Dienstag, 10. November 2009

Local Celebrity

So, nun hab ich also auch hier endlich meinen Durchbruch geschafft. Zwei Zeitungen haben über meine Stelle an der CCS berichtet, eine sogar ziemlich ausführlich und mit zwei Bildern. Autogrammwünsch nehme ich gerne per E-Mail entgegen und werden sogleich an meine Agentur in Deutschland weitergeleitet. ;) Bis dahin könnt ihr euch aber erst mal mit den Zeitungsausschnitten vergnügen, die ich gescannt habe. Einfach auf das Bild für eine große Version klicken.
Was macht man also so als lokale Berühmtheit? Naja, man besucht Lokale, würde ich sagen! Das habe ich dann am Wochenende auch befolgt und war zwei mal mit Luke und Freunden unterwegs. Die Woche war insgesamt ganz gechillt, aber nach einer Woche Schweinegrippe war viel aufzuholen, und zu erledigen. Am Donnerstag gab es für die Kids Zeugnisse. Hier läuft es aber nicht wie bei uns, dass die Schüler die Zeugnisse einfach so bekommen. Die Eltern holen sie entweder ab oder bekommen sie zugeschickt. Kein Entkommen also. Donnerstag nachmittag war dann keine Schule, dafür aber die Möglichkeit für die Eltern zu Lehrergesprächen in die Schule zu kommen. Offiziell liefen die bis 21 Uhr, ich konnte aber zum Glück schon um 15:30 Uhr heim fahren. Das mit dem Fahren hat sich übrigens inzwischen auch alles eingependelt, ich kann eigentlich jeden Tag irgendein Auto mit heim nehmen und muss nicht mehr auf irgendwelche Basketballtrainings oder ähnliches warten. Freitag dann jedenfalls noch mal das gleiche Spiel, keine Schule, aber Elternkonferenzen, die bei mir zum Glück schon um 12 Uhr wieder vorbei waren. Die Konferenzen die ich hatte (nur 4, aber immerhin!) liefen alle ganz fantastisch, ich hab glaub ich nen guten Eindruck hinterlassen und habe auch einiges über meine Schüler erfahren.
Abends hat mich dann Luke, der ja kürzlich erst 21 geworden ist, in eine Bar mitgenommen. Dort gab es viel zu laute Live-Musik, aber auch das grade erst wieder verfügbar gewordene "Cleveland Christmas Ale", das mich schon nach nur 2 1/2 Halben ziemlich umgehauen hat. Ich vermute, eine Kombination aus wenig Abendessen, langer Abstinenz und 7% Alkohol im Bier taten ihr Übriges. Samstag dann also mein erster amerikanischer Kater, der sich leider auch nicht besser anfühlt als einer in Mainz...
Konsequenterweise wurde also Samstag weitertrainiert und ich habe mein Glück noch einmal versucht. Zuvor stand aber ein Tag mit vollem Programm an. Bei dem Vater einer CCS-Familie hier wurde vor längerem Krebs festgestellt und kürzlich hat sich die Situation stark verschlechtert. Um der Familie zu helfen, die für die Arztrechnungen größtenteils selbst aufkommen müssen (es lebe das deutsche Gesundheitssystem, wenn hier nicht mal für eine notwendige Krebs-OP bezahlt wird...) wurde also Samstag ein Benefiz-Dinner auf die Beine gestellt. Onkel Bob und sein Geschäftspartner sorgten für das Essen, also war Helfen angesagt. So wurden also Tische aufgestellt, dekoriert, Suppe gekocht, Salat vorbereitet und später Steaks gebruzzelt. Außerdem wurde ich mal wieder zum Singen eingespannt, diesmal durfte ich aber die Auswahl treffen und gab so also altbewährtes und mir Vertrautes zum Besten (u.a. "Your Song" aus Moulin Rouge und "Maria" aus West Side Story). Nach dem vollen Tag mit Singen und Kochen und Servieren, Aufräumen und was alles noch so anfiel war mir dann eigentlich nach Bett zu Mute, aber wie schon gesagt, habe dann mein Glück nach Freitag noch mal versucht und um halb 11 ging es dann noch mal los, mit Luke, Erika und einem Freund von Luke, Tom. Die Jungs haben Bier getrunken, aber nach meiner schlechten Erinnerung an den Vortag war mir eher nach etwas anderem zu Mute. Ich versuchte also einen Martini (Wermut der Marke Martini & Rosso) zu bestellen, bekam aber einen Cocktail namens Martini, der nur zum Teil aus Martini und zum Teil aus Gin (bääääääääh) besteht. Zu allem Überfluss waren auch noch 3 sehr scharf eingelegte Oliven drin. Das Zeug war so wiederlich, dass ich mich echt schon beim ersten Nippen hätte übergeben können, aber ich blieb stark und hab ihn gekippt, immerhin hat Luke mich eingeladen und wahrscheinlich $10 dafür hingelegt. Danach war mir also nach etwas süßem zu Mute und ich wollte es mit einem Appletini versuchen, den hat Erika auch getrunken. Also ist Tom an die Bar und hat 2 Kölsch für sich und Luke auf meine Empfehlung hin, und 2 Appletinis bestellt. Kommentar des Barkeepers: "Ich hoffe, die sind für Mädels!" Tom: "Immerhin eine, der andere ist ein Deutscher." Was auch immer uns das sagen sollte. Nun saß ich da also mit dem so ziemlich tuckigsten Drink den ich mir hätte aussuchen können... Die Blicke der anderen waren mir dann aber auch egal, man steht ja drüber und außerdem wars wirklich wirklich lecker! Da die Bar ziemlich teuer war entschließen wir uns zur Relokation und versuchten uns noch mal in der Kneipe um die Ecke, Mulligan's. Dort gab es dann noch einen Damendrink (Himbeersirup mit weißem Schoko-Likör), bevor ich auf der Karte den Sangria für $3 entdeckte. Inzwischen kann man sich wohl ausrechnen, dass es mir ganz gut ging, aber die 5 Drinks an dem Abend habe ich besser vertragen als die Biere am Abend zuvor. So ausführlich wollte ich das jetzt eigentlich alles gar nicht unbedingt berichten, aber das gibt wohl eine ganz nette Anekdote ab. Und: Es war das erste mal, dass ich hier in den Staaten weg war und ist wohl alleine deswegen erwähnenswert.
Sonntag wie immer Kirche und Mittagessen bei Tante Nancy, bei bestem Wetter. Heute ist es wirklich nicht schön, aber das ganze WE hat die Sonne geschienen, wir saßen und aßen im T-Shirt auf der Terasse und hatten eine wunderbare Zeit.
Gestern beging ich das 20-jährige Jubiläum des Mauerfalls mit Videos, die ich den Schülern zeigte. Alle waren von den Ereignissen am 9. November ziemlich beeindruckt. Ich habe auch noch mal viel nachgelesen und recherchiert und fühlte mich an dem Tag irgendwie besonders stolz, Deutscher zu sein. Abends war dann aber Chorprobe, die erste nach unseren Brahmskonzerten Mitte Oktober, und die erste für die anstehenden Weihnachtskonzerte. Unter den 12 Stücken die wir singen sind einige wirklich ganz fantastische dabei (unter anderem eine ausgezeichnete und sehr moderne Version des Carol of the Bells), aber auch Stücke, die ich wirklich nicht mag (Winter Wonderland, wer will das zu Weihnachten hören?!?). So war die Probe dann auch halb Qual, halb Spaß, aber da muss ich jetzt die nächsten 6 Wochen durch.
Was steht sonst an? Heute ist Sportbankett in der Schule und ich hab mich dummerweise gestern bereit erkärt heute "We are the champions" zu spielen. Singen ist ja kein Problem, aber ich sitze nun auch noch am Piano und das kann ich ja nun mal wirklich nur sehr stümperhaft bedienen. Geprobt wurde auch nicht, so kanns eigentlich nur peinlich werden heute Abend, aber wir schauen mal. Sonst passiert nicht viel in Ohio. Opi ist jetzt auch in Florida, dafür ist Luke eingezogen, der aber die meiste Freizeit jagen ist. Am Freitag halte ich meine erste Predigt im Schulgottesdienst (Matthäus 6, 25) was ziemlich aufregend ist, und am Wochenende hoffe ich auf etwas Ruhe, Kino und noch mal gutes Wetter.
Kommunikation nach Deutschland läuft momentan eher schleppend, ich hab meist erst am späten Abend Zeit zum telefonieren und chatten und da sind die meisten schon im Bett. Freue mich also über jede zur Tageszeit gesendete Mail. Würde mich zum Beispiel brennend interessieren, wie die erste Rent-Probe war, was aus Chris Bewerbung wurde, was diverse Leute so machen und überhaupt. Hatte die Woche etwas Heimweh, möchte also einen Musiktipp loswerden, der nicht so ganz fröhlich klingt, aber umso mehr awesome (für dieses Wort gibt es keine adäquate Übersetzung, dafür ist es zu awesome!): Paramore - All I Wanted
Heute sind es genau 3 Monate, dass ich in den Staaten bin. Unglaublich, dass schon ein viertel Jahr rum ist, oder?

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