Dienstag, 27. April 2010

Dear Diary...

Liebes Tagebuch!
Heute schreibe ich meinen 50. Beitrag in dein geduldiges Eingabefeld. Diesmal habe ich mir viel Zeit gelassen aber erstens hatte ich wenig Zeit, zweitens ist nicht so viel spannendes passiert und drittens habe ich den Eindruck, dass dich außer mir sowieso kaum noch einer liest. Das könnte vielleicht daran liegen, dass meine Berichte in letzter Zeit etwas ausufernd waren. Dabei schreibe ich doch so gerne, auch noch nach 50 Beiträgen. Hier ist also mein Erlebnisbericht der letzten zwei Wochen...

Die erste Woche nach Florida war erst mal ganz schön stressig. Neben dem üblichen Deutsch-Unterricht den es vorzubereiten galt hat außerdem auch wieder mein Musikgeschichtskurs begonnen, den ich zwei mal in der Woche unterrichte. Dazu hatte ich immer noch etwas mit dem Schlafmangel unserer langen Fahrt zu kämpfen und saß gleich in Woche 1 nach Florida drei mal auf der Softball-Trainerbank. Alle Spiele gingen verloren, aber Spaß macht das Coachen und der Sport trotzdem. Während wir in Florida waren hat in direkter Nachbarschaft von Tante Nancy ein neues familienorientiertes Fitnessstudio aufgemacht. Ganz dreist fragten wir dann ob ich über die Familienmitgliedschaft auch rein kann und siehe da, wir mussten nur vorgeben dass ich bei den Markoviches wohne und schon hatte ich meine kostenlose Mitglieder-Karte in der Tasche und kann jetzt wann immer ich will trainieren und im Schwimmbad schwimmen gehen. Das nutzte ich auch mehrfach aus, ich habe richtig Gefallen daran gefunden. Abwechselnd Kardio mit Rad, Laufen und Schwimmen sowie Gewichte heben tat mir jetzt richtig gut. Schuld daran ist wahrscheinlich zum Teil auch das frühlingshafte Wetter. Inzwischen ist es wieder etwas abgekühlt, aber zumindest schneit es nicht mehr. Man ist ja in Cleveland schon mit wenig zufrieden...
Neben Softball, Fitness und Schule passierte also nicht viel bei mir, eigentlich beide Wochen die ich hier abzudecken gedenke. Bis letzte Woche Freitag jedenfalls. Relativ spontan fragte mich Onkel Bob ob ich Lust hätte auf einen Wochenendtrip nach Chicago. Dort spielte Cousin Luke auf einem Rugby-Turnier und neben den Spielen planten wir auch etwas Zeit zum Sightseeing ein. Da ich fürs Wochenende noch keine Pläne, Luke seit Januar nicht mehr gesehen und Lust auf den Städtetrip hatte musste ich natürlich nicht zwei mal überlegen.
Los ging es am Samstag Morgen um halb 5, wir wollten ja noch etwas vom Tag haben, und nach 5 1/2 Stunden Fahrt waren wir schließlich da. Zuerst ging es zum Soldier Field, dem imposanten Footballstadion der Chicago Bears, das von außen eher klassisch aussieht, aber einen hochmodernen Kern hat. Dort hielten wir aber nur kurz und parkten dann das Auto am Navy Pier, einem Touristenmagneten von dem man (bei gutem Wetter) eine tolle Aussicht auf die Skyline hat. Leider war es ziemlich neblig und so konnte man weder besonders weit, noch die Spitzen der Wolkenkratzer sehen. Schade eigentlich, denn der Willis Tower ist das höchste Gebäude der westlichen Hemisphere, das wäre sicher nett gewesen. Naja, auch so hatte die Stadt ein besonderes Flair und wir spazierten eine Weile durch die Gegend. Chicago ist New York sehr ähnlich, nur nicht ganz so eng bebaut wie Manhattan. Wolkenkratzer so weit das Auge reicht, aber dazwischen breite Straßen alles noch größer in New York, weil ja doch mehr Platz ist. Nach dem Wochenende verstehe ich auch, warum die Amis New York als "europäische" Stadt bezeichnen. Chicago im Mittleren Westen wirkt einfach noch mal ne Runde amerikanischer! Um davon einen Eindruck zu bekommen gibt es meine Bilder hier.
Trotz meiner immer noch kohlenhydratfreien Ernährung gab es zum Mittagessen Chicago Style Pizza, eine Spezialität die man einfach nicht auslassen kann. Und so richtig Pizza war es nicht, eher Pizzakuchen in einer Springform mit hohem Rand und massiver Käse-Füllung. Sehr lecker jedenfalls, aber leider auch sehr füllend! Mehr als zwei Stücke waren da nicht drin. Das war dann auch schon unser Trip nach Downtown und nach dem Mittagessen ging es in einen der Vororte um Luke spielen zu sehen. Eigentlich spielt er für die Miami University (die in Ohio liegt, nicht Florida!), wurde aber für das Ohio-Auswahlteam ausgesucht. Ganz verstanden habe ich das Spiel immer noch nicht, aber ich hatte Spaß Bilder zu schießen und auch das Rugby selbst war recht unterhaltsam. Im ersten Spiel schickten wir Iowa mit 45 zu 12 vom Platz, so war dann auch die Stimmung ganz gut. Nach dem Spiel checkten wir in unser Hotel ein und abends waren wir dann bei einem Geschäftskollegen von Bob zum Essen eingeladen. Bei der sehr netten Familie verbrachten wir den ganzen Abend und Bob versackte irgendwann mit Scotch und Billiard im Keller mit dem Herren des Hauses, ich mit Limonade und Scrabble mit der sehr gut aussehenden Frau (Name: Bunny...). Langer Abend also nach kurzer Nacht, aber zum Glück konnten wir am Sonntag ausschlafen. Nach dem Frühstück noch ein Rugby-Spiel (Sieg gegen Minnesota und damit Gewinn der Meisterschaft im Mittleren Westen) und dann war es auch schon wieder Zeit Abschied zu nehmen, wir hatten ja noch eine Weile zu fahren. Luke ist zum Glück Mitte Mai wieder hier in Sheffield, dann habe ich auch wieder einen gleichaltrigen zum Abhängen. Vorher spielt er aber nächstes Wochenende noch in Kalifornien um die amerikanische Meisterschaft in der zweiten Liga im College-Rugby. Eine ziemlich große Sache in den Staaten, wo College-Sport teilweise wichtiger ist als die Profi-Abteilung. Wenn alles gut geht hat er vielleicht sogar Chancen auf das amerikanische Nationalteam. Bis dahin ist es dann aber noch ein langer Weg.
Nach zwei Rugby-reichen Tagen in Chicago ging es dann aber am Sonntagnachmittag auch schon wieder zurück, auf dem Weg machten wir aber einen Zwischenstopp an der University of Notre Dame in Indiana. Notre Dame ist eine katholische Privat-Uni, eine der renommiertesten des mittleren Westens an der 10,000 Studenten eingeschrieben sind. Der Campus ist wirklich unglaublich und erinnert an eine viktorianische Schlossanlage. Kein Vergleich zu Mainz, es war fast schon frustrierend... Auf dem Campus befinden sich nicht nur die Uni-Gebäude, sondern auch die Sportanlagen der Uni-Teams. Neben Fußballstadion, Baseballanlage und allem was das Herz begehrt gibt es auch ein großes Footballstadion, das über 80,000 Zuschauer fasst und immer ausverkauft ist(!!!). Für deutsche Verhältnisse einfach unvorstellbar! Leider war der Akku meiner Kamera inzwischen leer, so dass ich keine Bilder von Notre Dame vorzuzeigen habe. Über den Link oben könnt ihr aber Bilder auf Wikipedia sehen.

Nach dem Trip-Wochenende sitze ich nun also wieder in der Schule, Softball und das übliche inbegriffen. Am Donnerstag geht es allerdings für eine Nacht mit der ganzen High School (9. bis 12. Klasse) auf "Klassenfahrt" in Opis Hunting Camp. 70 Kids und Lehrer also in zwei nicht allzu großen Häusern. Das dürfte interessant werden und ich hoffe einfach nur, dass es nicht regnet und wir viel draußen sein können.

Sonst gibt es nicht viel zu berichten. Nachdem Opi letzte Woche mal ein bißchen grantiger war als sonst und mir das Autofahren untersagte weil er Angst um seine Versicherung hat, ging es mir eine Zeit lang nicht so gut, ich mag es einfach nicht eingeschränkt zu sein und mich ständig nach anderen richten zu müssen. Inzwischen bin ich aber zumindest für Kurzstrecken wieder mobil und mir geht es auch so wieder besser. Ein kleiner Durchhänger ist wohl ganz normal ab und an. Jetzt sind es aber auch schon weniger als 10 Wochen, die Zeit rast und das Schuljahr hat grad mal noch 6 1/2 Wochen. Ach ja: Seit letzter Woche haben wir hier die Bewerbungen für meine Nachfolge vorliegen. Und ganz CCS-typisch bin ich jetzt für die Auswahl verantwortlich. Immerhin bin ich ja Fachleiter Deutsch...

Ein letztes Anliegen habe ich noch: Meine Freunde aus Mainz arbeiten seit letztem Jahr daran, ein neues Musical auf die Bühne zu stellen. In weniger als 4 Wochen ist Premiere, die Musical Inc. spielt 2010 Rent! Der Kartenvorverkauf hat schon begonnen und die Premieren sind wohl fast ausverkauft. Ich kann allen meinen Nicht-Musical-Freunden nur schwerstens ans Herz legen das Stück zu besuchen, viele werdet ihr von Bildern kennen und ich bin sicher die Produktion ist auch dieses Jahr wieder toll. Auftrittstermine, Details und Infos zum Kartenverkauf gibt es hier.

3 Kommentare:

  1. Ich les hier immer und find's immer wieder gut, also nicht nachlassen! ;) Und sehr cool, dass du deinen Nachfolger selbst aussuchen darfst. :D Der/die geht bestimmt davon aus, dass das irgend so ein super wichtiges Kommitee macht. :D :D

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  2. Ich auch! Wehe, du schreibst nicht weiter! ;-) Grüßle aus der Pfalz!

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  3. ich wünsche mir auch noch weitere Einträge, die 60 bekommst du bestimmt auch noch voll :-)

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