Freitag, 8. Januar 2010

Snow Day!

Ich kann mich nicht daran in Deutschland jemals schneefrei gehabt zu haben... Hitzefrei ja, aber so viel Schnee gibts ja bei uns in der Pfalz bekanntlich nicht. Dazu muss man sagen, dass es hier in Ohio wirklich viel Schnee braucht um die Schulen lahmzulegen, letzte Nacht gab es aber endlich genug! Am Montag begann ja die Schule schon wieder und jeden Tag blickten alle gespannt auf das Schneetreiben, verfluchten die Räumfahrzeuge und wünschten sich einen Schneetag herbei. Heute wurden unsere Gebete dann schließlich erhört und nachdem letzte Nacht noch mal ungefähr 20 cm gefallen sind und die Räumfahrzeuge nicht schnell genug die Straßen freischaufeln konnten wurde heute die Schule abgesagt. Schnee an sich liegt schon seit letzter Woche, die Temperaturen sind permanent unter null und die Straßen nie wirklich komplett frei. Man gewöhnt sich dran und die Menschen hier im Nordwesten sind es gewohnt und leidensfähig. So wurde dann am Samstag vergangene Woche ganz pragmatisch das Schneemobil ausgepackt und auch bei Wetter in dem sich kein Deutscher daheim vor die Tür wagen würde weiter am Pferdezaun gearbeitet.
Sonntag habe ich dann genutzt meine Unterrichtsvorbereitungen für den Rest des Halbjahres fertigzustellen und am Montag ging es weiter. Aber wie hart das war morgens um 6 aus dem Bett zu kommen. Is ja nicht so wie an der Uni, dass man nach den Ferien mal gemütlich zu nem Kurs um 10 kommt, um 14 Uhr noch eine Vorlesung hat und dann vielleicht abends noch Probe, nein. Hier geht es um 6 aus den Federn, um 20 nach 7 aus dem Haus, um halb vier nach Hause, um halb 6 zur Probe und um halb 12 endlich ins Bett. Aber nächste Woche hab ich mich wieder dran gewöhnt und quäle mich nicht mehr so wie diese Woche noch. Die Schularbeit war hingegen ein Segen. Wegen vieler Chorproben und Weihnachtsfeiern, Projekten und all dem Schmarrn waren die Wochen im Dezember für den Unterricht ganz furchtbar ätzend, während man sich jetzt endlich mal wieder aufs Fach und den Stoff konzentrieren kann. Noch zwei Wochen bleiben Zeit um in diesem Halbjahr Noten zu machen, Tests zu schreiben und Unterrichtseinheiten zu beenden. Das macht dann auch mal wieder richtig Spaß! Natürlich war der Schnee die ganze Woche ein Thema, aber erst letzte Nacht war es genug um unseren Schulleiter zu überzeugen, wobei die Lehrer sich sicher den Schneetag genauso (wenn nicht sogar noch mehr) als die Schüler gewünscht hatten. Und weil nächste Woche das Wochenende auch verlängert ist (der darauf folgende Montag ist "Martin-Luther-King-Tag") haben wir nun zwei lange Wochenenden in Folge vor uns. Die Zeit dazwischen werden wir nutzen, um das alljährliche Theaterstück für das Frühjahr vorzubereiten. Ich weiß ja nicht, wie das Theater-AGs in Deutschland machen, aber wohl sicher nicht so... Dienstag: Rachel (die verantwortliche Lehrerin) entscheidet sich für ein Stück ("Peter Pan", ich freu mich so!); Mittwoch: Das Vorsprechen wird angekündigt; Donnerstag: Die Schüler sprechen für die Rollen vor; Montag: Die Proben beginnen und wenn alles so läuft wie geplant wird das Stück in gerade mal 10 Wochen aufgeführt. Wie immer bin ich natürlich involviert und werde mich wohl um die Piratenlieder und die Fechtkämpfe kümmern. Aber unglaublich wie scheinbar spontan diese Sachen hier aufgezogen werden. Das ganze ist natürlich nur mit der typisch amerikanischen Einstellung zur Schule zu bewältigen. Geprobt wird vier bis fünf mal die Woche für zwei Stunden nach der Schule, da würden dir in Deutschland die Schüler wohl nur den Finger zeigen...
Den Tag heute habe ich genutzt um auszuschlafen, Filme zu schauen und ein paar Bilder zu schießen. Die Ergebnisse meines Weges um das Haus sind wie immer hier anzuschauen. Im Garten, wo der Schnee nun schon seit kurz nach Weihnachten liegt bin ich wohl bis zu einem halben Meter eingesungen, irre Schneemassen für deutsche Verhältnisse. Leider sind die nächsten Berge doch etwas entfernt, sonst würde ich sicher die Ski auspacken und mich nach Jahren auch mal wieder auf die Piste wagen. Bis morgen früh soll es auch noch weiterschneien, mal sehen was noch runterkommt, heute Abend feiern wir erst mal Abschied von Luke, dem ältesten der Cousins. Der war nach dem High-School-Abschluss für zwei Jahre an einer großen Uni im Süden Ohios (Miami University, nein, nicht in Florida, das dachte ich auch zuerst), war nun das letzte halbe Jahr wieder daheim um sich ein bißchen klarer zu werden und geht nun zurück. Also lassen wir es heute Abend noch mal richtig krachen. Bei den Wetterverhältnissen würde ich ja eigentlich nicht mehr nachts durch die Gegend gurken, aber ich muss ja nicht fahren und wie bereits gesagt, die Ohioans sind wesentlich Schlimmeres gewohnt...

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