklichen Ferien-Modus wiedergefunden. Ein Laptop mit Internetzugang auf dem Schreibtisch vor mir ist dann auch nicht besonders hilfreich... An den Nachmittagen und dem Wochenende habe ich mich in meiner freien Zeit als Plätzchenbäcker versucht und versucht, Omas (beiden) Rezepten gerecht zu werden. Husarenkrapfen und Vanillekipferl waren ein voller Erfolg, Zimtsterne eher weniger, nun sind es eher Zimtklumpen mit braunem Eiweiß, die aber immer noch ziemlich gut schmecken. Auf die Zutaten kommt es an, nicht wahr?
Am Donnerstag habe ich CDs bei einem Konzert unseres Kammerchores verkauft, dafür durfte ich dann Händels Messias kostenlos im Publikum sehen. Die Aufführung war ziemlich gut und statt von einer Altistin wurde die Partie von einem Countertenor gesungen was das Erlebnis noch mal besonderer machte. Dass das Orchester grandios war brauche ich kaum zu erwähnen.
Das Wochenende stand dann ganz im Zeichen der Weihnachtskonzerte, 3 an der Zahl habe ich hinter mich gebracht. Leider ist das Programm etwas seicht und meiner Meinung nach sind Stücke wie "Winter Wonderland" und "White Christmas" wirklich verzichtbar wenn man ein Orchester hat das wunderbar auch anspruchsvolleres Material spielen könnte. Naja, ich will ja nicht meckern, das zahlende Publikum will ja unterhalten werden und so begnüge ich mich mit den wenigen für mich schönen Stücken die das Programm für mich zu bieten hat. Inzwischen hat der Reiz in Severance Hall zu singen leider etwas an Reiz verloren und die Konzerte sind mehr Pflicht als Kür, aber das gehört nun wohl dazu... A propos Singen: Inzwischen habe ich drei Videos von unseren Star Wars-Konzerten aufgetrieben. Hier gibt es ein Video in dem uns C3PO in der Garderobe besucht um uns auf den Abend einzustimmen. Außerdem gibt es hier das Duel of the Fates mit einer Einführung von C3PO. Ich sitze ziemlich in der Mitte, aber das Video ist etwas zu unscharf um mich wirklich gut zu erkennen. Haltet aber bei Minute 3:55 nach mir Ausschau. Zuletzt das Battle of the Heroes mit netten Spezialeffekten.


Damit dann aber auch genug für dieses Jahr mit Star Wars. Leider habe ich noch nichts von meiner Gage gesehen, was mich etwas klamm macht, aber zum Glück geht nicht nur das Wetter unter null sondern auch meine Kreditkarte... :D
Am Sonntag gönnte ich mir eine Musicalvorstellung. Cleveland ist regelmäßig Gastspielort der bundesweiten Broadway-Touren und Sonntag war meine letzte Chance Wicked zu sehen. Direkt nach meinem Weihnachtskonzert habe ich mich also in Schale geschmissen (also den Smoking gegen ein schwarzes Hemd mit grüner Krawatte getauscht) und mich in den unbequemsten Sitz in der Theatergeschichte gezwängt (keine Beinfreiheit, wobei die scharfe Kante des Sitzes vor mir mir ständig in die Knie drückte). Die Show war unglaublich gut, die Nebenrollen etwas schwach besetzt, aber die beiden Hauptrollen haben einen wirklich weggehauen. So viele Musicals habe ich nun ja noch nicht gesehen, aber das war definitiv die Lustigste! Wer das Musical nicht kennt sollte sich definitiv das schönste und populärste Stück aus der Show anhören /-sehen, und zwar hier!
Nachdem dann die ersten Weihnachtskonzerte hinter uns waren wurde es etwas ruhiger Anfang dieser Woche ohne Proben. Den Montag und Dienstag habe ich dann genutzt um wieder ins Basketballtraining einzusteigen, am Dienstag durfte ich sogar das Team choachen weil Nancy nicht da war. Abends haben dann außerdem die Jungs ein Spiel gehabt und ich habe das erste mal als "official scorer" auf der Bank gesessen, also der, der die Punkte und Fouls vermerkt und die offiziellen Punktebücher führt. Wieder eine neue Aufgabe die mich über den Winter beschäftigen wird!
Am Mittwoch hatten wir ein nettes Abendessen mit unserer Bibelgruppe, das wirklich schön war. Hatten eine gute Zeit zusammen und ich habe genossen, dass der Abend recht schnell vorüber ging. Dafür war die Schule umso schlimmer, für 3 Stunden haben wir mit der ganzen High School für unser CCS-Weihnachtskonzert heute Abend geprobt. Leider ist der Chor richtig mies und keiner hat Bock, das macht sich dann auch bei mir bemerkbar. Nach weiteren 4 ätzenden Stunden Probe heute morgen wurde es dann etwas besser, aber ich bin echt froh wenn das Konzert heute Abend vorbei ist. Dann ist es außerdem nur noch ein Tag (an dem außer Weihnachtsfeierei sowieso nicht mehr viel passiert) bis zu den Ferien, drei Konzerte am Wochenende und ich habe alles hinter mir. Nach den Ferien wird mein Programm ein reiner Spaziergang sein im Vergleich dazu! Am Samstag bin ich außerdem noch eingeladen, das Trans-Siberian Orchestra zu sehen. Das wird wohl ein ziemlich großes Spektakel, die Musik von TSO höre ich jedes Weihnachten und freue mich nun darauf sie auch live zu hören.
Diese Woche kamen auch die ersten Weihnachtspäckchen aus Deutschland an, vielen lieben Dank an alle, die an mich in dieser Form an mich gedacht haben und an mich denken. Ich wünschte ich könnte euch allen etwas von hier schicken, aber das Porto ist nicht ohne und so bleibt es aus Cleveland wohl bei E-Mails und telefonischen Grüßen. Im Moment bin ich froh, dass ich vielbeschäftigt bin, sonst wäre das Heimweh wohl noch schlimmer. Gerade diese Woche vermisse ich Familie und Freunde besonders. Außerdem habe ich meinen Rückflug gebucht. Ein bißchen blöd war ich dabei schon. Ich fliege zu spät um Rent zu sehen, aber zu früh um noch den Independance Day hier zu begehen. Immerhin wisst ihr jetzt, dass ich am 2. Juli in Frankfurt lande. Sechs Monate und 15 Tage also noch, der Countdown läuft...

Samstag, 5. Dezember 2009

Arise, shine, for your light has come

Advent, Advent, morgen brennen schon 2 Kerzen auf meinem (künstlichen) Adventskranz. Einen Weihnachtskalender habe ich nicht, sonst würde ich jetzt berichten was heute drin war, und der Nikolaus wird morgen auch nicht kommen, aber auch ohne diese deutschen Bräuche fühlt es sich inzwischen schon sehr weihnachtlich an hier bei mir in Cleveland.
Zuletzt hatte ich ja von Thanksgiving berichtet und allen, die sich um mein Gewicht sorgen sei gesagt dass ich über die Feiertage nur ein Pfund zugenommen habe, yay! Und das, obwohl es Samstag noch ein mal ein großes Festessen gab. Wie ich ja berichtet hatte war eine der drei Familien über Thanksgiving in New York City um sich dort die große Parade anzusehen. Am Samstag waren sie dann zum Restessen bei uns eingeladen, aber im Endeffekt haben wir fast alles noch mal neu gekocht, statt einem ganzen Truthahn wurde diesmal aber nur eine riesige Truthahn-Brust in den Ofen geschoben. Zum Nachtisch kamen dann auch noch Cousins und Cousinen vorbei, so dass das Haus wieder gut gefüllt war. Mir war es dann aber auch mal zu viel und ich hab mich in den Keller verdrückt und mich etwas zurückgezogen. Manchmal hab ich eben doch auch noch Heimweh...
Sonntag ging es dann zu unserem ersten Star Wars-Konzert nach Pittsburgh, Pennsylvania. Leider hatten wir keinerlei freie Zeit um die Stadt, die sehr schön sein muss, anzusehen und mussten in der Halle bleiben. Normalerweise tragen dort die Pittsburgh Penguins ihre Heimspiele in der NHL aus und die Halle ist wohl mit der SAP-Arena zu vergleichen. Ganz ausverkauft war das Konzert schließlich nicht, aber an die 9000 Zuschauer dürften da gewesen sein, definitiv das größte Publikum für das ich je gesungen habe, das verursachte dann schon Gänsehaut! Nach dem Titelthema waren wir schon an der Reihe und sangen das "Duel of the Fates", das viele von euch ja schon vom CollMus-Konzert im Sommer kennen. Das Ganze dann mit einem überdimensionierten hochauflösenden LED-Bildschirm im Hintergrund auf dem Filmszenen gezeigt wurden. Der Dirigent war entgegen anfänglicher Skepsis ganz ausgezeichnet und so machte das Singen dann wirklich viel Spaß. Die sonstige Musik war mal nervig (das C3PO-Thema, boah...) und mal wunderschön, das Publikum begeistert. Gegen Ende der ersten Hälfte waren wir dann noch einmal mit dem "Battle of the Heroes" dran. Zwar ist dort nur "ah" zu singen, aber rhytmisch hatte das Stück es in sich. Als dann gegen Ende noch Pyrotechnik im großen Stil aufgefahren wurde waren wir alle etwas überrascht (nein, man hatte uns nicht vorgewarnt. Warum auch? Wir waren ja nur grade am Singen...). Als dann das Publikum nach einer 20-minütigen Pause in den Genuss der zweiten Hälfte kam, saßen wir schon wieder im Bus zurück nach Hause. Das Folgende Video zeigt das Stück auf der Tour in Philadelphia, ich warte leider noch auf ein Video von uns. Der Anfang zeigt nur den großen Bildschirm und die mitlaufenden Filmsequenzen, dann wird aber herausgezoomt und ihr könnt die ganze Bühne (mit Pyros) sehen.

Das Ganze wiederholten wir dann am Mittwoch in Columbus. Dort hatten wir dann die Gelegenheit den Original-C3PO, Anthony Daniels in unserer Garderobe zu treffen. Er kam in unseren Raum um uns zu Pittsburgh zu gratulieren (nach Ausaggen des Dirigenten waren wir beste Chor der Tour) und ein wenig Small Talk zu betreiben. Ein ganz schön abgehobener Typ, der sich meiner Meinung nach ein bißchen viel auf seine Rolle einbildet und es ganz schön raushängen lässt... Zum Abendessen wurde für den ganzen Chor Pizza bestellt, aber das gab es auch schon in Pittsburgh und ich hatte am Tag zuvor Pizza gegessen als wir den Abend bei einem Basketballspiel verbracht haben. Da kann man sich dann vorstellen wie groß die Begeisterung war, zumal amerikanische Pizza wirklich widerlich sein kann. Mit Schule und Konzert (und der Fahrt hin und zurück) war der Mittwoch wirklich hart und Donnerstag ging es dann ohne Unterbrechung weiter. Nach der Schule fuhr ich direkt nach Downtown Cleveland wo Teil drei unserer Konzert-Trilogie stattfinden würde. Die Halle dort, wo normalerweise die Cleveland Cavaliers ihre NBA-Heimspiele austragen war nicht nur die modernste, sondern auch die schönste. Eine Kamera hatte ich nicht im Gepäck, deswegen sind alle Bilder in diesem Blog Leihgaben von anderen Choristen oder im Internet gefundene Bilder (die dann allerdings von unserer Show in Pittsburgh). Da wir in Cleveland nicht so unter Zeitdruck mit der Heimfahrt standen bekamen wir als Schmankerl Karten für die zweite Hälfte geschenkt und konnten dann nach unserer ersten Hälfte den zweiten Teil der Show aus dem Publikum genießen. Leider war die Musik in der ersten Hälfte wesentlich besser, aber der tolle Bildschirm und eine Lasershow entschädigten dafür total. Am Ende gab es stehende Ovationen für alle und einen sehr bewegenden Moment, denn der Dirk Brossé, der belgische Dirigent, hatte seine letzte Show auf der Tour. Ein ganz grandioser Abend (außerdem gab es keine Pizza, sondern Hühnchen von KFC). Witzig war es, als wir mit unseren Backstage-Pässen ins Foyer marschiert sind um unsere Plätze zu suchen. Autogramme musste ich zwar nicht geben, aber die Leute haben schon geguckt. Außerdem habe ich einen ganz lieben Bariton kennengelernt in meinem Alter, mit dem ich in den langen Pausen die Zeit totgeschlagen habe. Insgesamt mit den drei Konzerten eine wirklich anstrengende Woche, die aber total viel Spaß gemacht hat und eine wirklich einmalige Erfahrung war (außerdem wurde ich bezahlt, das hilft auch immer...). Hier ein letztes Bild aus Pittburgh das ich online gefunden habe und das auch mich zeigen dürfte, leider in zu klein um was erkennen zu können...Gestern war dann nach der ganzen Star Wars-Aufregung endlich mal ein freier Abend, den ich aufräumend und E-Mail-schreibend verbracht habe. Es tat gut, die Füße einfach mal wieder hochlegen zu können. So geht es heute auch weiter, ich nehme mir jetzt mal ne Auszeit. Zu tun habe ich auch so genug in Vorbereitung auf die kommende Woche, aber es gut keine Termine und Verpflichtungen zu haben. Mit den Schülern lasse ich es momentan etwas ruhiger angehen. In den letzten zwei Wochen vor den Ferien mache ich eher Projekte, wir werden wichteln, backen und deutsche Weihnachtslieder singen. Momentan zünden wir jede Stunde den Adventskranz an und singen dabei "Wir sagen euch an den lieben Advent", ein bißchen deutsche Vorweihnachtszeit muss dann auch sein. Nichts gegen die amerikanische, aber das Weihnachtsmarktfeeling fehlt hier schon total. Hier sind es eher die geschmückten Häuser die Stimmung verbreiten. Dummerweise verursachen gefühlte 75% der Weihnachtsbeleuchtungen Augenkrebs. Ich hoffe ich finde noch die Zeit für einen Abendspaziergang mit meiner Kamera um euch an den Geschmacksverirrungen teilhaben zu lassen. Aber was beschwer ich mich eigentlich? Eigentlich ist es ja schön, die Straßenzüge beleuchtet zu haben. Netterweise wurde ich aus der Heimat mit ein paar Weihnachtsrezepten versorgt, so dass ich wohl heute mit ein paar Plätzchen anfangen werde. Habe Lust zu backen (und Teig zu naschen!).
Morgen habe ich das erste von (zum Glück nur) 6 Weihnachtskonzerten mit dem Cleveland Orchestra. Wir proben von 12:30 bis 16:30 und haben das Konzert um 19 Uhr. Das wird ein langer Tag... Für Dienstag bestelle ich nachher noch Karten für das Musical Wicked, das grade hier in Cleveland Station macht und am Mittwoch besuchen wir mit der ganzen High School Dickens' "A Christmas Carol", das wohl traditionellste aller Weihnachtsstücke. Am Donnerstag verkaufe ich dann CDs auf einem der Messias-Konzerte unseres Kammerchores, bei dem ich dann auch zuschauen kann. Freitag, Samstag und Sonntag sind dann drei weitere Weihnachtskonzerte. Werde also täglich in Downtown Cleveland sein und diverse Konzerte besuchen oder singen. Klingt leider ein wenig stressig, aber wird sicher auch schön. Am Dienstag werde ich außerdem auch wieder den Schulgottesdienst leiten, diesmal Musik und Predigt. Habe noch nicht angefangen, das ist jetzt nach dem Blog die zweite große Aufgabe für heute, aber weiß schon grötenteils was ich sagen werde. Es wird um Licht gehen, ich werde Kerzen benutzen und passende Lieder im Gepäck haben, wird sicher schön.
Euch allen eine schöne Adventszeit und wir hören uns alle bald wieder, ich freu mich wie immer über Nachrichten, Anrufe und Pakete, haha!

Freitag, 27. November 2009

Happy Thanksgiving, eat that turkey!

Nun ist sie also offiziell da, die "Holiday Season", mit dem gestrigen Thanksgiving hat in den Staaten offiziell die Adventszeit begonnen (der erste Advent ist ja bei uns auch schon übermorgen). Ich wollte ja eigentlich noch vor gestern gebloggt haben, aber die Festtagsvorbereitungen waren etwas stressig, also gibt es jetzt den Rundumschlag seit letzter Woche. Ich bin ja einigermaßen stolz darauf, dass ich es bislang immer noch jede Woche geschafft habe, hier eine Nachricht abzusetzen. Die vielen positiven Rückmeldungen und E-Mails ermutigen mich auch weiterhin euch an meinem amerikanischen Alltag teilhaben zu lassen.
Fangen wir also von vorne an. Am vergangenen Freitag predigte ich ja im Schulgottesdienst. Bis auf die Tatsache, dass ich mit 25 Minuten gerechnet hatte, dann nur 15 zur Verfügung hatte und nicht ganz durchgekommen bin, war ich wirklich zufrieden. Beim nächsten Mal versuche ich es dann noch etwas freier, aber ich habe von allen Seiten sehr ermutigendes Feedback bekommen. War ich also mit meinem früheren Berufswunsch Pfarrer nicht ganz so falsch. Für Samstag morgen habe ich mich dann warum auch immer zu einem Basketballtraining um 8 Uhr bequatschen lassen, was wieder Spaß gemacht hat, aber einfach für SA wesentlich zu früh war. Damit aber dann nicht genug, danach habe ich bei Doanes auf dem Grundstück gearbeitet, die Scheune für die bald kommenden Pferde hergerichtet und gekocht. Immerhin habe ich es dann aber abends geschafft was zu unternehmen (und mal wieder ein paar Fotos zu schießen, die wie immer hier zu sehen sind) und bin mit Lyndy zur Beleuchtung des Weihnachtsbaums im benachbarten Westlake gefahren. Irgendwie war das dann aber doch noch eine Wooche zu früh im Jahr, es war zu warm für Weihnachtsstimmung, die Weihnachtslieder wirkten etwas deplaziert, aber wir hatten einen spaßigen Abend. Als dann Santa Claus mit 20 Marines im Hummer (nein, nicht das Schalentier) zur Bühne gefahren wurde, war dann auch dem Letzten bewusst, dass wir hier in den Staaten sind.
Die Schulwoche ging unheimlich schnell rum, waren ja auch nur zwei Tage mit Montag und Dienstag vor unseren Thanksgiving-Ferien. Mittwoch wurde dann schon fleißig vorbereitet für das große Fest und da zu Thanksgiving die meisten Studenten vom College nach Hause kommen, gab es ein Freundschaftsspiel der Basketball-Mädels mit denen ich ja ein paar mal trainiert habe gegen Ehemalige. Da nicht genug Ehemalige am Mittwoch morgen (schon wieder zu früh) konnten, habe ich dann ausgeholfen und mitgespielt. Nun aber zum spannenden Teil des Berichts: Thanksgiving am Donnerstag!
Thanksgiving wird immer am letzten Donnerstag im November gefeiert und hat einen ebenso hohen Stellenwert wie Weihnachten. Und um ehrlich zu sein: Keine Geschenke kaufen zu müssen und trotzdem schön mit der Familie feiern (und schlemmen) zu können war wirklich sehr angenehm. Die Ursprünge des Festes sind nicht so wirklich klar aufgedeckt, jedenfalls begibt man sich in die Tradition der Pilgerväter aus Amerikas Kolonialzeit und widmet einen Tag dem Dank an Gott und seine Mitmenschen. Für mich begann der Feiertag schon um 6 Uhr morgens, denn wie immer gab es in einer der Gastfamilien etwas zu tun. Onkel Bob veranstaltet jedes Jahr ein großes Thanksgiving-Frühstück für die Gemeinde und da er letzte Woche an der Schulter operiert wurde, mussten die ältesten Cousins und ich einspringen und ab 6:30 Uhr Eier rühren, Brötchen backen (leider keine leckeren nach deutscher Art), Frühstücksburritos vorbereiten, und so weiter... Amerikaner sind beim Frühstück auch echt schmerzlos, das seltsamste Gericht ist dabei wohl "Sausage Gravy", angebratenes Hack aus dem dann eine möglichst fette Mehlschwitze hergestellt wird. Das wird dann großflächig über allem verteilt und schmeckt zwar ganz gut (vor allem weil ich die Ehre hatte den Kochlöffel zu schwingen, haha!) verursacht aber am frühen morgen schon reichlich Sodbrennen und Übelkeit.
Nachdem dann gespült und aufgeräumt war ging es zu Hause gleich mit den Vorbereitungen für abends weiter. Ich wollte etwas Spezielles zum großen Dinner beitragen und hatte deshalb Pfälzer Esskastanien (Pälzer Keschdegemies) angekündigt. Leider hatte Silvia ganz recht als sie mich am Telefon für verrückt erklärt hatte, 2 kilo Esskastanien zu pulen. Wir haben dann auch zu dritt fast eine ganze Stunde gebraucht all die Maronen fertig zu bekommen und dann waren sie zwar gekocht aber ja immer noch nicht richtig zubereitet. Letztlich hat aber alles gut geklappt und auch wunderbar geschmeckt. Zu Thanksgiving gibt es hier ja traditionell einen großen Truthahn, der die Ausmaße deutscher Öfen wohl im Regelfall sprengen würde. Unserer hatte 25 Pfund, musste aber auch 31 Mäuler stopfen. Wir waren also eine ziemlich große Gruppe bei Omi und Opi, dabei waren nur 2 der 3 Familien da weil Onkel Rick mit seiner Familie Urlaub in New York City machte. Zu den 2 großen Familien kamen dann aber noch Großonkel und -tanten, und reichlich Freunde und Freundinnen, aber das war bei der Menge an Essen die es gab dann auch nicht mehr wichtig. Nebst dem allgegenwärtigen Truthahn gab es Cranberry- und Bratensause, Kartoffelpüree, Rotkohl, Süßkartoffeln, Esskastanien, Kürbispüree, Bohnengemüse und Truthahnfüllung (die aber als Beilage gegessen wird). Auch die Nachtischecke bog sich unter 7 Kuchen, Eis und Leckereien. Dazu gab es Rotwein, eigentlich in Maßen, aber ich hatte schon beim Kochen begonnen und nach dem fünften oder sechsten Glas war die Stimmung dann auch entsprechend... Nach dem Essen saß man dann in lockeren Gruppen zusammen, schaute Weihnachtsfilme oder machte ein Nickerchen (auch das ist Tradition habe ich mir sagen lassen). Insgesamt ein wunderbarer Abend mit Familie und Freunden der von Weihnachten schwer zu toppen sein wird. Auch davon gibt es Bilder hier. Auf jeden Fall kann ich für nächstes Jahr schon mal ein deutsch-amerikanisches Thanksgiving in Mainz ankündigen. ;)
Heute ist jetzt der sogenannte Black Friday, der größte Shoppingtag in den Staaten. Letztes Jahr wurde ein Mann beim Ausverkauf zu Tode getrampelt und die Geschäfte öffnen teilweise schon um 5 Uhr morgens um den Besucherströmen gerecht zu werden. Ich werde mich gleich nach dem Abschicken dieses Blogs auch ins Getümmel stürzen und mal schauen ob ich ein paar Sachen finde, wenn die Wühltische nicht schon abgegrast sind. Heute Abend dann mehr Basketball, die Mädels haben ein Turnier im etwas südöstlich gelegenen Akron, bei dem ich als Co-Trainer auf der Bank sitzen kann. Sonntag geht es dann für das erste meiner drei Star Wars-Konzerte nach Pittsburgh, Pennsylvania, das dann die etwas stressige Konzertzeit einläutet. Freue mich aber drauf, die Proben machen Spaß und geben meinem Alltag Struktur.
Einen letzten Thanksgiving-Brauch habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben, dass man nämlich ausdrückt wofür man dankbar ist:
Für meine Familie in Deutschland, die mir den Rücken freihält, diesen Aufenthalt möglich gemacht hat und mich immer in meinen Entscheidungen unterstützt hat.
Für meine (Gast)-Familie in den Vereinigten Staaten, die mich wie einer von ihnen aufgenommen hat und mich in einer der prägendsten Erfahrungen meines Lebens begleiten.
Für meine alten und neuen Freunde in der Heimat, die mich mit Nachrichten auf dem Laufenden halten, mit Interesse meine Berichte verfolgen, mein Heimweh mit Telefonaten lindern und mir die Sicherheit geben auch noch viele tolle Freunde zu haben wenn ich nächstes Jahr wieder komme.
Für die Gnade Gottes, der seinen Sohn für uns am Kreuz opferte um uns das ewige Leben zu geben und dessen Liebe größer und höher ist als jeder Verstand.

Donnerstag, 19. November 2009

'Tis the Time of the Year

Wenn Weihnachten näher rückt wird es im Kalender des gewöhnlichen Musikers hüben wir drüben meist etwas eng. Weihnachtskonzerte, Adventsmatinees, Gesangseinlagen bei Weihnachtsfeiern wollen unter einen Hut gebracht werden. In den kommenden vier Wochen werde ich jedenfalls insgesamt 14 Konzerte zu singen haben. Und dabei geht es erst übernächste Woche los! Dafür habe ich versucht diese und die letzte Woche so ruhig wie möglich zu gestalten, was mir mal besser und mal nicht gelungen ist. Das Problem in der Schule ist, dass mir Thanksgiving im Nacken sitzt. Nächste Woche Mittwoch gibt es dazu nämlich Ferien, zwar nur 3 Tage, aber mit dem Wochenende gibt das eine ausreichende Zeitspanne für die Schüler um alles zuvor gelernte zu vergessen und verdrängen. Also versuche ich, meine Einheiten vorher noch abzuschließen und Klassenarbeiten zu schreiben, was das Unterrichten momentan also etwas hektisch macht. Spaß macht es natürlich immer noch, ich habe das Gefühl, dass ich die deutsche Grammatik mit Spaß vermittele und die Schüler es auch einigermaßen verstehen (auch wenn immer noch in Frage gestellt wird, wofür man eigentlich mehr als einen Fall braucht...). Gespannt bin ich auf die Projekte, die ich jetzt mit den Schülern gestartet habe. Sie sollen einen Einblick in deutsche Musik bekommen, die Jugendliche gern hören, und so erwarte ich in zwei Wochen Präsentationen über Songs von den Ärzten über Juli und Fettes Brot bis Rammstein. Wird sicher ganz lustig. Für die Weihnachtszeit hab ich dann auch schon ein paar gute Ideen, und wenn die großmüttelriche Verwandtschaft mich noch mit Rezepten segnet werde ich auch versuchen Pälzer Gutzschelscher zu backen.
Letzte Woche habe ich ja schon das We Will Rock You-Video angekündigt, das ich nun hiermit zur freien Ansicht zur Verfügung stelle, auch wenn mein Klavierspiel in den letzten 10 Tagen nicht wirklich besser geworden ist.

Sonst ist nicht wirklich viel passiert. Ich habe ein paar mal für die (übrig gebliebene) Familie gekocht, Luke hat ja bei mir gewohnt. Einmal gab es Schweinelende im Speckmantel mit hausgemachten Spätzle und Rotkohl, diesen Dienstag Moussaka, Bifteki und Rosmarinkartoffeln. Trotzdem freue ich mich dann auch auf nächste Woche, wenn Omi wieder da ist und ich mich nicht mehr jeden Abend ums Essen kümmern muss. Das Wochenende habe ich zum größten Teil daheim verbracht, habe noch etwas gekränkelt und hatte Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Am Samstag habe ich es dann aber immerhin ins Kino geschafft und den sehr lustigen Film "The Men Who Stare at Goats" gesehen. Sonntag war ich dann ausnahmsweise mal in zwei Gottesdiensten, sonst habe ich den Abendmahlsgottesdienst um halb 10 immer übersprungen. War auch sonst besser so, unspannender kann man Christentum kaum feiern...
Wie auch bereits erwähnt ist nächste Woche (Donnerstag) hier Thanksgiving, also Erntedankfest, aber in groß und mit Truthahn! Darüber werde ich dann noch mal ausführlich berichten, wenn es so weit ist, bis dahin gibt es aber noch ein paar andere Sachen zu tun. Heute werde ich mit den Mädels Basketball trainieren um mal etwas in Bewegung zu kommen, morgen kommen Omi und Opi heim. Am Samstag bauen wir dann bei Tante Karen einen Stall und Auslauf für zwei Pferde die sie in der kommenden Woche von einem Bekannten bekommen. Darauf freu ich mich schon, wollte schon lange mal reiten, und das sind beides ziemlich große Zugpferde die auch mich tragen können. Fehlt nur noch der Cowboyhut! ;) Und Sonntag beginnen unsere Star Wars-Proben. Wird auch Zeit, wenn man bedenkt, dass das erste Konzert schon nächste Woche ist. Naja, wird schon, ich hab ja gelernt vom Blatt zu singen, und eines der beiden Stücke kann ich ja bereits.
Morgen halte ich im Schulgottesdienst die bereits für letzte Woche angekündigte Predigt, die aber CCS-typisch auf den letzten Drücker verschoben wurde, weil letzte Woche ein Gastredner eingeladen war. Bin nicht unbedingt nervös, vielleicht ein bißchen aufgeregt, auf jeden Fall freue ich mich drauf, noch mehr dann aber wenn ich die Sache hinter mir habe und das Wochenende vor mir!

Donnerstag, 12. November 2009

Koraaaaaaaaaaah!

Schlag auf Schlag geht es momentan in Cleveland, Ohio, und da wollte ich euch die neusten Neuigkeiten nicht vorenthalten. Nachdem ich am Dienstag ja wie angekündigt das erste mal öffentlich Piano gespielt habe (morgen bekomme ich ein Video, vielleicht lass ich euch das sehen) kam heute eine Nachricht vom Chor. Schon vor 2 Wochen wurde ich gefragt ob ich grundsätzlich bereit wäre an einem Special Event teilzunehmen und eben kam die Zusage. Ich bin nun einer von 60 ausgewählten Chorsängern, die 2 bis 3 Konzerte der "Star Wars - In Concert"-Tour mitsingen dürfen. Anfang Dezember gibt es Konzerte hier in Cleveland (in der Quicken Loans Arena, der größten Multifunktionshalle hier), in Pittsburgh und vielleicht noch in Columbus. Das Ganze wird wohl ein großes Spektakel mit Riesen-LED-Bildschirm, Symphonie-Orchester, Lasershow und eben Chor. Viel zu tun habe ich zwar wohl nicht (der Soundtrack bietet nur zwei Chorstücke insgesamt), aber ein großer Spaß wird es sicher, und das Duel of the Fates haben wir ja schon im Juli mit dem Collegium Musicum in Mainz gesungen. Ich freu mir jedenfalls einen Ast und schicke das Video mit dem Trailer nach Deutschland. Möge die Macht mit euch sein!

Dienstag, 10. November 2009

Local Celebrity

So, nun hab ich also auch hier endlich meinen Durchbruch geschafft. Zwei Zeitungen haben über meine Stelle an der CCS berichtet, eine sogar ziemlich ausführlich und mit zwei Bildern. Autogrammwünsch nehme ich gerne per E-Mail entgegen und werden sogleich an meine Agentur in Deutschland weitergeleitet. ;) Bis dahin könnt ihr euch aber erst mal mit den Zeitungsausschnitten vergnügen, die ich gescannt habe. Einfach auf das Bild für eine große Version klicken.
Was macht man also so als lokale Berühmtheit? Naja, man besucht Lokale, würde ich sagen! Das habe ich dann am Wochenende auch befolgt und war zwei mal mit Luke und Freunden unterwegs. Die Woche war insgesamt ganz gechillt, aber nach einer Woche Schweinegrippe war viel aufzuholen, und zu erledigen. Am Donnerstag gab es für die Kids Zeugnisse. Hier läuft es aber nicht wie bei uns, dass die Schüler die Zeugnisse einfach so bekommen. Die Eltern holen sie entweder ab oder bekommen sie zugeschickt. Kein Entkommen also. Donnerstag nachmittag war dann keine Schule, dafür aber die Möglichkeit für die Eltern zu Lehrergesprächen in die Schule zu kommen. Offiziell liefen die bis 21 Uhr, ich konnte aber zum Glück schon um 15:30 Uhr heim fahren. Das mit dem Fahren hat sich übrigens inzwischen auch alles eingependelt, ich kann eigentlich jeden Tag irgendein Auto mit heim nehmen und muss nicht mehr auf irgendwelche Basketballtrainings oder ähnliches warten. Freitag dann jedenfalls noch mal das gleiche Spiel, keine Schule, aber Elternkonferenzen, die bei mir zum Glück schon um 12 Uhr wieder vorbei waren. Die Konferenzen die ich hatte (nur 4, aber immerhin!) liefen alle ganz fantastisch, ich hab glaub ich nen guten Eindruck hinterlassen und habe auch einiges über meine Schüler erfahren.
Abends hat mich dann Luke, der ja kürzlich erst 21 geworden ist, in eine Bar mitgenommen. Dort gab es viel zu laute Live-Musik, aber auch das grade erst wieder verfügbar gewordene "Cleveland Christmas Ale", das mich schon nach nur 2 1/2 Halben ziemlich umgehauen hat. Ich vermute, eine Kombination aus wenig Abendessen, langer Abstinenz und 7% Alkohol im Bier taten ihr Übriges. Samstag dann also mein erster amerikanischer Kater, der sich leider auch nicht besser anfühlt als einer in Mainz...
Konsequenterweise wurde also Samstag weitertrainiert und ich habe mein Glück noch einmal versucht. Zuvor stand aber ein Tag mit vollem Programm an. Bei dem Vater einer CCS-Familie hier wurde vor längerem Krebs festgestellt und kürzlich hat sich die Situation stark verschlechtert. Um der Familie zu helfen, die für die Arztrechnungen größtenteils selbst aufkommen müssen (es lebe das deutsche Gesundheitssystem, wenn hier nicht mal für eine notwendige Krebs-OP bezahlt wird...) wurde also Samstag ein Benefiz-Dinner auf die Beine gestellt. Onkel Bob und sein Geschäftspartner sorgten für das Essen, also war Helfen angesagt. So wurden also Tische aufgestellt, dekoriert, Suppe gekocht, Salat vorbereitet und später Steaks gebruzzelt. Außerdem wurde ich mal wieder zum Singen eingespannt, diesmal durfte ich aber die Auswahl treffen und gab so also altbewährtes und mir Vertrautes zum Besten (u.a. "Your Song" aus Moulin Rouge und "Maria" aus West Side Story). Nach dem vollen Tag mit Singen und Kochen und Servieren, Aufräumen und was alles noch so anfiel war mir dann eigentlich nach Bett zu Mute, aber wie schon gesagt, habe dann mein Glück nach Freitag noch mal versucht und um halb 11 ging es dann noch mal los, mit Luke, Erika und einem Freund von Luke, Tom. Die Jungs haben Bier getrunken, aber nach meiner schlechten Erinnerung an den Vortag war mir eher nach etwas anderem zu Mute. Ich versuchte also einen Martini (Wermut der Marke Martini & Rosso) zu bestellen, bekam aber einen Cocktail namens Martini, der nur zum Teil aus Martini und zum Teil aus Gin (bääääääääh) besteht. Zu allem Überfluss waren auch noch 3 sehr scharf eingelegte Oliven drin. Das Zeug war so wiederlich, dass ich mich echt schon beim ersten Nippen hätte übergeben können, aber ich blieb stark und hab ihn gekippt, immerhin hat Luke mich eingeladen und wahrscheinlich $10 dafür hingelegt. Danach war mir also nach etwas süßem zu Mute und ich wollte es mit einem Appletini versuchen, den hat Erika auch getrunken. Also ist Tom an die Bar und hat 2 Kölsch für sich und Luke auf meine Empfehlung hin, und 2 Appletinis bestellt. Kommentar des Barkeepers: "Ich hoffe, die sind für Mädels!" Tom: "Immerhin eine, der andere ist ein Deutscher." Was auch immer uns das sagen sollte. Nun saß ich da also mit dem so ziemlich tuckigsten Drink den ich mir hätte aussuchen können... Die Blicke der anderen waren mir dann aber auch egal, man steht ja drüber und außerdem wars wirklich wirklich lecker! Da die Bar ziemlich teuer war entschließen wir uns zur Relokation und versuchten uns noch mal in der Kneipe um die Ecke, Mulligan's. Dort gab es dann noch einen Damendrink (Himbeersirup mit weißem Schoko-Likör), bevor ich auf der Karte den Sangria für $3 entdeckte. Inzwischen kann man sich wohl ausrechnen, dass es mir ganz gut ging, aber die 5 Drinks an dem Abend habe ich besser vertragen als die Biere am Abend zuvor. So ausführlich wollte ich das jetzt eigentlich alles gar nicht unbedingt berichten, aber das gibt wohl eine ganz nette Anekdote ab. Und: Es war das erste mal, dass ich hier in den Staaten weg war und ist wohl alleine deswegen erwähnenswert.
Sonntag wie immer Kirche und Mittagessen bei Tante Nancy, bei bestem Wetter. Heute ist es wirklich nicht schön, aber das ganze WE hat die Sonne geschienen, wir saßen und aßen im T-Shirt auf der Terasse und hatten eine wunderbare Zeit.
Gestern beging ich das 20-jährige Jubiläum des Mauerfalls mit Videos, die ich den Schülern zeigte. Alle waren von den Ereignissen am 9. November ziemlich beeindruckt. Ich habe auch noch mal viel nachgelesen und recherchiert und fühlte mich an dem Tag irgendwie besonders stolz, Deutscher zu sein. Abends war dann aber Chorprobe, die erste nach unseren Brahmskonzerten Mitte Oktober, und die erste für die anstehenden Weihnachtskonzerte. Unter den 12 Stücken die wir singen sind einige wirklich ganz fantastische dabei (unter anderem eine ausgezeichnete und sehr moderne Version des Carol of the Bells), aber auch Stücke, die ich wirklich nicht mag (Winter Wonderland, wer will das zu Weihnachten hören?!?). So war die Probe dann auch halb Qual, halb Spaß, aber da muss ich jetzt die nächsten 6 Wochen durch.
Was steht sonst an? Heute ist Sportbankett in der Schule und ich hab mich dummerweise gestern bereit erkärt heute "We are the champions" zu spielen. Singen ist ja kein Problem, aber ich sitze nun auch noch am Piano und das kann ich ja nun mal wirklich nur sehr stümperhaft bedienen. Geprobt wurde auch nicht, so kanns eigentlich nur peinlich werden heute Abend, aber wir schauen mal. Sonst passiert nicht viel in Ohio. Opi ist jetzt auch in Florida, dafür ist Luke eingezogen, der aber die meiste Freizeit jagen ist. Am Freitag halte ich meine erste Predigt im Schulgottesdienst (Matthäus 6, 25) was ziemlich aufregend ist, und am Wochenende hoffe ich auf etwas Ruhe, Kino und noch mal gutes Wetter.
Kommunikation nach Deutschland läuft momentan eher schleppend, ich hab meist erst am späten Abend Zeit zum telefonieren und chatten und da sind die meisten schon im Bett. Freue mich also über jede zur Tageszeit gesendete Mail. Würde mich zum Beispiel brennend interessieren, wie die erste Rent-Probe war, was aus Chris Bewerbung wurde, was diverse Leute so machen und überhaupt. Hatte die Woche etwas Heimweh, möchte also einen Musiktipp loswerden, der nicht so ganz fröhlich klingt, aber umso mehr awesome (für dieses Wort gibt es keine adäquate Übersetzung, dafür ist es zu awesome!): Paramore - All I Wanted
Heute sind es genau 3 Monate, dass ich in den Staaten bin. Unglaublich, dass schon ein viertel Jahr rum ist, oder?

Dienstag, 3. November 2009

Trick or Treat or None at All


Über was schreibt man, wenn man eine Woche lang krankgeschrieben zu Hause gesessen hat und NICHTS passiert ist? Ganz schön schwierig, diese Woche etwas auf Papier zu bringen und Bilder wurden mir vom Wettergott auch versagt. Das ist so weit erst mal die schlechte Nachricht. Die gute hingegen: Ich bin vollständig wiederhergestellt. Die Woche Pause hat richtig gut getan und war offenbar bitter nötig. Die Reaktionen auf die Nachricht „Ich habe Schweinegrippe“ waren hüben wie drüben ziemlich facettenreich. Von Gleichgültigkeit über viele Besserungswünsche (Danke!) bis zu totaler Panik war alles dabei. Natürlich ging es mir nicht besonders gut und ich fühlte mich krank, aber ich durchaus schon schlimmeres durchgemacht und die Schweinegrippe war nun auch nichts so besonderes…

Was hab ich also getrieben? Wie Bara so nett schrieb: Wag Dich nicht, Deine Hausarbeiten zu schreiben! Daran versuchte ich mich auch tunlichst zu halten (Bara ist also schuld!) und so ging der Kampf Shakespeare vs. Tolkien 0:4 aus. 3 Punkte für 3 Herr der Ringe-Filme, sowie einen für das erst kürzlich erschienene Tolkien-Buch „Children of Hurin“. So richtig gefesselt hat es mich nicht, aber es liest sich definitiv besser als meine Studiumsliteratur. So verbrachte ich also Dienstag bis Freitag hauptsächlich in meinem Keller, wobei ich auch viel mit Deutschland telefoniert habe. Mein längster Mittagsschlaf war dann immerhin auch 4 Stunden lang, und so versuchte ich wirklich alles, so schnell wie möglich wieder fit zu werden. Hat dann ja auch funktioniert, und Freitag war der erste Tag an dem ich mich wirklich wieder fit fühlte. Dummerweise stieg mit meinem Wohlsein auch meine Langeweile proportional an. Zum Glück waren die Mainzer aber so lieb und schalteten mich zum Musical-Casting für die neue Saison zu. Das war einerseits total schön, andererseits aber auch ganz furchtbar deprimierend, kann ich doch 2010 nicht dabei sein, wenn die Musical Inc. Rent auf die Bühne bringt. So war es dann aber schwer, den Abend zu genießen.

Samstag war dann die Medizin leer und ich galt als offiziell geheilt. Natürlich wollte ich es nicht übertreiben und so ließ ich den Tag noch mal einigermaßen ruhig angehen, ging aber etwas shoppen (Schal in schwarz, $21,99) und verbrachte den Abend damit, Kürbissuppe zu kochen. Nun würde man denken es wäre einfach hier eine Kürbissuppe zusammenzustellen, aber ich bekam weder Hokaidokürbisse (Ersatz: Butterkürbis), noch Lauch. (Ersatz: Lauchzwiebeln). Mit dem Ersatz ging es dann doch irgendwie, aber richtig zufrieden war ich nicht damit. Immerhin hatte ich aber genug für die ganze Woche. Dachte ich. Leer war die Suppe dann allerdings schon Sonntag, als nach dem Gottesdienst mal wieder die halbe Gemeinde bei Tante Nancy einkehrte und ich die Suppe zum Essen beisteuerte, die auch tatsächlich gut ankam. Hatte ich erwähnt, dass Samstag Halloween war? Hätte ich beinahe vergessen, so wie Halloween selbst auch. Passiert ist da nämlich nichts hier. Opi hatte zwar eine Schüssel mit Candy bereitgestellt, aber er vergaß mir zu sagen, dass ich das Terassenlicht anmachen sollte als Signal für die Kids bei uns zu klingeln. So kam also kein einziges Kind vorbei, wir haben eine Tonne Candy zu Hause stehen und ich hab das amerikanische Halloween schlicht verpasst. Halb so wild, als Ausgleich habe ich mir „Luther“ angeschaut, immerhin war Reformationstag.

Nun also neue Woche, neues Glück! Ich fühl mich wieder fit und bin seit gestern auch wieder am Unterrichten. Die Schüler waren auch mehr als froh, mich wiederzuhaben. Das Problem letzte Woche war, dass bei Lehrermangel hier nicht einfach Freistunden gegeben werden wie ich Deutschland üblich, sondern mit Brechen und Biegen versucht wird zu unterrichten. Das machte dann der Direktor persönlich, der dummerweise gar kein Deutsch kann. Ziemlich schlechte Voraussetzungen für Deutschunterricht und für die Schüler wohl zum Abgewöhnen. Zweites Problem war, dass die Hälfte der Schüler auf einem Volleyball- und Fußballturnier waren, also kamen sowieso nur die Hälfte meiner Kids (zumindest für zwei der Tage) in den Genuss des deutschlosen Deutschunterrichts. A propos Turnier: Natürlich gewannen sowohl Jungs (Fußball) als auch Mädels (Volleyball) ihre Meisterschaften. Ein Double hatte CCS aber schon lange nicht mehr zu feiern, dementsprechend gut ist die Stimmung nun. Damit ist nun auch die Saison zu Ende und Basketball beginnt. Die Sportler trainieren also 4-5 mal die Woche (!), bevor dann im Dezember die ersten Spiele beginnen.

Bevor ich mich jetzt aber in Nebensächlichkeiten verliere, zum zentralen Punkt dieser Woche. Es gibt Zeugnisse! Für unsere Verhältnisse ziemlich früh, aber hier gibt es ganze vier Zeugnisse im Jahr (was außerdem heißt, dass ich schon ¼ meines Aufenthaltes bewältigt habe). Meine ersten Zeugnisnoten als Lehrer also, was ein tolles Gefühl war, aber mit der enormen Verantwortung fühlte ich mich anfangs auch etwas unwohl. Da muss man sich wohl erst mal dran gewöhnen als Lehrer. Donnerstag gibt es wegen den Zeugnissen nur einen halben Tag Schule und Freitag einen freien Tag, dummerweise aber nicht für die Lehrer, denn beide Tage sind für Elterngespräche reserviert. Bisher haben sich aber nicht zu viele angemeldet, so dass ich wohl tatsächlich ein paar freie Stunden haben werde.

Sonst passiert momentan nicht viel, Omi ist ja in Florida und Opi viel am Arbeiten. Meine Abende verbringe ich grade meist mit Fernsehen, weil auch die älteren Cousins (& -sinen) wahlweise in Florida weilen oder zu beschäftigt sind. Dabei habe ich es mir immer noch nicht abgewöhnt, die amerikanischen Serien über deutsche Quellen herunterzuladen, obwohl ich sie genauso gut im Fernsehen schauen könnte. So spare ich mir aber immerhin die allgegenwärtige amerikanische Werbung. Nun werde ich mal versuchen, ein Abendessen zusammenzustellen und dann muss ich auch noch etwas Unterricht vorbereiten. Vielleicht verlasse ich mich dann aber doch auch mal wieder auf die gute alte Schwellendidaktik und vergnüge ich mit der amerikanischen Version von Stromberg. ;)

Dienstag, 27. Oktober 2009

In the land of the pigs, the butcher is king

Da ist sie also, die Schweinegrippe. Ich konnte mein Glück ja kaum fassen, als der Arzt mir gestern die Diagnose überbracht hat. Aber gut, das gibt mir nun wenigstens etwas zu berichten. Lasst uns also zurückspulen zu letzter Woche Montag, als ich den letzten Beitrag verfasst habe und schauen wir uns meine ganze Woche von vorne an. Mir ging es ja schon am Wochenende bei den Konzerten nicht so gut, Kopfschmerzen und Unwohlsein waren an der Tagesordnung, und so zog sich das dann auch die letzte Woche hin. Dienstag war der absolute Höhepunkt, zu Kopfschmerzen, Schüttelfrost, bronchialem Husten und Nebenhöhlenentzündung kam dann auch noch Durchfall. Eigentlich hätte ich da wohl schon zum Arzt gehen sollen, aber ich dachte nicht an was ernsthafteres und wollte die ganze Sache erst mal aussitzen. In der Schule war ich trotzdem, bin aber nach der Mittagspause heim gefahren. Geschickte logistische Absprachen mit Tante Nancy machten es mir möglich, ein Auto zu haben und so war das kein Problem und ich schlief den ganzen Nachmittag. Mittwochs ging es dann schon besser, weit noch nicht gut, aber immerhin. Der pflichtbewusste Daniel geht also in die Schule, unterrichtet im Sitzen weil Stehen zu anstrengend war und zieht den ganzen Tag durch. Irgendwie wusste ich aber, dass ich noch nicht übern Berg war. So gab es dann Donnerstag die Quittung für einen vollen Tag CCS, wieder mehr Symptome und wieder heim nach der Mittagspause. Freitag dann aber noch mal CCS total, ich weiß ja auch nicht, warum ich nicht daheim geblieben bin, aber hier wird es wohl einfach zu sehr geschätzt, dass man sich wie auch immer zur Arbeit quält. Außerdem wusste ich, dass es sowohl für meine Schüler, als auch für meine Vertretung ätzende Deutschstunden gibt, wenn ich nicht da bin. Freistunden für die Kids sind nämlich keine Option, irgendwer unterrichtet immer.
Das Wochenende ging ich dann sehr ruhig an, mit dem Ziel, Sonntag wieder ganz fit zu sein. Also hing ich samstags nur daheim rum, ging zwischendurch mal einkaufen, kochte für die Familie (Frikadellen, Kartoffelpüree und Erbsen mit Karotten) und gönnte mir abends einen Kinofilm mit Christa, ihrer Freundin Emily, und einem Schulfreund. The Invention of Lying bot nette Unterhaltung und einige ziemlich derbe Lacher, aber so richtig vom Hocker hat es keinen gerissen. Sonntag fühlte ich mich dann tatsächlich ziemlich gesundet. Gesund genug, um vor der Kirche einen kurzen Abstecher ins benachbarte Naturschutzgebiet zu machen. Die Herbstfarben sind hier momentan wirklich prächtig. Eigentlich bin ich zwei Wochen zu spät, da gab es noch mehr rot und orange, aber die gelben Laubwälder bieten einen echt spektakulären Anblick momentan. Dort machte ich dann ein paar Bilder um den Blog etwas zu schmücken, sonst gibt das hier ja so ein tristes Bild... Das Wetter spielte auch mit, und nach fast Frost-Temperaturen in der Woche zuvor kletterte das Thermometer letzte Woche noch mal auf bis zu 20° C. Der eigentliche Grund, warum ich sonntags unbedingt fit sein wollte, folgte dann nach dem Gottesdienst. Mit einer Gruppe von Männern und Kids gingen wir Football spielen. Natürlich ohne tackeln (also umhauen), in unserem Fall "two hand touch football", man muss also den Ballträger mit beiden Händen zu fassen bekommen, um ihn zu stoppen. Die ganzen Regeln zu erklären würde jetzt zu weit führen, aber ich hatte viel Spaß beim Spielen und eigentlich keine Probleme.
Als ich Montag dann aufwachte, hatte ich nicht nur einen Muskelkater (Hintern!), sondern fühlte mich auch einigermaßen fit. Aber schon nach der ersten Stunde Schule fühlte ich mich wieder unwohl und die Symptome kamen zurück. Den Tag in der Schule hielt ich dann trotz mehrerer Schüttelfrostanfälle durch, entschloss mich dann aber zu Hause gleich, einen Arzt aufzusuchen.
In den Vereinigten Staaten ist es nun leider nicht ganz so einfach mit den Ärzten. Natürlich bin ich krankenversichert, aber irgendwas muss da schiefgegangen sein, weswegen ich mich erst mal eine Stunde mit der Sekretärin durch Papierkram wühlen musste, ein mal heim fahren musste um meine Sozialversicherungsnummer zu holen (auf dem Ausweis steht, dass man ihn NICHT mit sich führen soll. Dummerweise braucht man aber die Nummer beim Arzt. Vielleicht sollten die Vollidioten auch draufschreiben, dass man die Nummer auswendig lernen muss...) bis ich endlich die Arzthelferin und dann den Arzt zu sehen bekam. Nachdem ich meine Symptome beschrieben hatte und er noch diverses gecheckt hat, diagnostizierte er mich dann mit H1N1, oder eben auch Schweinegrippe genannt. Ich malte mir ja schon aus, dass ich nun ins Krankenhaus komme, auf die Quarantäne-Station, abgeschnitten von der Außenwelt, aber alles halb so wild. Er verschrieb mir zwei Medikamente und verordnete eine Woche Urlaub. Wäre auch viel zu riskant, die Kids weiterhin einem Schweinegrippenpatient auszusetzen und ich habe jetzt schon ein schlechtes Gewissen, dass ich die ganze letzte Woche gearbeitet habe und die Schüler dem Risiko einer Infektion ausgesetzt habe. Es grassiert aber auch einfach, der erste Schweinegrippenfall in der Schule wurde grad gestern morgen bestätigt, viele Kinder sind krank, wahrscheinlich viele mit der Grippe, aber die meisten Fälle verlaufen ja sehr glimpflich und sind dann nach ein paar Tagen Bettruhe schon wieder besser.
Die Medikamente zu bekommen, war dann wieder ein größerer diplomatischer Akt, sie konnten mir wegen meiner Krankenversicherung nicht ausgehändigt werden, also musste ich mit Amity telefonieren, die riefen wiederrum den Vorstand der Krankenversicherung an, der gab die Medikamente frei und ich konnte nach 4 Stunden Warten endlich die Tabletten abholen. Irgendwas scheint wohl bei meiner Aufnahme in deren System schief gelaufen zu sein, aber jetzt sollte alles geregelt sein und ich kann krank werden ohne mir Gedanken über eine horrende Arzt- und Medikamentenrechnung zu machen. Eine Woche Zwangsurlaub also, über den ich eigentlich ganz froh sein könnte. Irgendwie lässt mich das Gefühl aber nicht los, dass die Woche ganz schön hart werden wird. Ist ja nicht so, dass hier ständig Leute vorbei kämen um den Patienten zu besuchen. Natürlich, und wer will es ihnen verübeln, werde ich jetzt gemieden wie ein Leprakranker, und da Omi seit Sonntag in Florida ist und Opi immer arbeitet, bin ich jetzt erst mal alleine hier. Den heutigen Tag verbrachte ich dann mit einem ausgedehnten Herbstspaziergang (frische Luft tut ja bekanntlich gut, und das Wetter war einfach zu gut), Lesen, einem Film, ein paar Telefonaten nach Deutschland (ruft mich an, jetzt hab ich Zeit) und einem 3-Stunden Mittagsschlaf. Morgen will ich dann noch mal mit der Kamera losziehen wenn das Wetter mitspielt und noch ein paar Herbstbilder machen. Hab ja sonst nix zu tun. Vielleicht schaffe ich es auch endlich mal, mit einer von zwei noch ausstehenden Hausarbeiten zu beginnen, die Chancen stehen so 50-50 würde ich sagen. Noch ist die Langeweile jedenfalls nicht groß genug, und die Extended Version der Herr der Ringe-Trilogie hab ich auch schon ewig nicht mehr gesehen...

Montag, 19. Oktober 2009

When the headache is over...

Was eine Woche! Nach ungefähr zwei Ibuprofen pro Tag bin ich endlich fertig mit der Woche und der Welt. Täglich 3 Stunden Probe oder Konzert sind einfach too much für mich momentan mit der Schule und allen Verpflichtungen. Dazu kommen dann jedes mal noch 3 Stunden für Hin- und Rückweg, ständig im Auto, am Umziehen und Singen geht irgendwann ganz schön auf die Nerven. Eines muss man dem Ganzen aber lassen: Schön wars! Obwohl ich Donnerstag und Samstag mit mir selbst nicht ganz zufrieden war, war das Orchester natürlich unglaublich in der Art und Weise, wie es Brahms’ deutsches Requiem spielte. Einfach ein wundervolles Stück Musik, aber die Euphorie, die Beethovens Neunte freisetzte gab es nicht. Dafür ist es einfach das falsche Stück. Samstag war aber wirklich hart. Nachdem wir zu Zachs 13. Geburtstag nachmittags Football spielten war es fast unmöglich, abends die Augen offen zu halten. Während dem Aufwärmen bin ich tatsächlich auch mal kurz eingenickt und das Konzert selbst war ein reiner Kraftakt. Dafür war der Bariton aber ganz ausgezeichnet, die Sopranistin hat geschleppt, der Chor hat donnerstags etwas die Intonation verloren, alles ganz normal also, vielleicht nur in einem etwas größeren Rahmen.

Wollt ihr dann mal raten, wie ich meinen „freien Abend“ am Freitag verbracht habe? Richtig, mit Singen! Um Geldmittel für die Schule aufzutreiben wurde ein Herbstbankett mit großer Auktion veranstaltet. Es gab Ferien in Florida zu ersteigern, Nippes, Football-Tickets, Schaukelstühle, Präsentkörbe und alles Mögliche. So kamen wohl um die 20.000 $ zusammen. Ich wurde dann mal wieder gefragt, zu singen. Immerhin hatte ich eine ausgezeichnete Pianistin an meiner Seite, was meine Aufregung nicht wirklich minderte. Beim Lord’s Prayer war der erste, ruhige Teil ganz furchtbar weil ich so aufgeregt war. Erst als ich dann im zweiten Teil in meine Wohlfühllage (hoch) und –dynamik kam (laut) ging es mir besser beim Singen. Wurde dann auch ordentlich beklatscht und Schulter geklopft, aber den einzigen Brahms-freien Abend der Woche hatte ich mir etwas geruhsamer vorgestellt.

In der Woche des Singens kam dann am Freitag außerdem noch dazu, dass ich die Musik im Schulgottesdienst beisteuerte. Lief ganz ordentlich, die christlichen Songs hier machen tatsächlich Spaß zu singen und sind nicht vergleichbar mit unseren Gesangbuchnummern. Als besonderes Schmankerl hatte ich auch ein deutsches Lied dabei (Komm, Herr, segne uns), für das ich eine Übersetzung gefunden habe, die ich dann mit den Kids zusammen sang. Wer mal in die amerikanischen Songs (eigentlich ist einer australisch, aber das nur am Rande) reinhören möchte, kann hier „The Stand“ und hier „O, Praise Him“ hören.

Jedenfalls war die Woche und das Wochenende zwar ereignisreich und stressig, aber nicht wirklich spannend und zu viel zu berichten... Bilder hab ich auch keine. Würde euch ja gerne wieder welche anbieten können, aber diese Woche gab es einfach keine.

Heute ist also endlich Montag, die Konzerte sind vorbei und ich (noch) nicht krank; die Sonne kam mal wieder raus, ich hab keinen einzigen Abendtermin in Aussicht und hab endlich mal wieder ein bisschen Zeit für mich. Hatte ich erwähnt, dass seit diesem Wochenende zwei meiner Cousins hier 21 sind und damit Alkohol trinken dürfen? Ich glaube, die Woche wird gut...

Dienstag, 13. Oktober 2009

Oh, Canada!

So, da bin ich also wieder. Heil zurückgekommen aus dem Land der Elche und des Ahornsirups. Viel gibt es zu berichten vom Wochenende in Kanada und ausnahmsweise habe ich grade auch mal etwas Zeit um einen bemühten und strukturierten Bericht abzugeben. Warum das so ist, später mehr.
Die Vorbereitungen für das Wochende waren ziemlich ätzend, denn Flo hat kein Internet in Kanada und das machte die Kommunikation etwas schwierig. Zufällig trafen wir uns dann aber doch mal im Chat und konnten unsere Pläne für das Wochenende festigen. Für mich hieß es außerdem auch den Unterricht für Freitag vorzubereiten, den Tante Karen netterweise für mich übernommen hat. Dass das ganze dann nicht ganz so geklappt hat, lag allerdings weniger an meiner mangelnden Vorbereitung als eher an Schülern die unwillig waren sich auf die Vertretung einzulassen. Wie dem auch sei, ich hatte also Freitag frei und konnte mich morgens auf den Weg nach Niagara Falls in Kanada machen. Auf der 4-stündigen Fahrt passierte nun wirklich gar nichts, ich fuhr durch Pennsylvania und New York State, und auch die Einreise nach Kanada war gar kein Problem. Das Langstreckenfahren hier kann wirklich eklig sein, denn schneller als 65 (oder 75 wenn man ein Auge zudrückt) Meilen in der Stunde darf man nirgends fahren. Also tuckert man so mit 110 Sachen (km/h diesmal, wohlgemerkt) durch die Landschaft, es gibt viel zu viele Spuren und alle paar kilometer überholt man im Schneckentempo mal ein anderes Auto, das vielleicht 2 mp/h langsamer fährt als man selbst. Auch LKWs und Wohnwägen fahren exakt das Tempo, so dass das übliche deutsche ständige Überholmanövrieren ausbleibt. Eigentlich eine ganz angenehme Erfahrung dass man einfach auf die linke Spur ziehen kann ohne Angst zu haben von einem BMW mit 200 Sachen aus der Spur gedrängt zu werden, weil man genau weiß, dass das Auto im Rückspiegel noch genau so weit entfernt ist wie 5 Minuten zuvor. Jedenfalls fuhr ich also laut singend (Dream Theater, Les Miserables, AFI und Muse!) durch regnerische Herbstlandschaften, nicht gerade die angenehmste Fahrt, aber okay genug um nicht ins Steuer beißen zu müssen.
In der Ortschaft Niagara Falls in Kanada angekommen stellte ich fest, dass der Busbahnhof wo Flo eine halbe Stunde später ankommen würde nur ein paar Hundert Meter von unserem Bed & Breakfast entfernt war, das sowieso ziemlich klasse gelegen war, nur ein paar Gehminuten von den Fällen und den Stromschnellen entfernt. Das Bed & Breakfast an sich, Blythewood Manor, hat gerade letzten Monat den Besitzer gewechselt und wird momentan renoviert, neu gestrichen und umdekoriert was aber nichts an der Tatsache änderte, dass die Besitzer super gastfreundlich und zuvorkommend waren, das viktorianische Haus ein Augenschmaus, das Frühstück ausgezeichnet und das Bett unheimlich komfortabel. Ich erwartete ja ein älteres Ehepaar, sie mit lila Haaren und er leicht dement, das war irgendwie so das Bild von Bed & Breakfast wie ich es mir vorgestellt habe. Umso überraschter war ich dann als eine junge Dame die Tür aufmachte, schwarze Klamotten, Eyeliner, gefärbte Haare, Piercing. Als er dann dazukam mit langen schwarzen Haaren, Gothic-Hemd und Tätowierungen war der Eindruck perfekt, nut noch abgerundet von einem schwarzen Leichenwagen (Cadillac), den wir später im Hof entdeckten. Unser Zimmer selbst war jetzt nicht besonders groß, hatte aber ein riesiges Bett, in dem man zu viert hätte schlafen können. Kleines pikantes Detail: Die Badewanne / Dusche war nicht wie man vielleicht erwartet hätte im Badezimmer, sondern im Zimmer selbst, gegenüber des Bettes, was erst mal für verdutze Gesichter sorgte. Am nächsten Morgen haben wir uns aber ganz gut organisiert, so dass jeder duschen konnte, ohne sich vom Bett aus beobachtet fühlen zu müssen. Flo kam dann also auch pünktlich an und nach einer kurzen Inspektion des Zimmers ging es trotz Regen zu den Fällen, was soll man auch machen?
Und Mannomann, das ist ne ganz schön große Menge an Wasser, die da runterläuft. Um genau zu sein 164 Millionen Liter pro Minute (!!!), die den Bach heruntergehen. Die ersten Bilder sind leider alle ziemlich grau in grau geworden wegen dem Regen, aber wie immer sind alle Bilder hier ersichtlich. Der Touristenansturm hielt sich dann bei dem Wetter auch ziemlich in Grenzen, was doch ganz nett war. Da wir einen Pass für 4 Attraktionen hatten, entschlossen wir uns, das 4-D-Kino schon am ersten Tag zu besuchen, da konnte man dann wenigstens im Trockenen drinnen sein. Dumm nur, dass "Niagara's Fury" nicht nur aus einem netten Animationsfilm bestand, sondern auch aus Schnee, Regen und Gewitter, das einem ins Gesicht gesprüht wurde. Also vom Regen in die Traufe... Auf dem Rückweg zum B&B besuchten wir dann Clifton Hill, die Touristenstraße im Ort. Ein überbeleuchtetes Gruselkabinett reiht sich an die nächste Spielhalle, Kuriositätenhäuser, Burgerketten, alles was man will. Und genau dort wo wir es dann nicht unbedingt erwarteten fanden wir nach einem kurzen Abstecher im B&B um Schirme zu holen und etwas zu trocknen eine wunderbare Pizzeria mit italienischer Steinofenpizza, keine Selbstverständlichkeit in den Staaten, wo Pizza einfach nur lapprig, fett und meist recht geschmacklos serviert wird. Nach Anbruch der Dunkelheit sind die Fälle immer beleuchtet, was zwar kitschig, aber auch praktisch ist, sonst würde man sie ja nicht sehen. Zu Ehren unseres Besuches gab es dann noch ein Feuerwerk, dass aber nicht wie von uns erwartet über den Fällen, sondern eher über unseren Köpfen stattfand. Mit den Fällen im Hintergrund gab das aber auch nette Bilder und Eindrücke.
Den nächsten Tag begannen wir dann (nach dem wunderbaren Frühstück mit Fruchtjogurth, French Toast, Waffel mit frischen Erdbeeren und Tee) mit einem Spaziergang am Niagara River entlang zu den Stromschnellen, die ca. 5 km von den Fällen beginnen. Die Macht dieses Wassers ist kaum vorstellbar und auf Kamera sowieso nicht festzuhalten, aber wir kamen am Ufer schon ganz schön nahe heran und im schmalen Flusstal schlugen die Wellen ordentlich hoch. Ein paar Kilometer weiter flussaufwärts macht der Fluss dann einen starken Rechtsknick und hat sich dabei im Laufe der Jahrtausende ein Becken geschaffen, in dem der Strom die Richtung wechselt, was einen großen Strudel kreiert. Das Ganze nennt sich dann Whirlpool und kann mit einer Seilbahn überfahren werden, was wir uns aber sparten. Der Weg zurück zu den Fällen führte uns dann entlang der River Road mit den wundervollen Herbstfarben der Laubbäume die es überall gibt. Hatte ich eigentlich erwähnt, dass das Wetter Samstag traumhaft schön war? ach Freitag war wohl auch wirklich nirgendwo im Himmel mehr Regen übrig, so dass die Sonne uns wirklich verwöhnte. Kalt war es trotzdem, aber alleine die Farbenpracht im Sonnenschein zu sehen war unglaublich. Die Fälle waren dann auch wesentlich schöner anzusehen als am Tag zuvor und so verbrachten wir viel Zeit damit, an den Fällen zu spazieren, gefrorenen Joghurt mit frischen Früchten zu essen und uns über den Modegeschmack der anderen Touristen lustig zu machen. Highlights waren außerdem noch die "Maid of the Mist", eine Bootstour die nahe an die Fälle heranführt und nur mit kleidsamen blauen Regencapes zu absolvieren ist, und die "Journey Behind the Falls", die einen nicht nur hinter die Fälle (ziemlich langweilig), sondern auch direkt neben die Fälle (spannend, beeindruckend!) führt (in gelben Ponchos diesmal). Die Touristendichte war dem Wetter entsprechend natürlich viel viel höher als am Tag zuvor, was aber durch die wunderbaren Regenbögen wettgemacht wurde, die dden ganzen Tag über den Fällen zu sehen waren.
Eine kurze Lektion in Sachen Niagarafälle. Die Wasserfälle verbinden Lake Erie (wo ich wohne) und Lake Ontario und bilden dabei die natürliche Grenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten. Genau genommen handelt es sich bei den Fällen um 3 Wasserfälle. Die American Falls zu linken, eine breite Wasserwand, die man frontal von der kanadischen Seite beobachten kann, die "Bridal Vail Falls" (Brautschleierwassefall), rechts davon, der eher klein ist, sowie die riesegen "Horseshoe Falls" (Pferdehuffälle), über die 90% des Wassers fließen und in einem riesigen Halbkreis runterfließen. Wer mehr wissen will, der belese sich dann bitte selbst, dafür gibt es ja Wikipedia.
Abends gingen wir dann jedenfalls noch mal Essen (internationales Buffet, vergleichsweise günstig und viel, aber irgendwie auch ein bissel eklig alles), spielten Minigolf bei Schwarzlicht und genossen ein letztes Mal die Fälle bei Nacht. Am nächsten morgen fuhr Flo dann wieder zu seiner Großtante nach Kitchener und ich zurück nach Cleveland, nicht ohne noch mal einen letzten Blick auf die Fälle zu erhaschen. Mit dem tollen Wetter am Samstag war das Wochenende wirklich wunderschön, aber natürlich nicht nur wegen den Fällen, sondern weil ich auch das erste mal hier einen meiner lieben Freunde aus der Heimat getroffen habe (für alle Nicht-Incies: Flo hat König Ludwig bei den Musketieren gespielt). Die Fälle an sich waren natürlich unbeschreiblich beeindruckend, und sind wohl eines der größten Naturspektakel, das man auf der Welt sehen kann.
Die Heimfahrt war dann mit dem neu entdeckten Tempomat, nettem Wetter und den farbigen Laubbäumen rechts und links von der Straße noch mal angenehmer als die Hinfahrt. Als ich dann zu Hause war, hatte ich vom Wochenende scheinbar noch nicht genug und so fuhr ich 15 Minuten nach meiner Ankunft gemeinsam mit ein paar meiner Cousinen und Freunden, die übers Wochenende aus New York State zu Besuch waren nach Cedar Point, einem der größten Vergüngungsparks der Welt, mit der weltweit zweithöchsten und zweitschnellsten Achterbahn der Welt. Nun gab es aber zwei Probleme: Erstens, ich war nach der Fahrt und dem Wochenende ziemlich müde und nicht so wirklich begeistert von den Achterbahnen und Zweitens, diese modernen, schnellen Achterbahnen sind nicht wirklich für Menschen meiner Größe (*hust*) ausgelegt, so dass ich auch wenn ich gewollt hätte, nur die wenigsten hätte fahren können. Außerdem war es scheißkalt, so dass ich mir doch irgendwann wünschte daheim geblieben zu sein. Kleines Trostpflaster war das Halloween-Special mit vielen Grusel-Attraktionen, sowie das Riesenrad und ein leckerer Latte, den ich gegen die Kälte trank. Nachts dann endlich daheim freute ich mich wirklich auf mein Bett und den freien Montag. Gestern war hier nämlich Columbus Day, kein offizieller staatlicher Feiertag, aber unsere Schule war zu und ich konnte ausschlafen, Bilder sortieren, Mails schreiben und alles nachholen was übers Wochenende liegen geblieben war.
Abends war dann außerdem der Auftakt zu einer sehr musikalischen Woche. Mit dem Cleveland Orchestra singen wir diese Woche drei mal Brahms deutsches Requiem und proben drei mal dafür. Den einzigen freien Abend verbringe ich dann am Freitag beim Herbstbankett von CCS, wo ich solo singen werde. Wie immer ist alles improvisiert, ich hab noch keine Ahnung wer mich begleitet und ob ich das Stück hinbekomme. Aber auch das wird wie immer klappen und ich mache drei Kreuze wenn die Woche rum ist, obwohl ich mich tierisch auf die Konzerte freue. Und um nun den Bogen zum Anfang dieses Eintrags zu schließen: Heute Abend findet eine öffentliche Probe statt, zu der ich ein paar Schüler mitnehme. Daher sitze ich nun also in der Schule weil es sich nicht wirklich lohnt heimzufahren und dann wieder zurück um die Kids abzuholen. Aber immerhin bescherte euch das den längsten Blogeintrag bis dato (vermute ich mal, ich zähle aber keine Wörter!).
Wie immer freue ich mich auch diese Woche über Post und Nachrichten aus der Heimat, auch wenns mal länger dauern könnte mit meiner Antwort.