Dienstag, 29. September 2009

Forte macht glücklich

Ich versinke in tiefer Scham... Zum ersten mal seit ich hier bin habe ich es nicht geschafft, innerhalb von einer Woche einen neuen Beitrag abzusetzen. Vielleicht ist das aber auch ein gutes Zeichen, dass ich so ausgelastet bin?
Die Letzte Woche stand jedenfalls ganz im Zeichen des Chores, 3 Proben und ein Konzert füllten den Terminkalender ganz gut, viel mehr als die üblichen Volleyball-Spiele und Schule passte da dann nicht mehr rein. Die Proben und das Konzert waren dafür ein besonderes Highlight. Am Mittwoch probten wir das erste mal mit Franz Welser-Möst, dem Musikdirektor des Cleveland Orchestras. Aus Wien stammend versuchte er nun also den Amerikanern einen österreichichen Akzent anzutrainieren. Im Ernst, seine Arbeit am Werk war großartig und als Muttersprachler ist er einfach noch mal besser geeignet einem Text wie dem von Schiller eine gewisse Richtung zu vermitteln. Freitag war dann die erste Probe mit dem Orchester. Mannomann, es war noch besser als ich erwartet hatte. Während die Bläser in Chicago besonders herausstechen, haben in Cleveland die Streicher Weltruf. Das ermutigte Welser-Möst dann, eine besonders rasante Version des vierten Satzes der neunten Sinfonie zu dirigieren. Unglaublich, wie schnell und dennoch perfekt die Streicher dann den Läufen folgten ohne dabei gehetzt zu wirken oder an Ausdruck zu verlieren. Die Konzerthalle selbst, Severance Hall, ist der reinste Augenschmauß und bietet Platz für 2100 Zuschauer.
Das Konzert am Samstag fand dann auch vor eben so vielen statt, die Ticketpreise begannen bei über 100$ und kamen einer Initiative des Orchesters zu Gute, die Musik in Cleveland fördert. Das Konzert selbst verging wie im Flug, so viel ist ja nicht zu singen für den Chor, aber es war ein wirklich tolles Gefühl auf der Bühne zu sitzen, während Welser-Möst Wunder wirkte und die Musiker durch drei zauberhafte Sätze jagte. Als wir dann endlich unsere Freude heraussingen durften war der Chor von 140 Damen und Herren kaum zu halten und in strahlendem forte und bebenden pianissimo ging es durch den vierten Satz. Danach war das Publikum kaum zu halten, sprang von den Sitzen auf und spendete unter tosendem Applaus und Bravo-Rufen minutenlangen Applaus. Man darf also zufrieden sein, auch die Presse äußerte sich lobend. Ich freue mich jetzt also schon tierisch auf Brahms deutsches Requiem, das wird mit diesem Orchester sicher ein besonderes Erlebnis. Und dieses Konzert wird eines der Highlights meiner musikalischen Laufbahn sein.
Am Sonntag war dann (nach der Kirche) mal wieder eine Schulveranstaltung: Burger Bash & Pie Auction. Veranstaltet von den Seniors (also der Abschlussklasse 2010) zur Finanzierung ihres Abschlussballes und solchen Sachen wurden mal wieder Kuchen und Pies versteigert (Opi kaufte gleich 4 (!), Höchstgebot für einen einzelnen Kuchen: 240$), sowie Burger verkauft. Wie immer war ich hinter dem Grill zu finden und half fleißig beim "Burger-flippen" mit. Langsam wiederholen sich die CCS-Events dann aber doch, bei 170 Schülern sind es immer wieder die gleichen Schüler und Eltern die einem begegnen.
In der Schule geht alles seinen Gang, ich komme gut im Textbuch voran, mache nebenher Projekte mit den Kids, schreibe wöchentlich Vokabeltests und habe heute die erste Klassenarbeit geschrieben (Schnitt: 2,4). Ich hab das Gefühl, dass die Schüler mich zugleich mögen aber auch als Autoritätsperson akzeptieren (wobei ich wohl die lautesten Klassen auf dem Flur habe, die anderen Lehrer sind wohl noch mal ne Nummer strenger ;) ).
Das Wetter wird hier langsam recht ungemütlich, es windet stark und regnet immer wieder, die Sonne kommt nicht mehr freiwillig heraus. Dafür war ja aber der Rest des Monats noch richtig schön, also will ich mich mal nicht beschweren. Was steht nun also im Oktober an? Zunächst mal weitere Klassenarbeiten, sowie Unterrichtseinheiten zum Tag der deutschen Einheit und den Bundestagswahlen. Das wird zwar viel Arbeit, aber ich glaube so wichtige Ereignisse gehören zum Unterricht dazu und sind es wert, hier gewürdigt zu werden. In 10 Tagen treffe ich dann Flo aus Mainz an den Niagarafällen, ich habe uns ein nettes Bed & Breakfast gebucht, einen Tag Urlaub bekommen und einen Freizeitpass besorgt. Jetzt ist nur noch auf gutes Wetter zu hoffen und dann wird das sicher ein tolles Wochenende. Danach geht es dann mit dem Orchester und Chor weiter mit Brahms Requiem, sowie dem CCS-Herbstbankett bei dem ich solo singen muss. Auch im Schulgottesdienst hat man mich nun eingespannt, am kommenden Dienstag gestalte ich den zum ersten mal musikalisch. Neben einem deutschen Lied habe ich mich für einen derüblichen Songs hier entschieden, den ich auch schon hinbekommen dürfte. Wer das mal hören will, sollte diesen Link klicken! Auf kurze Sicht geht es heute mit 3 meiner älteren Cousinen in die letzte Woche in Amerika angelaufene Neuauflage von Fame und vorher wohl zum Italiener oder so was zum Abendessen. Freu mich drauf und hoffe weiterhin so viel von euch zu hören wie bisher. Die letzten beiden Wochen waren bei mir zeitlich eher knapp, aber wie immer werde ich jede liebe Mail aus der Heimat ebenso lieb beantworten! Um nun mit den Worten meines lieben Freundes Sebastian zu schließen: "Forte macht eben glücklich!"

Montag, 21. September 2009

Welcome to the boonies!

Oder auch: Willkommen in der Pampa, wie man bei uns eher sagen würde. Da ich grade etwas Zeit habe und die gerade begonnene Woche voll ausgebucht ist, will ich euch heute über das letzte Wochenende berichten und was bei mir jetzt so ansteht.
Am Freitag fuhren Opi und ich mit einer Ladung Feuerholz, diversen Maschinen und was man sonst noch so brauchen könnte nach Süd-Ohio, wo die Familie ein Jagdanwesen unterhält. Das ganze besteht aus 72 Hektar Land, einer großen Scheune mit Traktoren und schweren Maschinen, einem Haupthaus, einer großen Blockhütte und einem weiteren Anwesen in dem ein Pächter lebt, der auf das Gelände aufpasst. Wirklich schön gelegen fährt man 3 Stunden durch endlose Mais- und Sojabohnenfelder, ohne einen einzigen Hügel zu sehen. Erst nach einer Weile wird es dann etwas bergiger und erinnert ein wenig an den Pfälzer Wald. Auf dem Weg haben wir einen Abstecher in ein amisch-deutsches Restaurant gemacht, gegessen und in einer Käserei Käse und Wein besorgt. Die Amish People dort sind wirklich wie man es sich vorstellt: Altmodische Kutschen, die Männer mit langen Bärten, keinen Knöpfen und Strohhüten, die Frauen mit Haube und einfachen Kleidern. Im klimatisierten Auto zu sitzen, Radio zu hören und sich den obersten Hemdknopf aufmachend fühlt man sich dann schon wie in einer anderen Welt. Im Hunting Camp angekommen gab mir Opi erst mal die Tour, die uns dann vor allem zu einem wundervollen Aussichtspunkt führte. Benannt nach Karen, die das Plateau bei einem Spaziergang entdeckte heißt dieser nun "Doane Point" und bietet eine unglaubliche Sicht auf ein fast unberührtes Tal, in dem Weißwedelhirsche durch die Heide springen und einzig die Fabriktürme eines Kraftwerkes in weiter Entfernung das Bild etwas stören (alle Bilder wie immer hier). Leider war die untergehende Sonne so stark, dass die Bilder alle etwas zu viel Licht abbekommen haben, aber ich glaube man kann die Magie des Ortes auch so ganz gut erahnen. Nach einer Inspektion der Lebensmittelvorräte hab ich es endlich geschafft, mein erstes Buch fertig zu lesen (ein Geschenk von Cyril: "Life and Times of the Thunderbolt Kid", unglaublich lustige Kindheitserinnerungen von Bill Bryson) und versuchte so viel Schlaf wie möglich zu bekommen. Dank Stauballergie und unserem straffen Samstags-Zeitplan gab es allerdings nicht so viel davon, und so waren wir morgens schon um 6 wieder auf Tour und haben diverse Anwesen besucht, Opi hat Geschäfte gemacht, einen Tischler gesucht und wir kauften für abends ein. Während Opi dann mittags im Hunting Camp Feuerholz sammelte kochte ich Essen für die 22 weiteren Gäste, die wir am frühen Abend erwarteten. Pünktlich um 17 Uhr gab es dann für alle Salzkartoffeln, Schinken (ein Monstrum), Mais und Champignongemüse. Nach dem Essen fuhren wir zusammen nach Cambridge um in einem Freilichttheater ein Passionsspiel zu sehen. Das ging wirklich lang und war nicht gerade spannend (die Geschichte dürfte ja bekannt sein), aber immerhin ganz okay gemacht. ;)
Zurück im Camp gab es ein riesen Feuer, mehr Essen, ein bißchen Musik und viel Spaß mit der Familie und Freunden. Sonntags dann nach dem gemeinsamen Frühstück noch mal ein Ausflug mit allen zu Doane Point und eine kleine Wanderung / Spaziergang durch das Tal, sowie ein improvisierter Outdoor-Gottesdienst mit musikalischer Untermalung vom CCS-Direktor Rick, dem Mathelehrer Abe und mir. Gottesdienste werden hier ja meist eh von Laien gehalten und so gab es im Endeffekt keinen Unterschied zu einem normalen Sonntagsgottesdienst. Die Nacht verbrachte ich übrigens in der Blockhütte, weil die Schlafzimmer im Haus von den "echten" Erwachsenen belegt waren. Während also die Mädels im ersten Stock der Blockhütte schliefen mussten die Jungs (inklusive teils Schüler von mir, sowie ein paar meiner Cousins) unten bleiben und auf dem Boden oder einer Couch nächtigen. Viel Schlaf gab es also wieder nicht, was meine heutige Müdigkeit erklären dürfte. Jedenfalls hatten wir trotz viel zu tun und wenig Schlaf eine gute Zeit in der Wildnis und nach einer Dusche am Sonntag zu Hause ging es mir auch schon wieder besser.
Diese Woche steht dann am Samstag das erste Konzert mit der Cleveland Symphony an: Beethovens Neunte. So wird dann die Woche drei mal geprobt und meine Abende sind ziemlich verplant und ich jetzt schon in Vorfreude auf einen freien Abend IRGENDWANN... Euch allen wünsch ich eine gute Woche wo auch immer ihr grade seid. Und Happy Birthday, Papa!

Donnerstag, 17. September 2009

Pride and Prejudice

So langsam aber sicher füllt sich mein Terminkalender hier, sowohl was die täglichen Verpflichtungen angeht, als auch die Unternehmungen an den Wochenenden oder ähnliches. So ist montags für den Chor reserviert, mittwochs Abend gehe ich zur Bibelgruppe (dazu später mehr) und donnerstags sind die großen Fußball- und Volleyballspiele der High School. Dazu kommen dann mehr oder weniger regelmäßige Verabredungen mit Tanten, Onkels und Cousinen, und schon ist die Woche vollgepackt ohne Ende.
Letzten Samstag war bei uns Sheffiel Pride Day, eine Mischung aus Kunsthandwerkschau, Stadtfest (aber ohne Alkohol) und Konzert. Für mich ging die Arbeit schon am Tag zuvor los indem ich drei gedeckte Apfelkuchen nach dem Familienrezept gebacken habe. Angeblich soll ich dabei sehr souverän gewirkt haben, aber für mich war das die Apfelkuchen-Premiere (geschmeckt hats jedenfalls zum Glück wie immer). Einer war jedenfalls für den Pie-Wettbewerb einer für die Auktion und einer für die Familie gedacht. Nach dem Backen (nicht zu vergessen 7 Stunden in der Schule) ging es dann zu Onkel Bob um Kohlsalat und das Fleisch zuzubereiten. Unsere Familie sorgte nämlich für das Catering am Pride Day, gesponsert von Opi. So gab es reichlich Arbeit und nach einer kurzen Nacht ging es Samstag früh auf den Parkplatz wo das ganze stattfinden sollte, auspacken, aufwärmen, Hot Dogs grillen, Sandwichs zubereiten usw. Insgesamt habe ich wohl 10 Stunden non-stop gearbeitet, am Grill gestanden und Essen verteilt. Aber Spaß hat’s gemacht und wir haben wohl über 1000 Essen rausgegeben. Nebst Hot Dogs und dem bereits erwähnten Kohlsalat gab es „Pulled Pork“, eine super leckere amerikanische Art Schweinefleisch zuzubereiten. Man nehme ein ca. 15kg schweres Stück Schweinefleisch (hier: Pork Butt, aber ich weiß nicht, ob man bei uns Schweinearsch kaufen kann), würze es mit Salz und gebe es für 4 Stunden bei mittlerer Hitze in den Ofen. Wenn es rauskommt, fällt das Fleisch schon bei kleiner Berührung auseinander und wird so „auseinandergezogen“ zu einzelnen Fasern. Die werden dann mit Apfelsaft und hausgemachter Barbecue-Sauce in großen Bottichen noch mal aufgekocht und dann auf einem Sandwich gegessen. Ist nicht viel Arbeit, braucht nur viel Zeit und schmeckt ganz fantastisch. In Deutschland werde ich das sicher auch mal machen zu irgendeinem Anlass. Um aber nicht zu lange über das Essen zu reden: Wir hatten einen ganz wundervollen Tag mit ganz vielen Mitgliedern des Gerent-Clans und ganz tolles Wetter (eigentlich zu gut, hatte Sonnenbrand). Bilder vom Tag gibt es hier zu sehen, hauptsächlich Bilder von der Familie, auf die hattet ihr ja sowieso gewartet. Als kleine Randnotiz sei angemerkt, dass mein Kuchen beim Wettbewerb keinen Preis gewonnen hat. Dafür hätte ich die doppelte Menge an Zucker verwenden müssen, so habe ich nur den deutschen Geschmack von Opi getroffen der hellauf begeistert von meinen Backkünsten war und den zweiten Kuchen (der dritte war ja eh schon daheim) für 80$ bei der Auktion ersteigert hat.
Am Sonntag dann Ganztagesprobe mit dem Chor, Brahms nimmt langsam Formen an, aber es ist anstrengend zwischen Langeweile (Arbeit an der deutschen Aussprache) und Überforderung (Fugen vom Blatt) die Konzentration für mehr als 2 Stunden aufrecht zu erhalten.
Am Montag war dann mein erster Elternabend, für den ich sehr aufgeregt war (das klingt nach schlechtem Deutsch aber ich kann grad nicht mehr besser, sorry :D ). Dazu gab es dann letztlich aber keinen Grund, die Eltern waren alle sehr nett und hatten von ihren Kids scheinbar nur gutes über mich gehört. Sowieso komme ich mit den Schülern hier super aus, auch die die ich nicht unterrichte. Inzwischen haben sie wohl raus, dass ich auch mal ein Auge bei den ganzen ultrastrengen Schulregeln zudrücke. Dass ich dann auch mal um meine Autorität im Unterricht ein wenig kämpfen muss ist dann wohl eigentlich nicht verwunderlich, aber eigentlich habe ich meine Jungs und Mädels meistens gut im Griff.
Dienstag habe ich mit den Doane-Cousinen Dirty Dancing gekauft und geschaut zu Ehren von Patrick Swayze, der ein Freund der Schwiegermutter von Tante Karen war und diese Woche wie die meisten sicherlich mitbekommen haben im Alter von 57 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben ist.
Interessant wurde es dann noch mal am Mittwoch, wo ich zu einer Bibelgruppe bei meinem Direktor eingeladen war. Ich wusste nicht so recht was mich erwartet, war dann aber letztlich sehr positiv überrascht. Die Mitglieder dieser Gruppe sind extrem unterschiedlich, von prophetisch-charismatisch bis konservativ und eher philosophisch war da alles dabei. Da hab ich mich als liberaler Christ nicht mehr ganz so unverstanden gefühlt. Irgendwie glaube ich, dass mir all die Jahre daheim schon ein solcher christlicher „Output“ gefehlt hat. Nicht, dass ich hier spiritueller oder religiöser geworden wäre, aber ich habe mehr Möglichkeiten es auszuleben und mit meinen Mitmenschen zu teilen. So wurde also gestern 3 Stunden gesungen, gebetet, diskutiert und in der Bibel gelesen, wobei der Bibel-Teil den geringsten Reiz auf mich ausübt. Jedenfalls habe ich eine sehr interessante junge Familie kennen gelernt, ein ehemaliger Lehrer an der CCS (30) und seine 26-jährige Frau mit ihren 2 Kindern. Ganz liebe Leute, die mich für bald zu sich nach Hause eingeladen haben und mit denen ich glaube ich zumindest weitestgehend ähnliche Ansichten teile.
Wie ihr seht, geht es mir also wirklich gut hier, ich reflektiere viel über mich und mein Leben und genieße es, auch neue Leute kennenzulernen. Wer mich erreichen will, kann dies jetzt auch mobil tun, meine Nummer stelle ich aber nicht ins Netz, sondern gebe ich nur privat heraus. Über Skype gibt es sogar die Möglichkeit mich für grade mal 1-2 ct./Minute anzurufen (und Judith hat davon schon reichlich Gebrauch gemacht), ich freu mich immer über Anrufe und jeglichen Kontakt. Am kommenden Wochenende werdet ihr mich auch nur auf dem Handy erreichen, da wir von Freitag bis Sonntag nach Zentral-Ohio fahren, mitten in die Pampa, ins Jagdanwesen der Familie, um die Natur zu genießen, leckeren Käse bei Amish zu kaufen, Kunsthandwerk zu betrachten (*hust*) und ein Freilichttheater zu besuchen. Bilder gibt’s dann natürlich auch wieder und nächste Woche hoffentlich einen ähnlich ausführlichen Bericht der Ereignisse. Bis dahin sende ich ganz liebe Grüße und viele Küsse in die Heimat.

Donnerstag, 10. September 2009

Driving in America

Eigentlich habe ich so viel neues nicht zu berichten, aber da der letzte Beitrag schon am letzten Wochenende war und das nächste Wochenende nicht viel Zeit hergeben wird, nehme ich mir heute Abend etwas Zeit um euch auf dem Laufenden zu halten. Leider habe ich auch keine neuen Bilder zu bieten, aber ihr wisst ja alle wie ich aussehe.
Am Sonntag ging es für einen Teil der Familie aufs Oktoberfest in Berea. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass ich das deutsche Original fürchterlich finden würde, aber die amerikanische Abart dieser bayrischen Volkstümelei ist dann wohl doch noch mal ne Nummer schlimmer. Die Musik war ganz grausam, das Essen amerikanisiert (wer will denn bitte ne Bratwurst im schlappen Burgerbrötchen oder lapprige Kartoffelpfannkuchen, tses), alte Männer in Lederhosen haben Perlenketten geworfen (das ist eine amerikanische Tradition aus New Orleans zum Mardi Gras) und sowieso war das ganze irgendwie ziemlich verzerrt. Trotzdem hatte ich viel Spaß mit der Familie und einem meiner jüngeren Cousins. Wahrscheinlich trugen auch die 4 wunderbaren deutschen Weißbier die mir Onkel Bob ausgegeben hat erheblich zu meiner trotz allem guten Stimmung bei.
Diese Woche dann natürlich wieder Schule ohne besondere Vorkommnisse, wobei am Montag endlich meine sehnlichst erwarteten Unterrichtsmaterialien ankamen und ich die Woche dann viel ausprobiert habe. Mit den Büchern macht es jedenfalls gleich doppelt Spaß zu unterrichten und ich freue mich jetzt auf die kommenden Wochen. Die Fahrerei ist hier auch wirklich besser geworden. Montags, mittwochs und freitags bringt mir meine Cousine ein großes Auto vorbei, in dem ich dann sie und 3 weitere Kinder in die Schule und zurück fahre. So spare ich meiner Tante den Weg und ich bin früher zu Hause. Dazu kommt, dass Autofahren in einem Luxusstraßenkreuzer wie dem Cadillac Escalade auch ohne Gangschaltung ziemlich viel Spaß macht. Wenn ich dann nachmittags mal einen Wagen brauche, nehme ich dann Opis Ford Excursion, der noch mal ne Nummer größer ist (der größte Geländewagen der Welt mit 3 Tonnen Leergewicht und 300 PS Zugkraft) und sich ganz schön scheiße fahren lässt. Inzwischen habe ich mich aber ganz gut an diese Monster gewöhnt und fahre auch beim Wenden keine Bäume mehr um. ;) Das Fahren selbst ist dann meistens sehr gemütlich, weil die Geschwindikeitsbegrenzungen hier nicht vergleichbar mit Deutschland sind. Auf einer 6-spurigen Straße ist da oft grade mal 70 oder 90 erlaubt, auf der Autobahn nie mehr als 105. Alles geht hier also etwas langsamer auf amerikanischen Straßen, aber schneller würde es hier auch ein totales Chaos geben, denn hier schreibt jeder SMS beim Fahren, telefoniert, überholt rechts, und interessiert sich sowieso recht wenig dafür, wer sonst noch so auf der Straße ist. Die Gleichung sicherer weil langsamer geht also nicht wirklich auf.
Für das kommende Wochenende ist hier ein Stadtfest, der "Sheffield Pride Day", geplant. Dabei ist Opi der federführende Organisator, Onkel Bob kocht für 1000 Mann und meine Tanten organisieren einen Backwettbewerb an dem ich mit meinem Lieblingsapfelkuchen teilnehme. Das heißt morgen wird nach der Schule gebacken, gekocht, vorbereitet und dekoriert, und Samstag werde ich wohl nicht aus der Nummer rauskommen ohne zu bedienen, abzuwaschen, zu kochen oder was auch immer. Trotzdem hoffe ich, noch etwas Zeit für Kontakte nach Deutschland herausschlagen zu können und mit ein paar von euch am Wochenende zu sprechen.

Sonntag, 6. September 2009

I Know, It's Only Rock'n'Roll, But I Like It!

Nachdem ich mir ja mit den letzten Einträgen etwas mehr Zeit genommen habe, lasse ich diesmal etwas weniger Zeit vergehen. Immerhin habe ich diverse Dinge erlebt, an denen ich euch teilhaben lassen möchte.
Freitag war der sogenannte "High School Mixer", ein Wettbewerb unter den 4 High-School-Jahrgängen, die sich einem Thema gemäß anzogen, einen Song oder Tanz performten, und in Geschichte, Mathe und Grammatik, Basketball und Dodgeball gegeneinander antraten. Gewinner waren die Juniors (also die 11. Klasse), die sowohl beim Outfit, als auch im Sport die Nase vorne hatten. Bilder davon findet ihr hier (genauso wie ein paar Eindrücke vom Haus und von allen anderen bisherigen Aktivitäten, die es noch nicht in ein Album geschafft hatten. Auch meine Kollegen und die meisten meiner Schüler habe ich abgelichtet). Der Freitag war also eher gemütlich und machte viel Spaß. Vor allem als ich dann im Dodgeball aus Personalmangel bei den Seniors aushelfen durfte, war die Gaudi groß. ;)
Gestern habe ich es dann endlich mal nach Cleveland geschafft. Bisher bin ich ja nur mal durchgefahren. Nun, verpasst hatte ich sooo viel nun nicht. Die Stadt war an einem Samstagnachmittag wie leergefegt, die Geschäfte sind längst geschlossen oder in die riesigen Vorort-Einkaufszentren gezogen. Neben Detroit ist Cleveland wohl eine der betroffensten Städte wenn es um das Sterben von amerikanischen Innenstädten geht. Trotzdem hatte ich einen schönen Tag Downtown, habe viele Bilder gemacht (und natürlich eine Auswahl hochgeladen) und bin dann letztendlich in die Rock'n'Roll Hall of Fame gepilgert, die nicht nur von außen ein Prachstück ist. Direkt am Eriesee gelegen findet man dort auf 6 Stockwerken Exponate aus über 50 Jahren Rock-Geschichte. Vor allem Instrumente, Kleidungsstücke und Original-Texte bestimmen das Bild, dazu kommen einige sehr interessante Filme und Sonderausstellungen (2 Stockwerke zu Bruce Springsteen!). Am meisten Zeit verbrachte ich natürlich bei meinen Helden von Queen, U2 und Led Zeppelin, beeindruckend war aber auch eine Nachbildung der von Pink Floyd verwendeten Wall. Da die Jahresmitgliedschaft sich schon nach 2 Besuchen rechnet, ein T-Shirt und diversen Krimskrams enthielt, bin ich dann auch mal gleich Mitglied der Hall of Fame geworden und werde jetzt (hoffentlich) öfter dort zu finden sein. Leider ist Fotografieren im Museum selbst verboten, so dass ich nur Bilder von außen und von einem einzelnen Motorrad (Bon Jovi) machen konnte. Dennoch, dieses Flair der Musik zu erleben war etwas ganz besonderes und machte tierisch viel Spaß.
Gleich geht es nun auf das Oktoberfest hier. Ich habe ja ein bißchen Angst vor der deutsch-amerikanisch-bayrischen Erfahrung die ich dort wohl machen werde, aber auf ein gutes deutsches Bier freue ich mich doch schon seit einer Weile...

Donnerstag, 3. September 2009

Christa (Fuzzy)

Wie versprochen starte ich hiermit eine lose Serie, in der ich euch meine amerikanischen Familienmitglieder vorstellen möchte. Heute: Christa Doane!
Christa ist mit 16 Jahren das dritte Kind in der Familie von Karen und Scott. Tatsächlich unterrichte ich sie auch in Deutsch III und da wir uns sehr gut verstehen, ist es im Klassenzimmer öfter mal etwas schwierig. So wechselt man dann die Rolle vom "Cousin", mit dem man abends noch The Notebook geschaut hat zum Lehrer, der eine 3 in der ersten HÜ verteilen muss. Aber Christa nimmt mir das nicht übel, denn sie ist immer gut drauf und lacht viel. In der Schule ist sie sportlich sehr aktiv (Im Herbst Volleyball, im Winter Basketball und im Frühjahr Softball) und hat ständig Training oder Spiele. Sie fährt mich auch meistens morgens zur Schule. Für mich immer noch ein Rätsel, wie man mit 16 Jahren und kaum Fahrstunden so gut Auto fahren kann...
Später will Fuzzy (ich habe keine Ahnung woher der Name kommt, bemühe mich aber um Aufklärung!) Kochen studieren. Genau, das ist hier ein Studienfach am College, und daheim übt sie schon fleißig. So hat sie gestern Abend das Essen für die ganze Familie gemacht (Sehr leckeres Hähnchen, Bohnen, Ofenkartoffeln und die obligatorischen Maiskolben). Nur über ihren Musikgeschmack lässt sich ein wenig streiten, mit Country kann ich nun mal gar nichts anfangen!

Same old, same old...


Eine gute und eine schlechte Nachricht. Zunächst die schlechte: Ich habe noch keine zeit zum Sightseeing gehabt oder hab sonst irgendwelche spannenden Bilder gemacht. Daher gibt's heute nur ein kleines Selbstportrait, dass ihr nicht vergesst wie ich aussehe. An dieser Stelle noch mal Danke an Jule für die Hemdwahl. ;)
Die gute Nachricht: Die heutige Nachricht wird wesentlich positiver gestimmt sein als die letzte. Natürlich bin ich hier immer noch ein Fremdkörper im Land von Mais, Homo-Hassern und Bibelfundamentalisten, aber mit der Aufnahme in den Cleveland Orchestra Chorus habe ich hier eine Möglichkeit gefunden, mich zumindest teilweise frei zu entfalten. Die letzte Nachricht war ja noch vor dem Vorsingen, deswegen jetzt also noch mal die Rekapitulation seit Sonntag. Nach der Kirche (diese Woche ganz furchtbar langatmig *gähn*) ging es nach Ost-Cleveland, vorbei am Stadium der Cleveland Browns, und Downtown, was natürlich nicht mit NYC mithalten kann, aber dennoch einen ganz ordentlichen Anblick bietet. Das Vorsingen war für meinen Geschmack ganz fürchterlich, ich hab meinen Mozart preisgegeben, aber die hohen Töne nicht frei genommen. Beim Blattsingen (Haydns Paukenmesse) hab ich dann sowohl ne Terz zu tief angefangen, als auch falsch geendet. Naja, jedenfalls hat dem Dirigenten meine Stimme wohl gut genug gefallen, so dass ich letztlich doch genommen wurde und die ersten 6 Stunden Probe vor mir hatte. Das Singen läuft hier sehr systematisch, Absprachen und Anweisungen werden hier ein Jahr vorher per Mail getätigt und müssen eingetragen und gelernt werden. Für einen Amateurchor ist der COC auch wirklich ganz ausgezeichnet und mir geht einfach das Herz auf, wenn 120 Stimmen gleichzeitig Freude schöner Götterfunken anstimmen!
Das Konzertprogramm sieht jetzt für diese Saison jedenfalls Beethovens 9., Brahms Requiem, Carmina Burana und der Prolog zu Mefistofeles von Boito, sowie ein Weihnachtsprogramm an. Damit habe ich das ganze Jahr was zu tun und werde neben geschätztem Altbekanntem auch neue Dinge lernen.
In der Schule ist nun wirklich der Alltag eingekehrt. Ich habe meine ersten HÜs geschrieben, die ersten Kids auseinandergesetzt und das erste mal Schwellenpädagogik betrieben. Endlich ist auch mein Textbuch bestellt, so dass ich dann ab nächster Woche wirklich systematisch unterrichten kann.
Auch mein Zusatzkurs in Musikgeschichte hat begonnen und zu meiner großen Freude und Überraschung wollen die Jungs dort alle etwas über klassiche Musik (im weiteren Sinne) lernen. Wir beginnen also am Montag mit Palestrina und der Renessaince und ich bin mir sicher, dass ihnen die Messe, die ich zum Hören ausgesucht habe, gut gefallen wird.
Was nun ansteht ist Labor Day Weekend, ein langes Wochenende mit Montag als Feiertag. Für Samstag plane ich einen Trip nach Downtown, ansonsten schau ich mal, was die Familie so auf Lager hat.
Als kleines Schmankerl für euch treue Leser plane ich eine kleine Serie zu starten, in der ich meine Familienmitglieder einen nach dem anderen vorstelle. Ansonsten wenig Neues, aber die Woche war bisher voll mit ganz lieben Gesprächen und Nachrichten von und nach Hause, das tut immer wieder gut.