
In Wahrheit beginnt die Schule ja erst morgen, aber heute und gestern habe ich schon zwei volle Tage (und wenn ich voll sage, meine ich voll, und nicht so einen Kinderkram mit zehn nach eins oder so) in der Schule mit Lehrerkonnferenzen zugebracht. Ein paar harte Fakten zur Christian Community School: 170 Schüler (wegen der schlechten Wirtschaft 60 weniger als letztes Jahr), davon 12 aus meiner Gastfamilie. 6 Grundschullehrer (inklusive Kindergarten), 11 Middle- und High-Schoollehrer, viele viele Helfer und viel Herzblut. Wer hier unterrichtet verdient wohl wesentlich weniger im Vergleich zur öffentlichen Schule, aber alle verfolgen hier das Ziel, die bestmögliche (christliche) Bildung zu vermitteln. Die Schule ist sehr familiär (kein Wunder bei der Größe), wird also im wahrsten Sinne des Wortes von ihren Familien getragen. Natürlich wird im Science-Unterricht die Schöpfungslehre gelehrt und Darwin verpönt, gibt es genauso viele Bibel-Kurse wie Fremdsprachen und wird zwei mal die Woche gemeinsam gebetet, aber gut, das ist einfach woran die Familien hier glauben. Jedenfalls arbeitet hier jeder über seine Pflichtstunden und macht einen großartigen Job (das klingt wieder nach einem Anglizismus, Sarah... ;) ). Nun das Problem: Das wird auch von mir erwartet. ;o)
Es ist ja schon etwas besonderes, dass ich überhaupt ohne Anleitung unterrichten darf, aber sie wollen mich hier natürlich auch anderweitig einbinden, weswegen ich wohl außer meinen 15 Stunden Deutsch auch 2 Stunden Musikgeschichte in der Woche unterrichten werde. Deutsch I-III wird jeweils fünfstündig unterrichtet (!), was ich sehr überraschend fand. Wenn morgen die Kids kommen stehe ich jedenfalls erst mal komplett materiallos da, weil es momentan kein Textbuch gibt, weiß nicht, wo die Schüler stehen, was für Methoden gewohnt sind und wie viele ich überhaupt unterrichten muss. Aber auch das ist wohl normal hier, alles geht etwas langsamer, wird improvisiert und ich würde mich nicht wundern, wenn ich als Ausländer auch mal für Englische Literatur einspringe wenn Lauren sich um ihren 5 Monate alten Sohn kümmern muss.

So viel zur Schule. Ansonsten passiert hier noch nicht viel, viel Zeit zum Sightseeing hatte ich noch nicht, aber immerhin hat mich Omi (der Einfachheit halber...) am Sonntag mal zum Eriesee gefahren, der nur 5-10 Autominuten entfernt ist. Das andere Ufer sieht man natürlich bei der Größe nicht, aber man hat gar keinen schlechten Blick auf Downtown Cleveland aus von Sheffield Lake. Für eine Größenvorstellung: Rheinland-Pfalz hat eine Fläche von ca. 7000 km², der Lake Erie hat 2000km2 MEHR als das. Man rudere also von Montabaur nach Germersheim und ist immer noch nicht
vom am anderen Ufer...
Uncle Bob wird mehr und mehr zu meinem Personal Trainer, gestern waren wir biken, heute joggen. Insgesamt vergeht hier kein Tag ohne zumindest einen Teil der Großfamilie zu sehen. Das genieße ich wirklich sehr, so kommt man gar nicht erst auf die Idee, Heimweh zu bekommen weil man ständig von lieben Menschen umgeben ist. Sorry also in die Heimat! (Vermissen, das könnt ihr mir glauben, tue ich euch aber trotzdem...)
Die "Schwalbe" fliegt über den Eriesee, Gischt schäumt über den Bug wie Flocken von Schnee ... :D
AntwortenLöschenAlles Gute für die ersten Schultage! :) Völlig ohne Material zu unterrichten und die Schüler sowie deren Lernstand nicht zu kennen, ist immer furchtbar, aber man gewöhnt sich schnell dran. Und irgendwann wird sicherlich auch mal was Übungsmäßiges zu finden sein.
Übertreibs aber nicht so mit dem Personal Training - nicht, dass noch der gute Resonanzkörper schwindet. ;)
Ach Daniel,
AntwortenLöschengewöhn dich einfach schon mal an das Lehrerdasein... nicht immer muss man 100%ig vorbereitet sein, wer gut ist, der kriegt das auch so hin. Und ich kenne dich, du kriegst das hin!
Sei umarmt und noch viel Spaß, ich bin gespannt auf deine ersten Lehrergeschichten über Kinder, die glauben, Darwin sei ein Spinner. *Oh mein Gott*
Deine Christine
oncel bob -- da muss ich immer an bob ross denken, kennen die den dort?
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