Freitag, 27. November 2009

Happy Thanksgiving, eat that turkey!

Nun ist sie also offiziell da, die "Holiday Season", mit dem gestrigen Thanksgiving hat in den Staaten offiziell die Adventszeit begonnen (der erste Advent ist ja bei uns auch schon übermorgen). Ich wollte ja eigentlich noch vor gestern gebloggt haben, aber die Festtagsvorbereitungen waren etwas stressig, also gibt es jetzt den Rundumschlag seit letzter Woche. Ich bin ja einigermaßen stolz darauf, dass ich es bislang immer noch jede Woche geschafft habe, hier eine Nachricht abzusetzen. Die vielen positiven Rückmeldungen und E-Mails ermutigen mich auch weiterhin euch an meinem amerikanischen Alltag teilhaben zu lassen.
Fangen wir also von vorne an. Am vergangenen Freitag predigte ich ja im Schulgottesdienst. Bis auf die Tatsache, dass ich mit 25 Minuten gerechnet hatte, dann nur 15 zur Verfügung hatte und nicht ganz durchgekommen bin, war ich wirklich zufrieden. Beim nächsten Mal versuche ich es dann noch etwas freier, aber ich habe von allen Seiten sehr ermutigendes Feedback bekommen. War ich also mit meinem früheren Berufswunsch Pfarrer nicht ganz so falsch. Für Samstag morgen habe ich mich dann warum auch immer zu einem Basketballtraining um 8 Uhr bequatschen lassen, was wieder Spaß gemacht hat, aber einfach für SA wesentlich zu früh war. Damit aber dann nicht genug, danach habe ich bei Doanes auf dem Grundstück gearbeitet, die Scheune für die bald kommenden Pferde hergerichtet und gekocht. Immerhin habe ich es dann aber abends geschafft was zu unternehmen (und mal wieder ein paar Fotos zu schießen, die wie immer hier zu sehen sind) und bin mit Lyndy zur Beleuchtung des Weihnachtsbaums im benachbarten Westlake gefahren. Irgendwie war das dann aber doch noch eine Wooche zu früh im Jahr, es war zu warm für Weihnachtsstimmung, die Weihnachtslieder wirkten etwas deplaziert, aber wir hatten einen spaßigen Abend. Als dann Santa Claus mit 20 Marines im Hummer (nein, nicht das Schalentier) zur Bühne gefahren wurde, war dann auch dem Letzten bewusst, dass wir hier in den Staaten sind.
Die Schulwoche ging unheimlich schnell rum, waren ja auch nur zwei Tage mit Montag und Dienstag vor unseren Thanksgiving-Ferien. Mittwoch wurde dann schon fleißig vorbereitet für das große Fest und da zu Thanksgiving die meisten Studenten vom College nach Hause kommen, gab es ein Freundschaftsspiel der Basketball-Mädels mit denen ich ja ein paar mal trainiert habe gegen Ehemalige. Da nicht genug Ehemalige am Mittwoch morgen (schon wieder zu früh) konnten, habe ich dann ausgeholfen und mitgespielt. Nun aber zum spannenden Teil des Berichts: Thanksgiving am Donnerstag!
Thanksgiving wird immer am letzten Donnerstag im November gefeiert und hat einen ebenso hohen Stellenwert wie Weihnachten. Und um ehrlich zu sein: Keine Geschenke kaufen zu müssen und trotzdem schön mit der Familie feiern (und schlemmen) zu können war wirklich sehr angenehm. Die Ursprünge des Festes sind nicht so wirklich klar aufgedeckt, jedenfalls begibt man sich in die Tradition der Pilgerväter aus Amerikas Kolonialzeit und widmet einen Tag dem Dank an Gott und seine Mitmenschen. Für mich begann der Feiertag schon um 6 Uhr morgens, denn wie immer gab es in einer der Gastfamilien etwas zu tun. Onkel Bob veranstaltet jedes Jahr ein großes Thanksgiving-Frühstück für die Gemeinde und da er letzte Woche an der Schulter operiert wurde, mussten die ältesten Cousins und ich einspringen und ab 6:30 Uhr Eier rühren, Brötchen backen (leider keine leckeren nach deutscher Art), Frühstücksburritos vorbereiten, und so weiter... Amerikaner sind beim Frühstück auch echt schmerzlos, das seltsamste Gericht ist dabei wohl "Sausage Gravy", angebratenes Hack aus dem dann eine möglichst fette Mehlschwitze hergestellt wird. Das wird dann großflächig über allem verteilt und schmeckt zwar ganz gut (vor allem weil ich die Ehre hatte den Kochlöffel zu schwingen, haha!) verursacht aber am frühen morgen schon reichlich Sodbrennen und Übelkeit.
Nachdem dann gespült und aufgeräumt war ging es zu Hause gleich mit den Vorbereitungen für abends weiter. Ich wollte etwas Spezielles zum großen Dinner beitragen und hatte deshalb Pfälzer Esskastanien (Pälzer Keschdegemies) angekündigt. Leider hatte Silvia ganz recht als sie mich am Telefon für verrückt erklärt hatte, 2 kilo Esskastanien zu pulen. Wir haben dann auch zu dritt fast eine ganze Stunde gebraucht all die Maronen fertig zu bekommen und dann waren sie zwar gekocht aber ja immer noch nicht richtig zubereitet. Letztlich hat aber alles gut geklappt und auch wunderbar geschmeckt. Zu Thanksgiving gibt es hier ja traditionell einen großen Truthahn, der die Ausmaße deutscher Öfen wohl im Regelfall sprengen würde. Unserer hatte 25 Pfund, musste aber auch 31 Mäuler stopfen. Wir waren also eine ziemlich große Gruppe bei Omi und Opi, dabei waren nur 2 der 3 Familien da weil Onkel Rick mit seiner Familie Urlaub in New York City machte. Zu den 2 großen Familien kamen dann aber noch Großonkel und -tanten, und reichlich Freunde und Freundinnen, aber das war bei der Menge an Essen die es gab dann auch nicht mehr wichtig. Nebst dem allgegenwärtigen Truthahn gab es Cranberry- und Bratensause, Kartoffelpüree, Rotkohl, Süßkartoffeln, Esskastanien, Kürbispüree, Bohnengemüse und Truthahnfüllung (die aber als Beilage gegessen wird). Auch die Nachtischecke bog sich unter 7 Kuchen, Eis und Leckereien. Dazu gab es Rotwein, eigentlich in Maßen, aber ich hatte schon beim Kochen begonnen und nach dem fünften oder sechsten Glas war die Stimmung dann auch entsprechend... Nach dem Essen saß man dann in lockeren Gruppen zusammen, schaute Weihnachtsfilme oder machte ein Nickerchen (auch das ist Tradition habe ich mir sagen lassen). Insgesamt ein wunderbarer Abend mit Familie und Freunden der von Weihnachten schwer zu toppen sein wird. Auch davon gibt es Bilder hier. Auf jeden Fall kann ich für nächstes Jahr schon mal ein deutsch-amerikanisches Thanksgiving in Mainz ankündigen. ;)
Heute ist jetzt der sogenannte Black Friday, der größte Shoppingtag in den Staaten. Letztes Jahr wurde ein Mann beim Ausverkauf zu Tode getrampelt und die Geschäfte öffnen teilweise schon um 5 Uhr morgens um den Besucherströmen gerecht zu werden. Ich werde mich gleich nach dem Abschicken dieses Blogs auch ins Getümmel stürzen und mal schauen ob ich ein paar Sachen finde, wenn die Wühltische nicht schon abgegrast sind. Heute Abend dann mehr Basketball, die Mädels haben ein Turnier im etwas südöstlich gelegenen Akron, bei dem ich als Co-Trainer auf der Bank sitzen kann. Sonntag geht es dann für das erste meiner drei Star Wars-Konzerte nach Pittsburgh, Pennsylvania, das dann die etwas stressige Konzertzeit einläutet. Freue mich aber drauf, die Proben machen Spaß und geben meinem Alltag Struktur.
Einen letzten Thanksgiving-Brauch habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben, dass man nämlich ausdrückt wofür man dankbar ist:
Für meine Familie in Deutschland, die mir den Rücken freihält, diesen Aufenthalt möglich gemacht hat und mich immer in meinen Entscheidungen unterstützt hat.
Für meine (Gast)-Familie in den Vereinigten Staaten, die mich wie einer von ihnen aufgenommen hat und mich in einer der prägendsten Erfahrungen meines Lebens begleiten.
Für meine alten und neuen Freunde in der Heimat, die mich mit Nachrichten auf dem Laufenden halten, mit Interesse meine Berichte verfolgen, mein Heimweh mit Telefonaten lindern und mir die Sicherheit geben auch noch viele tolle Freunde zu haben wenn ich nächstes Jahr wieder komme.
Für die Gnade Gottes, der seinen Sohn für uns am Kreuz opferte um uns das ewige Leben zu geben und dessen Liebe größer und höher ist als jeder Verstand.

2 Kommentare:

  1. Lieber Daniel,
    das klingt ja wieder ereignisreich und abgesehen davon so richtig amerikanisch...
    Ich freue mich schon auf das Thanksgiving in Mainz! Würde auch was für den Essensberg beisteuern! ;o)
    Sei umarmt!
    Deine Christine

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  2. ich bin auch großer mittagsschlaf-fan...
    und mein opa und ich liegen auch immer so da :-D

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