Sonntag, 28. Februar 2010

The Rise of the Carnivore

Es reicht! Wirklich! Nach 8 Wochen Dauerschnee kann ich den weißen Mist echt nicht mehr sehen. Über knietief sinkt man inzwischen ein wenn man sich irgendwo abseits der geräumten Straßen bewegen will, ohne Auto geht wie immer gar nix (war ja aber auch vorher nicht so viel anders). Auch die Amis sind von so viel Schnee überrascht, so lange weiß war es wohl schon seit den Siebzigern nicht mehr. Ein tolles Jahr habe ich mir also ausgesucht um in Ohio zu überwintern. Naja, es gibt aber Schlimmeres. Denn besser als ein Orkantief wie in Deutschland heute ist mir das allemal. Und wer es noch nicht erkannt hat: Das Bild zur Rechten hier, das auf der zeit.de-Startseite zu finden war ist das Wohnhaus in dem ich bis zuletzt in Mainz gewohnt hatte und in dem heute natürlich noch Bara und Daniel wohnen. Passiert ist wohl nix, aber schockiert war ich schon, als ich das gesehen (und realisiert) habe. Daniel wird übrigens ab dem Wintersemester wieder im Ausland sein (wir haben das echt gut getimet mit Israel, USA und Istanbul...) und seine Freundin Tanja wird einziehen, was mich sehr freut. Eine neue fremde Mitbewohnerin muss ja nicht unbedingt sein.
Mein Bericht heute wird ansonsten eher kurz und knackig ausfallen, weil es ja übermorgen nach Washington DC geht und ich morgen nach der Schule noch Chorprobe habe und nicht viel Zeit zum Packen und Richten gab. Ein paar berichtenswerte Dinge möchte ich dennoch nicht auslassen. Zum ersten tut es mir leid für alle Tierliebhaber unter euch die sich freuten dass durch mein Fleisch-Fasten in den 7 Wochen zwischen Fasching und Ostern ein paar Schweine und Hühner gerettet werden können. Letzten Donnerstag gab es das erste mal wieder Bacon zum Frühstück, Steak zum Mittagessen und Huhn am Abend. Nein, mein Fasten habe ich nicht aufgegeben, einfach nur etwas modifiziert... Tante Nancy, ihreszeichens immerhin Professorin für Sport und Ernährung am hiesigen Community College hat angeregt auf Kohlenhydrate statt auf Fleisch zu verzichten. Und da das ernährungsmäßig absolut Sinn macht und es immer noch eine riesige Herausforderung und Verzicht (wenn nicht sogar noch eine größere) ist habe ich mich entschlossen für 7 Wochen keinerlei Kohlenhydrate zu mir zu nehmen. Das (und das musste ich etwas schmerzlich lernen) heißt dann aber natürlich nicht nur Verzicht auf die Klassiker Brot, Nudeln, Gebäck, Kartoffeln und Reis, sondern jegliche Kohlenhydrate, also auch Früchte, Nüsse, natürlich Chips, jegliche Süßigkeiten und viele stärkehaltigen Gemüsesorten. Alles was ich am Tag essen darf sind 20g an Kohlenhydraten, das entspricht ca. 2 Hand voll Salat und eine kleine Schüssel mit leichtem Gemüse. Proteine und Fett dürfen hingegen ohne Beschränkung gegessen werden. Wie das ganze funktioniert werde ich in den kommenden 6 Wochen am eigenen Leib erfahren und euch auf dem Laufenden halten. Ach ja, offiziell heißt das Ganze natürlich Atkins und war mal Trend, ist aber eigentlich auch egal... ;)
Wie schon ausführlich beschrieben ist das Wetter immer noch nicht besser und wieder gab es die Woche fast täglich Schneefall der dann am Donnerstag noch mal richtig heftig wurde und uns Freitag mal wieder einen Schneetag einbrachte. Damit war es dann auch offiziell: 2010 gab es an der CCS noch keine einzige volle Schulwoche, immer war entweder schneefrei, Feiertag oder eine Konferenz dazwischen. Damit kann ich aber auch ganz gut leben. Ein Schneesturm an gerade diesem Freitag hätte aber unpassender kaum sein können, denn das Ende der Basketballsaison mit den Ohio-Staatsmeisterschaften stand an. Erst ein paar Stunden vor Anpfiff stand fest, dass das Turnier überhaupt stattfinden kann, und es war länger unklar ob die Schule die Reise des Teams verantworten könnte. Irgendwie klappte es dann aber doch und so fuhren wir Freitag Mittag in den Südosten Ohios um "unseren" Titel zu verteidigen, denn Coach Markovich hatte die CCS-Mädels auch schon letztes Jahr zum Staatstitel geführt. Das ist natürlich immer relativ zur Liga und in unserem Fall ist das die ACSI, die Association of Christian Schools International, also des (oder eines) weltweiten Dachverbandes christlicher Schulen. Unter den christlichen Schulen in Ohio wird also dieses Turnier ausgetragen und nach einem Sieg im Spiel um den Titel des Regionalmeister wurden wir mit 3 anderen Teams eingeladen um den Staatsmeister unter uns auszumachen. Das Halbfinale am Freitagabend war recht unspektakulär. Zunächst sah die andere Mannschaft wirklich beeindruckend aus, einige große Mädels, die aber wie sich letztlich herausstellte wenig auf die Reihe bekamen bei unserem aggressiven Pressing. So sicherten wir uns den Sieg recht mühelos und ich fuhr mit Onkel Bob 2 Stunden im Schneesturm nach Hause. Am nächsten Morgen ging es dann wieder zurück fürs Finale, das um einoges spannender war. Zur Halbzeit hatten wir bereits eine Führung von 17 Punkten und die gegnerische Mannschaft voll unter Kontrolle, allerdings waren 3 unserer Lady Warriors kurz davor mit 5 Fouls vom Platz gestellt zu werden. Um die also zu schützen wurde Lyndy, die Spielmacherin, auf der Bank gelassen und wir gaben das Spiel im dritten Viertel beinahe aus der Hand und die andere Mannschaft kam auf 4 Punkte an uns heran. Im letzten Viertel bissen die Mädels dann aber noch mal die Zähne zusammen, hielten sich mit Fouls zurück und gewannen so das Spiel mit 13 Punkten Vorsprung, einem ganz schön großen Polster für High-School-Mädchen-Basketball. So wurde also der Titel verteidigt und da keine Spielerin dieses Jahr ihren Abschluss macht und das Team zusammen bleibt, dürften wir nächste Saison wieder die absoluten Favoriten sein. Bilder von der Meisterschaft gibt es im Online-Album hier.
So viel also zum Wochenende, jetzt kümmere ich mich wieder um die Vorbereitungen für die Exkursion nach Washington. Und da es ja schon übermorgen los geht und ich morgen keine Zeit für irgendwas haben werde, werdet ihr wohl alle erst nächste Woche wieder von mir hören. Bis dahin take care everyone! Love, Daniel

Freitag, 19. Februar 2010

Happy Face!

Freude schöner Götterfunken, ich hab meinen Laptop wieder. Eine ganze, sich endlos in die Länge ziehende Woche hat es gedauert bis ich nach meinem Netzteilausfall wieder einsetzbar war, Amazon sei Dank! Ganz isoliert von der (digitalen) Außenwelt war ich dank Omis Laptop und dem wunderbaren WLan-fähigen iPod zwar nicht, aber wer mal versucht hat, flüssiges Deutsch auf einer amerikanischen Tastatur zu schreiben weiß dass man da schnell an seine Grenzen stößt. Heute war die Devise also erst mal ausführlich Nachrichten lesen, längere Mails beantworten und eben Deutschland per gewohntem Blog auf dem Laufenden zu halten. Über zwei Wochen sinds ja jetzt schon her, dass ich zuletzt wirklich berichtet habe und ich habe durchaus Probleme mich an alles was in dieser Zeit passiert ist, zu erinnern. Ein paar Anekdoten habe ich dennoch im Gepäck, die ich nun erzählen kann.
Am Wochenende nach meinem letzten Beitrag, dem ersten im Februar, musste ich Doppelschichten im Backen einlegen. Jede Woche bringt einer der Lehrer für alle Kollegen am Montag ein Frühstück mit, mal Muffins, Brownies, beliebt sind Früchte, aber wir hatten auch schon mal mexikanische Frühstücksburritos oder selbstgemachte Smoothies. Als ich zuletzt im Herbst dran war machte ich meinen gedeckten Apfelkuchen und einen feinen Rotweinkuchen und da diesmal die Faschingszeit vor der Tür stand, wollte ich Faschingskräppel machen. Das erschien mir dann zu aufwendig und ich habe mich für einen selbstgemachten Hefezopf entschieden. Natürlich musste aber alles in entsprechender Menge zubereitet werden und da ich auch noch einen Zopf für daheim haben wollte und mich entschieden hatte, zumindest ein paar Krapfen zu machen endete ich mit einem 6-fachen Rezept, also 3 kg Mehl. Wer noch nie einen Hefeteig gemacht hat weiß nun nicht, wie verdammt viel 3 kg Mehl in einem Hefeteig sind, aber der geht ja dann noch auf und am Ende hatte ich zwei riesige Schüsseln Teig und kräftige Oberarme vom vielen Teigkneten. Ohne das jemals zuvor gemacht zu haben entschied ich mich außerdem, einen der Zöpfe mit Nüssen zu füllen was sich als schwieriger herausstellte als zunächst gedacht. Nach einem Großkampftag in der Küche (hatte ich erwähnt, dass ich vor der ganzen Backerei auch noch einen großen Pott Gerstensuppe gekocht habe?) hatte ich also einen riesigen Nusszopf, zwei normale Hefezöpfe und reichlich "Kischelscher". Die gab es dann montags fürs Kollegium die mir ratzfatz die wahnsinnigen Mengen verputzten (natürlich mit Butter und Schmier!). Es muss scheinbar geschmeckt haben, denn am nächsten Tag gab es zahlreiche Rezeptanfragen und eine Kollegin fragte mich, ob ich für ihre Geburtstagsparty gegen Bezahlung noch mal backen würde. Was macht der Daniel also am Mittwoch? Genau, 3 weitere Hefezöpfe backen, hat nicht mehr ganz so lange gedauert, in der Backstube war ich ja dann schon routiniert, und die $10 die sie pro Zopf geboten hat waren eine gute Motivationshilfe...
An diesem Wochenende ist auch außer Backen nicht viel passiert. Seit Luke wieder an der Uni ist und 4 Stunden weg wohnt, die guatemalische Ex-Austauschschülerin Deborah die bei den Doanes gewohnt hat wieder nach Hause geflogen ist, Erika ganz und gar auf ihren Freund konzentriert ist und die etwas jüngeren Mädels wegen sinkender Schulleistungen selten noch ausgehen dürfen beschränkt sich meine Aktivität da meistens auf Familie und Ruhe. Ich will mich gar nicht beschweren, nach einer Woche an der CCS braucht man auch mal ein Wochenende zum Entspannen, aber ich habe schon ewig keinen Film mehr im Kino gesehen, war was trinken oder habe sonst irgendwas mit Gleichaltrigen gemacht. Stattdessen bin ich eben viel bei Tante Nancy und Onkel Bob, die mich (und die ich) wirklich ins Herz geschlossen habe, und mit denen ich auch einfach mal auf der Couch sitzen kann um ein Buch zu lesen.
Vergangene Woche gab es auch wieder einmal einen Schneetag (den ich wie ja bereits erwähnt mit Backen verbrachte) was die Woche natürlich erheblich verkürzt. Seit Januar, habe ich festgestellt, hatten wir keine einzige Woche mit 5 Schultagen. Irgendein Feiertag oder schneefrei oder Konferenzen waren immer. Jetzt würde man vielleicht denken, da würden sich alle drüber freuen, aber wenn einem jede Woche ein ganzer Tag fehlt und man irgendwie im Unterricht nicht so vorrankommt wie man das vielleicht in 5 Tagen könnte, kann das auch frustrierend werden. Natürlich freue mich natürlich trotzdem über einen weiteren Schneetag, also bitte!!!
Ach ja, das Wetter... Bis auf ein paar Tage Ende Januar in denen es mal etwas wärmer war, es Regen gab der den Schnee etwas schmolz, haben wir hier seit Wochen eine geschlossene Schneedecke. Andauernd schneit es wieder, keine großen Mengen, aber kontinuierlich und nervend. Schön isses ja und die Straßen sind auch frei, aber langsam stinkts mir echt. Zum Glück ist heute mal die Sonne draußen und es ist nicht mehr ganz so miserabel. Grade kürzlich habe ich einen Artikel gelesen der Cleveland zur schlimmsten "Winterstadt" kürt. Da wundert es auch nicht, dass Cleveland im Ranking von Forbes der erbärmlichsten Städte der Staaten Platz 1 einnimmt. Ganz so erbärmlich finde ich es zwar nicht, ich fühl mich hier nach wie vor wohl, aber es gibt sicher schönere Städte in den Staaten.
Eine der liebsten Beschäftigungen an der CCS und in den Staaten allgemein ist ja bekanntlich High-School-Sport, und da die Basketballsaison nächstes Wochenende vor dem Abschluss steht, werden reichlich Vorbereitungen für die kommende Baseball- und Softballsaison getroffen. So richtig ernst werden diese Sportarten hier aber nicht genommen und so kommt es dann auch dass der Softballtrainer Phil mich letzte Woche fragte, ob ich sein Assistent sein will. Erst mal hab ich nur gelacht, aber als ich festgestellt habe dass er es absolut Ernst meinte hab ich natürlich zugesagt. Phil ist der Vater einer Schülerin den ich vom Basketball kennen- und schätzengelernt habe und Softball ist seiner Aussage nach "der langweiligste Sport überhaupt" und genau das macht seinen Reiz für uns als Coaches aus. Wir werden jedenfalls viel Spaß auf der Trainerbank haben. Bis es Anfang März losgeht muss mir dann aber wohl mal jemand die Regeln erklären, denn bisher weiß ich nur dass ein Mädchen den Ball wirft, eines versucht ihn mit einem Schläger zu treffen, ein paar ihn zu fangen und andere von Base zu Base zu laufen. Etwas genauer müsste es dann wohl schon werden um den Mädels etwas beizubringen, aber das wird schon!
Am vergangenen Sonntag war ja bekanntlich Valentinstag, und während der in Deutschland trotz marketingbewussten Floristen zwar wahrgenommen wird, aber nicht wirklich gefeiert, ist das hier in den Staaten schon anders. Man schenkt sich gegenseitig Kleinigkeiten (nicht nur Pärchen, auch in der Familie), und an der Schule gab es freitags eine Feier im Schulgottesdienst mit entsprechender Nächstenliebepredigt und einem "Hugathon". Den ganzen Tag über umarmte jeder jeden und die Schüler durften statt Schuluniform ausnahmsweise pink und rot tragen. Ein paar Tausend Umarmungen wurden wohl über den Tag gesammelt und es war ganz nett, sich so zu grüßen, auch wenn ich mir manche Schüler hätte sparen können. Am Sonntag selbst war es dann mal wieder Zeit von Omi Abschied zu nehmen, die sich nach Florida verabschiedete. Dort bleibt sie bis Mitte April und Opi und ich halten daheim die Stellung. Zum Glück laufen die olympischen Spiele (hier, dank vernünftiger Zeitverschiebung von nur 3 Stunden, auch noch zu einer realistischen Uhrzeit!) die wir zusammen gucken können, sonst laufen bei ihm nur Geschichtsdokus und schwarz-weiß Filme zu denen ich mich dann lieber in meinen Keller verdrücke um meinen Abend anders zu verbringen. So ist er dann aber nicht ganz alleine bis er selbst Anfang März nach Florida fliegt und ich das Haus ganz für mich habe.
Montag war hier natürlich frei, Rosenmontag wird international in Ehren gehalten! Quatsch natürlich, es ist Zufall, dass Rosenmontag dieses Jahr auf den Presidents' Day gefallen ist, der zu Ehren der amerikanischen Präsidenten (wow, wäre keiner drauf gekommen, ne?) gefeiert wird. Ich habe mir selbst einen netten Rosenmontag gemacht, Olympia geguckt, den Cousinen Nachhilfe in Deutsch gegeben und meinen letzten Burger vor der Fastenzeit gegessen. Dienstag hieß hier dann "Fat Tuesday" und hat tatsächlich was mit der Fastnacht zu tun. Am letzten Tag vor der Fastenzeit habe ich Opi und ich dann mit Geschnetzeltem dann noch mal ordentlich bekocht, als Nachtisch gab es Berliner, die hier eine polnische Tradition haben. Am Mittwoch ging es dann also los, sieben Wochen ohne Fleisch und mit bewussteren Süßigkeiten (*hust*). Lange überfällig habe ich das Gefühl, in den letzten Wochen war ich nicht besonders erfolgreich mit einer guten Ernährung. Fleischverzicht auf Zeit mache ich ja nun nicht das erste Jahr (ich glaube das vierte), aber schwerer als es hier werden wird dürfte es daheim noch nie gewesen sein. Zu Hause konnte ich immer noch kontrollieren was im Kühlschrank steht und was auf den Tisch kommt, hier bin ich aber ja an die Familie gebunden. Nun ist Omi nicht da und Opi kein großer Koch, das gibt mir zumindest mal ne größere Freiheit, aber es ist immer noch reichlich Fleisch um mich herum. Grade am Mittwoch wurde ich zum Abendessen bei Tante Nancy eingeladen, es gab Hühnersuppe. Da soll mal einer versuchen auf das Huhn zu verzichten. Für mich gab es also einen spontanen Eiersalat, irgendwie wird es also funktionieren, aber grade bei Essenseinladungen sehe ich Schwierigkeiten auf mich zukommen. Darum geht es ja aber auch. Wenn es einfach wäre würde es nicht Fastenzeit heißen. Oft werde ich gefragt, warum ich das überhaupt mache, Tiere würde das ja auch nicht retten und nur für 7 Wochen die Ernährung umzustellen lohnt sich doch auch kaum. Um beides geht es mir aber gar nicht, weder um Tierrechte, noch um Ernährung an sich. Es geht einzig darum, in unserer von Konsum geprägten Welt in der uns alles immer verfügbar ist, einmal ganz bewusst Verzicht zu üben, um damit auch Raum zu machen alles andere (besonders spirituelle) bewusster als zuvor wahrzunehmen. Ich freue mich jedenfalls auf die kommenden 7 Wochen, die ich in Florida zu Ende bringen werde, wo es laut Omi Fisch im Überfluss gibt. Das ist überhaupt der Ausblick den ich kaum erwarten kann... eine Woche Florida im April, gleich nach Ostern. Da wir mit dem Auto fahren wirds zwar etwas stressig, die einfache Fahrt sind 20 Stunden, aber wir nehmen wohl 2 oder 3 Tage frei von der Schule und fahren schon etwas früher um 10 Tage am Strand verbringen zu können. Bis dahin muss ich mich aber noch etwas gedulden und in der Zwischenzeit darf ich noch Washington DC besuchen. Dorthin begleite ich eine Exkursion der 11.- und 12.-Klässer, insgesamt für 4 Tage mit 45 Schülern und 15 (!!!) erwachsenen Begleitern. Die sind zwar nicht nötig um die braven Kids hier zu bändigen, aber an der CCS geht man lieber auf Nummer sicher, wisst ihr ja schon... Wir haben jedenfalls ein total volles Programm, alles ist auf die viertel Stunde genau geplant und alleine auf dem Papier hab ich mich schon gestresst gefühlt. Dafür sehen wir aber auch viel, die ganzen Präsidenten-Gedenkstätten, das Luftfahrtmuseum, das nationale Kunst- und das Holocaustmuseum, ein historisches Schlachtfeld aus dem Bürgerkrieg, das Kapitol und den Obersten Gerichtshof. Das ganze für mich als Lehrer sogar kostenlos, ich freu mich also drauf all die bekannten Sehenswürdigkeiten auch mal persönlich zu besuchen und amerikanische Hauptstadtluft zu schnuppern. Das ganze ist Anfang März, immerhin schon in 2 Wochen, und ich berichte natürlich in Bild und Text von meinen Erlebnissen wenn es so weit ist. Bis dahin melde ich mich aber sicher noch mal aus meinem amerikanischen Alltag und verbleibe für heute mit ganz lieben Grüßen in die Heimat!

Samstag, 13. Februar 2010

AAAAAAAAAAAhhhhhhh!

Zunaechst mal Entwarnung! Das Bild zur linken ist nicht mein Laptop... Die schlechte Nachricht aber: Nutzen kann ich meinen Laptop aber auch nicht. Das liegt am Netzteil, das im Laufe der Woche seinen Geist aufgegeben hat. Ich surfe nun ab und an mal mit Omis (sehr altem Computer) oder bei Onkel Bob. Richtig gut zu erreichen bin ich aber nicht und an einen richtigen Blog ist gar nicht zu denken. Mein Problem ist nun, dass mein deutscher Toshiba eine andere Watt-Zahl hat als die ueblichen amerikanischen Produkte und es daher hier keine passenden Netzteile gibt. Nach reichlich Frustration, Telefonaten und Internet-Shopping habe ich nun aber endlich ein passendes Produkt gefunden und bestellt. Da die Post sich aber immer ordentlich Zeit laesst koennte es noch eine Weile dauern bis ich hier das naechste mal ausfuehrlich berichte und mich blicken lasse. Per Mail erreichbar bin ich trotzdem, die kann ich recht problemlos abrufen, und vielleicht lasse ich mich sogar mal im Skype blicken. Bitte habt aber Verstaendnis, wenn ich nicht so wie gewohnt verfuegbar bin bis dann endlich mein Ersatzteil da ist. Dann berichte ich auch wieder von meinen amerikanischen Abenteuern, wie ich mich auf der Schlittenbahn schlug, 6 Hefezoepfe backte, neuer Softballtrainer wurde und und und...

Mittwoch, 3. Februar 2010

Take one step left, one step right, one to the front and one to the side

Wieder ist es mehr als eine Woche als ich das letzte mal gebloggt habe, diesmal war ich aber gar nicht so unmotiviert, sondern eher stark beschäftigt mit allem möglichen was mein Schreiben verzögerte. Gestern waren es noch sehr genau 5 Monate bis ich wieder in Deutschland lande, Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht. Das klingt zwar ausgelutscht, aber die fast 6 Monate die ich schon hier bin sind so unglaublich schnell vergangen, und ich erwarte nicht, dass mir das nächste halbe Jahr irgendwie langweilig erscheinen wird.

Zwischen dem letzten Beitrag hier und heute liegen also zwei Wochenenden, und sogar ganz schöne, deswegen beginne ich mal von vorne. Am Wochenende direkt nach dem Beitrag habe ich das Musical Chicago gesehen. Da ich bei Wicked beim letzten mal so wenig Beinfreiheit hatte rief ich vorher an und erkundigte mich nach Sitzen mit mehr Platz und bekam einen Platz genau in der Mitte in der ersten Reihe vor einem Gang, also mit reichlich Raum um die Beine auszustrecken. Und das ganze für nur $35, also umgerechnet 25€. Für eine Broadway-Show (auf Tour) ist das wirklich unheimlich billig. In Zukunft werde ich das also immer so machen und ein paar Shows kommen auch noch in die Stadt so lange ich noch da bin. Das Musical selbst hat mich nicht so begeistert wie Wicked, war aber immer noch klasse gemacht. Ich hatte zuvor nur die Filmfassung gesehen, also war ich etwas überrascht, dass alles sehr sehr spartanisch gehalten war, es wurden keine Requisiten benutzt, keine Bühnenteile, nur Tanz, Gesang und Fantasie. Die Big Band war in der Mitte der Bühne platziert und nahm am Geschehen teil. Die Qualität war großartig, die Darsteller klasse und die Choreografien wirklich toll anzusehen, für mich war es wohl nur nicht so ganz mein Musik-Stil, sehr jazzig, beswingt, die goldenen Zwanziger eben. Hatte trotzdem einen tollen Abend. Die darauf folgende Woche war dann die erste des zweiten Halbjahres, wir Lehrer mussten also unsere Noten zusammenrechnen (oder noch machen, ich hatte noch einen späten Test), in den Computer eintragen und den Eltern bei zwei Elternsprechtagen erklären. Ich merke grade wie ich das schreibe, dass mein Leben hier in den USA weit weniger glamourös und spannend ausfällt als die ersten Wochen und meine ersten Blogeinträge vielleicht vermuten ließen. Was soll ich von dieser Woche noch berichten? Basketball, Deutschunterricht, Bibelgruppe… Nichts wirklich Besonderes… War die Woche außerdem etwas angeschlagen und hatte mir ein sehr ruhiges Wochenende verordnet aber erstens kommt es ja bekanntlich immer anders und zweitens als man denkt. Freitag fand der sogenannte „Winter Formal“ statt. Eine Art Ball für die Schüler für den sich alle aufbrezeln, Dates organisieren und in einem Country Club schick essen und einen schönen Abend haben. Da die Tickets $30 kosteten wollte ich eigentlich nicht gehen. Ich sah den Zweck von mir als Lehrer auf einer Schülerveranstaltung nicht so ganz wenn ich dafür ein Fünftel meines monatlichen Verdienstes hinlegen sollte... Außerdem, wie gesagt, war ich etwas verschnupft. Am morgen zwischen zwei Konferenzen erfuhr ich dann aber dass der Mann von Mrs. Aey, der Englischlehrerin, nicht kommen konnte und er eines von dreien kostenlosen Tickets für Aufsichtspersonen hatte. So kam ich also zu einem gratis Ticket und entschloss mich auch trotz Schnupfen zu gehen, ich konnte ja immer noch zwischen Schule und Party ruhen. Aber nix da! Ihr habt ja sicher schon mitbekommen, dass meine Familie(n) ganz gerne mal feiern und Gäste einlädt. Vor dem Winter Formal trafen sich also die Cousinen mit ihren Dates und Klassenkameraden bei Tante Nancy, und danach trafen sich alle bei Tante Karen! Daniel wie immer mittendrin statt nur dabei, nach der Schule also aufs ausruhen verzichtet und zuerst bei Karen für die After-Party gekocht und danach bei Nancy für die Vor-Party geholfen, daheim umgezogen und schon ging es wieder los. Schon um 5 trafen sich die Familien bei Nancy, im Endeffekt nur um Bilder zu machen. Man stellt also die Kids in den verschiedensten Kombinationen an die Wand und Omas, Eltern, große Geschwister und Austauschlehrer versammeln sich darum und machen zahlreiche Bilder. Meine Ergebnisse sind hier zu begutachten. Der Formal an sich war dann ganz witzig und hat mich an meine Tanzschulbälle erinnert, nur ohne Tanzen… Es gab „gutes“ Essen, die Mädels kamen in Ballkleidern, die Jungs in Anzügen, es gab ein paar Spiele, eine Lehrerparodie und am Ende wurde sogar noch ein ganz klein bisschen getanzt. Natürlich nicht mit Anfassen, das gibt’s bei CCS nicht, sondern nur in einer Reihe und gemeinsam 4 Schritte nach links, 4 nach rechts, 2 mal hüpfen und ein mal drehen. Das war aber schon so gewagt, dass um das abzusegnen allen Eltern ein Brief geschrieben wurde und gefragt wurde ob sie denn Bibelverse gegen das Tanzen anzubringen hätten. So ist das halt hier. Ich hatte jedenfalls am Lehrertisch meinen Spaß, wir hatten nette Unterhaltungen und erfreuten uns an den ein oder anderen modischen Fehltritten der Kids.

Samstag war dann also endlich mal Zeit um ordentlich auszuruhen, oder? Nicht ganz, nach einer Trauerfeier für den Sohn einer Freundin von Omi in der Kirche ging es gleich wieder in die Schule für 6 Stunden Basketball. Ich musste als Scorekeeper einspringen und hatte 3 Spiele in Folge abzudecken. Da weint dann irgendwann die Konzentration, grade weil man in der Nacht zuvor nicht so viel geschlafen hat und etwas kränkelt.

Für Sonntag war ich dann immerhin wieder so weit fit, dass ich singen konnte und das war auch dringend notwendig, denn ein weiteres Konzert mit dem Cleveland Orchestra Chorus stand an. Diesmal nicht mit dem Orchester, sondern nur zu Orgelbegleitung, aber immer noch in Severance Hall. Es gibt vom letzten Stück ein Video, aber momentan nur auf facebook wie ich das sehen kann. Vielleicht kann es ja jemand mit facebook denen ohne hier zeigen wenn es Interesse gibt. Die Orgel war jedenfalls so dröhnend laut dass ich mich in der vorletzten Reihe nicht habe singen hören, aber offensichtlich kann man den ganzen Chor, bestehend aus über 300 Sängerinnen und Sängern für dieses Stück immer noch hören, Gänsehaut inklusive!

Wer jetzt Angst um mich hat, ich hätte vielleicht mit Winter Formal, Basketball und Konzert (mit Probe direkt davor) nicht genug Schlaf und Ruhe bekommen, den kann ich beruhigen. Das habe ich gestern nachgeholt, als ich endlich mal einen freien Abend hatte, nach der Schule nach Hause durfte und den ganzen Abend nur gechillt habe, früh ins Bett bin und ordentlich geschlafen habe. So bin ich also heute wieder recht erholt und gestärkt für die kommende Woche. Viel sollte hier nicht passieren, aber mit all den Verpflichtungen und dem Üblichen ist es ja auch schon genug. 5 Monate also noch, 21 Wochen bis ich wieder daheim bin... Langsam wird es doch Zeit!