Dienstag, 27. Oktober 2009

In the land of the pigs, the butcher is king

Da ist sie also, die Schweinegrippe. Ich konnte mein Glück ja kaum fassen, als der Arzt mir gestern die Diagnose überbracht hat. Aber gut, das gibt mir nun wenigstens etwas zu berichten. Lasst uns also zurückspulen zu letzter Woche Montag, als ich den letzten Beitrag verfasst habe und schauen wir uns meine ganze Woche von vorne an. Mir ging es ja schon am Wochenende bei den Konzerten nicht so gut, Kopfschmerzen und Unwohlsein waren an der Tagesordnung, und so zog sich das dann auch die letzte Woche hin. Dienstag war der absolute Höhepunkt, zu Kopfschmerzen, Schüttelfrost, bronchialem Husten und Nebenhöhlenentzündung kam dann auch noch Durchfall. Eigentlich hätte ich da wohl schon zum Arzt gehen sollen, aber ich dachte nicht an was ernsthafteres und wollte die ganze Sache erst mal aussitzen. In der Schule war ich trotzdem, bin aber nach der Mittagspause heim gefahren. Geschickte logistische Absprachen mit Tante Nancy machten es mir möglich, ein Auto zu haben und so war das kein Problem und ich schlief den ganzen Nachmittag. Mittwochs ging es dann schon besser, weit noch nicht gut, aber immerhin. Der pflichtbewusste Daniel geht also in die Schule, unterrichtet im Sitzen weil Stehen zu anstrengend war und zieht den ganzen Tag durch. Irgendwie wusste ich aber, dass ich noch nicht übern Berg war. So gab es dann Donnerstag die Quittung für einen vollen Tag CCS, wieder mehr Symptome und wieder heim nach der Mittagspause. Freitag dann aber noch mal CCS total, ich weiß ja auch nicht, warum ich nicht daheim geblieben bin, aber hier wird es wohl einfach zu sehr geschätzt, dass man sich wie auch immer zur Arbeit quält. Außerdem wusste ich, dass es sowohl für meine Schüler, als auch für meine Vertretung ätzende Deutschstunden gibt, wenn ich nicht da bin. Freistunden für die Kids sind nämlich keine Option, irgendwer unterrichtet immer.
Das Wochenende ging ich dann sehr ruhig an, mit dem Ziel, Sonntag wieder ganz fit zu sein. Also hing ich samstags nur daheim rum, ging zwischendurch mal einkaufen, kochte für die Familie (Frikadellen, Kartoffelpüree und Erbsen mit Karotten) und gönnte mir abends einen Kinofilm mit Christa, ihrer Freundin Emily, und einem Schulfreund. The Invention of Lying bot nette Unterhaltung und einige ziemlich derbe Lacher, aber so richtig vom Hocker hat es keinen gerissen. Sonntag fühlte ich mich dann tatsächlich ziemlich gesundet. Gesund genug, um vor der Kirche einen kurzen Abstecher ins benachbarte Naturschutzgebiet zu machen. Die Herbstfarben sind hier momentan wirklich prächtig. Eigentlich bin ich zwei Wochen zu spät, da gab es noch mehr rot und orange, aber die gelben Laubwälder bieten einen echt spektakulären Anblick momentan. Dort machte ich dann ein paar Bilder um den Blog etwas zu schmücken, sonst gibt das hier ja so ein tristes Bild... Das Wetter spielte auch mit, und nach fast Frost-Temperaturen in der Woche zuvor kletterte das Thermometer letzte Woche noch mal auf bis zu 20° C. Der eigentliche Grund, warum ich sonntags unbedingt fit sein wollte, folgte dann nach dem Gottesdienst. Mit einer Gruppe von Männern und Kids gingen wir Football spielen. Natürlich ohne tackeln (also umhauen), in unserem Fall "two hand touch football", man muss also den Ballträger mit beiden Händen zu fassen bekommen, um ihn zu stoppen. Die ganzen Regeln zu erklären würde jetzt zu weit führen, aber ich hatte viel Spaß beim Spielen und eigentlich keine Probleme.
Als ich Montag dann aufwachte, hatte ich nicht nur einen Muskelkater (Hintern!), sondern fühlte mich auch einigermaßen fit. Aber schon nach der ersten Stunde Schule fühlte ich mich wieder unwohl und die Symptome kamen zurück. Den Tag in der Schule hielt ich dann trotz mehrerer Schüttelfrostanfälle durch, entschloss mich dann aber zu Hause gleich, einen Arzt aufzusuchen.
In den Vereinigten Staaten ist es nun leider nicht ganz so einfach mit den Ärzten. Natürlich bin ich krankenversichert, aber irgendwas muss da schiefgegangen sein, weswegen ich mich erst mal eine Stunde mit der Sekretärin durch Papierkram wühlen musste, ein mal heim fahren musste um meine Sozialversicherungsnummer zu holen (auf dem Ausweis steht, dass man ihn NICHT mit sich führen soll. Dummerweise braucht man aber die Nummer beim Arzt. Vielleicht sollten die Vollidioten auch draufschreiben, dass man die Nummer auswendig lernen muss...) bis ich endlich die Arzthelferin und dann den Arzt zu sehen bekam. Nachdem ich meine Symptome beschrieben hatte und er noch diverses gecheckt hat, diagnostizierte er mich dann mit H1N1, oder eben auch Schweinegrippe genannt. Ich malte mir ja schon aus, dass ich nun ins Krankenhaus komme, auf die Quarantäne-Station, abgeschnitten von der Außenwelt, aber alles halb so wild. Er verschrieb mir zwei Medikamente und verordnete eine Woche Urlaub. Wäre auch viel zu riskant, die Kids weiterhin einem Schweinegrippenpatient auszusetzen und ich habe jetzt schon ein schlechtes Gewissen, dass ich die ganze letzte Woche gearbeitet habe und die Schüler dem Risiko einer Infektion ausgesetzt habe. Es grassiert aber auch einfach, der erste Schweinegrippenfall in der Schule wurde grad gestern morgen bestätigt, viele Kinder sind krank, wahrscheinlich viele mit der Grippe, aber die meisten Fälle verlaufen ja sehr glimpflich und sind dann nach ein paar Tagen Bettruhe schon wieder besser.
Die Medikamente zu bekommen, war dann wieder ein größerer diplomatischer Akt, sie konnten mir wegen meiner Krankenversicherung nicht ausgehändigt werden, also musste ich mit Amity telefonieren, die riefen wiederrum den Vorstand der Krankenversicherung an, der gab die Medikamente frei und ich konnte nach 4 Stunden Warten endlich die Tabletten abholen. Irgendwas scheint wohl bei meiner Aufnahme in deren System schief gelaufen zu sein, aber jetzt sollte alles geregelt sein und ich kann krank werden ohne mir Gedanken über eine horrende Arzt- und Medikamentenrechnung zu machen. Eine Woche Zwangsurlaub also, über den ich eigentlich ganz froh sein könnte. Irgendwie lässt mich das Gefühl aber nicht los, dass die Woche ganz schön hart werden wird. Ist ja nicht so, dass hier ständig Leute vorbei kämen um den Patienten zu besuchen. Natürlich, und wer will es ihnen verübeln, werde ich jetzt gemieden wie ein Leprakranker, und da Omi seit Sonntag in Florida ist und Opi immer arbeitet, bin ich jetzt erst mal alleine hier. Den heutigen Tag verbrachte ich dann mit einem ausgedehnten Herbstspaziergang (frische Luft tut ja bekanntlich gut, und das Wetter war einfach zu gut), Lesen, einem Film, ein paar Telefonaten nach Deutschland (ruft mich an, jetzt hab ich Zeit) und einem 3-Stunden Mittagsschlaf. Morgen will ich dann noch mal mit der Kamera losziehen wenn das Wetter mitspielt und noch ein paar Herbstbilder machen. Hab ja sonst nix zu tun. Vielleicht schaffe ich es auch endlich mal, mit einer von zwei noch ausstehenden Hausarbeiten zu beginnen, die Chancen stehen so 50-50 würde ich sagen. Noch ist die Langeweile jedenfalls nicht groß genug, und die Extended Version der Herr der Ringe-Trilogie hab ich auch schon ewig nicht mehr gesehen...

2 Kommentare:

  1. :-) herr der ringe ... das ist eine gute idee... wenn du abstimmen lassen willst ob herr der ringe oder hausarbeit... ich bin für herr der ringe... die haben doch auch massig szenen in deinem herbstwald gedreht... könnte zumindest sein :-) ... wenn du das nächste mal in diesen wald gehst bitte als aragon oder frodo verkleidet und dann hätte ich gerne wieder bilder ... :-)

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  2. Na dann wünsch ich doch mal gute Besserung!

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