Mittwoch, 3. Februar 2010

Take one step left, one step right, one to the front and one to the side

Wieder ist es mehr als eine Woche als ich das letzte mal gebloggt habe, diesmal war ich aber gar nicht so unmotiviert, sondern eher stark beschäftigt mit allem möglichen was mein Schreiben verzögerte. Gestern waren es noch sehr genau 5 Monate bis ich wieder in Deutschland lande, Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht. Das klingt zwar ausgelutscht, aber die fast 6 Monate die ich schon hier bin sind so unglaublich schnell vergangen, und ich erwarte nicht, dass mir das nächste halbe Jahr irgendwie langweilig erscheinen wird.

Zwischen dem letzten Beitrag hier und heute liegen also zwei Wochenenden, und sogar ganz schöne, deswegen beginne ich mal von vorne. Am Wochenende direkt nach dem Beitrag habe ich das Musical Chicago gesehen. Da ich bei Wicked beim letzten mal so wenig Beinfreiheit hatte rief ich vorher an und erkundigte mich nach Sitzen mit mehr Platz und bekam einen Platz genau in der Mitte in der ersten Reihe vor einem Gang, also mit reichlich Raum um die Beine auszustrecken. Und das ganze für nur $35, also umgerechnet 25€. Für eine Broadway-Show (auf Tour) ist das wirklich unheimlich billig. In Zukunft werde ich das also immer so machen und ein paar Shows kommen auch noch in die Stadt so lange ich noch da bin. Das Musical selbst hat mich nicht so begeistert wie Wicked, war aber immer noch klasse gemacht. Ich hatte zuvor nur die Filmfassung gesehen, also war ich etwas überrascht, dass alles sehr sehr spartanisch gehalten war, es wurden keine Requisiten benutzt, keine Bühnenteile, nur Tanz, Gesang und Fantasie. Die Big Band war in der Mitte der Bühne platziert und nahm am Geschehen teil. Die Qualität war großartig, die Darsteller klasse und die Choreografien wirklich toll anzusehen, für mich war es wohl nur nicht so ganz mein Musik-Stil, sehr jazzig, beswingt, die goldenen Zwanziger eben. Hatte trotzdem einen tollen Abend. Die darauf folgende Woche war dann die erste des zweiten Halbjahres, wir Lehrer mussten also unsere Noten zusammenrechnen (oder noch machen, ich hatte noch einen späten Test), in den Computer eintragen und den Eltern bei zwei Elternsprechtagen erklären. Ich merke grade wie ich das schreibe, dass mein Leben hier in den USA weit weniger glamourös und spannend ausfällt als die ersten Wochen und meine ersten Blogeinträge vielleicht vermuten ließen. Was soll ich von dieser Woche noch berichten? Basketball, Deutschunterricht, Bibelgruppe… Nichts wirklich Besonderes… War die Woche außerdem etwas angeschlagen und hatte mir ein sehr ruhiges Wochenende verordnet aber erstens kommt es ja bekanntlich immer anders und zweitens als man denkt. Freitag fand der sogenannte „Winter Formal“ statt. Eine Art Ball für die Schüler für den sich alle aufbrezeln, Dates organisieren und in einem Country Club schick essen und einen schönen Abend haben. Da die Tickets $30 kosteten wollte ich eigentlich nicht gehen. Ich sah den Zweck von mir als Lehrer auf einer Schülerveranstaltung nicht so ganz wenn ich dafür ein Fünftel meines monatlichen Verdienstes hinlegen sollte... Außerdem, wie gesagt, war ich etwas verschnupft. Am morgen zwischen zwei Konferenzen erfuhr ich dann aber dass der Mann von Mrs. Aey, der Englischlehrerin, nicht kommen konnte und er eines von dreien kostenlosen Tickets für Aufsichtspersonen hatte. So kam ich also zu einem gratis Ticket und entschloss mich auch trotz Schnupfen zu gehen, ich konnte ja immer noch zwischen Schule und Party ruhen. Aber nix da! Ihr habt ja sicher schon mitbekommen, dass meine Familie(n) ganz gerne mal feiern und Gäste einlädt. Vor dem Winter Formal trafen sich also die Cousinen mit ihren Dates und Klassenkameraden bei Tante Nancy, und danach trafen sich alle bei Tante Karen! Daniel wie immer mittendrin statt nur dabei, nach der Schule also aufs ausruhen verzichtet und zuerst bei Karen für die After-Party gekocht und danach bei Nancy für die Vor-Party geholfen, daheim umgezogen und schon ging es wieder los. Schon um 5 trafen sich die Familien bei Nancy, im Endeffekt nur um Bilder zu machen. Man stellt also die Kids in den verschiedensten Kombinationen an die Wand und Omas, Eltern, große Geschwister und Austauschlehrer versammeln sich darum und machen zahlreiche Bilder. Meine Ergebnisse sind hier zu begutachten. Der Formal an sich war dann ganz witzig und hat mich an meine Tanzschulbälle erinnert, nur ohne Tanzen… Es gab „gutes“ Essen, die Mädels kamen in Ballkleidern, die Jungs in Anzügen, es gab ein paar Spiele, eine Lehrerparodie und am Ende wurde sogar noch ein ganz klein bisschen getanzt. Natürlich nicht mit Anfassen, das gibt’s bei CCS nicht, sondern nur in einer Reihe und gemeinsam 4 Schritte nach links, 4 nach rechts, 2 mal hüpfen und ein mal drehen. Das war aber schon so gewagt, dass um das abzusegnen allen Eltern ein Brief geschrieben wurde und gefragt wurde ob sie denn Bibelverse gegen das Tanzen anzubringen hätten. So ist das halt hier. Ich hatte jedenfalls am Lehrertisch meinen Spaß, wir hatten nette Unterhaltungen und erfreuten uns an den ein oder anderen modischen Fehltritten der Kids.

Samstag war dann also endlich mal Zeit um ordentlich auszuruhen, oder? Nicht ganz, nach einer Trauerfeier für den Sohn einer Freundin von Omi in der Kirche ging es gleich wieder in die Schule für 6 Stunden Basketball. Ich musste als Scorekeeper einspringen und hatte 3 Spiele in Folge abzudecken. Da weint dann irgendwann die Konzentration, grade weil man in der Nacht zuvor nicht so viel geschlafen hat und etwas kränkelt.

Für Sonntag war ich dann immerhin wieder so weit fit, dass ich singen konnte und das war auch dringend notwendig, denn ein weiteres Konzert mit dem Cleveland Orchestra Chorus stand an. Diesmal nicht mit dem Orchester, sondern nur zu Orgelbegleitung, aber immer noch in Severance Hall. Es gibt vom letzten Stück ein Video, aber momentan nur auf facebook wie ich das sehen kann. Vielleicht kann es ja jemand mit facebook denen ohne hier zeigen wenn es Interesse gibt. Die Orgel war jedenfalls so dröhnend laut dass ich mich in der vorletzten Reihe nicht habe singen hören, aber offensichtlich kann man den ganzen Chor, bestehend aus über 300 Sängerinnen und Sängern für dieses Stück immer noch hören, Gänsehaut inklusive!

Wer jetzt Angst um mich hat, ich hätte vielleicht mit Winter Formal, Basketball und Konzert (mit Probe direkt davor) nicht genug Schlaf und Ruhe bekommen, den kann ich beruhigen. Das habe ich gestern nachgeholt, als ich endlich mal einen freien Abend hatte, nach der Schule nach Hause durfte und den ganzen Abend nur gechillt habe, früh ins Bett bin und ordentlich geschlafen habe. So bin ich also heute wieder recht erholt und gestärkt für die kommende Woche. Viel sollte hier nicht passieren, aber mit all den Verpflichtungen und dem Üblichen ist es ja auch schon genug. 5 Monate also noch, 21 Wochen bis ich wieder daheim bin... Langsam wird es doch Zeit!

4 Kommentare:

  1. Sehe ich das richtig, dass Dates quasi Pflicht sind, aber dann Tanz u.Ä. mehr oder weniger verboten ist? Very strange! ;) Und wozu dann das Aufbrezeln? Darf man denn wenigstens mit seinem Date am gleichen Tisch sitzen oder ist das auch noch nach Männlein/Weiblein getrennt??? :D

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  2. "Dates" gehören schon irgendwie dazu, aber sind nicht verpflichtend. Wahrscheinlich kamen so ungefähr die Hälfte als Pärchen, was aber immer noch ganz casual ist. Und am Tisch saßen die dann auch zusammen, aber irgendwie ist das Ganze doch die stark abgespeckte Variante von dem was an öffentlichen Schulen wohl so los ist...

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  3. gibt es zufällig auch nen video von eurem line-dancing? :-D

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