„Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich im Flugzeug von Denver nach Spokane. Seit ein paar Minuten ist der Himmel frei von Wolken und die Sicht frei auf die atemberaubende Berglandschaft der Rocky Mountains unter mir. Eine tiefe Melancholie umfängt mich und wenn ich aus dem Fenster schaue kann ich Tränen kaum zurückhalten, so schön ist der Ausblick. Mit dieser Reise geht ein über 10-jähriger Traum in Erfüllung, tief verwurzelt im Aufwachsen mit meinem Vater. Dazu lese ich Schriften von Frere Roger aus Taizé der mich mit seinen Gedanken sehr bewegt. „Liebe, und sag es mit deinem Leben“ ist eines der Zitate die mich beschäftigen und ich freue mich darauf im Herbst selbst eine Woche in der französischen Gemeinde zu verbringen. Ich lese Psalm 8, der passender nicht sein könnte beim Anblick der majestätischen Gipfeln unter mir: „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“
Ich bin voller Freude über das vergangene Jahr, das ich mit meiner Reise abschließe, voll Freude über die Freunde dich ich gemacht habe und über die Gemeinschaft in der ich leben und arbeiten durfte. Ich glaube, das alles ist nur der Anfang eines neuen Ichs, gekreuzigt mit Jesus Christus (Galater 2,20) und getauft durch den Heiligen Geist, der mir ein Leben in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut und Selbstbeherrschung ermöglicht.
Ich komme nicht umhin, an das Lied „Into the West“ zu denken (und es in Dauerschleife im iPod abzuspielen), mit dem Annie Lennox die Herr der Ringe-Trilogie abschließt. Der Westen ist darin Sinnbild für das ewige Leben der Elben, der Tod nur eine Schifffahrt auf dem Weg in ein fernes Land wo ein neues Leben beginnt. Obwohl ich weder Elb noch Hobbit bin (wobei, der Appetit, die behaarten Füße…) verbinde ich dieses Lied mit meiner Reise und mit dem Heimkommen. Und jetzt liegt im Westen sowohl ein Ende, als auch ein Neuanfang. „You have come to journey’s end“, du bist am Ende deiner Reise angekommen. So weit ist es noch nicht ganz, aber inzwischen ist es ganz eingesickert dass ich bald schon wieder zu Hause bin. „The ships have come to carry you home.“
So viel also zu meinen Gedanken während der Reise. Nun aber noch mal ein kleiner Bericht wie alles lief und was ich in den ersten 3 Tagen hier in Idaho erlebt habe. Die vergangene Woche war ja die letzte in der Schule, montags hatte ich gleich frei und dienstags musste ich nur meine Abschlussklausuren beaufsichtigen. Dienstagabend dann gleich schon Korrektur und Mittwoch kam ich dann nur noch in die Schule um mein Zimmer auf- und den Schreibtisch auszuräumen, die Arbeiten fertig zu korrigieren und mich zu verabschieden. Dabei entstand dieses Bild mit all meinen Deutsch-Schülern:
Am Mittwoch haben wir dann außerdem auch endlich eine Entscheidung über meine Nachfolgerin getroffen, nachdem es da ein bisschen Verzug gegeben hatte. Nun wird mich eine 28-jährige Studentin aus Berlin ersetzen, und ich bin gespannt wie sie sich als Atheistin an der CCS schlagen wird. Selbst Kontakt habe ich mit ihr noch nicht aufgenommen, aber wenn ich wieder daheim bin werde ich sicher mal mit ihr mailen oder sprechen und ihr alle nötigen Infos geben. Am Donnerstag ging es dann mit den meisten Schülern und ein paar Vätern in den Freizeitpark Cedar Point, einem der größten (und besten) in den Staaten und der Welt, und diesmal hatte ich im Gegensatz zu unserem Besuch im Oktober eine richtig gute Zeit. Wir waren von morgens bis spät abends da und wenn ich nicht verantwortlich war, dass alle Kids sich regelmäßig bei uns Betreuern melden bin ich fast alle großen Achterbahnen gefahren und hatte einen riesen Spaß. Den Freitag habe ich dann meinen ganzen Kram aufgeräumt, Wäsche gewaschen und die meiste Zeit des Tages mit Fußball schauen verbracht (neben dem obligatorischen Besuch im Fitnessstudio). Den Morgen hing ich aber erst mal in Warteschleifen der Fluggesellschaften fest, weil eine Mail ankam die mich an meinen Flug am Sonntag erinnern wollte. Dabei hatte ich doch für Samstag gebucht! Wie sich herausstellte wurde mein Flug schon im April gecancelt und auf Sonntag umgelegt, man hat scheinbar nur vergessen mir das zu sagen. Das war also erst mal große Aufregung, aber im Endeffekt wars dann auch egal, wie sich herausstellte war es sogar fast besser so herum. Am Samstag hatte ich dann nämlich Zeit auf eine Veranstaltung meines Schülers DJ zu gehen, der in einer groß angelegten Zeremonie die „Eagle“-Auszeichnung der amerikanischen Pfadfinder verliehen bekam. Ich wusste nicht so ganz was mich erwarten würde, aber das ist wohl die höchste Auszeichnung die man erlangen kann und wie man hier sagt „a big deal“. Zurück zu Hause schaffte ich es erfolgreich, das Packen weiter vor mir her zu schieben und schaute bei Onkel Bob das Spiel der US-Boys gegen England. Dann aber packen, und das tat ich im Endeffekt bis ich um 8 Uhr abends ins Bett ging. Zum Glück schlafe ich ja zu jeder Uhrzeit, denn um 2 Uhr nachts wars schon vorbei mit der Nachtruhe und ich musste mich fertig machen, um 3 Uhr losfahren, damit ich rechtzeitig um halb 5 am Flughafen für meinen 6-Uhr-Flug bin. Hat auch alles wunderbar geklappt, die Flüge waren angenehm und die Aussicht auf dem Weg von Denver nach Spokane unbeschreiblich. Dort holten mich Tante Doris und mein Großcousin Gary vom Flughafen ab und es ging von Washington (State natürlich) nach Idaho.
In Coeur d’Alene (oder kurz CdA) angekommen machten wir gleich nach dem Mittagessen einen ausführlichen Ausflug an den See, an dem die Stadt liegt. Wohin man schaut hat man hier eine schöne Aussicht, und der See selbst ist einfach nur traumhaft. Dementsprechend ist CdA heute auch fast nur noch als Touristenstadt bekannt, die Bergbauindustrie ist lange geschlossen und von der Holzindustrie kann die Region nicht leben. CdA ist also eine ausgewiesene und bekannte Urlaubsstadt für Leute aus dem ganzen Nordwesten, und überall sieht man Golfer und Segler, große Yachten und Familien auf Fahrrädern. Am Montag hatte Tante Doris noch einen weiteren Tag frei und gemeinsam fuhren wir in das bekannte CdA-Resort in dem sie im Housekeeping arbeitet. Das Resort ist das größte und beste in der Region, direkt am See gelegen trohnt es über der Stadt und ist mit dem 18-Loch-Golfkurs ihr Aushängeschild und Touristenmagnet. Durch Doris Job konnten wir natürlich in alle Bereiche des Hotels und Highlight war natürlich die Penthouse-Suite im obersten Stock, mit Whirlpool auf dem Balkon, Pool auf dem Dach und einer gigantischen Aussicht über den See. Vom Hotel fuhren wir dann nach Westen, fast bis nach Montana und besuchten eine alte Missionarskirche, das älteste Gebäude Idahos. Fast unvorstellbar dass vor 200 Jahren hier noch kein Haus stand und nur die amerikanischen Ureinwohner lebten. Geschichte ist noch so neu hier. Dort sahen wir auch ein paar Elche, zwar nur in der Ferne, aber die Viecher waren dennoch riesig!
Auf dem Heimweg durch die Berge machten wir noch einen letzten Stopp in einer bekannten Bar, der „Snake Pit“. Mein Cousin Harald aus New Jersey, der ja hier aufgewachsen ist, meinte wir müssen unbedingt hierher und die „Rocky Mountain Oysters“ probieren, die Rocky Mountain-Austern. Als ich dann kapierte dass das natürlich keine Muscheln sind, sondern Stierhoden bestellte ich dann aber doch lieber was anderes… Heute ist Doris arbeiten und ich habe noch keinen Mietwagen, also sitze ich fürs erste hier fest, werde aber wohl gleich den Fußweg in die Stadt in Kauf nehmen (bestimmt über eine Stunde, aber immerhin gibt es Bürgersteige) und mich in ein Internetcafe und dann an den See setzen. Morgen gibt es dann das Auto und dann habe ich noch zwei Ausflüge hier in der Gegend geplant bevor es nach Seattle geht. Davon berichte ich dann aber beim nächsten mal.
PS: Nach einer Stunde strammen Laufen habe ich hier im Stadtzentrum ein tolles Café gefunden wo ich grade einen Salat gegessen habe und jetzt Espresso und Eistee schlürfe und Bilder hochlade. Wie immer gibt es eine Auswahl auf Facebook oder im Online-Fotoalbum hier.
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