Dienstag, 27. Oktober 2009

In the land of the pigs, the butcher is king

Da ist sie also, die Schweinegrippe. Ich konnte mein Glück ja kaum fassen, als der Arzt mir gestern die Diagnose überbracht hat. Aber gut, das gibt mir nun wenigstens etwas zu berichten. Lasst uns also zurückspulen zu letzter Woche Montag, als ich den letzten Beitrag verfasst habe und schauen wir uns meine ganze Woche von vorne an. Mir ging es ja schon am Wochenende bei den Konzerten nicht so gut, Kopfschmerzen und Unwohlsein waren an der Tagesordnung, und so zog sich das dann auch die letzte Woche hin. Dienstag war der absolute Höhepunkt, zu Kopfschmerzen, Schüttelfrost, bronchialem Husten und Nebenhöhlenentzündung kam dann auch noch Durchfall. Eigentlich hätte ich da wohl schon zum Arzt gehen sollen, aber ich dachte nicht an was ernsthafteres und wollte die ganze Sache erst mal aussitzen. In der Schule war ich trotzdem, bin aber nach der Mittagspause heim gefahren. Geschickte logistische Absprachen mit Tante Nancy machten es mir möglich, ein Auto zu haben und so war das kein Problem und ich schlief den ganzen Nachmittag. Mittwochs ging es dann schon besser, weit noch nicht gut, aber immerhin. Der pflichtbewusste Daniel geht also in die Schule, unterrichtet im Sitzen weil Stehen zu anstrengend war und zieht den ganzen Tag durch. Irgendwie wusste ich aber, dass ich noch nicht übern Berg war. So gab es dann Donnerstag die Quittung für einen vollen Tag CCS, wieder mehr Symptome und wieder heim nach der Mittagspause. Freitag dann aber noch mal CCS total, ich weiß ja auch nicht, warum ich nicht daheim geblieben bin, aber hier wird es wohl einfach zu sehr geschätzt, dass man sich wie auch immer zur Arbeit quält. Außerdem wusste ich, dass es sowohl für meine Schüler, als auch für meine Vertretung ätzende Deutschstunden gibt, wenn ich nicht da bin. Freistunden für die Kids sind nämlich keine Option, irgendwer unterrichtet immer.
Das Wochenende ging ich dann sehr ruhig an, mit dem Ziel, Sonntag wieder ganz fit zu sein. Also hing ich samstags nur daheim rum, ging zwischendurch mal einkaufen, kochte für die Familie (Frikadellen, Kartoffelpüree und Erbsen mit Karotten) und gönnte mir abends einen Kinofilm mit Christa, ihrer Freundin Emily, und einem Schulfreund. The Invention of Lying bot nette Unterhaltung und einige ziemlich derbe Lacher, aber so richtig vom Hocker hat es keinen gerissen. Sonntag fühlte ich mich dann tatsächlich ziemlich gesundet. Gesund genug, um vor der Kirche einen kurzen Abstecher ins benachbarte Naturschutzgebiet zu machen. Die Herbstfarben sind hier momentan wirklich prächtig. Eigentlich bin ich zwei Wochen zu spät, da gab es noch mehr rot und orange, aber die gelben Laubwälder bieten einen echt spektakulären Anblick momentan. Dort machte ich dann ein paar Bilder um den Blog etwas zu schmücken, sonst gibt das hier ja so ein tristes Bild... Das Wetter spielte auch mit, und nach fast Frost-Temperaturen in der Woche zuvor kletterte das Thermometer letzte Woche noch mal auf bis zu 20° C. Der eigentliche Grund, warum ich sonntags unbedingt fit sein wollte, folgte dann nach dem Gottesdienst. Mit einer Gruppe von Männern und Kids gingen wir Football spielen. Natürlich ohne tackeln (also umhauen), in unserem Fall "two hand touch football", man muss also den Ballträger mit beiden Händen zu fassen bekommen, um ihn zu stoppen. Die ganzen Regeln zu erklären würde jetzt zu weit führen, aber ich hatte viel Spaß beim Spielen und eigentlich keine Probleme.
Als ich Montag dann aufwachte, hatte ich nicht nur einen Muskelkater (Hintern!), sondern fühlte mich auch einigermaßen fit. Aber schon nach der ersten Stunde Schule fühlte ich mich wieder unwohl und die Symptome kamen zurück. Den Tag in der Schule hielt ich dann trotz mehrerer Schüttelfrostanfälle durch, entschloss mich dann aber zu Hause gleich, einen Arzt aufzusuchen.
In den Vereinigten Staaten ist es nun leider nicht ganz so einfach mit den Ärzten. Natürlich bin ich krankenversichert, aber irgendwas muss da schiefgegangen sein, weswegen ich mich erst mal eine Stunde mit der Sekretärin durch Papierkram wühlen musste, ein mal heim fahren musste um meine Sozialversicherungsnummer zu holen (auf dem Ausweis steht, dass man ihn NICHT mit sich führen soll. Dummerweise braucht man aber die Nummer beim Arzt. Vielleicht sollten die Vollidioten auch draufschreiben, dass man die Nummer auswendig lernen muss...) bis ich endlich die Arzthelferin und dann den Arzt zu sehen bekam. Nachdem ich meine Symptome beschrieben hatte und er noch diverses gecheckt hat, diagnostizierte er mich dann mit H1N1, oder eben auch Schweinegrippe genannt. Ich malte mir ja schon aus, dass ich nun ins Krankenhaus komme, auf die Quarantäne-Station, abgeschnitten von der Außenwelt, aber alles halb so wild. Er verschrieb mir zwei Medikamente und verordnete eine Woche Urlaub. Wäre auch viel zu riskant, die Kids weiterhin einem Schweinegrippenpatient auszusetzen und ich habe jetzt schon ein schlechtes Gewissen, dass ich die ganze letzte Woche gearbeitet habe und die Schüler dem Risiko einer Infektion ausgesetzt habe. Es grassiert aber auch einfach, der erste Schweinegrippenfall in der Schule wurde grad gestern morgen bestätigt, viele Kinder sind krank, wahrscheinlich viele mit der Grippe, aber die meisten Fälle verlaufen ja sehr glimpflich und sind dann nach ein paar Tagen Bettruhe schon wieder besser.
Die Medikamente zu bekommen, war dann wieder ein größerer diplomatischer Akt, sie konnten mir wegen meiner Krankenversicherung nicht ausgehändigt werden, also musste ich mit Amity telefonieren, die riefen wiederrum den Vorstand der Krankenversicherung an, der gab die Medikamente frei und ich konnte nach 4 Stunden Warten endlich die Tabletten abholen. Irgendwas scheint wohl bei meiner Aufnahme in deren System schief gelaufen zu sein, aber jetzt sollte alles geregelt sein und ich kann krank werden ohne mir Gedanken über eine horrende Arzt- und Medikamentenrechnung zu machen. Eine Woche Zwangsurlaub also, über den ich eigentlich ganz froh sein könnte. Irgendwie lässt mich das Gefühl aber nicht los, dass die Woche ganz schön hart werden wird. Ist ja nicht so, dass hier ständig Leute vorbei kämen um den Patienten zu besuchen. Natürlich, und wer will es ihnen verübeln, werde ich jetzt gemieden wie ein Leprakranker, und da Omi seit Sonntag in Florida ist und Opi immer arbeitet, bin ich jetzt erst mal alleine hier. Den heutigen Tag verbrachte ich dann mit einem ausgedehnten Herbstspaziergang (frische Luft tut ja bekanntlich gut, und das Wetter war einfach zu gut), Lesen, einem Film, ein paar Telefonaten nach Deutschland (ruft mich an, jetzt hab ich Zeit) und einem 3-Stunden Mittagsschlaf. Morgen will ich dann noch mal mit der Kamera losziehen wenn das Wetter mitspielt und noch ein paar Herbstbilder machen. Hab ja sonst nix zu tun. Vielleicht schaffe ich es auch endlich mal, mit einer von zwei noch ausstehenden Hausarbeiten zu beginnen, die Chancen stehen so 50-50 würde ich sagen. Noch ist die Langeweile jedenfalls nicht groß genug, und die Extended Version der Herr der Ringe-Trilogie hab ich auch schon ewig nicht mehr gesehen...

Montag, 19. Oktober 2009

When the headache is over...

Was eine Woche! Nach ungefähr zwei Ibuprofen pro Tag bin ich endlich fertig mit der Woche und der Welt. Täglich 3 Stunden Probe oder Konzert sind einfach too much für mich momentan mit der Schule und allen Verpflichtungen. Dazu kommen dann jedes mal noch 3 Stunden für Hin- und Rückweg, ständig im Auto, am Umziehen und Singen geht irgendwann ganz schön auf die Nerven. Eines muss man dem Ganzen aber lassen: Schön wars! Obwohl ich Donnerstag und Samstag mit mir selbst nicht ganz zufrieden war, war das Orchester natürlich unglaublich in der Art und Weise, wie es Brahms’ deutsches Requiem spielte. Einfach ein wundervolles Stück Musik, aber die Euphorie, die Beethovens Neunte freisetzte gab es nicht. Dafür ist es einfach das falsche Stück. Samstag war aber wirklich hart. Nachdem wir zu Zachs 13. Geburtstag nachmittags Football spielten war es fast unmöglich, abends die Augen offen zu halten. Während dem Aufwärmen bin ich tatsächlich auch mal kurz eingenickt und das Konzert selbst war ein reiner Kraftakt. Dafür war der Bariton aber ganz ausgezeichnet, die Sopranistin hat geschleppt, der Chor hat donnerstags etwas die Intonation verloren, alles ganz normal also, vielleicht nur in einem etwas größeren Rahmen.

Wollt ihr dann mal raten, wie ich meinen „freien Abend“ am Freitag verbracht habe? Richtig, mit Singen! Um Geldmittel für die Schule aufzutreiben wurde ein Herbstbankett mit großer Auktion veranstaltet. Es gab Ferien in Florida zu ersteigern, Nippes, Football-Tickets, Schaukelstühle, Präsentkörbe und alles Mögliche. So kamen wohl um die 20.000 $ zusammen. Ich wurde dann mal wieder gefragt, zu singen. Immerhin hatte ich eine ausgezeichnete Pianistin an meiner Seite, was meine Aufregung nicht wirklich minderte. Beim Lord’s Prayer war der erste, ruhige Teil ganz furchtbar weil ich so aufgeregt war. Erst als ich dann im zweiten Teil in meine Wohlfühllage (hoch) und –dynamik kam (laut) ging es mir besser beim Singen. Wurde dann auch ordentlich beklatscht und Schulter geklopft, aber den einzigen Brahms-freien Abend der Woche hatte ich mir etwas geruhsamer vorgestellt.

In der Woche des Singens kam dann am Freitag außerdem noch dazu, dass ich die Musik im Schulgottesdienst beisteuerte. Lief ganz ordentlich, die christlichen Songs hier machen tatsächlich Spaß zu singen und sind nicht vergleichbar mit unseren Gesangbuchnummern. Als besonderes Schmankerl hatte ich auch ein deutsches Lied dabei (Komm, Herr, segne uns), für das ich eine Übersetzung gefunden habe, die ich dann mit den Kids zusammen sang. Wer mal in die amerikanischen Songs (eigentlich ist einer australisch, aber das nur am Rande) reinhören möchte, kann hier „The Stand“ und hier „O, Praise Him“ hören.

Jedenfalls war die Woche und das Wochenende zwar ereignisreich und stressig, aber nicht wirklich spannend und zu viel zu berichten... Bilder hab ich auch keine. Würde euch ja gerne wieder welche anbieten können, aber diese Woche gab es einfach keine.

Heute ist also endlich Montag, die Konzerte sind vorbei und ich (noch) nicht krank; die Sonne kam mal wieder raus, ich hab keinen einzigen Abendtermin in Aussicht und hab endlich mal wieder ein bisschen Zeit für mich. Hatte ich erwähnt, dass seit diesem Wochenende zwei meiner Cousins hier 21 sind und damit Alkohol trinken dürfen? Ich glaube, die Woche wird gut...

Dienstag, 13. Oktober 2009

Oh, Canada!

So, da bin ich also wieder. Heil zurückgekommen aus dem Land der Elche und des Ahornsirups. Viel gibt es zu berichten vom Wochenende in Kanada und ausnahmsweise habe ich grade auch mal etwas Zeit um einen bemühten und strukturierten Bericht abzugeben. Warum das so ist, später mehr.
Die Vorbereitungen für das Wochende waren ziemlich ätzend, denn Flo hat kein Internet in Kanada und das machte die Kommunikation etwas schwierig. Zufällig trafen wir uns dann aber doch mal im Chat und konnten unsere Pläne für das Wochenende festigen. Für mich hieß es außerdem auch den Unterricht für Freitag vorzubereiten, den Tante Karen netterweise für mich übernommen hat. Dass das ganze dann nicht ganz so geklappt hat, lag allerdings weniger an meiner mangelnden Vorbereitung als eher an Schülern die unwillig waren sich auf die Vertretung einzulassen. Wie dem auch sei, ich hatte also Freitag frei und konnte mich morgens auf den Weg nach Niagara Falls in Kanada machen. Auf der 4-stündigen Fahrt passierte nun wirklich gar nichts, ich fuhr durch Pennsylvania und New York State, und auch die Einreise nach Kanada war gar kein Problem. Das Langstreckenfahren hier kann wirklich eklig sein, denn schneller als 65 (oder 75 wenn man ein Auge zudrückt) Meilen in der Stunde darf man nirgends fahren. Also tuckert man so mit 110 Sachen (km/h diesmal, wohlgemerkt) durch die Landschaft, es gibt viel zu viele Spuren und alle paar kilometer überholt man im Schneckentempo mal ein anderes Auto, das vielleicht 2 mp/h langsamer fährt als man selbst. Auch LKWs und Wohnwägen fahren exakt das Tempo, so dass das übliche deutsche ständige Überholmanövrieren ausbleibt. Eigentlich eine ganz angenehme Erfahrung dass man einfach auf die linke Spur ziehen kann ohne Angst zu haben von einem BMW mit 200 Sachen aus der Spur gedrängt zu werden, weil man genau weiß, dass das Auto im Rückspiegel noch genau so weit entfernt ist wie 5 Minuten zuvor. Jedenfalls fuhr ich also laut singend (Dream Theater, Les Miserables, AFI und Muse!) durch regnerische Herbstlandschaften, nicht gerade die angenehmste Fahrt, aber okay genug um nicht ins Steuer beißen zu müssen.
In der Ortschaft Niagara Falls in Kanada angekommen stellte ich fest, dass der Busbahnhof wo Flo eine halbe Stunde später ankommen würde nur ein paar Hundert Meter von unserem Bed & Breakfast entfernt war, das sowieso ziemlich klasse gelegen war, nur ein paar Gehminuten von den Fällen und den Stromschnellen entfernt. Das Bed & Breakfast an sich, Blythewood Manor, hat gerade letzten Monat den Besitzer gewechselt und wird momentan renoviert, neu gestrichen und umdekoriert was aber nichts an der Tatsache änderte, dass die Besitzer super gastfreundlich und zuvorkommend waren, das viktorianische Haus ein Augenschmaus, das Frühstück ausgezeichnet und das Bett unheimlich komfortabel. Ich erwartete ja ein älteres Ehepaar, sie mit lila Haaren und er leicht dement, das war irgendwie so das Bild von Bed & Breakfast wie ich es mir vorgestellt habe. Umso überraschter war ich dann als eine junge Dame die Tür aufmachte, schwarze Klamotten, Eyeliner, gefärbte Haare, Piercing. Als er dann dazukam mit langen schwarzen Haaren, Gothic-Hemd und Tätowierungen war der Eindruck perfekt, nut noch abgerundet von einem schwarzen Leichenwagen (Cadillac), den wir später im Hof entdeckten. Unser Zimmer selbst war jetzt nicht besonders groß, hatte aber ein riesiges Bett, in dem man zu viert hätte schlafen können. Kleines pikantes Detail: Die Badewanne / Dusche war nicht wie man vielleicht erwartet hätte im Badezimmer, sondern im Zimmer selbst, gegenüber des Bettes, was erst mal für verdutze Gesichter sorgte. Am nächsten Morgen haben wir uns aber ganz gut organisiert, so dass jeder duschen konnte, ohne sich vom Bett aus beobachtet fühlen zu müssen. Flo kam dann also auch pünktlich an und nach einer kurzen Inspektion des Zimmers ging es trotz Regen zu den Fällen, was soll man auch machen?
Und Mannomann, das ist ne ganz schön große Menge an Wasser, die da runterläuft. Um genau zu sein 164 Millionen Liter pro Minute (!!!), die den Bach heruntergehen. Die ersten Bilder sind leider alle ziemlich grau in grau geworden wegen dem Regen, aber wie immer sind alle Bilder hier ersichtlich. Der Touristenansturm hielt sich dann bei dem Wetter auch ziemlich in Grenzen, was doch ganz nett war. Da wir einen Pass für 4 Attraktionen hatten, entschlossen wir uns, das 4-D-Kino schon am ersten Tag zu besuchen, da konnte man dann wenigstens im Trockenen drinnen sein. Dumm nur, dass "Niagara's Fury" nicht nur aus einem netten Animationsfilm bestand, sondern auch aus Schnee, Regen und Gewitter, das einem ins Gesicht gesprüht wurde. Also vom Regen in die Traufe... Auf dem Rückweg zum B&B besuchten wir dann Clifton Hill, die Touristenstraße im Ort. Ein überbeleuchtetes Gruselkabinett reiht sich an die nächste Spielhalle, Kuriositätenhäuser, Burgerketten, alles was man will. Und genau dort wo wir es dann nicht unbedingt erwarteten fanden wir nach einem kurzen Abstecher im B&B um Schirme zu holen und etwas zu trocknen eine wunderbare Pizzeria mit italienischer Steinofenpizza, keine Selbstverständlichkeit in den Staaten, wo Pizza einfach nur lapprig, fett und meist recht geschmacklos serviert wird. Nach Anbruch der Dunkelheit sind die Fälle immer beleuchtet, was zwar kitschig, aber auch praktisch ist, sonst würde man sie ja nicht sehen. Zu Ehren unseres Besuches gab es dann noch ein Feuerwerk, dass aber nicht wie von uns erwartet über den Fällen, sondern eher über unseren Köpfen stattfand. Mit den Fällen im Hintergrund gab das aber auch nette Bilder und Eindrücke.
Den nächsten Tag begannen wir dann (nach dem wunderbaren Frühstück mit Fruchtjogurth, French Toast, Waffel mit frischen Erdbeeren und Tee) mit einem Spaziergang am Niagara River entlang zu den Stromschnellen, die ca. 5 km von den Fällen beginnen. Die Macht dieses Wassers ist kaum vorstellbar und auf Kamera sowieso nicht festzuhalten, aber wir kamen am Ufer schon ganz schön nahe heran und im schmalen Flusstal schlugen die Wellen ordentlich hoch. Ein paar Kilometer weiter flussaufwärts macht der Fluss dann einen starken Rechtsknick und hat sich dabei im Laufe der Jahrtausende ein Becken geschaffen, in dem der Strom die Richtung wechselt, was einen großen Strudel kreiert. Das Ganze nennt sich dann Whirlpool und kann mit einer Seilbahn überfahren werden, was wir uns aber sparten. Der Weg zurück zu den Fällen führte uns dann entlang der River Road mit den wundervollen Herbstfarben der Laubbäume die es überall gibt. Hatte ich eigentlich erwähnt, dass das Wetter Samstag traumhaft schön war? ach Freitag war wohl auch wirklich nirgendwo im Himmel mehr Regen übrig, so dass die Sonne uns wirklich verwöhnte. Kalt war es trotzdem, aber alleine die Farbenpracht im Sonnenschein zu sehen war unglaublich. Die Fälle waren dann auch wesentlich schöner anzusehen als am Tag zuvor und so verbrachten wir viel Zeit damit, an den Fällen zu spazieren, gefrorenen Joghurt mit frischen Früchten zu essen und uns über den Modegeschmack der anderen Touristen lustig zu machen. Highlights waren außerdem noch die "Maid of the Mist", eine Bootstour die nahe an die Fälle heranführt und nur mit kleidsamen blauen Regencapes zu absolvieren ist, und die "Journey Behind the Falls", die einen nicht nur hinter die Fälle (ziemlich langweilig), sondern auch direkt neben die Fälle (spannend, beeindruckend!) führt (in gelben Ponchos diesmal). Die Touristendichte war dem Wetter entsprechend natürlich viel viel höher als am Tag zuvor, was aber durch die wunderbaren Regenbögen wettgemacht wurde, die dden ganzen Tag über den Fällen zu sehen waren.
Eine kurze Lektion in Sachen Niagarafälle. Die Wasserfälle verbinden Lake Erie (wo ich wohne) und Lake Ontario und bilden dabei die natürliche Grenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten. Genau genommen handelt es sich bei den Fällen um 3 Wasserfälle. Die American Falls zu linken, eine breite Wasserwand, die man frontal von der kanadischen Seite beobachten kann, die "Bridal Vail Falls" (Brautschleierwassefall), rechts davon, der eher klein ist, sowie die riesegen "Horseshoe Falls" (Pferdehuffälle), über die 90% des Wassers fließen und in einem riesigen Halbkreis runterfließen. Wer mehr wissen will, der belese sich dann bitte selbst, dafür gibt es ja Wikipedia.
Abends gingen wir dann jedenfalls noch mal Essen (internationales Buffet, vergleichsweise günstig und viel, aber irgendwie auch ein bissel eklig alles), spielten Minigolf bei Schwarzlicht und genossen ein letztes Mal die Fälle bei Nacht. Am nächsten morgen fuhr Flo dann wieder zu seiner Großtante nach Kitchener und ich zurück nach Cleveland, nicht ohne noch mal einen letzten Blick auf die Fälle zu erhaschen. Mit dem tollen Wetter am Samstag war das Wochenende wirklich wunderschön, aber natürlich nicht nur wegen den Fällen, sondern weil ich auch das erste mal hier einen meiner lieben Freunde aus der Heimat getroffen habe (für alle Nicht-Incies: Flo hat König Ludwig bei den Musketieren gespielt). Die Fälle an sich waren natürlich unbeschreiblich beeindruckend, und sind wohl eines der größten Naturspektakel, das man auf der Welt sehen kann.
Die Heimfahrt war dann mit dem neu entdeckten Tempomat, nettem Wetter und den farbigen Laubbäumen rechts und links von der Straße noch mal angenehmer als die Hinfahrt. Als ich dann zu Hause war, hatte ich vom Wochenende scheinbar noch nicht genug und so fuhr ich 15 Minuten nach meiner Ankunft gemeinsam mit ein paar meiner Cousinen und Freunden, die übers Wochenende aus New York State zu Besuch waren nach Cedar Point, einem der größten Vergüngungsparks der Welt, mit der weltweit zweithöchsten und zweitschnellsten Achterbahn der Welt. Nun gab es aber zwei Probleme: Erstens, ich war nach der Fahrt und dem Wochenende ziemlich müde und nicht so wirklich begeistert von den Achterbahnen und Zweitens, diese modernen, schnellen Achterbahnen sind nicht wirklich für Menschen meiner Größe (*hust*) ausgelegt, so dass ich auch wenn ich gewollt hätte, nur die wenigsten hätte fahren können. Außerdem war es scheißkalt, so dass ich mir doch irgendwann wünschte daheim geblieben zu sein. Kleines Trostpflaster war das Halloween-Special mit vielen Grusel-Attraktionen, sowie das Riesenrad und ein leckerer Latte, den ich gegen die Kälte trank. Nachts dann endlich daheim freute ich mich wirklich auf mein Bett und den freien Montag. Gestern war hier nämlich Columbus Day, kein offizieller staatlicher Feiertag, aber unsere Schule war zu und ich konnte ausschlafen, Bilder sortieren, Mails schreiben und alles nachholen was übers Wochenende liegen geblieben war.
Abends war dann außerdem der Auftakt zu einer sehr musikalischen Woche. Mit dem Cleveland Orchestra singen wir diese Woche drei mal Brahms deutsches Requiem und proben drei mal dafür. Den einzigen freien Abend verbringe ich dann am Freitag beim Herbstbankett von CCS, wo ich solo singen werde. Wie immer ist alles improvisiert, ich hab noch keine Ahnung wer mich begleitet und ob ich das Stück hinbekomme. Aber auch das wird wie immer klappen und ich mache drei Kreuze wenn die Woche rum ist, obwohl ich mich tierisch auf die Konzerte freue. Und um nun den Bogen zum Anfang dieses Eintrags zu schließen: Heute Abend findet eine öffentliche Probe statt, zu der ich ein paar Schüler mitnehme. Daher sitze ich nun also in der Schule weil es sich nicht wirklich lohnt heimzufahren und dann wieder zurück um die Kids abzuholen. Aber immerhin bescherte euch das den längsten Blogeintrag bis dato (vermute ich mal, ich zähle aber keine Wörter!).
Wie immer freue ich mich auch diese Woche über Post und Nachrichten aus der Heimat, auch wenns mal länger dauern könnte mit meiner Antwort.

Montag, 5. Oktober 2009

One of these days

Diese Woche bin immerhin nicht ganz so spät, dafür muss ich mich aber kurz halten. Der Grund: Irgendwie läuft mir in der Schule immer die Zeit davon. Ich hab eine weitere Stunde Study Hall dazubekommen, das heißt Freistundenaufsicht, wo zwar theoretisch nicht viel für mich zu tun ist, aber so richtig Zeit für mich hab ich auch nicht.
Nach der inzwischen obligatorischen Bibelgruppe am Mittwoch, dem Volleyballspiel am Donnerstag lud meine Cousine Lydia am Freitag zur Herbstparty zu sich nach Hause ein. Dummerweise hatte sie selbst noch ein Spiel davor, also blieb das Kochen und Vorbereiten an ihren Eltern und mir hängen. Nach der Schule ging es also zu den Markoviches, Kochen (Chili), Schnippeln (Äpfel für Karameläpfel), dekorieren und vorbereiten. Als dann um 8 die Kids kamen, waren wir zwar noch nicht mit allem fertig, aber soowieso war alles eher spontan und unorganisiert. ;)
So hing ich dann also den ganzen Abend lang mit über 30 CCS-High-School-Schüler im Garten rum, spielte ihre Spiele und sorgte für die Verpflegung. Seltsam: Von den über 16-jährigen Kids war natürlich keiner betrunken, wie auch bei den Gesetzen hier. Das hätte es bei uns nicht gegeben... Bilder von der Party habe ich hier hochgeladen.
Samstag wurde dann weitergekocht, den vormittag verbrachten wir allerdings mit einkaufen und mehr Volleyball. Nachmittags bereitete ich dann Apfelkuchen vor und machte hausgemachte Spätzle für die halbe Familie (kann ja nicht immer jeder da sein). Ohne mich selbst loben zu wollen: Ich habe Opi am Tisch noch nie so begeistert gesehen, und der Zuspruch der Familie war mir dann die viele Arbeit auch wert.
Sonntag war ich dann schon wieder bei den Markoviches in der Küche zum Arbeiten. Nach der Kirche luden die nämlich die U30-Gemeindemitglieder zu sich zum Essen ein, danach wurde Football geschaut. Dummerweise sind die Cleveland Browns das momentan unerfolgreichste Team der NFL (10 Niederlagen in Folge), so dass man schon mit einer nicht ganz so schlimmen Blamage recht zufrieden sein musste. Als Football-Fan muss man hier schon ganz schön leidensfähig sein... Jedenfalls gab es wieder Chili, ich stand wieder in der Küche, und danach gings zum Brahms-Proben nach Cleveland, wo ich auch heute Abend wieder sein werde.
Kurzer Ausblick auf nächste Woche: Am Freitag fahre ich übers Wochenende nach Kanada um Flo zu treffen und die Niagara-Fälle zu sehen. Wenn ich sonntags rechtzeitig zurück bin, geht es dann mit den Cousins und Cousinen nach Cedar Point, einem der größten Vergüngungsparks der Welt. Montag ist Feiertag, aber die ganze Woche steht im Zeichen von Brahms, insgesamt stehen 4 Proben und 3 Konzerte in 7 Tagen an. Das wird sicher ganz schön anstrengend. Bis dahin lasse ich aber noch mal von mir hören.
An dieser Stelle eine kleine Randnotiz. Ich weiß ja nicht, obs nur an mir liegt, aber in letzter Zeit scheint es wesentlich schwieriger zu werden Kontakt nach Hause zu halten. Natürlich ist es anstrengend, sich regelmäßig Zeit für Kontakt zu nehmen, ich freu mich aber jedenfalls über jede Nachricht aus der Heimat! :)