Letzten Samstag war bei uns Sheffiel Pride Day, eine Mischung aus Kunsthandwerkschau, Stadtfest (aber ohne Alkohol) und Konzert. Für mich ging die Arbeit schon am Tag zuvor los indem ich drei gedeckte Apfelkuchen nach dem Familienrezept gebacken habe. Angeblich soll ich dabei sehr souverän gewirkt haben, aber für mich war das die Apfelkuchen-Premiere (geschmeckt hats jedenfalls zum Glück wie immer). Einer war jedenfalls für den Pie-Wettbewerb einer für die Auktion und einer für die Familie gedacht. Nach dem Backen (nicht zu vergessen 7 Stunden in der Schule) ging es dann zu Onkel Bob um Kohlsalat und das Fleisch zuzubereiten. Unsere Familie sorgte nämlich für das Catering am Pride Day, gesponsert von Opi. So gab es reichlich Arbeit und nach einer kurzen Nacht ging es Samstag früh auf den Parkplatz wo das ganze stattfinden sollte, auspacken, aufwärmen, Hot Dogs grillen, Sandwichs zubereiten usw. Insgesamt habe ich wohl 10 Stunden non-stop gearbeitet, am Grill gestanden und Essen verteilt. Aber Spaß hat’s gemacht und wir haben wohl über 1000 Essen rausgegeben. Nebst Hot Dogs und dem bereits erwähnten Kohlsalat gab es „Pulled Pork“, eine super leckere amerikanische Art Schweinefleisch zuzubereiten. Man nehme ein ca. 15kg schweres Stück Schweinefleisch (hier: Pork Butt, aber ich weiß nicht, ob man bei uns Schweinearsch kaufen kann), würze es mit Salz und gebe es für 4 Stunden bei mittlerer Hitze in den Ofen. Wenn es rauskommt, fällt das Fleisch schon bei kleiner Berührung auseinander und wird so „auseinandergezogen“ zu einzelnen Fasern. Die werden dann mit Apfelsaft und hausgemachter Barbecue-Sauce in großen Bottichen noch mal aufgekocht und dann auf einem Sandwich gegessen. Ist nicht viel Arbeit, braucht nur viel Zeit und schmeckt ganz fantastisch. In Deutschland werde ich das sicher auch mal machen zu irgendeinem Anlass. Um aber nicht zu lange über das Essen zu reden: Wir hatten einen ganz wundervollen Tag mit ganz vielen Mitgliedern des Gerent-Clans und ganz tolles Wetter (eigentlich zu gut, hatte Sonnenbrand). Bilder vom Tag gibt es hier zu sehen, hauptsächlich Bilder von der Familie, auf die hattet ihr ja sowieso gewartet. Als kleine Randnotiz sei angemerkt, dass mein Kuchen beim Wettbewerb keinen Preis gewonnen hat. Dafür hätte ich die doppelte Menge an Zucker verwenden müssen, so habe ich nur den deutschen Geschmack von Opi getroffen der hellauf begeistert von meinen Backkünsten war und den zweiten Kuchen (der dritte war ja eh schon daheim) für 80$ bei der Auktion ersteigert hat.
Am Sonntag dann Ganztagesprobe mit dem Chor, Brahms nimmt langsam Formen an, aber es ist anstrengend zwischen Langeweile (Arbeit an der deutschen Aussprache) und Überforderung (Fugen vom Blatt) die Konzentration für mehr als 2 Stunden aufrecht zu erhalten.
Am Montag war dann mein erster Elternabend, für den ich sehr aufgeregt war (das klingt nach schlechtem Deutsch aber ich kann grad nicht mehr besser, sorry :D ). Dazu gab es dann letztlich aber keinen Grund, die Eltern waren alle sehr nett und hatten von ihren Kids scheinbar nur gutes über mich gehört. Sowieso komme ich mit den Schülern hier super aus, auch die die ich nicht unterrichte. Inzwischen haben sie wohl raus, dass ich auch mal ein Auge bei den ganzen ultrastrengen Schulregeln zudrücke. Dass ich dann auch mal um meine Autorität im Unterricht ein wenig kämpfen muss ist dann wohl eigentlich nicht verwunderlich, aber eigentlich habe ich meine Jungs und Mädels meistens gut im Griff.
Dienstag habe ich mit den Doane-Cousinen Dirty Dancing gekauft und geschaut zu Ehren von Patrick Swayze, der ein Freund der Schwiegermutter von Tante Karen war und diese Woche wie die meisten sicherlich mitbekommen haben im Alter von 57 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben ist.
Interessant wurde es dann noch mal am Mittwoch, wo ich zu einer Bibelgruppe bei meinem Direktor eingeladen war. Ich wusste nicht so recht was mich erwartet, war dann aber letztlich sehr positiv überrascht. Die Mitglieder dieser Gruppe sind extrem unterschiedlich, von prophetisch-charismatisch bis konservativ und eher philosophisch war da alles dabei. Da hab ich mich als liberaler Christ nicht mehr ganz so unverstanden gefühlt. Irgendwie glaube ich, dass mir all die Jahre daheim schon ein solcher christlicher „Output“ gefehlt hat. Nicht, dass ich hier spiritueller oder religiöser geworden wäre, aber ich habe mehr Möglichkeiten es auszuleben und mit meinen Mitmenschen zu teilen. So wurde also gestern 3 Stunden gesungen, gebetet, diskutiert und in der Bibel gelesen, wobei der Bibel-Teil den geringsten Reiz auf mich ausübt. Jedenfalls habe ich eine sehr interessante junge Familie kennen gelernt, ein ehemaliger Lehrer an der CCS (30) und seine 26-jährige Frau mit ihren 2 Kindern. Ganz liebe Leute, die mich für bald zu sich nach Hause eingeladen haben und mit denen ich glaube ich zumindest weitestgehend ähnliche Ansichten teile.
Wie ihr seht, geht es mir also wirklich gut hier, ich reflektiere viel über mich und mein Leben und genieße es, auch neue Leute kennenzulernen. Wer mich erreichen will, kann dies jetzt auch mobil tun, meine Nummer stelle ich aber nicht ins Netz, sondern gebe ich nur privat heraus. Über Skype gibt es sogar die Möglichkeit mich für grade mal 1-2 ct./Minute anzurufen (und Judith hat davon schon reichlich Gebrauch gemacht), ich freu mich immer über Anrufe und jeglichen Kontakt. Am kommenden Wochenende werdet ihr mich auch nur auf dem Handy erreichen, da wir von Freitag bis Sonntag nach Zentral-Ohio fahren, mitten in die Pampa, ins Jagdanwesen der Familie, um die Natur zu genießen, leckeren Käse bei Amish zu kaufen, Kunsthandwerk zu betrachten (*hust*) und ein Freilichttheater zu besuchen. Bilder gibt’s dann natürlich auch wieder und nächste Woche hoffentlich einen ähnlich ausführlichen Bericht der Ereignisse. Bis dahin sende ich ganz liebe Grüße und viele Küsse in die Heimat.
schweinearsch :-D du weisst wie sehr ich lache...
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