Dienstag, 27. April 2010

Dear Diary...

Liebes Tagebuch!
Heute schreibe ich meinen 50. Beitrag in dein geduldiges Eingabefeld. Diesmal habe ich mir viel Zeit gelassen aber erstens hatte ich wenig Zeit, zweitens ist nicht so viel spannendes passiert und drittens habe ich den Eindruck, dass dich außer mir sowieso kaum noch einer liest. Das könnte vielleicht daran liegen, dass meine Berichte in letzter Zeit etwas ausufernd waren. Dabei schreibe ich doch so gerne, auch noch nach 50 Beiträgen. Hier ist also mein Erlebnisbericht der letzten zwei Wochen...

Die erste Woche nach Florida war erst mal ganz schön stressig. Neben dem üblichen Deutsch-Unterricht den es vorzubereiten galt hat außerdem auch wieder mein Musikgeschichtskurs begonnen, den ich zwei mal in der Woche unterrichte. Dazu hatte ich immer noch etwas mit dem Schlafmangel unserer langen Fahrt zu kämpfen und saß gleich in Woche 1 nach Florida drei mal auf der Softball-Trainerbank. Alle Spiele gingen verloren, aber Spaß macht das Coachen und der Sport trotzdem. Während wir in Florida waren hat in direkter Nachbarschaft von Tante Nancy ein neues familienorientiertes Fitnessstudio aufgemacht. Ganz dreist fragten wir dann ob ich über die Familienmitgliedschaft auch rein kann und siehe da, wir mussten nur vorgeben dass ich bei den Markoviches wohne und schon hatte ich meine kostenlose Mitglieder-Karte in der Tasche und kann jetzt wann immer ich will trainieren und im Schwimmbad schwimmen gehen. Das nutzte ich auch mehrfach aus, ich habe richtig Gefallen daran gefunden. Abwechselnd Kardio mit Rad, Laufen und Schwimmen sowie Gewichte heben tat mir jetzt richtig gut. Schuld daran ist wahrscheinlich zum Teil auch das frühlingshafte Wetter. Inzwischen ist es wieder etwas abgekühlt, aber zumindest schneit es nicht mehr. Man ist ja in Cleveland schon mit wenig zufrieden...
Neben Softball, Fitness und Schule passierte also nicht viel bei mir, eigentlich beide Wochen die ich hier abzudecken gedenke. Bis letzte Woche Freitag jedenfalls. Relativ spontan fragte mich Onkel Bob ob ich Lust hätte auf einen Wochenendtrip nach Chicago. Dort spielte Cousin Luke auf einem Rugby-Turnier und neben den Spielen planten wir auch etwas Zeit zum Sightseeing ein. Da ich fürs Wochenende noch keine Pläne, Luke seit Januar nicht mehr gesehen und Lust auf den Städtetrip hatte musste ich natürlich nicht zwei mal überlegen.
Los ging es am Samstag Morgen um halb 5, wir wollten ja noch etwas vom Tag haben, und nach 5 1/2 Stunden Fahrt waren wir schließlich da. Zuerst ging es zum Soldier Field, dem imposanten Footballstadion der Chicago Bears, das von außen eher klassisch aussieht, aber einen hochmodernen Kern hat. Dort hielten wir aber nur kurz und parkten dann das Auto am Navy Pier, einem Touristenmagneten von dem man (bei gutem Wetter) eine tolle Aussicht auf die Skyline hat. Leider war es ziemlich neblig und so konnte man weder besonders weit, noch die Spitzen der Wolkenkratzer sehen. Schade eigentlich, denn der Willis Tower ist das höchste Gebäude der westlichen Hemisphere, das wäre sicher nett gewesen. Naja, auch so hatte die Stadt ein besonderes Flair und wir spazierten eine Weile durch die Gegend. Chicago ist New York sehr ähnlich, nur nicht ganz so eng bebaut wie Manhattan. Wolkenkratzer so weit das Auge reicht, aber dazwischen breite Straßen alles noch größer in New York, weil ja doch mehr Platz ist. Nach dem Wochenende verstehe ich auch, warum die Amis New York als "europäische" Stadt bezeichnen. Chicago im Mittleren Westen wirkt einfach noch mal ne Runde amerikanischer! Um davon einen Eindruck zu bekommen gibt es meine Bilder hier.
Trotz meiner immer noch kohlenhydratfreien Ernährung gab es zum Mittagessen Chicago Style Pizza, eine Spezialität die man einfach nicht auslassen kann. Und so richtig Pizza war es nicht, eher Pizzakuchen in einer Springform mit hohem Rand und massiver Käse-Füllung. Sehr lecker jedenfalls, aber leider auch sehr füllend! Mehr als zwei Stücke waren da nicht drin. Das war dann auch schon unser Trip nach Downtown und nach dem Mittagessen ging es in einen der Vororte um Luke spielen zu sehen. Eigentlich spielt er für die Miami University (die in Ohio liegt, nicht Florida!), wurde aber für das Ohio-Auswahlteam ausgesucht. Ganz verstanden habe ich das Spiel immer noch nicht, aber ich hatte Spaß Bilder zu schießen und auch das Rugby selbst war recht unterhaltsam. Im ersten Spiel schickten wir Iowa mit 45 zu 12 vom Platz, so war dann auch die Stimmung ganz gut. Nach dem Spiel checkten wir in unser Hotel ein und abends waren wir dann bei einem Geschäftskollegen von Bob zum Essen eingeladen. Bei der sehr netten Familie verbrachten wir den ganzen Abend und Bob versackte irgendwann mit Scotch und Billiard im Keller mit dem Herren des Hauses, ich mit Limonade und Scrabble mit der sehr gut aussehenden Frau (Name: Bunny...). Langer Abend also nach kurzer Nacht, aber zum Glück konnten wir am Sonntag ausschlafen. Nach dem Frühstück noch ein Rugby-Spiel (Sieg gegen Minnesota und damit Gewinn der Meisterschaft im Mittleren Westen) und dann war es auch schon wieder Zeit Abschied zu nehmen, wir hatten ja noch eine Weile zu fahren. Luke ist zum Glück Mitte Mai wieder hier in Sheffield, dann habe ich auch wieder einen gleichaltrigen zum Abhängen. Vorher spielt er aber nächstes Wochenende noch in Kalifornien um die amerikanische Meisterschaft in der zweiten Liga im College-Rugby. Eine ziemlich große Sache in den Staaten, wo College-Sport teilweise wichtiger ist als die Profi-Abteilung. Wenn alles gut geht hat er vielleicht sogar Chancen auf das amerikanische Nationalteam. Bis dahin ist es dann aber noch ein langer Weg.
Nach zwei Rugby-reichen Tagen in Chicago ging es dann aber am Sonntagnachmittag auch schon wieder zurück, auf dem Weg machten wir aber einen Zwischenstopp an der University of Notre Dame in Indiana. Notre Dame ist eine katholische Privat-Uni, eine der renommiertesten des mittleren Westens an der 10,000 Studenten eingeschrieben sind. Der Campus ist wirklich unglaublich und erinnert an eine viktorianische Schlossanlage. Kein Vergleich zu Mainz, es war fast schon frustrierend... Auf dem Campus befinden sich nicht nur die Uni-Gebäude, sondern auch die Sportanlagen der Uni-Teams. Neben Fußballstadion, Baseballanlage und allem was das Herz begehrt gibt es auch ein großes Footballstadion, das über 80,000 Zuschauer fasst und immer ausverkauft ist(!!!). Für deutsche Verhältnisse einfach unvorstellbar! Leider war der Akku meiner Kamera inzwischen leer, so dass ich keine Bilder von Notre Dame vorzuzeigen habe. Über den Link oben könnt ihr aber Bilder auf Wikipedia sehen.

Nach dem Trip-Wochenende sitze ich nun also wieder in der Schule, Softball und das übliche inbegriffen. Am Donnerstag geht es allerdings für eine Nacht mit der ganzen High School (9. bis 12. Klasse) auf "Klassenfahrt" in Opis Hunting Camp. 70 Kids und Lehrer also in zwei nicht allzu großen Häusern. Das dürfte interessant werden und ich hoffe einfach nur, dass es nicht regnet und wir viel draußen sein können.

Sonst gibt es nicht viel zu berichten. Nachdem Opi letzte Woche mal ein bißchen grantiger war als sonst und mir das Autofahren untersagte weil er Angst um seine Versicherung hat, ging es mir eine Zeit lang nicht so gut, ich mag es einfach nicht eingeschränkt zu sein und mich ständig nach anderen richten zu müssen. Inzwischen bin ich aber zumindest für Kurzstrecken wieder mobil und mir geht es auch so wieder besser. Ein kleiner Durchhänger ist wohl ganz normal ab und an. Jetzt sind es aber auch schon weniger als 10 Wochen, die Zeit rast und das Schuljahr hat grad mal noch 6 1/2 Wochen. Ach ja: Seit letzter Woche haben wir hier die Bewerbungen für meine Nachfolge vorliegen. Und ganz CCS-typisch bin ich jetzt für die Auswahl verantwortlich. Immerhin bin ich ja Fachleiter Deutsch...

Ein letztes Anliegen habe ich noch: Meine Freunde aus Mainz arbeiten seit letztem Jahr daran, ein neues Musical auf die Bühne zu stellen. In weniger als 4 Wochen ist Premiere, die Musical Inc. spielt 2010 Rent! Der Kartenvorverkauf hat schon begonnen und die Premieren sind wohl fast ausverkauft. Ich kann allen meinen Nicht-Musical-Freunden nur schwerstens ans Herz legen das Stück zu besuchen, viele werdet ihr von Bildern kennen und ich bin sicher die Produktion ist auch dieses Jahr wieder toll. Auftrittstermine, Details und Infos zum Kartenverkauf gibt es hier.

Sonntag, 11. April 2010

O wie schön war Florida!

Normalerweise lege ich ja Wert auf meine amerikanischen Blog-Überschriften, aber diesmal soll es die feine deutsche Anlehnung sein die das Ende meiner Florida-Reise ausdrückt. Tatsächlich sitze ich grade im Auto, gerade vor einer Stunde sind wir losgefahren, haben noch einen weiten Weg vor uns und ich habe den Laptop ausgepackt und schreibe nun meinen Bericht. Natürlich werde ich ihn nicht gleich hochladen können, denn so ist der Van nun auch nicht ausgestattet, aber in Word vorschreiben geht ja und wenn ich dann daheim bin stelle ich den Blog ein und ihr wisst dass ich gut angekommen bin. Fast eine Woche ist also vergangen seit meinem letzten Florida-Beitrag, und Tag für Tag werde ich nun berichten was ich in der Zwischenzeit erlebt habe. Die Bilder zum Trip gibt es außerdem wie immer hier zu entdecken.

Ostermontag war hier nicht wirklich Ostermontag. Ich habe verpasst nachzuschlagen, warum das überhaupt in Deutschland auch noch ein Feiertag ist, aber hier ist Ostern tatsächlich nur am Sonntag und dann einfach vorbei. Arbeiten mussten wir natürlich trotzdem nicht, waren ja Ferien… Am Nachmittag traf sich eine Gruppe (inklusive mir) mit einem Geschäftsfreund von Opi zum Boccia spielen (Boule wie die Franzosen sagen, oder Bocchi-Ball hier (sprich: Baaatschi-Bohl). Dazu fuhren wir ins benachbarte Bonita Springs, in eine der reichsten Gegenden im Südwesten Floridas, und dort in eine der Gated Communities, also eine mit Sicherheitskräften gesicherten Villengegend. Dementsprechend sahen die Häuser dann auch aus, leider hatte ich aber keine Kamera dabei um Bilder zu machen. Da ich mit Omi in ein Boccia-Team gelost wurde verloren wir ganz bitterlich, aber das war auch egal, wir hatten unseren Spaß und einen schönen Nachmittag. Ansonsten verbrachte ich den Tag wie immer am Strand, im Pool und im Liegestuhl bei feinen 28° C. Eigentlich unglaublich, wie das Wetter für 10 Tage jeden Tag exakt gleich war, aber das ist wohl einfach Florida. Besser hätten wir es ja wirklich nicht treffen können. Gestern kündigten sich für ein Viertel Stündchen mal ein paar Wolken an, aber das war es auch schon. Für nächste Woche sind dann aber Gewitter angekündigt, die haben wir also erfolgreich vermieden.

Am Dienstag war es dann endlich Zeit für unseren ersten größeren Ausflug. Onkel Bob, der am Samstag mit dem Flieger aus Cleveland gekommen war, nahm mich und die jüngsten 6 Kids in den Corkscrew Swamp, ein als Naturschutzgebiet ausgewiesener Sumpf, wo wir Alligatoren sehen und spazieren wollten. Durch viel Regen im Winter war der Sumpf aber ziemlich voll mit Wasser und wir bekamen außer einem Baby keine Alligatoren vor die Linse. Für mich war der Trip dennoch keine Enttäuschung. Im Gegenteil, die Natur war einfach unglaublich schön, man konnte auf Holzwegen den ganzen Sumpf durchwandern und fühlte sich wirklich wie am Ende der Welt. Der Swamp ist eines der wenigen Gebiete in Florida, die nie wirklich erschlossen wurden, weil er so schwer zugänglich ist. Unglaublich alte Bäume also und unberührte Natur, das ließ mein Herz höher schlagen. Die Kids waren natürlich etwas enttäuscht, dass sie keine Tiere zu Gesicht bekamen, vor allem weil im Vorjahr wohl viele Alligatoren zu sehen waren, aber das konnte man dann einfach nicht ändern. Da wir schon am frühen Nachmittag zurück in Fort Myers Beach waren, entschloss ich mich, noch einen zweiten Ausflug zu machen. Fort Myers Beach ist ja nur eine von mehreren Inseln im Glof von Mexiko, und nicht all zu weit im Norden liegt Sanibel Island, wo ein weiteres großes Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Dort fuhr ich also hin, spazierte 6km durch das Gebiet und fuhr dann weitere 6km mit dem Auto hindurch, konnte viele Vögel beobachten und entdeckte einen Tümpel mit Pfeilschwanzkrebsen, Urzeitviechern die wirklich noch aussehen wie vor Millionen von Jahren. Mit den zwei Ausflügen an einem Tag wurde dieser dann ganz schön lang, aber gelohnt hat es sich auf jeden Fall und so konnte ich dann am Mittwoch eine ruhige Kugel schieben und lesend am Strand und Pool abhängen. Dieser Rhythmus war wirklich super, Ausflüge und Ruhetage abgewechselt, so lassen sich Ferien verbringen! Am Dienstag Abend kam außerdem Tante Dawns Bruder mit seinem 4-jährigen Sohn an, der nördlich von Miami wohnt und jedes Jahr für ein paar Tage zu Besuch ist. Tom ist Pilot für Continental und ist grade mal Anfang 30. Ein total lustiger und netter Typ, mit dem ich gerne meine Zeit verbrachte und viel Spaß hatte. Dienstag Nacht kam außerdem Onkel Rick aus Cleveland geflogen, unsere Gruppe war also schließlich zumindest für ein paar Tage komplett (Onkel Bob flog schon am Donnerstag wieder zurück). Das nutzten wir am Abend dann für ein großes Barbecue mit Steaks, Mais, Hühnchen, Salat und was weiß ich nicht noch alles. Dabei gab es dann auch mein erstes Bier (und Jägermeister) nach der Fastenzeit, vertragen hab ich beides nicht wirklich gut…

Nach dem Ruhetag am Mittwoch hatte ich also für Donnerstag wieder genug Energie für einen größeren Ausflug gesammelt. Auf die Everglades hatte ich mich schon Wochen im Vorfeld gefreut, für mich sind sie der Inbegriff Floridas, und haben mich schon gereizt seit ich weiß dass es sie gibt. Also nahm ich die zweistündige Fahrt locker in Kauf, fuhr in den Südosten, und war erstaunt wie schnell sich die Gegend noch mal änderte. Kaum hatte man die „Autobahn“ verlassen war man im Nirgendwo, rechts ein Zypressenwald, rechts ein Naturschutzgebiet mit dem der bedrohte Florida Panther geschützt werden soll. Am Rande der Everglades angekommen, konnte ich dann auch schon die ersten Alligatoren sehen, die ganz unbeeindruckt vom Verkehr auf dem Highway in den Kanälen daneben leben. Man fährt also mit 100 km/h durch die Gegend, und alle 100 Meter kann man mindestens einen Alligator sehen, dazu beeindruckende Natur am Straßenrand und leider auch der ein oder andere tote Alligator auf der Straße. Ich hielt für Fotos jedoch bewusst nicht an, wollte erst mal so früh wie möglich ans Ziel kommen. Das war einer von mehreren Zugängen in die riesigen Glades, relativ mittig gelegen und spannend aber immer noch nah genug um mir einen tollen Ausflug zu bieten. Von der Homepage wusste ich, dass es einen Radverleih geben sollte und einen Radweg, von dem man dann auch Alligatoren sehen kann, aber was ich dann dort vorfand übertraf doch meine Erwartungen. Das wurde mir das erste mal bewusst also ich einen Wisch unterschreiben musste dass ich im Falle einer Alligatoren-Attacke niemanden verklagen würde als ich das Rad holte. Der Radweg selbst war dann sehr gut ausgebaut, 7 Meilen geradeaus südlich mitten in die Everglades, 8 Meilen zurück (insgesamt also ca. 24 km) und schon nach 10 Metern musste ich das erste mal absteigen zum Fotografieren, denn der erste Alligator lag in einem Tümpel am Wegesrand. Alles ohne Zaun, Graben oder was auch immer, einfach ein Radweg durch die Wildnis. Der nächste Alligator lag dann also auch schon direkt neben der Straße und wirklich alle paar Meter gab es einen weiteren zu entdecken. Irgendwann bei 50 hörte ich auf zu zählen und schon weit davor hörte ich auf alle zu fotografieren, Alligatoren waren einfach überall, in jedem Tümpel mindestens einer und irgendwann hielt ich mit dem Rad schon gar nicht mehr an, sondern versuchte nicht allzu lange für den Weg zu brauchen, immerhin zahlte ich $7 pro Stunde für das Rad. Die ersten 7 Meilen waren dank Gegenwind eher unangenehm zu fahren, Schatten gab es auch keinen, und so wurde es dann ganz schön anstrengend, vor allem weil das Rad so ein kleines tiefes mit breitem Lenker, kleinen Rädern und ohne Gangschaltung war. Vielleicht nicht ganz ideal für mich, aber irgendwie kam ich schon voran. Natürlich hielt ich dann doch immer mal wieder an für Fotos und zum Gucken, die Natur war einfach unglaublich schön und beeindruckend und ich konnte kaum glauben, dass alle älteren Kids denen ich angeboten hatte mitzukommen sich das entgehen ließen. Einmal fuhr ich dann auch grade an einem der Viecher vorbei als das die Straße überqueren wollte. Ich stieg also ab und machte Fotos, schlug die Warnungen der Angestellten in den Wind und traute mich bis auf einen Meter an den Alligator heran, machte ein paar Fotos und verschreckte das Tier wohl mehr als es mich, denn als es genug für die Kamera still gelegen hatte, machte er sich wieder auf den Weg über die Straße. Außer Alligatoren gab es natürlich auch anderes zu sehen. Neben der fantastischen Aussicht vor allem Vögel und ein paar Schildkröten. Am Ende der 7 Meilen Hinweg gab es dann einen Aussichtspunkt von dem man eine tolle Sicht über die Glades hatte. Dort aß ich dann auch zu Mittag und machte mich nach kurzer Pause auf den Weg zurück. Der war nicht ganz so spannend, weil er eher durch trockeneres Grasland als das Feuchtgebiet führte, man sah immer noch Tiere hinter jeder Kurve, aber ich hielt kaum noch an, inzwischen hatte ich auch an die 200 Fotos geschossen. Irgendwann stumpft man wohl doch ein wenig ab… Nach drei Stunden war meine Radtour dann vorbei und ich machte mich wieder auf den Heimweg, nahm mir aber diesmal die Zeit am Highway anzuhalten und ein paar Bilder zu machen. Nördlich der Everglades liegt ein weiteres Naturschutzgebiet der Big Cypresse National Park, ein Zypressenwald, wo man auch wandern kann, ich machte jedoch nur einen kurzen Spaziergang an einem Rastplatz und bog dann vom Highway ab und fuhr einen Teil des Heimwegs über eine unausgebaute Straße die wieder mitten durch die Wildnis führte. Da ich schon früh am Morgen losgefahren war, war ich auch am frühen Nachmittag schon wieder zurück, und die insgesamt 4 Stunden Fahrt haben sich an dem Tag wirklich gelohnt. Wer Florida besucht ohne die Everglades zu sehen hat wirklich was verpasst.

Freitag war dann also unser letzter Tag in Fort Myers Beach, den wir hauptsächlich am Strand verbrachten, wo ich mir mal noch einen ordentlichen Sonnenbrand holte, weil ich ein paar Stellen beim Eincremen eher vernachlässigte. Eigentlich plante ich nicht, ins Meer zu gehen und kam deswegen in normalen Shorts an den Strand, ironischerweise war aber genau das der Tag an dem ich das erste Mal ausgiebig im Meer schwimmen ging, inzwischen war der Golf nämlich auch schon etwas wärmer. Geputzt und gepackt werden musste dann auch noch, so war der Tag schnell vorbei und wir schon so gut wie fertig mit unserem Urlaub. Abends hatte ich mich auf einen letzten Sonnenuntergang am Strand gefreut, aber just dann wurde der mir von Wolken vermiest, das Wetter wollte uns den Abschied scheinbar so einfach wie möglich machen. Kein Problem aber, ich kann mir ja einfach die Bilder von den anderen Abenden am Strand anschauen… Nun also die Heimfahrt, seit fast drei Stunden sind wir hier auf dem Highway, Florida haben wir aber immer noch nicht verlassen, das dauert wohl auch noch ein Weilchen, so weit ist das. Unsere Ankunft ist dann für Sonntagmorgen gegen 9 Uhr vorgesehen, ich werde wohl in der Nacht fahren müssen und werde versuchen über den Tag etwas Ruhe zu bekommen. Wenn ihr diesen Eintrag lest, sind wir also schon wieder daheim in Cleveland und ich hoffentlich im Bett um mich für die kommende Schulwoche auszuruhen. Bald melde ich mich dann wieder mit unexotischen Berichten aus Sheffield, und in 8 Wochen geht meine Reise in den Westen los, da freue ich mich schon total drauf, auch wenn ich jetzt erst mal noch eine Weile von Florida zehren kann.

Nachtrag: Inzwischen sitzen wir seit 24 Stunden im Auto und sind immer noch nicht ganz daheim. Der Verkehr aus Florida heraus und durch Georgia war brutal, fast 10 Stunden Stop and Go oder ganz zäher Verkehr. Ich habe versucht etwas zu schlafen und bin dann von 21 bis 3 Uhr gefahren, seitdem bin ich Beifahrer. Grade haben wir noch mal für Benzin und Kaffee gestoppt und haben jetzt noch 60 Meilen vor uns, eine gute Stunde bis nach Sheffield also.

Sonntag, 4. April 2010

Happy Easter from the Sunshine State!

Ein Glück gehört Florida zu den Vereinigten Staaten, und nicht Spanien oder Mexiko, sonst wäre es sicher nicht Winterheimat vieler Nordstaatler geworden und wir wären nun nicht hier! Aus diesem Paradies also viele Grüße und euch allen ein frohes und gesegnetes Osterfest!
Am Dienstag ging es los, nach dem ersten Softballspiel der Saison (mit 5 zu 1 durch ein furchtbares 6. Inning verloren) und ein paar Komplikationen waren wir um 19:30 endlich auf der Straße, 3 Erwachsene, 7 Kinder, in einem 15-sitzigen Van. Wir nahmen eine etwas andere Route als angenommen, durchquerten erst mal Ohio, dann nachts durch die Berge in Kentucky und Tennessee und ab morgens durch Georgia, bis wir dann schließlich gegen Mittag in Florida ankamen. Dann war die Reise aber natürlich noch nicht vorbei, immerhin ist Fort Myers Beach fast ganz im Süden, also dauerte es noch bis 18 bis wir endlich da waren. Knapp 23 Stunden also im Auto, wobei ich die Nachtschicht von 2 bis 7 Uhr gefahren bin und dementsprechend platt war. Florida entlohnt einen aber wirklich schnell für all die Strapazen, nach dem Einrichten und Abendessen ging es sofort an den ganz feinen und weißen Sandstrand und ich genoss meinen ersten Sonnenuntergang in Florida. Unser Haus ist ziemlich groß, im Endeffekt zwei Doppelhaushälften, von denen eine Omi und Opi, die andere Freunden aus Deutschland gehört. Über das Jahr hinweg sind ständig Freunde und Bekannte hier die meistens mietfrei Urlaub machen, vielleicht habe ich ja Chancen dann auch in naher Zukunft noch mal herzufliegen und mich hier einzunisten... Wenn der Clan aber über Ostern kommt, hat er hier das ganze Haus für sich, und so ist es dann auch mit 20 Familienmitgliedern nicht überfüllt. Unten links ist die Wohnung von Opi und Omi (wobei Opi schon wieder in Ohio ist), oben links deren Ferienwohnung, wo gekocht und gegessen wird, und oben rechts die Ferienwohnung der deutschen Freunde, wo ich auch mein eigenes Zimmer mit Schlafcouch habe. Hinter dem Haus schützt ein riesiger "Wintergarten" (keine Ahnung wie das heißt wenn es aber kein Glas ist, sondern nur Netze) vor den aggressiven Moskitos und bietet auch etwas Sichtschutz im Pool, der leider nicht wirklich groß, aber immerhin wohl temperiert ist und nach dem Strandbesuch eine tolle Abkühlung bietet. Zum Strand sind es 4 Minuten Fußweg, Fort Myers Beach ist aber auch nicht wirklich groß. Im Endeffekt ist es eine einzelne dicht bebaute Insel, etwa 10 km lang, 1 bis 2 km breit, in einem größeren Archipel im Golf von Mexiko, also auf der Westseite Floridas gelegen. Insgesamt gibt es nur zwei Zugangsstraßen, aber nur die im Norden führt auf das Festland und ist wegen viel Tourismus auch chronisch verstopft. Auf dem Hinweg brauchten wir über eine halbe Stunde über die Brücke... Am Strand in unserer Gegend ist es aber zum Glück nicht überlaufen, und so fühlt man sich auch nicht von Touristen erschlagen. Wenn man mal welche trifft, sind sie zu 99% Deutsch, man grüßt sich hier tatsächlich eher mit Guten Tag als mit Hello.
Den ersten vollen Tag hier nutzte ich erst mal um am Strand rumzufläzen und die Insel etwas zu erkunden, mit Tyler schnappte ich mir die Bikes und es ging erst mal in den Süden. A Propos Süden: Man muss sich schon mal vor Augen halten dass Florida so südlich ist wie die Sahara, südlicher als Marokko oder Kairo. Das Klima ist tropisch und die direkte Sonne entsprechend heiß, auch wenn es mit 28°C wirklich sehr angenehm ist. So habe ich bisher jeden Tag ziemlich genau eine Stunde am Strand verbracht, mehr ist nicht drin bis es zur Abkühlung erst mal wieder in den Pool geht. Aber auch vor dem Haus oder auf der Terasse lässt es sich wunderbar in der Sonne oder im Halbschatten abhängen. Karfreitag war dann noch mal ein gemütlicher Strand- und Pooltag, gegessen wird leicht, für mich gab es immer extra Fisch oder Hühnchen, und ich musste mich nicht mal selbst kümmern...
Samstag nutzte ich dann für einen ersten Ausflug. Nur 3 Inseln entfernt liegt ein State Park (wohl am Besten mit Naturschutzgebiet zu übersetzen) mit Spazierrouten, Angelplätzen und Badestrand. Dank tollem Wetter und Samstag war die Schlange am Eingang abschreckend lang, aber eigentlich alle wollten an den Strand und so hatte ich bei meiner Mini-Wanderung meine Ruhe. Tyler und Abby hatte ich im Gepäck, setzte die aber zum Angeln ab, während ich mich auf den Rundweg um eine der Inseln im Park machte. Überall raschelte es, gab es exotische Tiere zu sehen und bislang ungesehene Pflanzen zu entdecken. Ich genieße es wirklich, dass hier die Vegetation so deutlich anders als in Ohio (und Deutschland) ist. Ein bißchen war ich an unseren Trip nach Barcelona erinnert als ich die Palmen sah, aber mit dem tropischen Klima und den Mangrovensümpfen ist das Ganze doch noch mal etwas anderes. Auf dem Rundweg entlang der Kanäle und Wasserwege begegnete ich dann auch meinem ersten freilaufenden Alligator. Immerhin wurde man hingewiesen im Tümpel nicht zu baden, aber dennoch gab es keine Absperrung zwischen mir und dem Urzeitmonster. Okay, ganz so dramatisch war es nicht, das faule Stück lungerte nur auf der anderen Seite des Teiches herum und bewegte sich nicht, aber immerhin! Im Laufe der Woche versuche ich noch nähere Begegnungen zu machen, mein Kameraobjektiv lässt nun auch nicht zu weit zoomen. Ich hatte jedenfalls einen tollen Tag und wie immer sind alle Bilder vom bisherigen Trip hier anzuschauen. Neue kommen wohl von Zeit zu Zeit hinzu.
Heute ging es dann mal richtig früh raus. Gut, nicht früher als an Schultagen, aber man ist ja im Urlaub. Gelohnt hat es sich dennoch total, denn dabei heraus kam ein toller Sonnenaufgang zu Ostern. Ein paar Familienmitglieder haben sich auch noch angeschlossen, wir haben in der Bibel gelesen, die Aussicht genossen und uns gefreut, dass Christus für uns auferstanden ist. Dann gab es einen Osterbrunch und ich konnte endlich mein Fasten brechen. Nach 6 Wochen Atkins gab es also wieder den ersten Toast, die erste Erdbeere, den ersten Brownie, den ersten Wein (nicht zum Brunch allerdings... ;o) ). Und um ehrlich zu sein: Heute Abend geht es mir mit dem ganzen Junk den ich den Tag über gegessen habe ziemlich mies. Deswegen geht es morgen zurück in die kohlehydratfreie Zone. Wenn ich aber nicht gerade meine Nase im Kühlschrank hatte, war ich heute wieder am Strand, Pool, ihr könnts auch langsam vorstellen. Gestern Abend kam auch Onkel Bob aus Cleveland geflogen. Er bleibt wegen der Arbeit nur für ein paar Tage, unternimmt aber gerne was, und so geht es am Dienstag in ein nahegelegenes Sumpfgebiet. Heute Abend haben Bob und ich uns auch noch die ältesten Teens gekrallt und wir sind nach "Downtown" Fort Myers Beach gefahren, bei dem Verkehr 45 Minuten für 5 km. Dort dann allerlei Spacken, Touristenfallen und Neonlichter. Immerhin gut zu wissen, dass man auch Party machen könnte, wenn man wollte. Heuer begnüge ich mich aber mit Relaxen, Familie und Natur, was will man bei dem Wetter auch mehr?