Montag, 21. September 2009

Welcome to the boonies!

Oder auch: Willkommen in der Pampa, wie man bei uns eher sagen würde. Da ich grade etwas Zeit habe und die gerade begonnene Woche voll ausgebucht ist, will ich euch heute über das letzte Wochenende berichten und was bei mir jetzt so ansteht.
Am Freitag fuhren Opi und ich mit einer Ladung Feuerholz, diversen Maschinen und was man sonst noch so brauchen könnte nach Süd-Ohio, wo die Familie ein Jagdanwesen unterhält. Das ganze besteht aus 72 Hektar Land, einer großen Scheune mit Traktoren und schweren Maschinen, einem Haupthaus, einer großen Blockhütte und einem weiteren Anwesen in dem ein Pächter lebt, der auf das Gelände aufpasst. Wirklich schön gelegen fährt man 3 Stunden durch endlose Mais- und Sojabohnenfelder, ohne einen einzigen Hügel zu sehen. Erst nach einer Weile wird es dann etwas bergiger und erinnert ein wenig an den Pfälzer Wald. Auf dem Weg haben wir einen Abstecher in ein amisch-deutsches Restaurant gemacht, gegessen und in einer Käserei Käse und Wein besorgt. Die Amish People dort sind wirklich wie man es sich vorstellt: Altmodische Kutschen, die Männer mit langen Bärten, keinen Knöpfen und Strohhüten, die Frauen mit Haube und einfachen Kleidern. Im klimatisierten Auto zu sitzen, Radio zu hören und sich den obersten Hemdknopf aufmachend fühlt man sich dann schon wie in einer anderen Welt. Im Hunting Camp angekommen gab mir Opi erst mal die Tour, die uns dann vor allem zu einem wundervollen Aussichtspunkt führte. Benannt nach Karen, die das Plateau bei einem Spaziergang entdeckte heißt dieser nun "Doane Point" und bietet eine unglaubliche Sicht auf ein fast unberührtes Tal, in dem Weißwedelhirsche durch die Heide springen und einzig die Fabriktürme eines Kraftwerkes in weiter Entfernung das Bild etwas stören (alle Bilder wie immer hier). Leider war die untergehende Sonne so stark, dass die Bilder alle etwas zu viel Licht abbekommen haben, aber ich glaube man kann die Magie des Ortes auch so ganz gut erahnen. Nach einer Inspektion der Lebensmittelvorräte hab ich es endlich geschafft, mein erstes Buch fertig zu lesen (ein Geschenk von Cyril: "Life and Times of the Thunderbolt Kid", unglaublich lustige Kindheitserinnerungen von Bill Bryson) und versuchte so viel Schlaf wie möglich zu bekommen. Dank Stauballergie und unserem straffen Samstags-Zeitplan gab es allerdings nicht so viel davon, und so waren wir morgens schon um 6 wieder auf Tour und haben diverse Anwesen besucht, Opi hat Geschäfte gemacht, einen Tischler gesucht und wir kauften für abends ein. Während Opi dann mittags im Hunting Camp Feuerholz sammelte kochte ich Essen für die 22 weiteren Gäste, die wir am frühen Abend erwarteten. Pünktlich um 17 Uhr gab es dann für alle Salzkartoffeln, Schinken (ein Monstrum), Mais und Champignongemüse. Nach dem Essen fuhren wir zusammen nach Cambridge um in einem Freilichttheater ein Passionsspiel zu sehen. Das ging wirklich lang und war nicht gerade spannend (die Geschichte dürfte ja bekannt sein), aber immerhin ganz okay gemacht. ;)
Zurück im Camp gab es ein riesen Feuer, mehr Essen, ein bißchen Musik und viel Spaß mit der Familie und Freunden. Sonntags dann nach dem gemeinsamen Frühstück noch mal ein Ausflug mit allen zu Doane Point und eine kleine Wanderung / Spaziergang durch das Tal, sowie ein improvisierter Outdoor-Gottesdienst mit musikalischer Untermalung vom CCS-Direktor Rick, dem Mathelehrer Abe und mir. Gottesdienste werden hier ja meist eh von Laien gehalten und so gab es im Endeffekt keinen Unterschied zu einem normalen Sonntagsgottesdienst. Die Nacht verbrachte ich übrigens in der Blockhütte, weil die Schlafzimmer im Haus von den "echten" Erwachsenen belegt waren. Während also die Mädels im ersten Stock der Blockhütte schliefen mussten die Jungs (inklusive teils Schüler von mir, sowie ein paar meiner Cousins) unten bleiben und auf dem Boden oder einer Couch nächtigen. Viel Schlaf gab es also wieder nicht, was meine heutige Müdigkeit erklären dürfte. Jedenfalls hatten wir trotz viel zu tun und wenig Schlaf eine gute Zeit in der Wildnis und nach einer Dusche am Sonntag zu Hause ging es mir auch schon wieder besser.
Diese Woche steht dann am Samstag das erste Konzert mit der Cleveland Symphony an: Beethovens Neunte. So wird dann die Woche drei mal geprobt und meine Abende sind ziemlich verplant und ich jetzt schon in Vorfreude auf einen freien Abend IRGENDWANN... Euch allen wünsch ich eine gute Woche wo auch immer ihr grade seid. Und Happy Birthday, Papa!

2 Kommentare:

  1. Ich würde ja so gerne meine Beethoven-mit-Akzent-gesungen-Sammlung um Cleveland ergänzen ;-)
    Viel Spaß dabei!

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  2. Es gibt ne Aufnahme vom Chor hier, wenn Du magst kann ich versuchen die zu besorgen. ;o)

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