Montag, 28. Juni 2010

If you're going to San Francisco...

...be sure to wear a warm winter jacket and sun lotion (braucht man eine warme Winterjacke und Sonnencreme). Immerhin eines von beiden hatte ich dabei und ihr dürft dann gleich erraten ob ich entweder erfroren bin oder mir einen üblen Sonnenbrand geholt habe. Eigentlich wollte ich meine letzten Tage hier nicht im Internet und am Bloggen verbringen, aber das Ende meines Urlaubs schulde ich euch noch und der Vollständigkeit halber möchte ich also hier noch zu Ende berichten. Bilder vom ganzen Trip gibt es dann wie gewohnt hier.
Am vergangenen Dienstag wachte ich das letzte mal in Port Angeles, Washington auf, wo mein Motel war. Nach dem Packen war es dann Zeit den südlichen Teil des Nationalparks zu erkunden. Zuerst ging es in den Hoh-Regenwald. Unter Regenwald hätte ich mir natürlich eher Brasilien oder so vorgestellt, aber dieser Wald ist einer der wenigen gemäßigten Regenwälder mit einem ganz speziellen Klima. Anfangs war ich nicht so begeistert, aber je weiter man den Wanderwegen folgte, desto dichter wurde der Wald und irgendwann sah man nur noch grün vor lauter Moos und Farnen, Bäumen und anderen Pflanzen. Sehr interessant zu sehen wie Bäume die schon ganz lange umgefallen waren wieder als Lebensgrundlage für neues Wachstum genutzt wurden und außerdem gab es auf dem Weg in den Wald reichlich Watipi-Hirsche zu bestaunen. Von dort ging es dann schon fast wieder auf den Weg zurück nach Seattle, aber die Südroute führte an noch 2 weiteren Zielorten ein. Kalaloch am Pazifik, wo es mehrere Strände zu genießen gab und den Quienault-Regenwald. Beides war traumhaft, aber irgendwie wollte ich dann auch schon bald wieder weiter und hatte nicht mehr so die Muße wie zuvor. Außerdem hatte ich zwei lange Wandertage in den Beinen und somit fuhr ich dann etwas früher als geplant zurück nach Seattle. Wie sich herausstellte war das auch die perfekte Entscheidung, denn ich geriet in eine Baustelle im Feierabendverkehr und brauchte gleich mal 2 Stunden mehr und kam doch erst am Abend am Flughafen an. Da mein Flieger nach San Francisco schon am frühen Morgen ging hatte ich mir ein billiges Motel direkt am Flughafen gebucht und mehr als eine Nacht musste ich zum Glück auch nicht dort verbringen. Immerhin war es richtig günstig. Die 3 Tage Nationalpark waren wirklich ein Traum, habe so viel gesehen und erlebt und hatte viel Zeit zum Nachdenken und für mich. Wunderbar! Mit dem Mietwagen brachte ich es in der einen Woche in der ich ihn hatte auf geschlagene 1200 Meilen, also 2000 km, von Garmisch-Partenkirchen nach Flensburg und zurück. Nicht dass ich diese Strecke mal fahren müsste...
Als ich dann am Mittwoch Mittag in San Francisco ankam war die Stadt ein echter Kultur-Schock. Nach 3 Tagen Alleinesein plötzlich viel zu viele Leute um mich herum. Noch voll bepackt kam ich am Marktplatz vorbei, gerade rechtzeitig zum Public Viewing Deutschland gegen Ghana, und es waren echt viele Deutsche da. Das war dann ganz nett, aber mit meinen Taschen wars dann doch eher unpraktisch. Beim Einchecken in die recht moderne aber in einer ganz furchtbaren Ecke gelegenen Jugendherberge lernte ich auch einen meiner 3 Zimmergenossen kennen, Josh aus Chicago, der mit dem Rad an der Westküste unterwegs war. Ich war dann ganz überfordert was ich mit dem angebrochenen Tag anfangen sollte und wusste gar nicht was ich zuerst machen sollte. Ganz ungewohnt für mich hatte ich außer Alcatraz am Freitag nämlich gar nichts geplant und so war ich erst mal ganz schön hilflos. Nach längerem inneren Hin und Her begann ich meinen Trip dann am UN Plaza, spazierte zum Cable Car-Endpunkt und lief den SF-Wahrzeichen im Endeffekt hinterher. Die vielen Hügel in SF rauf und runter ging es nach Chinatown, zur wundervollen Grace Cathedral (so wohlgefühlt habe ich mich zuvor in noch keiner Kirche), zur Lombard Street (der krummsten Straße der Welt), dem Coit Tower und zurück durch Chinatown wo ich auch in einem kleinen Restaurant zu Abend aß. Das klingt jetzt gar nicht so viel, aber auch in SF, wie in jeder anderen amerikanischen Stadt sind die Wege unglaublich weit, und ich kam erst gegen 21 Uhr ins Hostel, nach fast 6 Stunden "Spaziergang" durch das hügelige Terrain der Stadt. Das Wetter war zum Glück ganz gut, auch wenn es für Juni ungewohnt frisch war. Ohne meinen Winterfleece hätte ich da gefroren. Vor der Nacht in der Jugendherberge graute es mir ja etwas, Schnarcher, Stinker, Heizer und Fensterschließer waren mir ungeheuer, aber ich konnte erstaunlich gut schlafen. Hatte mich ja auch ordentlich müde gelaufen.
Für Tag 2 hatte ich in der Herberge einen Flyer für einen Fahrradverleih gefunden der für Hostelgäste eine Rate von 18 USD anbot. Leider war das Wetter echt Mist, nebelig, es nieselte leicht und vom Himmel war nix außer grau zu sehen, aber letztendlich wollte ich den Tag nicht verlieren, also schwang ich mich tapfer aufs Rad und fuhr die 5 Meilen zur Golden Gate Bridge von der wetterbedingt nicht allzu viel zu sehen war. Trotzdem war der Anblick natürlich imposant und toll, und mit der schlechten Sicht muss man im Sommer in San Francisco wohl rechnen. Angekommen auf einer Aussichtsplattform auf der anderen Seite der Brücke entdeckte ich zufällig Josh, meinen Bettnachbarn vom Tag zuvor der auch mit dem Rad unterwegs war. Ohne ihn hätte ich wohl umgedreht, aber gemeinsam wollten wir dann noch eine Weile weiterradeln, auch wenn ich skeptisch war wie das mit mir auf meinem klapprigen Leihrad und dem 55kg-Josh auf einem Ultraleicht-Touringrad in dem hügeligen Terrain werden sollte. Josh war aber scheinbar so happy über die Gesellschaft, dass er geduldig auf mich wartete wenn ich mal hinterher war und wir den ganzen Rest-Tag verbrachten. Die Radtour führte uns bis zur Küste in den Westen, mit ein paar tollen Punkten von denen man eine tolle Aussicht auf die Brücke hatte (naja, bei gutem Wetter gehabt hätte)... Es war gut, mal wieder jemanden zum Quatschen zu haben und nach dem gemeinsamen Abendessen saßen wir noch bis abends in der Hotellobby zusammen.
Am nächsten Tag machte ich mich trotzdem dann wieder alleine auf den Weg und spazierte nach Ashbury Haights ins Hippie-Viertel, wo ich es aber nicht so interessant fand und von dort ins Castro, das Schwulenviertel wo ich dann mehr Zeit verbrachte und den "Spirit" der sexuellen Unabhängigkeit San Franciscos atmete und genoss. Von dort ging es mit der Bahn an die Piers, die touristisch überlaufen sind. Eigentlich hat es mir da dementsprechend auch nicht so gefallen, aber da meine Alcatraz-Fähre von dort abfuhr und ich nicht genug Zeit hatte noch was anderes zu machen musste ich etwas Zeit totschlagen und lag viel in der Gegend herum und blickte aufs Wasser. Da habe ich wohl die vernebelte und ab und an herausschauende Sonne etwas unterschätzt und mir nen richtig dicken Sonnenbrand zugezogen. Immerhin hab ich jetzt mal Farbe im Gesicht, aber während ich das hier ein paar Tage später schreibe rieselt mir die sich abpellende Haut aufs schwarze Shirt und tut immer noch weh. Sonnencreme hätte geholfen... Abends gab es dann die "Nachttour" nach Alcatraz die zuallererst mal einfach nur kalt war. Wenns wirklich auch noch im Juni so eklig ist wollte ich da nicht eingesperrt sein. Die Insel und das Gefängnis haben natürlich total viel Flair und im Hauptgebäude selbst gab es eine tolle Audio-Führung und danach zwei Vorträge über Fluchtversuche und berühmte Insassen. War trotz Wetter also ein toller Ausflug und wieder wäre der Blick auf die Golden Gate Bridge im Sonnenuntergang ohne Nebel toll gewesen. Aber hey, ich war da!
Am Samstag hatte ich dann kaum noch Zeit in der Stadt, da mein Flieger mittags ging und ich ja früh am Flughafen sein musste. Dennoch traf ich Josh noch mal und ich nahm ihn mit zu einem letzten Besuch in der beeindruckenden Grace Cathedral, bevor ich mich verabschiedete. Auf dem Weg zur U-Bahn kam ich aber wieder am Rathausplatz vorbei und spazierte dort noch ausführlich über das Pride Festival. Da muss ich zur Erklärung noch etwas ausholen, denn mein Trip war wirklich nicht gut getimet. Wie ich erst erfuhr als ich am Mittwoch ankam, war über das Wochenende die San Francisco Pride, die größte Schwulen- und Lesebenparade und -Straßenfest der Welt. Den Spaß würde ich also verpassen, da hab ich einfach schlecht geplant. Da ist man schon mal in San Francisco und verpasst die größte Veranstaltung des Jahres um einen Tag. Dumm gelaufen! Von SF ging es dann aber erst mal nach Denver, wo Wetterchaos herrschte und mein Anschlussflieger über eineinhalb Stunden verspätet war. Dementsprechend kam ich auch erst um 3 Uhr nachts wieder daheim an und war ziemlich platt. Der nächste Morgen sollte leider keine Entspannung bieten, denn da dies mein letzter Sonntag hier sein sollte musste ich mich natürlich schon in der Kirche blicken lassen. Doch Oh Schreck! Deutschland spielte ja um 10, schlechteste Kirchenzeit! Ich entschloss mich also in den (langweiligeren) frühen Gottesdienst zu gehen, stand noch früher auf und schaute danach die zweite Halbzeit mit Opi, Onkel Rick und Onkel Bob in einer Kneipe in der Nähe der Kirche, während die Damen ebendort blieben. Nach dem Deutschlandspiel heim, erst mal auspacken was ich morgens noch gar nicht gemacht hatte, Wäsche waschen, und dann gleich weiter zur "Abi"-Party einer unserer Schülerinnen wo ich viele meiner Schüler und viele Kollegen auch noch mal sehen konnte und dann schließlich verabschieden musste. Danach gleich zum nächsten Abschied, eine Familie aus der Kirche geht in die Philipinen und hatte an dem Abend eine Abschiedsfeier wo ich dann auch noch mal den Leuten aus der Kirche tschüß sagen konnte (was mir wesentlich einfacher fiel als der Abschied von den Schülern und Freunden...). Ein langer Tag also und fast der letzte Abschied. Nun fehlt eigentlich nur noch die Familie, mit der ich die letzten dreieinhalb Tage genieße. Außerdem gehe ich wie immer ins Fitness und habe heute wieder mal ein Rezept an Omi und Opi ausprobiert (und für gut befunden: Korean Chicken). Wahrscheinlich wird dies mein letzter ausführlicher Report aus den Staaten sein, am Donnerstag Nachmittag hebt mein Flieger hier in Cleveland ab und ich verabschiede mich fürs Erste aus dem Mittleren Westen. Was ein Jahr!

Montag, 21. Juni 2010

From Sea to Shining Sea

In der Philosophie gibt es einen Begriff, den ich kurz vorstellen möchte: Das Erhabene. Im Englisch-Studium habe ich schon ausführlicher über "the sublime" diskutiert und gelesen, und heute konnte ich kaum an etwas anderes denken. Das Erhabene beschreibt ein Gefühl das sich einstellt wenn man etwas Großem, Mächtigen ausgesetzt ist, ein Gefühl das einen total überwältigt. Schopenhauer beschreibt es so: »Das Extrem des Schönen, wo sich die theoretische Negation der zeitlichen Welt und Affirmation der ewigen, welche durchaus das Wesen aller Schönheit ist..., auf die unmittelbarste, ja fast handgreifliche Weise ausspricht«. Das Extrem des Schönen also. Unter diesem Motto kann meine Reise durchaus laufen, ein Extrem nach dem anderen. Es ist so schwer zu beschreiben wie es sich anfühlt, und natürlich können die Bilder nur ein Minimum von dem transportieren was ich gefühlt habe. Man kann es sich so ein bißchen vorstellen wie das Gefühl dass sich einstellt wenn im Schlusssatz von Beethovens Neunter nach dem Marschteil ganz langsam die Spannung aufgebaut wird, Akkord für Akkord, und die sich dann mit brachialer Freude, Größe und eben Erhabenheit im strahlenden Tutti entlädt. Meine Reise: Eine ständige innere Neunte Sinfonie. Und viel Autofahren! Ich werde nur ein paar Worte zu den einzelnen Stationen verlieren, Bilder zu allem findet ihr im gewohnten Album hier und wer das alles selbst erleben will muss einfach beim nächsten mal mitreisen!
Am Freitag ging es von Coeur d'Alene in knapp 5 Stunden zum Mt. Rainier Nationalpark, einem aktiven Vulkan. Schon auf dem Weg konnte ich den Blick über einen Canyon schweifen lassen, staunte über einen Wasserfall am Straßenrand und genoss die Fahrt über den Pass zum Bergriesen. In allen Nationalparks läuft das Prozedere ungefähr gleich ab. Man zahlt Eintritt an einem der Eingänge und fährt dann zu einem der Besucherzentren von wo es zahlreiche Wanderwege und Aktivitäten gibt. Eigentlich recht einfach, man muss nicht besonders vorbereitet sein, Infos gibt es jeweils dort und dann sucht man sich einfach heraus was man machen möchte. Mein erster Stop war am Ohanapecosh-Fluß an der Südostecke von Mt. Rainier, wo ich eine Wanderung (3 Meilen sind ja jetzt nicht so viel, aber über den Tag verteilt summiert sich das und Spaziergang klingt doof) zu Wasserfällen, und eine weitere zu einer kleinen Flussinsel mit uraltem Baumbestand machte. Von dort wollte ich eigentlich nach Seattle weiter, aber ich dachte wenn ich schon mal hier bin nutze ich auch alles voll aus und bin ins nächste Besucherzentrum, den Berg herauf, gefahren. Leider war es etwas bewölkt und man konnte die Spitze des Vulkans nicht sehen, aber die Fahrt nach oben war trotzdem toll, überall kleine Wasserfälle, irgendwo muss das schmelzende Eis ja abfließen, und recht bald dann auch Schnee und Eis. Wandern konnte man oben dann dementsprechend ohne entsprechende Ausrüstung auch nicht, aber ich genoss die Aussicht von den Zahlreichen Haltebuchten auf dem Weg nach oben.
Weiter ging es dann nach Seattle, wo ich um halb 8 ankam, genau 12 Stunden nachdem ich in Idaho aufgebrochen war. Dort bezog ich bei dem Freund eines Freundes mein Quartier und Kamil und seine zwei Mitbewohner waren wirklich super gastfreundlich, auch wenn die Wohnung ziemlich... chaotisch war. Und gleich ging es weiter, nach Einbruch der Dunkelheit fuhren wir auf die andere Seite der Bucht und genossen den Blick auf das nächtliche Downtown mit der bekannten Space Needle. Am Samstag im Hippie-Stadtteil Fremont große Mittsommerparade, angeführt von Tausenden Nacktradlern, die sich bunt bemalt hatten und der Kälte und dem Regen trotzten. Eigentlich sollte ja der Sommer eingeleitet werden, aber bei mir war da mit 10° C noch nicht viel Summerfeeling vorhanden. Nach den Radlern dann ein Umzug mit allen möglichen "alternativen" Gruppen und danach dann eine Bummelmeile mit Zeug, Essen und allem möglichen, wie man das halt so kennt. War eigentlich ein ganz netter Tag, und Abends ging es dann noch spät auf die Geburtstagsparty von irgendwem und reichlich spät ins Bett.
Am Sonntag Morgen half dann alles nichts, um 7 hieß es wieder aufstehen für mich, ich hatte ja noch einen langen Tag vor mir. Zunächst ging es auf den Pike Street Market, einem bekannten Markt in Downtown Seattle wo Erzeuger selbst Obst und Gemüse verkaufen, frischer Fisch aus dem Hafen kommt und kleines Kunsthandwerk verkauft wird. Außerdem befindet sich dort der allererste Starbucks, wo ich mir einen Kaffee dann nicht entgehen ließ, vor allem weil ich immer noch so müde war. Von dort aus ging es dann mit der Fähre auf die Olympia-Halbinsel, die fast ganz als Nationalpark ausgewiesen ist. Die halbstündige Überfahrt war fast unspektakulär, bis ich den Orca-Wal entdeckte der ein paar hundert Meter vom Schiff schwamm. Schade, dass ich keine bessere Kamera habe, aber ein paar Beweisbilder habe ich immerhin geschossen. Auch hier wieder: Das Erhabene, diesmal in der überraschenden Begegnung mit einem Tier. Nach einer einstündigen Fahrt und war ich in Port Angeles angekommen, wo ich für 2 Nächte ein Motel gebucht hatte. Viel Zeit verbrachte ich nicht auf dem Zimmer, denn natürlich wollte ich gleich in den Olympic Nationalpark weiter und den Tag voll nutzen. Das erste Besucherzentrum ist praktischerweise nur eine Stunde hinter dem Motel und damit wirklich noch gut zu erreichen. Hurricane Ridge ist eine kleinere Bergkette, die so vor den Olympic Mountains gelegen ist dass man von ihr eine tolle Aussicht auf die eigentlichen Berge hat. Ich war etwas skeptisch, weil es furchtbar bewölkt war, aber nachdem ich bei schwerster Sicht durch dichten Nebel den Berg hochgekommen bin und über den Wolken weiterfuhr war der Ausblick gigantisch. Gleich beim ersten Gipfel hielt ich an, zückte die Kamera und freute mich total, aber das wurde dann noch alles bei weitem übertroffen als ich am eigentlichen Zielpunkt angekommen war. Das Erhabene... Auch hier gabs viel Schnee und die Wege in direkter Nähe zum Besucherzentrum waren teilweise noch zugeschneit (und wurden zum Snowboarden genutzt), das hielt mich diesmal aber nicht vom Erkunden ab, und so erkletterte ich 2 kleinere Aussichtspunkte. Dann ging es weiter (und höher) mit dem Auto und von dort auf einen Höhenwanderweg, der wieder tolle Aussichten und zahlreiche Begegnungen mit wilden, aber gar nicht scheuen Hirschen bot. An vielen Punkten musste ich einfach Halt machen und mir selbst an den Kopf fassen, so schön wars. Und wenn ich meinen iPod dabei gehabt hätte, wäre der Soundtrack zu Herr der Ringe sehr passend gewesen, denn mit den Bergen im Hintergrund und einem dichten Wald davor fühlte ich mich doch sehr an Mittelerde erinnert. Heute ist es grade mal Montag und alleine der Sonntag hätte genug Stoff für 3 Bilderalben und Urlaubstage geboten, aber hier geht alles Schlag auf Schlag.
Heute, am Montag, ging es dann ein paar Meilen weiter zum nächsten Besucherzentrum, Sol Duc, wo man im Herbst Lachse einen Wildwasserstrom hoch schwimmend beobachten kann und im Sommer Wanderwege durch einen alten Wald zu Wasserfällen führen. Gerne wäre ich da noch weitergewandert, aber ich hatte so viel geplant dass ich nach einem einstündigen Rundweg schon weiter fahren musste. Nächster Stop war das kleine Städtchen Forks, wo die verfilmte Twilight-Saga spielt und sich Tourismus-mäßig alles umdieselbige dreht. Ich hielt meinen Besuch aber kurz und fuhr gleich weiter zum Rialto Beach. Das besondere am Olympic Nationalpark ist seine Vielfältigkeit. Er umschließt nicht nur die Bergkette und den umliegenden Wald, sondern auch ein unglaublich langes Stück Pazifikküste. Die Landschaft dort war wieder unbeschreiblich schön und ich war einfach nur total froh endlich am Pazifik angekommen zu sein. Vom Parkplatz kletterte ich über ein riesiges Treibholzfeld zum Strand, wo zum Glück (eigentlich nicht Glück sondern mein geplantes Timing) Ebbe herrschte und alle Wege auch tatsächlich erreichbar waren. Den Strand zu beschreiben ist schwierig, aber man kann sich vorstellen, dass dichter Wald bis fast zum Wasser reicht, dann etwas fast wie eine Mauer aus Treibholz und dann Kieselstrand mit ganz glatten, runden Steinen. Überall ragten auch Felsen aus dem Meer die jedes Bild verschönern. Wer will auch nur Wasser auf dem Foto haben? Dem ganzen wurde dann die Krone aufgesetzt als ein Weißkopfseeadler in meiner direkten Nähe einen toten Fisch verspeiste. Leider fühlte er sich wohl gestört und flo(h)g in den Wald, wo ich ihn aber noch eine Weile in den Baumwipfeln sehen konnte. Das Wappentier der Vereinigten Staaten war wohl bedacht, dass ich ihm nicht das Fressen klaue. Von dort ging es weiter nach La Push, einem weiteren Abschnitt des geschützten Pazifiks wo aber kaum Treibholz und dafür echter Sandstrand zu finden waren. Dort entstand dieses Panoramabild:


Danach haderte ich lange mit mir was ich noch machen sollte, der Hoh-Regenwald war ungefähr eineinahlb Stunden südlich, aber es war bereits 4:30 Uhr und ich wollte mich nicht hetzen. Außerdem liegt der morgen auch noch auf dem Weg. Also entschied ich mich, zum Cape Flattery zu fahren, der Spitze der Halbinsel, die den nordwestlichsten Punkt der gesamten zusammenhängenden USA (also ohne Alaska) markiert. Ich fühlte mich sehr an die Küste in der Bretagne erinnert, aber mit dem dichten uralten Wald im Rücken war es dann doch irgendwie anders. Es war ein ganz tolles Gefühl an diesem Punkt zu stehen, von da ging es wirklich nicht mehr weiter, ich hatte das Gefühl ich habe alles ausgereizt. Eben "from sea to shining sea". Unglaublich, wie weit ich in diesem einen Jahr gekommen bin. Von New York City über Cleveland nach Florida im Süden und nun hier im Westen. Die Zufriedenheit die sich damit einstellt ist schwer beschreibbar. Aber eben darum begann ich diesen Beitrag mit der philosophischen Einleitung: Erhaben wars, besser kann man es nicht umschreiben. Um zum Kap zu kommen musste ich übrigens ganz schön viel Fahrt in Kauf nehmen, denn die Spitze ist natürlich nicht über die Schnellstraße zu erreichen. So war ich ca. eineinhalb Stunden auf dem weg zum Cape unterwegs, entlang an der Küste, hoch, runter, Serpentinen, durch Indianerreservate, an kleinsten Fischerdörfchen vorbei. Zurück nach Port Angeles war es dann auch nicht besser, für die 70 Meilen (112km) brauchte ich über 2 Stunden, aber gelohnt hat es sich total. Ich glaube besser ginge es nur noch mit einem Sonnenuntergang vor Ort, aber mit der langen Rückfahrt und der Tatsache dass heute der längste Tag des Jahres war, war mir das dann doch etwas zu viel. Beim nächsten mal!
Morgen knacke ich dann die 1000-Meilen-Marke auf dem Weg zurück nach Seattle. Drei weitere Stops habe ich geplant im Nationalpark, eine Pazifikküstengegend und zwei Regenwälder, und spät abends übernachte ich dann in einem sehr billigen Motel direkt am Flughafen, denn am Morgen geht es nach San Francisco. Und selbstverständlich bin ich dann auch dort wieder auf der Suche nach dem Erhabenen!

Donnerstag, 17. Juni 2010

It never rains in Coeur d'Alene

Leider doch, Regen Regen Regen! Deswegen hab ich auch genug Zeit und Muße heute schon wieder zu schreiben. Sitze den dritten Tag in Folge hier in dem kleinen Café und esse meinen Salat zum Mittagessen. Mit dem Besitzer bin ich inzwischen per du, und ich habe mich hier mit meinen Straßenkarten und Laptop in meiner kleinen Stammecke ausgebreitet.
Gestern wachte ich zu Regen auf, aber daheimbleiben war nicht drin, ich musste ja meinen Leihwagen abholen, und so lief ich dann von Tante Doris im Regen Downtown und holte meinen Wagen. Das war dann erst mal sehr erleichternd, denn nun musste ich nicht mehr im Nassen laufen sondern bin erst mal gemütlich ins City Perc (das Café) gefahren und habe Pläne gemacht. Da das Wetter auf absehbare Zeit nicht besser werden sollte und ich nicht versauern wollte habe ich mich dann doch irgendwann auf den Weg gemacht und bin am See entlang zu einem Wanderweg gefahren, der mich zu einem Aussichtspunkt 900 m über NN führen sollte. Hat er auch! Die 8 km Wanderung (oder Spaziergang, wie man will) durch den Wald waren wunderbar, bei dem Wetter war ich auch der einzige und irgendwann hatte wohl jemand Mitleid mit mir und der Regen wich einem leichten Nieseln. Die Bilder sind dementsprechend alle etwas trübe, aber ich finde dennoch sehenswert (wie immer hier). Oben angekommen hatte man von den diversen Aussichtspunkten eine tolle Aussicht auf die Gegend, den See und die umliegenden Berge. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt in Kauf zu nehmen etwas nass zu werden, denn auch heute war das Wetter nicht besser. Eigentlich hatte ich eine Bike-Tour am See geplant, aber das war mir im Regen dann doch etwas zu Hardcore und so hatte ich Gelegenheit heute morgen endlich Les Miserables fertig zu lesen und dann wieder für Stunden im City Perc zu sitzen wo ich Routen für die nächsten Tage ausgeheckt habe. Eigentlich wollte ich morgen ja recht direkt von hier nach Seattle cruisen, aber jetzt habe ich mich doch entschieden einen 3-stündigen Umweg in Kauf zu nehmen um noch den Mt. Rainier-Nationalpark zu besuchen. Hoffentlich ist das Wetter dann gut genug um eine tolle Sicht auf den 4000-Meter-Riesen zu bekommen. Ab Freitag Abend bin ich dann in Seattle bei Kamil, einem Freund von PC Britz mit dem ich in Mainz studiere. Der hat sicher Internet und dann schau ich hier auch wieder mal vorbei. Bis dahin noch einen letzten lieben Gruß aus Idaho.

Dienstag, 15. Juni 2010

How the West Was Won

Ah, endlich! Urlaub! Wo genau ich diesen Blog abschicke weiß ich noch nicht, im Moment bin ich noch bei Tante Doris zu Hause, werde aber nachher in die Stadt laufen und hoffe dass ich auf eine WLan-Ader stoße. Zunächst aber ein paar Gedanken die ich während dem Flug von Denver nach Spokane hatte. Ich habe etwas mit mir gekämpft ob ich sie abschreiben und posten soll, aber eigentlich kann ich nichts Negatives an ihnen finden, auch wenn sie sehr persönlich sind und vielleicht etwas ungewohnt klingen. Hier also was ich schrieb:

„Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich im Flugzeug von Denver nach Spokane. Seit ein paar Minuten ist der Himmel frei von Wolken und die Sicht frei auf die atemberaubende Berglandschaft der Rocky Mountains unter mir. Eine tiefe Melancholie umfängt mich und wenn ich aus dem Fenster schaue kann ich Tränen kaum zurückhalten, so schön ist der Ausblick. Mit dieser Reise geht ein über 10-jähriger Traum in Erfüllung, tief verwurzelt im Aufwachsen mit meinem Vater. Dazu lese ich Schriften von Frere Roger aus Taizé der mich mit seinen Gedanken sehr bewegt. „Liebe, und sag es mit deinem Leben“ ist eines der Zitate die mich beschäftigen und ich freue mich darauf im Herbst selbst eine Woche in der französischen Gemeinde zu verbringen. Ich lese Psalm 8, der passender nicht sein könnte beim Anblick der majestätischen Gipfeln unter mir: „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“

Ich bin voller Freude über das vergangene Jahr, das ich mit meiner Reise abschließe, voll Freude über die Freunde dich ich gemacht habe und über die Gemeinschaft in der ich leben und arbeiten durfte. Ich glaube, das alles ist nur der Anfang eines neuen Ichs, gekreuzigt mit Jesus Christus (Galater 2,20) und getauft durch den Heiligen Geist, der mir ein Leben in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut und Selbstbeherrschung ermöglicht.

Ich komme nicht umhin, an das Lied „Into the West“ zu denken (und es in Dauerschleife im iPod abzuspielen), mit dem Annie Lennox die Herr der Ringe-Trilogie abschließt. Der Westen ist darin Sinnbild für das ewige Leben der Elben, der Tod nur eine Schifffahrt auf dem Weg in ein fernes Land wo ein neues Leben beginnt. Obwohl ich weder Elb noch Hobbit bin (wobei, der Appetit, die behaarten Füße…) verbinde ich dieses Lied mit meiner Reise und mit dem Heimkommen. Und jetzt liegt im Westen sowohl ein Ende, als auch ein Neuanfang. „You have come to journey’s end“, du bist am Ende deiner Reise angekommen. So weit ist es noch nicht ganz, aber inzwischen ist es ganz eingesickert dass ich bald schon wieder zu Hause bin. „The ships have come to carry you home.“

So viel also zu meinen Gedanken während der Reise. Nun aber noch mal ein kleiner Bericht wie alles lief und was ich in den ersten 3 Tagen hier in Idaho erlebt habe. Die vergangene Woche war ja die letzte in der Schule, montags hatte ich gleich frei und dienstags musste ich nur meine Abschlussklausuren beaufsichtigen. Dienstagabend dann gleich schon Korrektur und Mittwoch kam ich dann nur noch in die Schule um mein Zimmer auf- und den Schreibtisch auszuräumen, die Arbeiten fertig zu korrigieren und mich zu verabschieden. Dabei entstand dieses Bild mit all meinen Deutsch-Schülern:

Am Mittwoch haben wir dann außerdem auch endlich eine Entscheidung über meine Nachfolgerin getroffen, nachdem es da ein bisschen Verzug gegeben hatte. Nun wird mich eine 28-jährige Studentin aus Berlin ersetzen, und ich bin gespannt wie sie sich als Atheistin an der CCS schlagen wird. Selbst Kontakt habe ich mit ihr noch nicht aufgenommen, aber wenn ich wieder daheim bin werde ich sicher mal mit ihr mailen oder sprechen und ihr alle nötigen Infos geben. Am Donnerstag ging es dann mit den meisten Schülern und ein paar Vätern in den Freizeitpark Cedar Point, einem der größten (und besten) in den Staaten und der Welt, und diesmal hatte ich im Gegensatz zu unserem Besuch im Oktober eine richtig gute Zeit. Wir waren von morgens bis spät abends da und wenn ich nicht verantwortlich war, dass alle Kids sich regelmäßig bei uns Betreuern melden bin ich fast alle großen Achterbahnen gefahren und hatte einen riesen Spaß. Den Freitag habe ich dann meinen ganzen Kram aufgeräumt, Wäsche gewaschen und die meiste Zeit des Tages mit Fußball schauen verbracht (neben dem obligatorischen Besuch im Fitnessstudio). Den Morgen hing ich aber erst mal in Warteschleifen der Fluggesellschaften fest, weil eine Mail ankam die mich an meinen Flug am Sonntag erinnern wollte. Dabei hatte ich doch für Samstag gebucht! Wie sich herausstellte wurde mein Flug schon im April gecancelt und auf Sonntag umgelegt, man hat scheinbar nur vergessen mir das zu sagen. Das war also erst mal große Aufregung, aber im Endeffekt wars dann auch egal, wie sich herausstellte war es sogar fast besser so herum. Am Samstag hatte ich dann nämlich Zeit auf eine Veranstaltung meines Schülers DJ zu gehen, der in einer groß angelegten Zeremonie die „Eagle“-Auszeichnung der amerikanischen Pfadfinder verliehen bekam. Ich wusste nicht so ganz was mich erwarten würde, aber das ist wohl die höchste Auszeichnung die man erlangen kann und wie man hier sagt „a big deal“. Zurück zu Hause schaffte ich es erfolgreich, das Packen weiter vor mir her zu schieben und schaute bei Onkel Bob das Spiel der US-Boys gegen England. Dann aber packen, und das tat ich im Endeffekt bis ich um 8 Uhr abends ins Bett ging. Zum Glück schlafe ich ja zu jeder Uhrzeit, denn um 2 Uhr nachts wars schon vorbei mit der Nachtruhe und ich musste mich fertig machen, um 3 Uhr losfahren, damit ich rechtzeitig um halb 5 am Flughafen für meinen 6-Uhr-Flug bin. Hat auch alles wunderbar geklappt, die Flüge waren angenehm und die Aussicht auf dem Weg von Denver nach Spokane unbeschreiblich. Dort holten mich Tante Doris und mein Großcousin Gary vom Flughafen ab und es ging von Washington (State natürlich) nach Idaho.

In Coeur d’Alene (oder kurz CdA) angekommen machten wir gleich nach dem Mittagessen einen ausführlichen Ausflug an den See, an dem die Stadt liegt. Wohin man schaut hat man hier eine schöne Aussicht, und der See selbst ist einfach nur traumhaft. Dementsprechend ist CdA heute auch fast nur noch als Touristenstadt bekannt, die Bergbauindustrie ist lange geschlossen und von der Holzindustrie kann die Region nicht leben. CdA ist also eine ausgewiesene und bekannte Urlaubsstadt für Leute aus dem ganzen Nordwesten, und überall sieht man Golfer und Segler, große Yachten und Familien auf Fahrrädern. Am Montag hatte Tante Doris noch einen weiteren Tag frei und gemeinsam fuhren wir in das bekannte CdA-Resort in dem sie im Housekeeping arbeitet. Das Resort ist das größte und beste in der Region, direkt am See gelegen trohnt es über der Stadt und ist mit dem 18-Loch-Golfkurs ihr Aushängeschild und Touristenmagnet. Durch Doris Job konnten wir natürlich in alle Bereiche des Hotels und Highlight war natürlich die Penthouse-Suite im obersten Stock, mit Whirlpool auf dem Balkon, Pool auf dem Dach und einer gigantischen Aussicht über den See. Vom Hotel fuhren wir dann nach Westen, fast bis nach Montana und besuchten eine alte Missionarskirche, das älteste Gebäude Idahos. Fast unvorstellbar dass vor 200 Jahren hier noch kein Haus stand und nur die amerikanischen Ureinwohner lebten. Geschichte ist noch so neu hier. Dort sahen wir auch ein paar Elche, zwar nur in der Ferne, aber die Viecher waren dennoch riesig! Auf dem Heimweg durch die Berge machten wir noch einen letzten Stopp in einer bekannten Bar, der „Snake Pit“. Mein Cousin Harald aus New Jersey, der ja hier aufgewachsen ist, meinte wir müssen unbedingt hierher und die „Rocky Mountain Oysters“ probieren, die Rocky Mountain-Austern. Als ich dann kapierte dass das natürlich keine Muscheln sind, sondern Stierhoden bestellte ich dann aber doch lieber was anderes… Heute ist Doris arbeiten und ich habe noch keinen Mietwagen, also sitze ich fürs erste hier fest, werde aber wohl gleich den Fußweg in die Stadt in Kauf nehmen (bestimmt über eine Stunde, aber immerhin gibt es Bürgersteige) und mich in ein Internetcafe und dann an den See setzen. Morgen gibt es dann das Auto und dann habe ich noch zwei Ausflüge hier in der Gegend geplant bevor es nach Seattle geht. Davon berichte ich dann aber beim nächsten mal.

PS: Nach einer Stunde strammen Laufen habe ich hier im Stadtzentrum ein tolles Café gefunden wo ich grade einen Salat gegessen habe und jetzt Espresso und Eistee schlürfe und Bilder hochlade. Wie immer gibt es eine Auswahl auf Facebook oder im Online-Fotoalbum hier.

Montag, 7. Juni 2010

School's out, for summer!

Es kommt ja schon fast als Überraschung, dass es nun doch schon so weit ist, aber seit Freitag bin ich mit Unterrichten fertig! Offiziell haben wir zwar noch 3 Tage Schule, aber dazu gleich mehr.
Am vorvergangenen Wochenende hatten wir einen tollen Grillabend geplant mit meinen engsten Freunden aus dem Cleveland Orchestra Chorus. Eingeladen hatte Susan in ihre Villa am Lake Erie, mit traumhafter Aussicht bis nach Downtown Cleveland und einem Koch- und Essbereich der größer ist als unsere Wohnung in Mainz. Ich hatte angeboten, die anderen mit deutschen Salaten zu verwöhnen und so stand ich Samstag zur Vorbereitung und Sonntag zum Kochen und machen fast zwei ganze Tage in der Küche und machte Spargel-, Karotten- und Kartoffelsalat, sowie Grillfeta, den die Amis auch nicht kennen. Dazu gab es Hühnchen und leckere Spare Ribs, Mais und Mac'n'Cheese. Es wurde also geschlemmt und der Abend war ein ganz toller Abschied von meinen lieben Chorfreunden. Gefeiert haben wir am Sonntag, weil am Montag wegen Memorial Day frei war (als feiertagsverwöhnter Deutscher hab ich das auch immer noch nicht ganz verinnerlicht, dass man an Pfingsten, Christi Himmelfahrt und Fronlaichnam arbeiten soll, aber dann für die US-Soldaten daheim bleiben darf) und den Montag versuchte ich dann panisch das Gegessene wieder abzutrainieren... Tja, das kommt davon! Überhaupt war ich aber die Woche fünf mal im Fitnessstudio, das wirklich inzwischen zum Hobby geworden ist. Ohne fühl ich mich unwohl und nach dem Training hab ich mehr Energie als vorher. Das soll dann natürlich auch in Mainz weitergeführt werden und ich freue mich auf ein gemeinsames Training mit Jule und Ed im McFit! ;)

Die verbliebenen 4 Tage der Woche waren dann ziemlich stressig in der Schule und die letzte Woche hatte ich mir etwas ruhiger vorgestellt. Grund ist das amerikanische Schulsystem und wie die Noten gehandhabt werden. Es gibt keinen frühzeitigen Notenschluss wie bei uns, dann Zeugniskonferenzen und Zeugnisse am letzten Schultag, sondern Abschlussklausuren an den letzten Tagen und die Zeugnisse dann per Post nach Hause. In Deutschland kann man also die letzten Tage etwas nutzen um ein paar Spielchen zu spielen, ich hätte gerne noch was mit den Kids gebacken oder gemeinsam gefrühstückt, aber so war natürlich hart Büffeln und Wiederholen angesagt, denn die Abschlussklausur (morgen) sollte dann alles im Schuljahr gelernte umfassen. Während ich es sonst meistens etwas ruhiger in meinen Klassen angehen ließ musste ich sie letzte Woche wirklich durchpeitschen um mit allem durchzukommen, das tat mir dann auch tierisch leid. Irgendwas muss ich mir da diese Woche noch einfallen lassen. Am Dienstag habe ich zudem noch ein letztes mal den Schulgottesdienst gehalten. Das fünfte mal inzwischen, und ich fühle mich echt geehrt dass mir so viel Vertrauen entgegengebracht wurde und ich das machen konnte. Und wow, während ich mich am Anfang noch an anderer Leute Predigten orientierte (danke Ralf!) und entlanghangelte, brauchte ich am Ende nur noch meine Bibel und ein paar Stichpunkte für 20 Minuten Predigt.

Am Freitag war ich dann schon wieder zu einem Abschieds-Essen eingeladen, diesmal in ein schickes Fisch-Restaurant von der Familie eines Schülers mit der ich engen Kontakt hatte (und habe). Mit Alison habe ich regelmäßig in der Schule gesprochen und Rob war mit uns auf Klassenfahrt in Cambridge. Ganz liebe Eltern (und die einzigen Lutheraner an der Schule), die ich sehr vermissen werde, die sich aber auch schon für einen Deutschlandbesuch angekündigt haben. Wenn ich das so schreibe und lese fällt mir auf wie sehr sich mein Leben um Essen und Kochen dreht, denn am Samstag gab es genau wieder das! Großes Gekoche mit Onkel Bob und Tante Nancy in Vorbereitung auf Sonntag, diesmal gab es mal wieder Bobs geniales Pulled Pork ("zerfallene" Schweineschulter) und mexikanische Hühner-Reispfanne. Den ganzen Tag wurde als Schwein gebraten, Hühnchen gegrillt, geschnippelt, Reis gekocht und so weiter, ihr könnt es euch ausmalen. Immerhin sollten am Sonntag 300 (!) Gäste gefüttert werden. Das war dann also der nächste Tag und zur Erklärung muss ich hinzufügen, dass der amerikanische Schulabschluss wesentlich größer gefeiert wird als in Deutschland. Zunächst gibt es natürlich das offizielle Schulprozedere, aber dann hat jeder der Abschlussklasse seine eigene riesige Feier, zu denen selbstverständlich die gesamte High School, sämtliche Verwandten, Freunde und Bekannten eingeladen sind. Damit aber auch jeder auf jede Party kann überschneiden die sich üblicherweise nicht und so gibt es den ganzen Sommer durch jede Woche etwas zu feiern. Am Sonntag war es also meine (Gast)Cousine Taylor die gefeiert hat (deswegen waren wir auch mit dem Essen beauftragt), zum Glück feierte sie aber mit 2 anderen Mädchen aus ihrer Klasse zusammen. Ich weiß nicht ob letztendlich 300 Gäste da waren, aber es war sehr sehr voll in der Scheune und dem Hof, immer wieder kamen neue Familien dazu und wir hatten einen Heidenspaß, das Essen auszugeben. Vor der Party war aber noch die offizielle Graduation-Zeremonie, also der offizielle Schulabschluss. Mit der Abschlussklasse marschierten wir Lehrer zu Land of Hope and Glory in die Kirche ein wo die Feier stattfand, die Jahrgangsbesten und eine Kollegin hielten Reden und die Schüler bekamen in ihren grünen Roben und mit den typischen Hüten ihre Diplome überreicht. Alles sehr Klischee (inklusive Hutwerfen), aber dazu noch gespickt mit evangelikalen
Einwürfen, Gebeten, Worship-Liedern und so was alles eben. Danach eben die Feier und so war auch mein letztes Wochenende in Cleveland (kein Scheiß!) zu Ende.
Ein bißchen was nun noch zu meinen letzten Wochen in den Staaten. Offiziell sind mit heute (Montag) noch 4 Tage Schule an der CCS, aber es stehen nur noch die Abschlussklausuren an, und da Deutsch erst am Dienstag dran ist, hatte ich heute frei (und habe den Tag im Skype und Fitnessstudio verbracht, Überraschung...). Morgen stehen dann meine Klausuren an, das heißt für mich dann auch Korrigieren nach der Schule, denn ich will ja alles fertig haben wenn ich in Urlaub fliege. Am Mittwoch müsste ich dann eigentlich nicht mehr in die Schule kommen, aber zum Abschied lasse ich mir das natürlich nicht nehmen und wahrscheinlich werde ich den Tag auch nutzen um mein Klassenzimmer ordentlich aufzuräumen. Ich will ja kein Chaos hinterlassen. Donnerstag ist dann der letzte Schultag, den wir aber alle zusammen im Freizeitpark Cedar Point verbringen. Freitag gehen wir dann noch mal mit einer größeren Gruppe Lehrer und Schüler auf ein Baseballspiel (zum Glück gleich bei uns um die Ecke) und am Samstag geht es los!

Freue mich total auf den Urlaub und habe schon viel zu viele Pläne gemacht. Ich weiß schon, dass ich in Idaho kein Internet haben werde (vielleicht im McDoof um die Ecke, mal schauen wie sich das ergibt), und vorher werde ich hier auch nicht mehr schreiben, daher hier noch mal meine Reiseroute zum Mitverfolgen:
12.6. Samstag: Flug nach Spokane, Washington wo mich meine Tante am Flughafen abholt
Samstag bis Freitag: Family Time mit Tante Doris in Coeur d'Alene in Idaho
18.6. Freitag: Fahrt mit dem Leihwagen nach Seattle, dort übernacht ich bei einem Freund eines Kommilitonen aus Mainz
19.6. Samstag: Einen ganzen Tag Seattle
20.6. Sonntag: Fahrt in den Olympic National Park, 3 Übernachtungen in Motels und lange Tagesausflüge an den Pazifik, in die Berge und in den Regenwald
23.6. Mittwoch: Flug von Seattle nach Oakland und Transfer nach San Francisco, 3 Übernachtungen in der Jugendherberge
24.6. Donnerstag: Tagesausflug durch San Francisco mit Besuch im Muir Woods Nationalpark
25.6. Freitag: selbst geplante Touren durch Chinatown und das Castro, Alcatraz bei Sonnenuntergang
26.6. Samstag: Rückflug nach Cleveland

Und dann Trommelwirbel..............................................
1.7. Donnerstag: Rückflug nach Deutschland!

Freu mich auf euch! Ein bißchen was werdet ihr aber von mir bis dahin noch hören und sehen. :)