Freude schöner Götterfunken, ich hab meinen Laptop wieder. Eine ganze, sich endlos in die Länge ziehende Woche hat es gedauert bis ich nach meinem Netzteilausfall wieder einsetzbar war, Amazon sei Dank! Ganz isoliert von der (digitalen) Außenwelt war ich dank Omis Laptop und dem wunderbaren WLan-fähigen iPod zwar nicht, aber wer mal versucht hat, flüssiges Deutsch auf einer amerikanischen Tastatur zu schreiben weiß dass man da schnell an seine Grenzen stößt. Heute war die Devise also erst mal ausführlich Nachrichten lesen, längere Mails beantworten und eben Deutschland per gewohntem Blog auf dem Laufenden zu halten. Über zwei Wochen sinds ja jetzt schon her, dass ich zuletzt wirklich berichtet habe und ich habe durchaus Probleme mich an alles was in dieser Zeit passiert ist, zu erinnern. Ein paar Anekdoten habe ich dennoch im Gepäck, die ich nun erzählen kann.
Am Wochenende nach meinem letzten Beitrag, dem ersten im Februar, musste ich Doppelschichten im Backen einlegen. Jede Woche bringt einer der Lehrer für alle Kollegen am Montag ein Frühstück mit, mal Muffins, Brownies, beliebt sind Früchte, aber wir hatten auch schon mal mexikanische Frühstücksburritos oder selbstgemachte Smoothies. Als ich zuletzt im Herbst dran war machte ich meinen gedeckten Apfelkuchen und einen feinen Rotweinkuchen und da diesmal die Faschingszeit vor der Tür stand, wollte ich Faschingskräppel machen. Das erschien mir dann zu aufwendig und ich habe mich für einen selbstgemachten Hefezopf entschieden. Natürlich musste aber alles in entsprechender Menge zubereitet werden und da ich auch noch einen Zopf für daheim haben wollte und mich entschieden hatte, zumindest ein paar Krapfen zu machen endete ich mit einem 6-fachen Rezept, also 3 kg Mehl. Wer noch nie einen Hefeteig gemacht hat weiß nun nicht, wie verdammt viel 3 kg Mehl in einem Hefeteig sind, aber der geht ja dann noch auf und am Ende hatte ich zwei riesige Schüsseln Teig und kräftige Oberarme vom vielen Teigkneten. Ohne das jemals zuvor gemacht zu haben entschied ich mich außerdem, einen der Zöpfe mit Nüssen zu füllen was sich als schwieriger herausstellte als zunächst gedacht. Nach einem Großkampftag in der Küche (hatte ich erwähnt, dass ich vor der ganzen Backerei auch noch einen großen Pott Gerstensuppe gekocht habe?) hatte ich also einen riesigen Nusszopf, zwei normale Hefezöpfe und reichlich "Kischelscher". Die gab es dann montags fürs Kollegium die mir ratzfatz die wahnsinnigen Mengen verputzten (natürlich mit Butter und Schmier!). Es muss scheinbar geschmeckt haben, denn am nächsten Tag gab es zahlreiche Rezeptanfragen und eine Kollegin fragte mich, ob ich für ihre Geburtstagsparty gegen Bezahlung noch mal backen würde. Was macht der Daniel also am Mittwoch? Genau, 3 weitere Hefezöpfe backen, hat nicht mehr ganz so lange gedauert, in der Backstube war ich ja dann schon routiniert, und die $10 die sie pro Zopf geboten hat waren eine gute Motivationshilfe...
An diesem Wochenende ist auch außer Backen nicht viel passiert. Seit Luke wieder an der Uni ist und 4 Stunden weg wohnt, die guatemalische Ex-Austauschschülerin Deborah die bei den Doanes gewohnt hat wieder nach Hause geflogen ist, Erika ganz und gar auf ihren Freund konzentriert ist und die etwas jüngeren Mädels wegen sinkender Schulleistungen selten noch ausgehen dürfen beschränkt sich meine Aktivität da meistens auf Familie und Ruhe. Ich will mich gar nicht beschweren, nach einer Woche an der CCS braucht man auch mal ein Wochenende zum Entspannen, aber ich habe schon ewig keinen Film mehr im Kino gesehen, war was trinken oder habe sonst irgendwas mit Gleichaltrigen gemacht. Stattdessen bin ich eben viel bei Tante Nancy und Onkel Bob, die mich (und die ich) wirklich ins Herz geschlossen habe, und mit denen ich auch einfach mal auf der Couch sitzen kann um ein Buch zu lesen.
Vergangene Woche gab es auch wieder einmal einen Schneetag (den ich wie ja bereits erwähnt mit Backen verbrachte) was die Woche natürlich erheblich verkürzt. Seit Januar, habe ich festgestellt, hatten wir keine einzige Woche mit 5 Schultagen. Irgendein Feiertag oder schneefrei oder Konferenzen waren immer. Jetzt würde man vielleicht denken, da würden sich alle drüber freuen, aber wenn einem jede Woche ein ganzer Tag fehlt und man irgendwie im Unterricht nicht so vorrankommt wie man das vielleicht in 5 Tagen könnte, kann das auch frustrierend werden. Natürlich freue mich natürlich trotzdem über einen weiteren Schneetag, also bitte!!!
Ach ja, das Wetter... Bis auf ein paar Tage Ende Januar in denen es mal etwas wärmer war, es Regen gab der den Schnee etwas schmolz, haben wir hier seit Wochen eine geschlossene Schneedecke. Andauernd schneit es wieder, keine großen Mengen, aber kontinuierlich und nervend. Schön isses ja und die Straßen sind auch frei, aber langsam stinkts mir echt. Zum Glück ist heute mal die Sonne draußen und es ist nicht mehr ganz so miserabel. Grade kürzlich habe ich einen
Artikel gelesen der Cleveland zur schlimmsten "Winterstadt" kürt. Da wundert es auch nicht, dass Cleveland im Ranking von Forbes der
erbärmlichsten Städte der Staaten Platz 1 einnimmt. Ganz so erbärmlich finde ich es zwar nicht, ich fühl mich hier nach wie vor wohl, aber es gibt sicher schönere Städte in den Staaten.
Eine der liebsten Beschäftigungen an der CCS und in den Staaten allgemein ist ja bekanntlich High-School-Sport, und da die Basketballsaison nächstes Wochenende vor dem Abschluss steht, werden reichlich Vorbereitungen für die kommende Baseball- und Softballsaison getroffen. So richtig ernst werden diese Sportarten hier aber nicht genommen und so kommt es dann auch dass der Softballtrainer Phil mich letzte Woche fragte, ob ich sein Assistent sein will. Erst mal hab ich nur gelacht, aber als ich festgestellt habe dass er es absolut Ernst meinte hab ich natürlich zugesagt. Phil ist der Vater einer Schülerin den ich vom Basketball kennen- und schätzengelernt habe und Softball ist seiner Aussage nach "der langweiligste Sport überhaupt" und genau das macht seinen Reiz für uns als Coaches aus. Wir werden jedenfalls viel Spaß auf der Trainerbank haben. Bis es Anfang März losgeht muss mir dann aber wohl mal jemand die Regeln erklären, denn bisher weiß ich nur dass ein Mädchen den Ball wirft, eines versucht ihn mit einem Schläger zu treffen, ein paar ihn zu fangen und andere von Base zu Base zu laufen. Etwas genauer müsste es dann wohl schon werden um den Mädels etwas beizubringen, aber das wird schon!
Am vergangenen Sonntag war ja bekanntlich Valentinstag, und während der in Deutschland trotz marketingbewussten Floristen zwar wahrgenommen wird, aber nicht wirklich gefeiert, ist das hier in den Staaten schon anders. Man schenkt sich gegenseitig Kleinigkeiten (nicht nur Pärchen, auch in der Familie), und an der Schule gab es freitags eine Feier im Schulgottesdienst mit entsprechender Nächstenliebepredigt und einem "Hugathon". Den ganzen Tag über umarmte jeder jeden und die Schüler durften statt Schuluniform ausnahmsweise pink und rot tragen. Ein paar Tausend Umarmungen wurden wohl über den Tag gesammelt und es war ganz nett, sich so zu grüßen, auch wenn ich mir manche Schüler hätte sparen können. Am Sonntag selbst war es dann mal wieder Zeit von Omi Abschied zu nehmen, die sich nach Florida verabschiedete. Dort bleibt sie bis Mitte April und Opi und ich halten daheim die Stellung. Zum Glück laufen die olympischen Spiele (hier, dank vernünftiger Zeitverschiebung von nur 3 Stunden, auch noch zu einer realistischen Uhrzeit!) die wir zusammen gucken können, sonst laufen bei ihm nur Geschichtsdokus und schwarz-weiß Filme zu denen ich mich dann lieber in meinen Keller verdrücke um meinen Abend anders zu verbringen. So ist er dann aber nicht ganz alleine bis er selbst Anfang März nach Florida fliegt und ich das Haus ganz für mich habe.
Montag war hier natürlich frei, Rosenmontag wird international in Ehren gehalten! Quatsch natürlich, es ist Zufall, dass Rosenmontag dieses Jahr auf den Presidents' Day gefallen ist, der zu Ehren der amerikanischen Präsidenten (wow, wäre keiner drauf gekommen, ne?) gefeiert wird. Ich habe mir selbst einen netten Rosenmontag gemacht, Olympia geguckt, den Cousinen Nachhilfe in Deutsch gegeben und meinen letzten Burger vor der Fastenzeit gegessen. Dienstag hieß hier dann "Fat Tuesday" und hat tatsächlich was mit der Fastnacht zu tun. Am letzten Tag vor der Fastenzeit habe ich Opi und ich dann mit Geschnetzeltem dann noch mal ordentlich bekocht, als Nachtisch gab es Berliner, die hier eine polnische Tradition haben. Am Mittwoch ging es dann also los, sieben Wochen ohne Fleisch und mit bewussteren Süßigkeiten (*hust*). Lange überfällig habe ich das Gefühl, in den letzten Wochen war ich nicht besonders erfolgreich mit einer guten Ernährung. Fleischverzicht auf Zeit mache ich ja nun nicht das erste Jahr (ich glaube das vierte), aber schwerer als es hier werden wird dürfte es daheim noch nie gewesen sein. Zu Hause konnte ich immer noch kontrollieren was im Kühlschrank steht und was auf den Tisch kommt, hier bin ich aber ja an die Familie gebunden. Nun ist Omi nicht da und Opi kein großer Koch, das gibt mir zumindest mal ne größere Freiheit, aber es ist immer noch reichlich Fleisch um mich herum. Grade am Mittwoch wurde ich zum Abendessen bei Tante Nancy eingeladen, es gab Hühnersuppe. Da soll mal einer versuchen auf das Huhn zu verzichten. Für mich gab es also einen spontanen Eiersalat, irgendwie wird es also funktionieren, aber grade bei Essenseinladungen sehe ich Schwierigkeiten auf mich zukommen. Darum geht es ja aber auch. Wenn es einfach wäre würde es nicht Fastenzeit heißen. Oft werde ich gefragt, warum ich das überhaupt mache, Tiere würde das ja auch nicht retten und nur für 7 Wochen die Ernährung umzustellen lohnt sich doch auch kaum. Um beides geht es mir aber gar nicht, weder um Tierrechte, noch um Ernährung an sich. Es geht einzig darum, in unserer von Konsum geprägten Welt in der uns alles immer verfügbar ist, einmal ganz bewusst Verzicht zu üben, um damit auch Raum zu machen alles andere (besonders spirituelle) bewusster als zuvor wahrzunehmen. Ich freue mich jedenfalls auf die kommenden 7 Wochen, die ich in Florida zu Ende bringen werde, wo es laut Omi Fisch im Überfluss gibt. Das ist überhaupt der Ausblick den ich kaum erwarten kann... eine Woche Florida im April, gleich nach Ostern. Da wir mit dem Auto fahren wirds zwar etwas stressig, die einfache Fahrt sind 20 Stunden, aber wir nehmen wohl 2 oder 3 Tage frei von der Schule und fahren schon etwas früher um 10 Tage am Strand verbringen zu können. Bis dahin muss ich mich aber noch etwas gedulden und in der Zwischenzeit darf ich noch Washington DC besuchen. Dorthin begleite ich eine Exkursion der 11.- und 12.-Klässer, insgesamt für 4 Tage mit 45 Schülern und 15 (!!!) erwachsenen Begleitern. Die sind zwar nicht nötig um die braven Kids hier zu bändigen, aber an der CCS geht man lieber auf Nummer sicher, wisst ihr ja schon... Wir haben jedenfalls ein total volles Programm, alles ist auf die viertel Stunde genau geplant und alleine auf dem Papier hab ich mich schon gestresst gefühlt. Dafür sehen wir aber auch viel, die ganzen Präsidenten-Gedenkstätten, das Luftfahrtmuseum, das nationale Kunst- und das Holocaustmuseum, ein historisches Schlachtfeld aus dem Bürgerkrieg, das Kapitol und den Obersten Gerichtshof. Das ganze für mich als Lehrer sogar kostenlos, ich freu mich also drauf all die bekannten Sehenswürdigkeiten auch mal persönlich zu besuchen und amerikanische Hauptstadtluft zu schnuppern. Das ganze ist Anfang März, immerhin schon in 2 Wochen, und ich berichte natürlich in Bild und Text von meinen Erlebnissen wenn es so weit ist. Bis dahin melde ich mich aber sicher noch mal aus meinem amerikanischen Alltag und verbleibe für heute mit ganz lieben Grüßen in die Heimat!