Normalerweise lege ich ja Wert auf meine amerikanischen Blog-Überschriften, aber diesmal soll es die feine deutsche Anlehnung sein die das Ende meiner Florida-Reise ausdrückt. Tatsächlich sitze ich grade im Auto, gerade vor einer Stunde sind wir losgefahren, haben noch einen weiten Weg vor uns und ich habe den Laptop ausgepackt und schreibe nun meinen Bericht. Natürlich werde ich ihn nicht gleich hochladen können, denn so ist der Van nun auch nicht ausgestattet, aber in Word vorschreiben geht ja und wenn ich dann daheim bin stelle ich den Blog ein und ihr wisst dass ich gut angekommen bin. Fast eine Woche ist also vergangen seit meinem letzten Florida-Beitrag, und Tag für Tag werde ich nun berichten was ich in der Zwischenzeit erlebt habe. Die Bilder zum Trip gibt es außerdem wie immer
hier zu entdecken.
Ostermontag war hier nicht wirklich Ostermontag. Ich habe verpasst nachzuschlagen, warum das überhaupt in Deutschland auch noch ein Feiertag ist, aber hier ist Ostern tatsächlich nur am Sonntag und dann einfach vorbei. Arbeiten mussten wir natürlich trotzdem nicht, waren ja Ferien… Am Nachmittag traf sich eine Gruppe (inklusive mir) mit einem Geschäftsfreund von Opi zum Boccia spielen (Boule wie die Franzosen sagen, oder Bocchi-Ball hier (sprich: Baaatschi-Bohl). Dazu fuhren wir ins benachbarte Bonita Springs, in eine der reichsten Gegenden im Südwesten Floridas, und dort in eine der Gated Communities, also eine mit Sicherheitskräften gesicherten Villengegend. Dementsprechend sahen die Häuser dann auch aus, leider hatte ich aber keine Kamera dabei um Bilder zu machen. Da ich mit Omi in ein Boccia-Team gelost wurde verloren wir ganz bitterlich, aber das war auch egal, wir hatten unseren Spaß und einen schönen Nachmittag. Ansonsten verbrachte ich den Tag wie immer am Strand, im Pool und im Liegestuhl bei feinen 28° C. Eigentlich unglaublich, wie das Wetter für 10 Tage jeden Tag exakt gleich war, aber das ist wohl einfach Florida. Besser hätten wir es ja wirklich nicht treffen können. Gestern kündigten sich für ein Viertel Stündchen mal ein paar Wolken an, aber das war es auch schon. Für nächste Woche sind dann aber Gewitter angekündigt, die haben wir also erfolgreich vermieden.
Am Dienstag war es dann endlich Zeit für unseren ersten größeren Ausflug. Onkel Bob, der am Samstag mit dem Flieger aus Cleveland gekommen war, nahm mich und die jüngsten 6 Kids in den Corkscrew Swamp, ein als Naturschutzgebiet ausgewiesener Sumpf, wo wir Alligatoren sehen und spazieren wollten. Durch viel Regen im Winter war der Sumpf aber ziemlich voll mit Wasser und wir bekamen außer einem Baby keine Alligatoren vor die Linse. Für mich war der Trip dennoch keine Enttäuschung. Im Gegenteil, die Natur war einfach unglaublich schön, man konnte auf Holzwegen den ganzen Sumpf durchwandern und fühlte sich wirklich wie am Ende der Welt. Der Swamp ist eines der wenigen Gebiete in Florida, die nie wirklich erschlossen wurden, weil er so schwer zugänglich ist. Unglaublich alte Bäume also und unberührte Natur, das ließ mein Herz höher schlagen. Die Kids waren natürlich etwas enttäuscht, dass sie keine Tiere zu Gesicht bekamen, vor allem weil im Vorjahr wohl viele Alligatoren zu sehen waren, aber das konnte man dann einfach nicht ändern. Da wir schon am frühen Nachmittag zurück in Fort Myers Beach waren, entschloss ich mich, noch einen zweiten Ausflug zu machen. Fort Myers Beach ist ja nur eine von mehreren Inseln im Glof von Mexiko, und nicht all zu weit im Norden liegt Sanibel Island, wo ein weiteres großes Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Dort fuhr ich also hin, spazierte 6km durch das Gebiet und fuhr dann weitere 6km mit dem Auto hindurch, konnte viele Vögel beobachten und entdeckte
einen Tümpel mit Pfeilschwanzkrebsen, Urzeitviechern die wirklich noch aussehen wie vor Millionen von Jahren. Mit den zwei Ausflügen an einem Tag wurde dieser dann ganz schön lang, aber gelohnt hat es sich auf jeden Fall und so konnte ich dann am Mittwoch eine ruhige Kugel schieben und lesend am Strand und Pool abhängen. Dieser Rhythmus war wirklich super, Ausflüge und Ruhetage abgewechselt, so lassen sich Ferien verbringen! Am Dienstag Abend kam außerdem Tante Dawns Bruder mit seinem 4-jährigen Sohn an, der nördlich von Miami wohnt und jedes Jahr für ein paar Tage zu Besuch ist. Tom ist Pilot für Continental und ist grade mal Anfang 30. Ein total lustiger und netter Typ, mit dem ich gerne meine Zeit verbrachte und viel Spaß hatte. Dienstag Nacht kam außerdem Onkel Rick aus Cleveland geflogen, unsere Gruppe war also schließlich zumindest für ein paar Tage komplett (Onkel Bob flog schon am Donnerstag wieder zurück). Das nutzten wir am Abend dann für ein großes Barbecue mit Steaks, Mais, Hühnchen, Salat und was weiß ich nicht noch alles. Dabei gab es dann auch mein erstes Bier (und Jägermeister) nach der Fastenzeit, vertragen hab ich beides nicht wirklich gut…
Nach dem Ruhetag am Mittwoch hatte ich also für Donnerstag wieder genug Energie für einen größeren Ausflug gesammelt. Auf die Everglades hatte ich mich schon Wochen im Vorfeld gefreut, für mich sind sie der Inbegriff Floridas, und haben mich schon gereizt seit ich weiß dass es sie gibt. Also nahm ich die zweistündige Fahrt locker in Kauf, fuhr in den Südosten, und war erstaunt wie schnell sich die Gegend noch mal änderte. Kaum hatte man die „Autobahn“ verlassen war man im Nirgendwo, rechts ein Zypressenwald, rechts ein Naturschutzgebiet mit dem der bedrohte Florida Panther geschützt werden soll. Am Rande der Everglades angekommen, konnte ich dann auch schon die ersten Alligatoren sehen, die ganz unbeeindruckt vom Verkehr auf dem Highway in den Kanälen daneben leben. Man fährt also mit 100 km/h durch die Gegend, und alle 100 Meter kann man mindestens einen Alligator sehen, dazu beeindruckende Natur am Straßenrand und leider auch der ein oder andere tote Alligator auf der Straße. Ich hielt für Fotos jedoch bewusst nicht an, wollte erst mal so früh wie möglich ans Ziel kommen. Das war einer von mehreren Zugängen in die riesigen Glades, relativ mittig gelegen und spannend aber immer noch nah genug um mir einen tollen Ausflug zu bieten. Von der Homepage wusste ich, dass es einen Radverleih geben sollte und einen Radweg, von dem man dann auch Alligatoren sehen kann, aber was ich dann dort vorfand übertraf doch meine Erwartungen. Das wurde mir das erste mal bewusst also ich einen Wisch unterschreiben musste dass ich im Falle einer Alligatoren-Attacke niemanden verklagen würde als ich das Rad holte. Der Radweg selbst war dann sehr gut ausgebaut, 7 Meilen geradeaus südlich mitten in die Everglades, 8 Meilen zurück (insgesamt also ca. 24 km) und schon nach 10 Metern musste ich das erste mal absteigen zum Fotografieren, denn der erste Alligator lag in einem Tümpel am Wegesrand. Alles ohne Zaun, Graben oder was auch immer, einfach ein Radweg durch die Wildnis. Der nächste Alligator lag dann also auch schon direkt neben der Straße und wirklich alle paar Meter gab es einen weiteren zu entdecken. Irgendwann bei 50 hörte ich auf zu zählen und schon weit davor hörte ich auf alle zu fotografieren, Alligatoren waren einfach überall, in jedem Tümpel mindestens einer und irgendwann hielt ich mit dem Rad schon gar nicht mehr an, sondern versuchte nicht allzu lange für den Weg zu brauchen, immerhin zahlte ich $7 pro Stunde für das Rad. Die ersten 7 Meilen waren dank Gegenwind eher unangenehm zu fahren, Schatten gab es auch keinen, und so wurde es dann ganz schön anstrengend, vor allem weil das Rad so ein kleines tiefes mit breitem Lenker, kleinen Rädern und ohne Gangschaltung war. Vielleicht nicht ganz ideal für mich, aber irgendwie kam ich schon voran. Natürlich hielt ich dann doch immer mal wieder an für Fotos und zum Gucken, die Natur war einfach unglaublich schön und beeindruckend und ich konnte kaum glauben, dass alle älteren Kids denen ich angeboten hatte mitzukommen sich das entgehen ließen. Einmal fuhr ich dann auch grade an einem der Viecher vorbei als das die Straße überqueren wollte. Ich stieg also ab und machte Fotos, schlug die Warnungen der Angestellten in den Wind und traute mich bis auf einen Meter an den Alligator heran, machte ein paar Fotos und verschreckte das Tier wohl mehr als es mich, denn als es genug für die Kamera still gelegen hatte, machte er sich wieder auf den Weg über die Straße. Außer Alligatoren gab es natürlich auch anderes zu sehen. Neben der fantastischen Aussicht vor allem Vögel und ein paar Schildkröten. Am Ende der 7 Meilen Hinweg gab es dann einen Aussichtspunkt von dem man eine tolle Sicht über die Glades hatte. Dort aß ich dann auch zu Mittag und machte mich nach kurzer Pause auf den Weg zurück. Der war nicht ganz so spannend, weil er eher durch trockeneres Grasland als das Feuchtgebiet führte, man sah immer noch Tiere hinter jeder Kurve, aber ich hielt kaum noch an, inzwischen hatte ich auch an die 200 Fotos geschossen. Irgendwann stumpft man wohl doch ein wenig ab… Nach drei Stunden war meine Radtour dann vorbei und ich machte mich wieder auf den Heimweg, nahm mir aber diesmal die Zeit am Highway anzuhalten und ein paar Bilder zu machen. Nördlich der Everglades liegt ein weiteres Naturschutzgebiet der Big Cypresse National Park, ein Zypressenwald, wo man auch wandern kann, ich machte jedoch nur einen kurzen Spaziergang an einem Rastplatz und bog dann vom Highway ab und fuhr einen Teil des Heimwegs über eine unausgebaute Straße die wieder mitten durch die Wildnis führte. Da ich schon früh am Morgen losgefahren war, war ich auch am frühen Nachmittag schon wieder zurück, und die insgesamt 4 Stunden Fahrt haben sich an dem Tag wirklich gelohnt. Wer Florida besucht ohne die Everglades zu sehen hat wirklich was verpasst.
Freitag war dann also unser letzter Tag in Fort Myers Beach, den wir hauptsächlich am Strand verbrachten, wo ich mir mal noch einen ordentlichen Sonnenbrand holte, weil ich ein paar Stellen beim Eincremen eher vernachlässigte. Eigentlich plante ich nicht, ins Meer zu gehen und kam deswegen in normalen Shorts an den Strand, ironischerweise war aber genau das der Tag an dem ich das erste Mal ausgiebig im Meer schwimmen ging, inzwischen war der Golf nämlich auch schon etwas wärmer. Geputzt und gepackt werden musste dann auch noch, so war der Tag schnell vorbei und wir schon so gut wie fertig mit unserem Urlaub. Abends hatte ich mich auf einen letzten Sonnenuntergang am Strand gefreut, aber just dann wurde der mir von Wolken vermiest, das Wetter wollte uns den Abschied scheinbar so einfach wie möglich machen. Kein Problem aber, ich kann mir ja einfach die Bilder von den anderen Abenden am Strand anschauen… Nun also die Heimfahrt, seit fast drei Stunden sind wir hier auf dem Highway, Florida haben wir aber immer noch nicht verlassen, das dauert wohl auch noch ein Weilchen, so weit ist das. Unsere Ankunft ist dann für Sonntagmorgen gegen 9 Uhr vorgesehen, ich werde wohl in der Nacht fahren müssen und werde versuchen über den Tag etwas Ruhe zu bekommen. Wenn ihr diesen Eintrag lest, sind wir also schon wieder daheim in Cleveland und ich hoffentlich im Bett um mich für die kommende Schulwoche auszuruhen. Bald melde ich mich dann wieder mit unexotischen Berichten aus Sheffield, und in 8 Wochen geht meine Reise in den Westen los, da freue ich mich schon total drauf, auch wenn ich jetzt erst mal noch eine Weile von Florida zehren kann.
Nachtrag: Inzwischen sitzen wir seit 24 Stunden im Auto und sind immer noch nicht ganz daheim. Der Verkehr aus Florida heraus und durch Georgia war brutal, fast 10 Stunden Stop and Go oder ganz zäher Verkehr. Ich habe versucht etwas zu schlafen und bin dann von 21 bis 3 Uhr gefahren, seitdem bin ich Beifahrer. Grade haben wir noch mal für Benzin und Kaffee gestoppt und haben jetzt noch 60 Meilen vor uns, eine gute Stunde bis nach Sheffield also.